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Geologie des Dachsteingebietes - Christian Leidinger

Einleitung:


Zu Beginn dieser Seminararbeit soll festgehalten werden, daß es sich hierbei  um einen Versuch einer vollständigen Darstellung der Geologie des Dachsteingebirges handelt. Weiters wurde das dargestellte Gebiet nach eigenem Ermessen abgegrenzt und deshalb soll vorab darauf hingewiesen werden, daß auch nach anderen Abgrenzungskriterien das Untersuchungsgebiet umschrieben werden kann.
Es wird in diesem Seminar vor allem auf die geologischen Besonderheiten hingewiesen, außerdem wird der Unterschied zwischen geologischer und morphologischer Betrachtungsweise so wie deren unterschiedliche Erklärungsversuche näher diskutiert.

Die Arbeit enthält neben einer kurzen geographischen Übersicht, die hauptsächlich der Orientierung und Abgrenzung dient, einen geologischen Überblick. Letzterer soll vor allem die großräumigen Verhältnisse wiedergeben so wie die wichtigsten Gesteine und Minerale näher beschreiben. Auch die Stratiegraphie (Schichtenkunde) und die tektonischen Verhältnisse werden nicht unbeachtet bleiben.
Im abschließenden Teil werden die zuvor beschriebenen geologischen Gegebenheiten an lokalen Beispielen verdeutlicht. Für diese Beispiele gaben vor allem die dort auftretenden Erscheinungen den Ausschlag, daß sie für diese Arbeit herangezogen wurden.

Um genauere und vollständigere Einblicke in die Geologie des Dachsteingebirges zu erhalten wird auf die einschlägige Literatur verwiesen.
Dennoch soll diese Seminararbeit die vorrangigsten Themen behandeln und das Interesse für die geologischen Gegebenheiten des Dachsteins wecken.
 
 

1. DIE OSTALPEN IM ÜBERBLICK:

1.1. Aus geographischer Sicht:

Der Alpenkörper ist ein etwa 700km langer Gebirgswall zwischen Wien und dem Genfer See, der im Westen in einem großen Bogen nach Süden schwenkt und am Mittelmeer endet.
Dieser Gebirgszug kann in zwei große Segmente unterteilt werden, den Ost- und Westalpen. Die Grenze dieser beiden kann vom Bodensee über das Rheintal zum Comosee gezogen werden. Die Ostalpen selbst werden wiederum in die nördlichen Kalkalpen, Zentralalpen und südlichen Kalkalpen untergliedert (vergl. Abb.1 und 2).
 

1.2. Aus geologischer Sicht:

Der geologische Bau der Westalpen unterscheidet sich erheblich von dem der Ostalpen. Ein Blick auf die tektonische Übersichtskarte (Abb. 3) zeigt, daß die geologische Abgrenzung beider Einheiten weit schwieriger ist, als die geographische Trennung (Abb. 4). Bestimmte, für die Westalpen typische Gesteinsserien aus der Schweiz ziehen nach Osten weiter und somit setzen sich die Westalpen, im geologischen Sinne, in die Ostalpen hinein fort. Westalpen-Gesteine erscheinen dort nicht nur am Gebirgsnordrand, sondern treten auch in einer Reihe tektonischer Fenster (z.B. Tauernfenster) im Ostalpeninneren zutage.
Geologisch gesehen, lassen sich auch die Südalpen als eigenständiges Bauelement gegen die Ost- und Westalpen abgrenzen. Sie finden nach Westen hin etwa in der Gegend von Torino ihr Ende. Den Nordsaum der Ostalpen bildet die mit dem Schutt der Alpenflüsse aufgefüllte Molassesenke. Ihr südlicher Streifen wurde noch von den gebirgsbildenden Bewegungen erfaßt und in schmale Faltenzüge („Faltenmolasse“) gelegt. Im Süden tauchen die alpinen Ketten dagegen unter die tektonisch unversehrten flachliegenden Molasse-Sedimente der Poebene.
Da sich das Ostalpin nach Westen allmählich heraushebt, wird unter ihm in breiter Front das Westalpin sichtbar. Im Osten verschwinden die Gebirgszüge der Ostalpen, zum Teil an Brüchen abgesetzt, unter die tertiären und quartären Ablagerungen des Wiener und des Grazer Beckens, die als Randbildungen der Ungarischen Tiefebene angehören.
Nur ganz im Osten besteht, am Nordwest-Rand des Wiener Beckens, eine nahezu ununterbrochene Verbindung zu den Karpaten. Wesentliche Veränderungen des Gesteins- und Strukturbildes sind in diesem Übergangsbereich nicht erkennbar.
Die Ost- und Südalpen lassen sich – schematisch – in drei geologisch-tektonische Haupteinheiten gliedern. Über einem bodenständigen autochthonen Vorland (außeralpines Kristallin) liegt zunächst eine weniger weit verfrachtete Deckengruppe, die man als Fortsetzung des Westalpins in die Ostalpen hinein ansehen kann. Darüber schiebt sich die durch einen weit reichenden Ferntransport herangeführte, ortsfremde, allochthone Einheit des Ostalpins (Austroalpin). Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß sich die als Ostalpin bezeichnete geologisch-tektonische Baueinheit nicht mit dem geographischen Begriff Ostalpen deckt.
Im Süden schließt sich an das Ostalpin das Südalpin an. Beide sind durch das lang hinziehende Störungssystem der Periadriatischen Naht getrennt, deren geomechanische Bedeutung indes bis heute noch nicht vollständig geklärt ist. An dieser Bewegungsbahn erfolgt jedenfalls ein merkbarer Wechsel, wenn auch weniger im Gesteinsverband, so doch sehr deutlich im inneren Baustil des Gebirges.

Das Westalpin kann von N nach S in mehrere, teils übereinander, teils hintereinander angeordnete Einheiten untergliedert werden: in das Helvetikum, das Ultrahelvetikum, die Flyschzone und in das Penninikum, das z. B. im Tauernfenster erscheint.
Das Ostalpin kann in ein Oberostalpin und ein Unterostalpin zerlegt werden. Auch diese ursprünglich hintereinander folgenden Einheiten wurden als Decken übereinander gestapelt, wobei die tieferen tektonischen Teile, eben das Unterostalpin, sehr stark ausgewalzt wurden.
Demgegenüber ist die Architektur des Südalpins verhältnismäßig einfach. Hier herrschen Brüche und meist südwärts gerichtete Überschiebungen geringerer Reichweite vor. Ein den Ostalpen im engeren Sinne vergleichbarer Deckenbau fehlt.

