|
Station 1: Panoramablick Höhe: 480 m
Hier befindet man sich auf einer Rumpffläche und
hat einen guten Überblick über die Anomerie im Granitverbreitungsgebiet. Diese
Rumpffläche wurde vorwiegend durch eine flächenhafte Abtragung gebildet,
weiters ist zu bemerken, dass so eine Rumpffläche keinesfalls einförmig
ist. Im Gegenteil sie besitzt eine Reihe von Reliefunterschieden. Die drei
wichtigsten Formenelemente, die sozusagen in diesem Panoramablick den Ton
angeben, sind die Inselberge, die Flachsättel und ein intramontanes Becken.
Station 2: Desquamation, Schalenbildung Höhe: 480 m
Rechter Hand sieht man ein sehr
schönes Beispiel eines mächtigen Granitblockes. Der Granit ist hier vor rund
14 Millionen Jahren im Mittelmiozän in einer Tiefe von rund zehn bis fünfzehn
Kilometern in das umgebende Gestein intrudiert. Durch rasche Hebung und
Abtragung gelangte er an die heutige Oberfläche.
Station 3: Felsburg mit aktiven Basistafoni und subrezenten Tafoni Höhe: 477 m
In der Granitlandschaft sind neben gruppierten
Formen von Wollsäcken auch ganze Felsenburgen zu finden. Das Beispiel bei
Station 3 zeigt einen rund dreißig Meter langen, zehn Meter breiten und acht
Meter hohen Felsendom, der eindrucksvoll die Prozesse der Tafonierung in zwei
verschiedenen Stadien veranschaulicht.
Station 4: Schildkrötenmuster Höhe: 477 m
Auf der rechten Seite der Nebenstraße, an der
nach Südosten exponierten Seite der Felsenburg, kann man ein rund eineinhalb
Meter hohes und zweieinhalb Meter breites Schildkrötenmuster erkennen.
Station 5: Bodenprofil - Rotlehmartiger Paläoböden Höhe: 457 m
| Standort:
Rotlehmartiger Paläoboden
Datum der Aufnahme: 10.4.1999
Witterung:
heiter - wolkig
Profilbeschreibung:
Lage:
557 m über NN, N-exponiert, Neigung: 8°, Antropogener Aufschluß (Straßenbau).
Bewirtschaftung:
Phrygana, Sacropoterium spinosum, Erika
Muttergestein:
Granit
|

Abb. 3: Bleistiftzeichnung – Bodenprofil
1 – rotlehmartiger Paläoboden. Entwurf: Thomas Prinz, 1999.
|
Station 6: Landschaftsökologisches Mosaik in der intramontanen Beckenzone Höhe:
410 m
1. Blick nach NW, bachaufwärts
Hier sieht man, dass die Beckensohle von einer
geschlossenen Strauchflur (Myrthus communis) eingenommen wird. Diese
geschlossene Gehölzform knüpft an Fließgewässer und seitliche
Wasseraustritte an, da diese Pflanzen viel Feuchtigkeit benötigen (diese
Pflanzen sind also Anzeiger für einen feuchten Standort) vgl. Abb.

Abb. 4: Bleistiftzeichnung - Profil des
Intramontanen Beckens, Blickrichtung nach NW (bachaufwärts). Entwurf: Stefan
Pilz, 1999.
Station 7: Bodenprofil: Junge Böden bzw. jetztzeitlich gebildete Böden über
alten Paleoböden Höhe: 416 m
| Standort:
Junge Böden mit Schutttransport über Paläoboden
Datum der Aufnahme: 11.4.1999
Witterung:
heiter – wolkig
Profilbeschreibung:
Lage:
550 m über NN, N-exponiert, Neigung: 15°, antropogener Aufschluss (Straßenbau).
Bewirtschaftung:
extensives Weideland, Phrygana, Erika
Muttergestein:
Granit
|
Abb. 5: Bleistiftzeichnung – Bodenprofil
1 – junger Boden mit Schutttransport über Paläoboden. Entwurf:
Thomas Prinz, 1999.
|
Station 8: Pseudokarst auf Schildinselberg Höhe: 440 m
Auf dem Schildinselberg sind auffällige Formen
erkennbar, die nur durch Lösungsvorgänge erklärbar sind. Die
geomorphologische Formbildung durch Lösungsverwitterung wird als "Verkarstung"
bezeichnet. Übliche Karstformen trifft man in Karbonatgestein an, hier findet
man jedoch Karstformen im Granit, auch "Pseudokarst" genannt.
Station 9: Jünger gewüstete Ackerterrassen Höhe: 440 m
Ackerwüstung:
Der Prozess der Ackerwüstung vollzieht sich auf
alten Regenfeldbauterrassen, auf welchen Brotgetreide angebaut wurde, welches
auf winterliche Regenfälle angewiesen war.
Weiters ist zu bemerken, dass mediteraner Ackerbau
nur durch künstliche Terrassenflächen bewirtschaftet werden konnte. Jede
dieser Terrassen ist durch Trockenmauern getrennt, die häufig den Einbau von
hochkant gestellten, teilweise liegenden Granitquadern, den sogenannte "Aciras",
aufweisen. Zwischen diesen "Aciras" liegen mittelgroße Lesesteine,
die aus den Äckern entfernt wurden. In höheren Mauern sieht man Nischen
eingebaut, in denen früher Keramikgefäße der Imker gelagert wurden.
Zur Zeit des Regenfeldbaus und der Instandhaltung
der Terrassen und Maurern war der Bodenabtrag sehr gering.
Station 10: 1940 aufgelassene Terrassen Höhe: 440 m
Eine schon weiter fortgeschrittene Degradation der
Mauern bzw. Terrassen.
Station 11: Kapelle Ayas Deodokos Höhe: 430 m
Am Rande des kleinen Beckens befindet sich die
Kapelle des Heiligen Ayas Deodokos. Die mit älteren unterirdischen Schutzräumen
ausgestattet wurde. Man vermutet, dass sie als Zufluchtsstätte erbaut wurde.
Die schießschartenähnlichen Durchbrüche in den Mauern der Kapelle zeigen auch
einen wehrhaften Charakter.
Station 12: Kadikia im Becken Höhe: 440 m
Die Kadikia sind ein fixer Bestandteil der alten
Kulturlandschaft auf Tinos. Heute dienen diese aus Steinen gebauten Unterschlüpfe
fast ausschließlich für Ställe. Früher jedoch waren sie auch Aufenthaltsorte
der Bauern, die die Äcker bewirtschafteten. Für gewöhnlich ordnen sich die
Bauten in den Fluchten der Mauern und haben einen hakenförmigen Ansatz. In ähnlicher
Bauweise wurden die "Themonias" (Scheinen) angelegt, wobei das Stroh
durch die Decke in die Bergeräume befördert wurde.
Oft zeigt es sich, dass diese saisonalen Unterkünfte
nach den Befreiungskriegen zu "Monospiti" umgeformt wurden. Als
Streusiedlungen stellen sie einen Gegensatz zu den Sammelsiedlungen der
venezianischen Dörfer dar.
Station 13: Kadikia am Hang
| Wie bereits bei
Station 12 genauer erläutert handelt es sich hierbei ebenfalls um eine
Kadikia. Um eine Vorstellung für die Gebäudestruktur zu erhalten soll
die nebenstehende Abbildung eine kleine Hilfestellung geben.
Bleistiftzeichnung
- Behausung typischer Bauform, genannt "Kadikia" mit offenen
Stallungen. Entwurf: Cornelius Roth, 1999. |
 |
Station 14: rückschreitende Erosion
In der Senke mit Blick Richtung Norden erkennt man
durch rückschreitende Erosion verursachte Stufenbildung und Versteilung des
Hangs.
Sichtbar ist hier die Unterspülung bzw.
Unterschneidung von anstehendem Gestein und Mataderogestein. Es entstehen
Mataderosockel, die bis max. 1,20m den Rinnenboden überragen. Die Geländekante
wird durch die rückschreitende Erosion solange zurückversetzt, bis der
Niveauunterschied ausgeglichen wird (bei gleichbleibenden äußeren Bedingungen).
Solche Prozesse werden durch Viehtritt sowohl
initiiert als auch verstärkt.