Tollmann 1963 nahm eine noch weiterreichende Unterteilung des Ostalpins vor. Er gliederte das Ostalpin nicht in zwei, sondern in drei Baueinheiten. Das Oberostalpin wird von ihm in ein tiefer liegendes Mittelostalpin und höheres Oberostalpin zerlegt.
Zum Oberostalpin gehören die Nördlichen Kalkalpen, die Nördliche Grauwackenzone und einzelne Schollen altpaläozoischer Gesteine auf dem Altkristallin und der Drauzug. Nahezu das gesamte Altristallin der Ostalpen mit dem darauf abgelagerten, Zentralalpinen Mesozoikum, weist Tollmann dem Mittelostalpin zu.
Für die Dreiteilung des Ostalpins gibt es Gründe. Auf das Altkristallin, das heute über das Unterostalpin geschoben ist, transgregierte zunächst das erwähnte Zentralalpine Mesozoikum. Über diesem folgt tektonisch ein oberostalpines Paläozoikum, das seinerseits eine mesozoische Auflagerung trägt.
Man kann diese Dreiteilung regionale und damit grundsätzliche Bedeutung beimessen, kann sie aber auch als eine mehr örtlich bedingte Komplikation im tektonischen Bau betrachten.
Die Zweiteilung des Oberostalpin in ein Mittelostalpin und ein höheres Oberostalpin ist in der Fachwelt zwar anerkannt und üblich, dennoch wird zwecks der Vereinfachung in den folgenden Ausführungen an der Zweiteilung festgehalten.
 

1.2.1. Geologische Ostalpengliederung:

Zunächst werden die geologischen Zonen der Ostalpen überblicksmäßig charakterisiert (vergleiche dazu auch Abb. 5 und Abb. 6).

Die nördliche Molassezone:
Sie reicht etwa vom heutigen Donautal im Norden bis zum Nordrand der Nördlichen Kalkalpen im Süden. Die Molassezone ist aus Sedimentgesteinen aufgebaut und bildet einen circa 5000m tiefen Trog, der im Süden noch weit unter die nördlichen Kalkalpen reicht. Im Verlauf der Gebirgsbildung wurde der Südteil der Senke zusammengeschoben und gefaltet und es entstand die Faltenmolasse. Im Gegensatz dazu blieb weiter nördlich im Bereich der Vorlandmolasse die ursprünglich horizontale Lagerung der Sedimente weitgehend erhalten.
Die Schichtfolge der Molassesenke reicht vom Obereozän bis ins Pliozän und umfaßt im Wechsel marine, brackische und terrestrische Ablagerungen, wobei im Westen die terrestrischen, im Osten die marinen Sedimente vorherrschen. Man findet Tonmergel, Sand und Sandsteine, örtlich Einschaltungen von Kohleflözen, und vor allem im Westen mächtige Konglomerate. Im Norden sind unverfestigte Schotter weit verbreitet.
Erdölbohrungen gaben Aufschluß, daß der alpine Überschiebungsbau weit nach Norden vorgreift und Molassesedimente noch südlich der Flyschzone unter den Nördlichen Kalkalpen zu finden sind. Die Sedimente selbst liegen auf Gesteinen der helvetischen Zone und auf der südlichen Fortsetzung des Kristallins der Böhmischen Masse.

Helvetikum und Ultrahelvetikum:
Helvetische Gesteine treten in einer breiten Zone aus der Schweiz ins Allgäu über und ziehen am Nordrand der Flyschberge in einem immer schmaleren Streifen nach Osten weiter, bis sie in der Landschaft kaum mehr in Erscheinung treten. Es sind marine Sedimente (Oberjura bis Obereozän), die von ihrem ursprünglichen Ablagerungsraum weiter im Süden tektonisch abgeschert und weit nach Norden über die Molasse geschoben wurden. Im Allgäu und in Vorarlberg werden sie bis zu 1000m mächtig, schrumpfen aber nach Osten auf 100-200m zusammen. Im Raum Salzburg verschwinden sie fast ganz.
Zwischen der Helvetikum-Zone und dem Flysch ist das Ultrahelvetikum eingeschaltet. Die Ablagerungen dieser Zone – mittlere bis höhere Kreide und Alttertiär – zeigen teilweise Ähnlichkeit mit dem Helvetikum, teilweise aber auch mit dem Flysch. Tonig-sandige Gesteine dieser Serie werden auch als Buntmergel, sandig-konglomeratische als Wildflysch bezeichnet. Sie sind in der Regel an der Basis der mächtigen Flysch-Decke bis aufs äußerste tektonisch ausgewalzt und meist nur mehr in ganz kleinen Resten auffindbar.

Die Flyschzone:
Über dem Ultrahelvetikum folgt die Rhenodanubische Flyschzone. Sie reicht vom Nordpenninikum der Schweizer Alpen ohne Unterbrechung bis zu den Karpaten und stellt tektonisch, wie auch ihrem Gesteinsinhalt nach, eine klar abgrenzbare Einheit dar. Die fast ausschließlich klastischen Flyschgesteine reichen von der höheren Unterkreide bis in das Alttertiär, sind meist sehr mächtig, aber außerordentlich arm an Fossilien. Die Gesteine der Flyschzone wurden während der Gebirgsbildung von ihrer ursprünglichen Unterlage abgelöst und weit nach Norden, auf die Molasse, überschoben. Das überfahrene Helvetikum und Ultrahelvetikum kommt unter der Flyschdecke in mehreren Fenstern zum Vorschein. Typisch für die Flyschzone sind sanfte Bergformen, deren tonreiche Gesteine zu Hanggleitungen neigen.

Die Nördlichen Kalkalpen:
Die Nördlichen Kalkalpen erstrecken sich von Vorarlberg bis Wien, meist mit schroffen Kalk- und Dolomitwänden südlich an die weicheren Formen der Flyschzone aufsteigend.
Unter den mächtigen Sedimentfolgen (Perm bis Jungtertiär) der Nördlichen Kalkalpen spielen die Kalke und Dolomite der Trias die weitaus bedeutendste Rolle. Es handelt sich vor allem um Flachwasserablagerungen mit Riffen, denen gegenüber klastische Gesteine zurücktreten. Bekannte Kalkgipfel sind unter anderem die Parseier Spitze in den Lechtaler Alpen, die Zugspitze, der Watzmann, der Dachstein und der Schneeberg. Der Jurazeit entstammen bis 1500m dicke kalkig-tonige Beckensedimente und etwa gleichalte, aber stets geringmächtigere bunte Kalke, die auf untermeerischen Schwellen abgelagert wurden. Riffgesteine sind selten, fehlen aber im höheren Jura nicht völlig.
Mit der Unterkreide endet die geschlossene Ablagerungsfolge der Nördlichen Kalkalpen. Die mittlere, vor allem aber die höhere Kreide, die sogenannte Gosau (wird in einem nachfolgenden Kapitel noch näher erläutert), greift über verschieden alte Schichten über und ermöglicht damit die zeitliche Einordnung der ersten bedeutenden gebirgsbildenden Bewegungen (vergleiche Abb. 7).
Auch das Tertiär liegt diskordant auf älteren Gesteinen, besitzt aber, sieht man von den inneralpinen Tertiärbecken im Osten einmal ab, nur geringe Verbreitung.
Das tektonische Bild der Nördlichen Kalkalpen wird von einem intensiven Falten-, Schuppen- und Deckenbau beherrscht. Dabei überwiegt im Westen die Faltung, die in Schuppen und Decken übergeht, während in den mittleren Kalkalpen, etwa im Salzburger Raum, mehr schollenartige Überschiebungen vorherrschen. Ganz im Osten der Kalkalpen, in Niederösterreich, kommt es wieder zu stärkerem Falten- und Schuppenbau.
Die Überschiebung der Kalkalpen als Ganzes auf den Flysch ist vor allem in Ober- und Niederösterreich klar zu erkennen. Das wird besonders deutlich in den tektonischen Fenstern östlich von Salzburg (Wolfgangseefenster, Fenster von Windischgarsten), in denen der Flysch und das Ultrahelvetikum bis zu 25km vom Nordrand der Kalkalpen entfernt, unter dem Oberostalpin zum Vorschein kommen.

Die Nördliche Grauwacken-Zone:
Die schroffen Kalkmassive der Nördlichen Kalkalpen werden im Süden von der Nördlichen Grauwacken-Zone abgelöst, eine Landschaft die sich durch bewaldete oder mit Alpenmatten bedeckte Bergrücken auszeichnet. Da die altpaläozoischen Schiefer und Grauwacken der Abtragung einen geringeren Widerstand entgegensetzen als der Kalk, entstand hier ein weit ausgeglicheneres Relief.
Die Gesteinsserien reichen vom Ordovizium bis in das Oberdevon (vergl. Abb. 7) und stellen die ursprüngliche Unterlage der Nördlichen Kalkalpen dar, die mit Breccien, Konglomeraten und Sandsteinen des Oberkarbons und des Perms direkt auf das gefaltete und zum Teil schon wieder abgetragene Altpaläozoikum transgredieren. Die Grauwacken-Zone muß daher tektonisch ebenfalls zum Oberostalpin gerechnet werden. In den östlichen Ostalpen ist sie allerdings in eine Obere und eine Untere Grauwacken-Decke zerlegt.
Die meist schwach metamorphen paläozoischen Schichten erhielten gegen Ende des Unterkarbons durch die variszische Gebirgsbildung (vergl. Abb.7) ihre tektonische Ausprägung. Daraus folgt, daß die jungpaläozoische Gebirgsbildung vor allem in den Zentralalpen eine erhebliche Rolle spielte.
Die an der Wende Ordovizium/Silur aufgedrungenen Quarzporphyre sprechen dafür, daß bei der Kaledonische Orogenes auch im Raum der heutigen Alpen tektonische und magmatische Prozesse im Gange waren (vergl. Abb. 7). Die mit der variszischen Faltung verbundene Metamorphose wandelte diese Vulkanite später in Porphyroide (verschieferte Quarzporphyre, Porphyrite) um.

Das Unterostalpin:
Unter dieser Bezeichnung versteht man eine Reihe von Schuppen und Schollen-Zonen, die tektonisch zwischen das Oberostalpin und das tiefer liegende Penninikum eingeschaltet sind.
Das typische Gestein für diese Zone ist der Quarzpyllit, der vieler Orsts Verwandtschaft zu den benachbart liegenden Schichten zeigt.

Das Penninikum (des Tauernfensters):
In den Hohen Tauern und in den Zillertaler Alpen sowie im Unterengadin ist im Gefolge lokaler Aufwölbungen des tieferen Untergrundes die Abtragung der höheren Decken bereits soweit fortgeschritten, daß unter dem Ostalpin westalpine Bauelemente sichtbar werden.
Die variszische Gebirgsbildung (vergl. Abb. 7) bewirkte eine starke Faltung und Metamorphose, in deren Verlauf eine Migmatisierung, d. h. eine telweise Aufschmelzung des Gesteinsbestandes einsetzte und granitische bis tonalitische Magmen aufdrangen. Sie bilden heute zusammen mit den Migmatiten große Teile der penninischen Zentralgneise.
In alpidischer Zeit nahm die geschichtliche Entwicklung des Penninikums im Tauernfenster etwa folgenden Verlauf: Über dem bei der Abtragung freigelegten Sockel des variszischen Gebirges breiteten sich geringmächtige Perm-, Trias- und Jura-Unterkreide-Sedimente aus. Südlich dieses Sockels, der sogenannten Zentralgneisschwelle, entstand im Jura ein tieferes Meeresbecken, in dem kalkige bis sandige Mergel in großer Mächtigkeit abgelagert wurden. Aus diesen wurden im Verlauf der alpidischen Metamorphose die Bündner Schiefer, die jenen der Schweizer Alpen bis ins Einzelne gleichen. Sie enthalten basische bis ultrabasische Vulkanite, die unter dem Begriff Ophiolithe zusammengefaßt werden.
Die in der Kreidezeit einsetzenden Erdkrustenbewegungen führten zu starker Durchbewegung all dieser Gesteine und einer Metamorphose, die als Tauernkristallisation bezeichnet wird. Sie endet erst im Tertiär. Das Ergebnis ist ein mächtiger Deckenstapel, in dem Teile des alten Kristallins, die Habachserie und vor allem die Bündner Schiefer als Schieferhüllen über die Zentralgneis-Kerne gewölbt wurden.
Gipfel wie der Olperer und der Großvenediger sind aus Zentralgneisen aufgebaut, während der Großglockner (3797m), der Oberen Schieferhülle angehört.
Vielfach wird auch die Flyschzone der Ostalpen zum Penninikum im weiteren Sinne gerechnet, da sie tektonisch gleichfalls unmittelbar an der Basis der Ostalpinen Decke liegt.

Das Oberostalpine Altkristallin:
Diese, teils hochmetamorphen Gesteinserien bestehen aus Migmatiten, Amphiboliten, Ortho- und Paragneisen, Glimmerschiefern und Quarzphylliten und erhielten ihr tektonisches Gepräge ebenfalls im Verlauf der variszischen Gebirgsbildung. Auf dem Kristallin sind an zahlreichen Stellen auch Reste der ursprünglichen Sedimentbedeckung erhalten. Es sind permo-mesozoische Serien, die, bei geringerer Mächtigkeit, gleichalten Gesteinen der Nördlichen Kalkalpen weitgehend ähneln. Sie werden als Zentralalpines Mesozoikum bezeichnet.
 

1.2.2. Mechanik und Ursachen der Gebirgsbildung:

Nach den unterschiedlichsten Theorien (Schraubstock-, Wurzelzonen- und Verschluckungszonentheorie) entwickelte Wegener 1912 die Vorstellung, daß die Kontinente sich weiträumig verschieben. Seine Gedanken waren zunächst abgelehnt worden. Erst die bahnbrechenden Ergebnisse der geowissenschaftlichen Ozeanforschung haben dann aus den Elementen der Kontinental-Verschiebungstheorie einerseits und der Unterströmungslehre andererseits in der Mitte der 60er Jahre die Theorie der Plattentektonik entstehen lassen.
Das alpine Gebirgssystem ist demnach durch die Annäherung und den Zusammenstoß Eurasiens und Afrikas entstanden. Den Baustoff für die entstehenden Gebirge lieferten dabei ozeanische Becken und vor allem die Ablagerungen flacher kontinentaler Schelfmeere.