Station 15: Wegerosion
Auf dem Maultierweg in Blickrichtung Norden kann
man ein stark reliefiertes und zerschnittenes Gelände erkennen. Durch Rinnenspülung
bzw. Lateralerosion wurde der Mataderountergrund bis zu 1m zur Umgebung
eingetieft. Unter dem Bewuchs bleibt der Matadero länger erhalten. Dabei bilden
sich um die Vegetation zunächst Rinnen und Vertiefungen (Hohlformen) und mit
der Fortdauer der Prozesse der Eintiefung und Unterschneidung schließlich
Vollformen wie Horste und Sockel entstehen lassen. Initiiert durch menschliches
Wirtschaften (Betritt durch Mensch und Tier) läuft der quasinatürliche Prozess
des Oberflächenabtrags ab. An nachstehend abgebildeter Stelle wurde eine
Vermessung des erosiven Abtrags durchgeführt.
 |
|
| Wegerosion
und Rinnenspülung an altem Trampelpfad inklusive Schnittebene.
Quelle: eigene Aufnahme |
Profil durch einen
Trampelpfad (Schnittebene). Entwurf: C. Leidinger, 1999.
|
Station 16: Weingarten
Der in den 80er Jahren planmäßig angelegte
Weingarten wurde mit bodenkriechenden Weinreben maschinell in linear
verlaufenden Furchen bepflanzt.
Wahrscheinlich wegen der ungünstigen Bedingungen
(Trockenheit im Sommer, Durchfeuchtung im Winter, Verlust an Boden durch
Erosion) wurde er Ende der 90er Jahre wieder aufgelassen und ist jetzt mehr oder
weniger sich selbst überlassen.
Station 17: Mataderosockel
Der Granitblock ist in 2 Teile zerbrochen, die
heute in einem Winkel von 70° zueinander stehen. Der Rechte der beiden Teilblöcke
liegt höchstwahrscheinlich in seiner ursprünglichen Lage, was an den kaum
verschobenen Mataderoschichten zu erkennen ist, welche den Granitblock wie ein
Sockel tragen.
Der linke Teilblock hingegen scheint durch die
fehlende Stützkraft des Untergrundes abgebrochen zu sein. Die flache
Bruchstelle deutet auf einen Kernsprung hin. Die bis heute anhaltende
Verwitterung dieser Bruchoberfläche wird nach ihrer Form Schildkrötenverwitterung
genannt. Diese Eintiefungen liegen im Bereich von 10-15cm.
Auf dem Granitblock aufliegend sieht man Überreste
der Schalenverwitterung oder Desquamation, die ebenfalls ähnliche
Abrissflächen aufweisen wie der massive Wollsackblock. Der abgebrochene linke
Teil dieser Schale mit einer Dicke von ca. 1,50m ragt weiter links aus dem Boden.
Der rechte (sichtbare) Mataderosockel ist 90-95cm
mächtig und in seiner Struktur erhalten bzw. nur leicht verschoben, was an den
helleren Aplitadern zu erkennen ist. Das sehr weiche Verwitterungsgestein
Matadero wird abgetragen und so der härtere Wollsackgranit herauspräpariert.
An dieser Station gut nachvollziehbar ist auch wie die Rundung der Blöcke (Wollsackverwitterung)
zustande kommt.
Station 18: Tafoni
| Ca. 15m südwestlich (hinter
der Mauer) sieht man einen nach Norden geöffneten Hohlblock (Tafoni). Man erkennt eine von unten nach oben wirkende Aushöhldynamik
mit zahlreichen individuellen und vergesellschafteten Alveolen (schüsselförmige
Aushöhlungen) unterschiedlicher Dimensionen, von 1cm bis ca. 50 cm. |
 |
Tafoni sind Verwitterungsformen silikatischen
Materials, die häufig an der Basis zum Matadero ansetzen. Durch das vom Boden
aufsteigende Kapillarwasser wird das Mineralgefüge chemisch angewittert. Durch
den folgenden Wechsel von Feuchte und Austrocknung wird das Gefüge zusätzlich
gelockert, (diesen Prozess nennt man Hydratation),
und aus dem Gesteinsverband, unter anderem durch Wind, gelöst. Dieser zerstörende
Prozess der Wollsackblöcke kann manchmal solange andauern, bis nur mehr
Tafoniruinen übrigbleiben. Der Flechtenbewuchs zeigt dabei an, wo die
Tafonierung bereits gestoppt wurde. Tafoni sind vor allem durch ihr markantes
Eigenklima gekennzeichnet, typisch dafür ist der Wechsel zwischen Befeuchtung
und Austrocknung.