Die Europa und Afrika ursprünglich trennende Meereszone bestand nicht aus einem einzigen ozeanischen Becken, vielmehr dürfte ein Schwarm kontinentaler Schollen und zwischen gelagerter Meeresbecken die beiden Großkontinente voneinander getrennt haben. Bei deren Annäherung könnten sich Systeme nacheinander entstehender Subduktionszonen gebildet haben, die bald nach Norden, bald nach Süden eintauchten.
Allein für die Alpen nimmt Trümpy wenigstens drei solcher Zonen an. Da die Gebirgsbildung in den Alpen etwa gegen Ende der Kreide begann und über 80 Millionen Jahre anhielt, und die Teilbereiche des entstehenden Gebirges nicht zur gleichen Zeit, sondern nacheinander von der Deformation erfaßt wurden, sind mehrere altersverschiedene, einander ablösende Subduktionszonen anzunehmen (vergl. Abb. 8).
Die Alpen sind also das Ergebnis einer gigantischen Kollision zweier Kontinentalschollen. Vereinfacht läßt sich sagen, daß die ost-südalpinen Sedimente einem gegliederten Schelfmeer am Nordrand Afrikas entstammen, während die helvetische Zone im weiteren Sinne dem europäischen Kontinentalsaum angehörte. Manches spricht dafür, daß Teile der dazwischenliegenden Sedimente und Vulkanite auf ozeanischer Kruste abgelagert wurden.
Unter der Wirkung der von Süden oder Südosten heranrückenden afrikanischen Platte wurden die zwischen den beiden Großkontinenten liegenden Kleinplatten zusammengepreßt, und ozeanische Teilstücke an Subduktionszonen versenkt. Dabei lösten sich in manchen Zonen die Deckensediment von ihren kristallinen Fundamenten und glitten als Decken übereinander. Andererseits wurden auch ozeanische Krustenteile auf kontinentale Elemente geschleppt (Obduktion). Die Entstehung der Alpen im Sinne der Plattentektonik kann man dann wie im Schema der Abbildung 9 darstellen.
 

2. DER DACHSTEIN:

2.1. Aus geographischer Sicht:

Aus geographischer Sicht kann man die nördliche Abgrenzung der Dachsteingruppe mit dem Gosaubachtal, dem Hallstättersee und dem Trauntal ziehen. Die westliche Grenze verläuft entlang des Gosaubeckens über die Zwieselalm und die Großwand bis zur Großen Bischofsmütze. Im Süden begrenzt die Ramsau das Massiv. Über Gröbming entlang dem Ennstal geht es dann bis zum östlichsten Punkt der Dachsteingruppe, dem Grimming (vergl. Abb. 10).

2.2. Geologischer Überblick:

Die Dachsteingruppe ist Fast vollständig Teil der Nördlichen Kalkalpen, lediglich der Südrand gehört zur Grauwackenzone.
Der Kalkalpine Anteil besteht aus Trias-, Jura- und Kreidegesteinen, und zwar ist hier – wie fast überall in den Kalkalpen – der weitaus größte Teil des Gebirges aus Triasgesteinen aufgebaut. Die Werfener Schichten (Quarzite und Werfener Schiefer) der Untertrias bilden felsarme, mit Vegetation bedeckte Berge ähnlich wie die Phyllite der Grauwackenzone. Erst mit der Mitteltrias beginnen felsbildende Gesteine, so daß die große morphologische Grenze zwischen schroffen Felsbergen im Norden und bewaldeten oder mit Alpenmatten bedeckten Bergrücken im Süden nicht mit der Grenze zwischen Grauwackenzone und Nördlichen Kalkalpen zusammenfällt, sondern an der Grenze zwischen Unter- und Mitteltrias gelegen ist.
Die Kalke und Dolomite der Mitteltrias (Anisische und Ladinische Stufe) bauen fast gänzlich den Mandlingzug auf und spielen sonst nur in den Südwänden der Dachsteingruppe eine größere Rolle (Scheichenspitze, Raucheck).
Das Hauptgestein des Gebietes ist der Dachsteinkalk (Obertrias, Norische und Rhätische Stufe). Innerhalb des Dachsteinkalkes sind zwei gleichalte Ausbildungen zu unterscheiden: der geschichtete Dachsteinkalk und der ungeschichtete, aber von zahlreichen lotrechten Klüften durchsetzte Dachsteinriffkalk. Auf dem Gegensatz zwischen diesen beiden Gesteinen beruht der sehr auffallende Unterschied zwischen dem in unzählige Felszacken aufgelösten Gosaukamm (Dachsteinriffkalk) und den mehr massigen Bergformen der eigentlichen Dachsteingruppe (geschichteter Dachsteinkalk). Diese beiden Arten des Dachsteinkalkes gehen allmählich ineinander über.
Die Juragesteine bilden geringmächtige und sehr kleine Flächen bedeckende Auflagerungen auf dem Dachsteinkalk. Nur der Plassenkalk des oberen Malm (vergl. Abb. 7) baut selbstständige Gipfel auf (Plassen, Rettenstein).
Unterkreide fehlt gänzlich. Die Oberkreide ist in der Fazies der Gosauschichten entwickelt, welche aus leicht verwitterbaren Konglomeraten, Sandsteinen und Mergeln bestehen und daher dort, wo sie größere Flächenräume einnehmen, wie im Becken von Gosau, eine felsenlose, größtenteils bewaldete Landschaft bilden, die in sehr auffallenden Gegensatz steht zu den Felsbergen der Umgebung, die aus Trias- oder Malmkalken bestehen.

In tektonischer Hinsicht von oben nach unten kann man innerhalb der Trias- und Juragesteine der Dachsteingruppe drei große Einheiten unterscheiden:
1. Die Deckenschollen der Hallstätter Decke
2. Die Dachsteinmasse
3. Die Werfener Schuppenzone

Die Hallstätter Decke liegt auf der Dachsteinmasse, die Werfener Schuppenzone tritt an der Südseite der Dachsteingruppe unter der Dachsteinmasse zutage.
Die Dachsteinmasse ist eine im allgemeinen gegen Norden einfallende, sehr mächtige Triasplatte mit  geringmächtigen Juraauflagerungen. Die Werfener Schichten stehen wohl nur mehr dort, wo die oberen Grenzschichten entwickelt sind (Dachstein- und Scheichenspitzsüdwand) noch im halbwegs ungestörtem Verbande mit der Mitteltrias, sonst ist die Untergrenze der Mitteltrias überall eine Schubfläche. Die Mitteltrias zeigt einen sehr mannigfaltigen Fazieswechsel in der Richtung von Westen gegen Osten. Nur im Westen, im Gebiet der Bischofsmütze, ist infolge des Auftretens fossilführender Lunzer Schichten eine sichere Abtrennung von der Obertrias möglich, in der Mitte und im Osten liegt diese Grenze wahrscheinlich zwischen den hellen, als Wetterstein bezeichneten Kalkmassen der Scheichenspitzgruppe und den als Hauptdolomit betrachteten Dolomitmassen, die den Dachsteinkalk unterlagern. Für die gesamte Dachsteinmasse ist der Dachsteinkalk beherrschend, und zwar überwiegt im Westen der Dachsteinriffkalk, im Osten der geschichtete Dachsteinkalk.
Die Dachsteindecke erscheint als eine überdimensionale, tektonisch wenig gegliederte Deckscholle zwischen der Kattrin SW Bad Ischl im Norden, dem Grimming-Pfeiler im Osten, dem Gosaukamm im Westen und dem Südabstürzen des Hohen Dachstein-Scheichenspitz-Zuges im Süden, durch die tiefe Gosaubucht des klassischen Gosaubeckens in zwei Teillappen gegliedert (vergl. Abb. 12).
Der nördliche Lappen, die Gamsfeldgruppe, stellt eine große, an der Überschiebungsfläche über den Ischler Hallstätter Schollen diskordant abgeschnittene Antiklinale dar, in deren Längsachsenrichtung im Weißenbachtal westlich von Goisern der Ramsaudolomit als Gewölbekern breit angeschnitten ist. Der westliche Teil dieses Gewölbes, die Braunedelkopfscholle, ist durch die Rinnbach-Plattenverschiebung um 3km nach Süden versetzt. Die Front der Decke ist durch eine schöne Stirneinrollung des Dachsteinkalkes gegen NW in der Braunedelkopf-Stirnfalte und gegen Norden in der Kattrin gegeben. Das Gosaubecken im Süden der Gamsfeldscholle wird nicht nur durch Bruchlinien, sondern auch durch die südvergente Gamsfeld-Überschuppung abgegrenzt.
Die Füllung des Gosaubeckens mit einer Mächtigkeit von circa 3km lagert transgressiv übergreifend über der Dachsteindecke ebenso wie über den Hallstätter Schollen (Plassen, Lammereinheit), so daß der Ferntransport der Teileinheiten jedenfalls vorgosauisch erfolgt ist. Das Gosaubecken selbst wird im Inneren durch die Rußbach-Antiklinale im Norden und durch eine Reihe von Brüchen gegliedert, außerdem von NW (Gamsfeld-Überschuppung) und SW (Zwieselalm-Überschiebung) her randlich schwach überfahren.
Der Südlappen der Dachsteindecke südlich der Gosaubucht weist einfachen Bau auf. Der westlichste Teil, der Gosaukamm, stellt eine mächtige, mäßig gegen Westen fallende Dachsteinriffkalkplatte dar, die durch die Rechtsseitenverschiebung der Reißgangstörung vom Hauptkörper der Decke abgetrennt und etwa 8km weit gegen NW vorgeschoben ist. Unter der Dachsteinkalkmasse des Gosaukammes kommt in der steil abgeschuppten Bischofsmützenschuppe noch die Triasserie bis zum Mitteltriasdolomit zutage. In diese Schuppe der Dachsteindecke spießen kleinere Hallstätter Kalk-Späne ein, die man als tektonische Schollen bezeichnen kann.
Die Hauptmasse der Dachsteindecke östlich der Reißgangstörung enthält den geschichteten Dachsteinkalk, in der auch der Gipfel, der Hohe Dachstein, liegt. Diese ursprünglich etwa 1500m mächtige Dachsteinkalkplatte sinkt vom ganz an den Südrand geschobenen Gipfel des Hohen Dachsteins (2995m) durch konstantes Nordgefälle bis unter den Hallstätter See im Norden ab. Im Grimming zeigt diese Decke am Nordrand ein bis zur überkippten Stellung des geschichteten Dachsteinkalkes geformtes Stirnschanier. Das Dachsteinplateau selbst ist durch zahllose, besonders der Diagonalrichtung folgende Bruchlinien durchzogen. In den Südabfällen des Plateaus und oberhalb der Ramsau sind die älteren Schichtglieder exponiert, vom Werfener Schiefer über Anisdolomit, Steinalm/Wetterstein/Tisovec-Kalk und Hauptdolomit zum Dachsteinkalk empor. Am Südabfall 20km weit im Ladin (vergl. Abb. 7) erfolgte eine stratigraphische Hallstätter Kalk-Einschaltung, die einen klaren Hinweis auf die einstige Existenz eines Hallstätter Südkanals südlich der Dachsteindecke liefert.

Vor Ablagerung der Gosauschichten wurde aus einem Raum, der von dem in der Dachsteinsüdwand aufgeschlossenen Schichtkopf der Dachsteinmasse durch das Ablagerungsgebiet der Werfener Schuppenzone getrennt war, die Hallstätter Decke auf die Dachsteinmasse aufgeschoben, von welcher vor allem die in einer W-O streichenden Mulde gelegene Deckscholle der Plassengruppe erhalten geblieben ist. Daß die Überschiebung der Hallstätter Decke schon vor Ablagerung der Gosauschichten erfolgte, kann man insofern beweisen, daß die Gosauschichten im Bereich des Brieltales mit Grundkonglomeraten die Grenze zwischen Dachsteinmasse und Hallstätter Decke diskordant überlagern. Der Rettenstein ist wahrscheinlich eine im Süden zurückgebliebene Scholle der Hallstätter Decke.

Die Werfener Schuppenzone besteht aus einer Anzahl sich zum Teil im Streichen ablösender Schuppen, welche durch südgerichtete Überschiebungen entstanden sind. Daß die Bildung dieser Schuppen erst nach Ablagerung der Gosauschichten erfolgt ist, zeigen die von Meier 1936 entdeckten Aufschlüsse am Hühnerkogel in der Ramsau, wo fossilführende Gosauschichten von Werfener Schiefern überschoben werden (vergl. Abb. 11). Die südlichste Schuppe ist der Mandlingzug, dessen Triasgesteine steil gegen Norden unter die Pinzgauer Phyllite einfallen. Die Grauwackenzone des Roßbrandzuges gehört somit in Bezug auf die nachgosauische Tektonik zur Werfener Schuppenzone (= erste nachgosauische Phase). Jünger als die gegen Süden gerichteten Überschiebungen der Werfener Schuppenzone ist die gegen den Reißgang zu in einen vertikalen Bruch übergehende Zwieselalmüberschiebung, an der Triasgesteine auf die Gosauschichten des Beckens von Gosau gegen Norden aufgeschoben sind (= zweite nachgosauische Phase) (Spengler 1952).

Die jüngsten Störungen sind Brüche. Ein NO und ein NW streichendes Bruchsystem beherrscht den mittleren und westlichen Teil der Dachsteingruppe und prägt sich auch sehr deutlich in den morphologischen Verhältnissen aus. Die Bruchbildung dauerte noch bis ins Pliozän an (vergl. Abb. 7).
 
 
 

3. AUSGEWÄHLTE GEBIETE:

Die Gründe für die Auswahl dieser Gebiete sind einerseits ihre Einzigartigkeit und andererseits ihre Typuslokalität. Das Plateau und den Nordabhang des Dachsteins kann man als Kernstück der Dachsteingruppe bezeichnen. Das Gosaubecken wurde aufgrund seiner Einzigartigkeit seiner Entstehung und Vielzahl vorkommender Schichten ausgewählt. Ein Vorkommen von Augensteinen ist typisch für den Dachstein und kann deshalb nicht unbeachtet bleiben.
 

3.1. Gosaukamm und Rettenstein:

Zur Lage und Gesamtdarstellung des Gosaukamm und Rettenstein vergleiche Abb. 12 und Kapitel 2.
 