Station 19: Abschalungsverwitterung
| In ca. 10m Entfernung Richtung
Westen (hinter den Eichen) ragt ein rund 3m hoher kreisförmiger
Wollsack mit ca. 8m im Durchmesser aus dem Untergrund hervor. Besonders
auffallend ist die darauf liegende zerbrochene, etwa 1 m mächtige
Granitschale, die durch Druckentlastung vom Restblock abgespalten wurde
(= Desquamation). |
|
| |
Bleistiftzeichnung
- Wollsackblock mit Desquamationsschale. Entwurf: Michael Preiner, 1999.
|
Man nimmt an, dass zwischen Schale und Wollsack
eine subkutan entwickelte Verwitterungsschicht bestand. Durch Ausspülung dieser
setzte sich die Schale, zerbrach jedoch dabei (entlang feiner Haarrisse, welche
Schwächelinien in der Gesteinsschale darstellen) in 3 Teile. Dies ist durch das
hohe Eigengewicht und die daraus resultierende steigende Spannungen im Gestein
zu erklären.
Station 19a: windbedingte Baumkronenformung
10m WSW vom Wollsack kann man besonders gut die
Windtätigkeit und auch die Hauptwindrichtung (hier aus Norden) an einigen
Exemplaren der Mazedonischen Eiche (quercus aegilus) erkennen. Diese
weisen gerichtetes Wachstum auf, d.h. sie wachsen hauptsächlich, bedingt durch
die häufigen und starken Winde vorort, in Richtung der Hauptwindrichtung, um
geringstmöglichen Widerstand und damit geringstmögliche Angriffsfläche zu
bieten. Sie bekommen so eine gedrungene Form mit geringer Höhen- aber einer
ungewöhnlich ausgeprägten, asymmetrischen Längsausdehnung in die Windrichtung.
Station 20: Feuchtbiotop - Talboden
| Man überblickt von diesem
Punkt zu beiden Seiten ein periodisch bestehendes Feuchtbiotop (etwa
30x70m).
Größerräumig gesehen handelt es sich
hier (wie schon erwähnt) um ein intramontanes Becken, also um eine
Verebnungsfläche die von Inselbergen umgeben ist.
|
 |
In den Wintermonaten (etwa bis Mai) kommt es in
den tiefen Lagen des Beckens (im Querprofil gesehen) zur Stauung der
Niederschlagswässer und damit zur Entstehung einer Feuchtfläche. Grund dafür
ist das von den Hängen eingeschwemmte Mataderomaterial (bzw. hauptsächlich der
Schluff- und Tonanteil daraus) mit seiner abdichtenden Wirkung. Es besteht genügend
Feuchte für die Tiere, und durch die Feuchte kann sich auch mehr Humus bilden,
was eine Aggradierung des Bodens nach sich zieht und somit auch die
Artenvielfalt begünstigt.
In niederschlagsreichen Perioden reicht so das
Wasser bis über zur ersten Terassenkante; in trockenen Phasen trocknet der Tümpel
allerdings auch wieder aus (jährlich).
Station 21: Rückblick
Wenn man sich an diesem Punkt noch einmal umdreht,
um auf die Granitlandschaft zurückzublicken, gewinnt man eine gute Übersicht
über das "Wollsackgebiet" und all die beschriebenen Formen, wie
Granitfelsburgen, Beispiele von Verwitterungsdynamiken, wie Desquamation und
Tafonierung.
Man sieht aber auch den Eingriff den der Mensch
hier teilweise schon seit Jahrhunderten tätigt:
 | die intensive Nutzung im Becken, erkennbar an
den alten und noch intakten Begrenzungsmauern |
der Viehweiden bzw. des Terrassenfeldbaus;
 | die Rekultivierungsmaßnahmen durch den
Feldfutteranbau oberhalb des Biotops, |
 | den Weingarten |

  
This page was last updated on 12/22/99
.
|