3.1.1. Stratigraphie:

1. Untertrias:
a. Quarzitische und grüne Werfener Schichten. Die quarzitischen Werfener Schichten sind weiße bis grünliche Quarzite mit feinen Glimmerplättchen auf den Schichtflächen. Da sie schwerer verwittern als die Werfener Schiefer, bilden sie im Vergleich mit diesen deutliche Härtlinge, so den Zug der Gsengplatten, die Hacklplatten (1546m) und das Wurmegg (1408m). Trotz der Härte des Gesteins fehlen Felsbildungen im Bereich der quarzitischen Werfener Schichten fast gänzlich.
b. Werfener Schiefer. Rotviolette, seltener graugrüne Tonschiefer, die in der Regel auf den Schichtflächen reichlich mit hellem Glimmer (Muskowit) bestreut sind. Werfener Schiefer treten nur im Hangenden der Quarzite auf. Da sie sehr leicht verwittern, bilden sie weiche Gehängeformen und nördlich des Quarzitzuges sattelförmige Vertiefungen in den N-S ziehenden Bergrücken (Wiesenhöhe (1527m) im Hofpürglrücken, Sulzenhals (1827m) nördlich Rettenstein).
c. Gips. In die oberen Werfener Schichten sind nicht selten kleine Massen von weißem und gebändertem Gips eingeschaltet. Der Gips steckt meist in grünlichem Ton (Haselgebirge).

2. Mitteltrias (Anisische und Ladinische Stufe):
a. Rauhwacke. Über den Werfener Schichten liegen gelbliche oder graue Rauhwacken, die schon aus der Ferne durch ihre gelbliche Farbe auffallende, rauhe Felswände bilden. Man kann diese Rauhwacke als „Saalfeldener Rauhwacke“ und somit als ein Schichtglied der Anisischen Stufe betrachten. Diese Rauhwacken treten hauptsächlich an drei Stellen auf: Hagenalm, Marchegg und Rettenstein (in 1600m Höhe an der West- und Südseite).
b. Gutensteiner Kalk. Dunkler, geschichteter Kalk.
c. Gutensteiner Dolomit. Dunkler, geschichteter Dolomit.
d. Reiflinger Kalk. Bei der Zwieselalpe handelt es sich um einen hellgrauen Hornsteinknollenkalk, wobei die obersten Komponenten breccien- und konglomeratartig sind, das heißt das Geröll besteht aus Kalk und als Bindemittel dient Dolomit.
e. Wettersteinkalk. Massiger, heller Kalk.
f. Ramsaudolomit. Ungeschichteter, heller Dolomit.

3.  Karnische Stufe:
a. Zwieselalmfazies. Halobienschiefer (= Reingrabner Schiefer), schwarze Tonschiefer. Sie enthalten Fossilien von Salzwassertieren (Halobiont = Lebewesen, die auf salzhaltige Lebensstätten angewiesen sind). Über den Halobienschiefern liegen geschichtete Hornsteinkalke und Hornsteindolomite in Wechsellagerung mit Mergelbänken.
b. Bischofsmützenfazies (Cidaritenschichten). Schwarze Tonschiefer in Wechsellagerung mit dünnbankigen, zum Teil oolithischen schwarzen Kalken.

4.  Norische und Räthische Stufe:
a. Hauptdolomit. Der oberkarnische Hornsteinkalk der Zwieselalpe geht gegen oben in typischen grauen Hauptdolomit über, der die Zwieselalmhöhe (1585m) und das Törleck (1621m) aufbaut. In ähnlicher Weise werden die Cidaritenschichten der Bischofsmützenscholle von Hauptdolomit überlagert, der den Leckkogel (2030m), den Steiglkogel (2203m) und den Mitterkogel (2125m) aufbaut. An der Bischofsmütze wird er besonders in der Südwand mit einer sehr scharfen Grenze von Dachsteinriffkalk überlagert, der hellere, steilere und glattere Wände bildet.
b. Dachsteinriffkalk. Graue, massige Kalke, die an sehr vielen Stellen auf der verwitterten Oberfläche massenhaft Korallen erkennen lassen. Die Farbe des Dachsteinriffkalkes ist meist etwas dunkler als diejenige des geschichteten Dachsteinkalkes. Nur in einem Fall, am Südhang des Zahringkogels, zeigt der Dachsteinriffkalk mehrere parallele Fugen, die wahrscheinlich eine Andeutung von Bankung darstellen. Sonst sind nur sehr zahlreiche, in der Regel vertikale Klüfte vorhanden, auf die die Auflösung des Gosauer Kammes in unzählige Felstürme zurückzuführen ist. Die im Gosaukamm aufgeschlossene Mächtigkeit des Dachsteinriffkalkes dürfte mindestens 800m betragen. Die viel größere Mächtigkeit der Dachsteinriffkalke im eigentlichen Gosaukamm im Vergleich mit der Bischofsmützenscholle hat zwei Ursachen: 1. Am Gipfel der Bischofsmütze ist sicherlich ein beträchtlicher Teil des Dachsteinriffkalkes abgetragen. 2. An der Bischofsmütze ist der tiefere Teil der Norischen Stufe als Hauptdolomit entwickelt, im eigentlichen Gosaukamm aber bereits als Dachsteinriffkalk.
c. Zlambachschichten. Graue Mergel, zum Teil mit dunkleren Mergelkalkbänken wechsellagernd. Sie weisen einen großen Reichtum an schön erhaltenen Korallen auf. Die Zlambachschichten bilden zwischen den Kalk- und Dolomitmassen ein weiches, quellenreiches Wiesengelände. Zwei Hauptvorkommen: Auf der Edalm und am Törlecksattel.
 

5.  Lias:
Diese Gesteine der Juraformation treten praktisch nur am Süd- und Westhang des Rettensteins auf. Hier gibt es einerseits die Lias-Fleckenmergel, etwa 60m mächtige, graue Fleckenmergel und –kalke und andererseits die Mittelliasmergel, rote Mergel und Mergelkalke mit 5-6m Mächtigkeit. Beide enthalten eine gut erhaltene Fauna des Lias und sind deshalb relativ präzise zu datieren.

6. Malm:
a. Radiolarite. Über dem roten Mittelliasmergel liegen an der Südseite des Rettensteins 2m mächtige, rote, teilweise auch mehr grau gefärbte Radiolarite. Der Radiolarit oder Kieselschiefer ist ein dichtes und sprödes Quarz-Chalzedon-Gemenge aus verfestigtem Radiolarienschlamm (Strahlentierchen = Einzeller) entstanden.
b. Plassenkalk. Weißer oder gelblichweißer Kalk mit roten, durch einen dünnen Hämatitbelag (= Roteisenstein; blutrotes, in sechseckigen Prismen kristallierendes Eisenoxid der Formel Fe2O3)gefärbten Adern. Längs dieser Adern zerspringt das Gestein bei der Verwitterung, wodurch die schon von Ferne sichtbare Rotfärbung der Schuttriesen hervorgerufen ist, die dem Berg den Namen Rötelstein oder Rettenstein verschafft hat.

7.    Quartär:
a. Moränen. Im Gebiet des Gosaukamms und des Rettenstein kommen fast ausnahmslos Lokalmoränen der Dachsteingruppe vor. Sie gehören dem Gschnitz- und Daunstadium Pencks oder der Schlußeiszeit Ampferers an. Auf eine nähere Betrachtung wurde verzichtet, da sie in einer eigenen Seminararbeit als Thema behandelt werden.
b. Gehängebreccie. Es gibt nur ein Vorkommen und zwar am Südosthang der Eiskarschneid.
c. Rezenter Schutt. Große, im Nordosten kahle, im Westen und Süden in den tieferen Teilen mit Latschenwald bedeckte Schutthalden treten am Fuße der gewaltigen Felswände des Gosaukammes auf und erfüllen besonders die Kare. Die Schutthalden bilden sich gegenwärtig nur wenig weiter, lediglich von den Steilrinnen im Fels ziehen schmale Schuttströme über die latschenbedeckten Schutthalden.
d. Bergsturztrümmer.
e. Talauen. Talauen kommen nur im Gosautal und im oberen Teil der Warmen Mandling vor.

3.1.2. Tektonik:
I. Dachsteinmasse:
Der Gosaukamm ist der westlichste Teil der Dachsteinmasse.
Die Werfener Schiefer an der Basis der Dachsteinmasse sind nur an einigen lokalen Orten sichtbar, wie zum Beispiel im Pommerwald, bei der Stuhlalm, am Sulzkarsattel und an der West-, Süd- und Ostseite der Eiskarschneid.
Die über den Werfener Schiefern liegenden Gesteine der Mittel- und Obertrias weisen innerhalb der Dachsteinmasse ziemlich mannigfaltige Faziesunterschiede auf:
1. Kamplbrunnspitze und Kleine Bischofsmütze:
Der Gipfel der Kleinen Bischofsmütze ist aus Dachsteinriffkalk aufgebaut, hingegen ihr Sockel aus Hauptdolomit, aus dem auch die Kamplbrunnspitze besteht. Das Hauptgestein der Türwand ist wiederum dunkler, geschichteter Gutensteiner Dolomit.
2. Mosermandl und Große Bischofsmütze:
Der Gipfel der Großen Bischofsmütze aus Dachsteinriffkalk, der Sockel aus Hauptdolomit. Massiger Ramsaudolomit baut das Mosermanndl, dunkler, geschichteter Gutensteiner Dolomit die Rauchwand auf.
3. Kramerspitze (2003m) – Kramersattel – Kramerkogel (2006m) – Mitterkogel (2125):
Dachsteinriffkalk baut den Mitterkogel Gipfel und Hauptdolomit den Kramerkogel auf. Spuren von Cidaritenschichten sind am Kramersattel nachweisbar. Eine etwa 250m mächtige helle, massige Wettersteinkalkschicht baut die Kramerspitze auf.
4. Westabhang des Gosaukammes (Manndlkogel):
Dachsteinriffkalk mit mindestens 700m Mächtigkeit sowie geringmächtigere dunkle Hornsteinkalke.

Da der Gosaukamm überwiegend aus ungeschichteten Kalken aufgebaut ist, ist die Lagerung nur an wenigen Stellen sichtbar. Deutlich ist die annähernd flache Lagerung am Leckkogel und am Mosermanndl. Die Gesteine der Bischofsmütze fallen deutlich nach Norden ein, wie die Tatsache zeigt, daß der Dachsteinriffkalk an der Nordseite der Bischofsmütze tiefer hinabreicht als an der Südseite. Noch steiler fallen die Gesteine an der Westseite der Bischofsmützengruppe nach Norden ein, wo der vom Sulzkarsattel bis zum oberen Ende der Durchgangklamm fast horizontal verlaufende Austriaweg von S gegen N der Reihe nach Werfener Schiefer, von Moräne verhüllte Mitteltrias, Cidaritenschichten, Hauptdolomit und Dachsteinriffkalk durchschneidet.
Die südliche Begrenzung der Dachsteinmasse ist eine Überschiebungslinie größeren Ausmaßes, die „Hochalpine Überschiebung“ oder „Hochgebirgsüberschiebung“ nach Trauth 1926, an der die Dachsteinmasse auf die Werfener Schuppenzone aufgeschoben ist. Die Überschiebungsfläche liegt auf der Eiskarschneid in etwa 1900m und am Leckkogel in etwa 1700m Höhe fast horizontal, fällt schon nördlich der Hofpürglhütte (vergl. Abb. 13) und nördlich vom Hofkogel (vergl. Abb. 13) deutlich nach Norden ein und senkt sich noch weiter im Norden noch steiler nach Norden hinab.
Die nordwestliche Begrenzung der Dachsteinmasse wird durch die Überschiebung des Dachsteinriffkalkes des Gosaukammes über die Zwieselalmschuppe gebildet (siehe dazu IV. Das Zwieselalmgebiet).

II. Rettenstein (Rötelstein)
Der den Dachstein-Südwänden vorgelagerte Rettenstein (2246m) weist eine annähernd horzontale Lagerung auf. Doch es liegt keine einfache Schichtenfolge vor, sondern die Gesteine sind von mehren schichtenparallelen Schubflächen durchsetzt.
Die vollständigste Schichtenfolge zeigt das von Neumann sehr genau studierte Profil des Weitenhausgrabens an der Südseite des Berges:

Plassenkalk, den Gipfel des Rettensteins bildend; etwa 450m mächtig
2m roter und grauer Radiolarit
5-6m roter Mittellias (fossilreicher Adneter Kalk)
30m Fleckenkalk und –mergel
....................
7m roter Mittellias (Adneter Kalk)
2m Fleckenkalk
12m Roter Knollenkalk (Hallstätter Kalk)
....................
6m Liasfleckenmergel
7m Haselgebirge?
....................

5m Liasfleckenmergel
25m Werfener Schiefer und Haselgebirge mit Gips
....................
20m schwarzer Kalk und Dolomit
5m Haselgebirge mit Gips
....................
60m Rauhwacke
30m Werfener Schiefer und Haselgebirge
300m quarzitische Werfener Schichten

Mindestens an den mit  ................. bezeichneten fünf Stellen müssen annähernd schichtenparallele Schubflächen vorhanden sein, welche die mehrfache Wiederholung einzelner Schichtglieder zur Folge hatten.
Die Schichtenfolge des Rettensteins weist eine große Ähnlichkeit mit derjenigen der Plassendeckscholle nördlich vom Dachstein auf. An beiden Stellen treten Haselgebirge, Hallstätter Kalk, Zlambachschichten, Liasfleckenmergel, Adneter Kalk (Mittellias) und Plassenkalk auf. Es ist daher ein früherer Zusammenhang über den Dachstein hinweg sehr wahrscheinlich; der Rettenstein ist wohl ein im Süden zurückgebliebener Rest der Hallstätter Decke. Während aber in der Plassengruppe unterhalb der Hallstätter Deckscholle der Dachsteinkalk in voller Mächtigkeit und bedeckt von Jura erhalten ist, liegt die Rettenstein-Deckscholle über nur mit Rauhwacke bedeckten Werfener Schichten. Es ist nicht wahrscheinlich, daß hier die höhere Trias nicht abgelagert wurde; viel wahrscheinlicher ist es, daß sie der Erosion zum Opfer gefallen war, bevor die nahe ihrer Basis  von schichtenparallelen Schubflächen durchsetzte Hallstätter Decke von Süden herangeschoben wurde (Abb. 14).

III. Die Werfener Schuppenzone
Das einfachste und klarste Profil durch die Schuppen am Südrande der Kalkalpen bietet der Hofpürglrücken (Abb. 13), über den der Weg von Filzmoos zur Hofpürglhütte geführt ist:

Hofpürglschuppe    Grauer Hallstätter Kalk mit Halobien.
                                Schwarzer Halobienschiefer
                                Heller Ramsaudolomit (die Hofpürglwand bildend).
                                Dunkler Gutensteiner Dolomit.
                                Werfener Schiefer mit Gips.
.......................................................................................................................................................
Schuppe der            Dunkler Gutensteiner Dolomit.
Wiesenhöhe            Mächtige Werfener Schiefer.
.......................................................................................................................................................Wurmeggschuppe   Gutensteiner Kalk (am Marcheggboden).
                                Geringmächtige Werfener Schiefer.
                                Sehr mächtige quarzitische und grüne Werfener Schichten (das Wurmegg
                                aufbauend).

Am Marchegg liegen – anscheinend unmittelbar auf quarzitischen Werfener Schichten – am Wege deutlich aufgeschlossene, flachliegende Rauhwacken, die offenbar denjenigen am gegenüberliegenden Rettenstein entsprechen. Vom Marchegg erstreckt sich eine über 3 km breite Zone von quarzitischen und grünen Werfener Schichten bis zum Halseck. Daß hier keine einheitliche Schichtenfolge vorliegt, zeigt ein schmaler, von unten eingefalteter Zug von Pinzgauer Phyllit südlich vom Wurmegg.

IV. Das Zwieselalbgebiet:
Das Zwieselalmgebiet ist aus folgenden tektonischen Einheiten aufgebaut:
1. Dachsteinmasse der Donnerkögel (mächtiger Dachsteinriffkalk, Zlambachschichten).
2. Zwieselalmschuppe:
      Hauptdolomit der Zwieselalmhöhe (1585m). Über 400 m mächtig.
      Oberkarnischer Hornsteinkalk (Hüpflinger Kalk) und Hornsteindolomit.
      Fossilführende Halobienschiefer. 60 – 80 m mächtig.
      Fossilführender Reiflinger Kalk. 100 – 120 m mächtig, eine Wandstufe bildend.
3.   Edalm-Schönauschuppe:
      Fossilreiche Zlambachschichten beim Edalmgatter.
             Eine Spur von mylonitisiertem, Hornstein führenden Hallstätter Kalk.

Das ganze Schuppensystem der Zwieselalm ist an der SO – NW streichenden Zwieselalm-Überschiebung steil auf die bis ins Dan reichenden Gosauschichten des Beckens von Gosau aufgeschoben. Die Zwieselalm-Überschiebung ist die nordwestliche Fortsetzung der Reißgangstörung, welche am Reißgang annähernd vertikal steht, nach Hahn (siehe Spengler 1914) aber bereits in 1550 – 1650 m Höhe südlich vom Hinteren Gosausee eine Neigung von 50 – 70° besitzt. Beim Edalmgatterl dürfte die Zwieselalm-Überschiebung etwa 45° SW einfallen.
Außerdem ist das Zwieselalmgebiet von jüngeren Brüchen durchsetzt. Der morphologisch auffallendste dieser Brüche streicht SO – NW und verursacht die gewaltigen NO-Abstürze der Donnerkögel.
 

3.2. Das Becken von Gosau:

3.2.1. Allgemeines:

Die Beckenfüllung besteht vornehmlich aus Schichten der Oberen Gosau, die im südwestlichen Beckenteil von Nierentaler- und Zwieselalmschichten überlagert werden. Die Untere Gosau, mit geringen Anteilen von Mittlerer Gosau, erfüllt die Nordhälfte des Beckens.
Vergleiche auch Abbildung 12 und Geologische Karte der Republik Österreich Blatt 95 St. Wolfgang im Salzkammergut.
 

3.2.2. Entstehung der Gosaubecken:

Der Name Gosaubecken geht auf das klassische Gosaubecken im Salzkammergut zurück. Allerdings ist es nicht das einzige, denn eine Vielzahl von solchen Becken erstrecken sich über die Kalkalpen. Beispiele solcher Becken sind das Becken des Hohen Lichtes im Allgäuer Hauptkamm und die Muttekopfgosau im Westen, sowie die Becken von Brandenberg in Tirol, Reichenhall-Salzburg, Windischgarsten, Weyerer Bögen und Gießhübl ganz im Osten. Sie wurden alle unter dem Begriff Gosaubecken zusammengefaßt, weil ihre Entstehung und Stratigraphie sehr ähnlich ist.
Die Genese der Gosaubecken ist in etwa gleichzusetzen mit dem Beginn der Alpidischen Orogenes, also vor circa 80 Millionen Jahren (vergl. Abb. 10). In diesem Zeitraum war der Deckenbau der Alpen im großen und ganzen bereits abgeschlossen. Durch die Kollision der Eurasischen und Afrikanischen Platte erfolgte wie in Kapitel 1.2.2. erklärt eine Übereinanderstapelung  der einzelnen Decken. Bei diesem Vorgang entstanden auch sehr große Spannungen innerhalb der Decken und entlang von Störungen kam es zu sogenannten Seitenverschiebungen. Diese Seitenverschiebungen erfolgten parallel zu den Störungslinien und hatten solche Ausmaße, daß sich kleine Becken bildeten die in ihrem Anfangsstadium noch mit Meerwasser gefüllt waren (vergl. Abb.15). Gegen Ende der Oberkreide wandelte sich das Salzwasser in Brack- und schließlich in Süßwasser um. Dies kann durch die anschließende Trockenlegung und Sedimentation und die damit verbundene Verschiebung in der Fossilvergesellschaftung bewiesen werden.
 
 
 
 

3.2.3. Stratigraphie

A. Die Kreide des Gosaubeckens:
1. Untere Gosau:
a) Grundkonglomerate der Unteren Gosau
An die anisischen Dolomite der Hallstätter Fazies legt sich westlich des Brielgrabens ein schmaler, nur wenige 10 m mächtiger Streifen von Konglomeraten. Während diese Bildungen im Nordteil des Beckens eine Mächtigkeit von 200 m erreichen, sind sie im Ostteil nur auf Reliktvorkommen beschränkt.
Die Konglomerate sind hier nicht so grob entwickelt wie in ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet und auch die braunroten und braunen Farbtöne treten zurück. Hauptsächlich sind Sandsteine und sandige Feinkonglomerate vertreten. Das Material ist ausschließlich kalkalpiner Herkunft.

b) Mergel und Konglomeratbänke in der Unteren Gosau
Auch diese Bildungen greifen nur in einer schmalen Zone in den östlichen Bereich des Beckens. Die grauen, dunklen Mergel entwickeln sich allmählich aus den Grundkonglomeraten  zu einer petrographisch ziemlich gleichförmigen Schichtenfolge, die man auf Grund der reichen Fauna noch weiter gliedern kann. Im unteren Teil der Mergelgrupppe, in der auch noch Konglomeratlagen auftreten (Streiteck-Schichten, Mächtigkeit rund 50 m), finden sich unter den Korallen, kleinen Schnecken und Muscheln, keine stratigraphisch verwertbare Formen. Erst die darüberliegenden Grabenbach-Schichten (Mächtigkeit 300 – 500 m) liefern eine reichere Fauna von Ammoniten und Inoceramen. Petrographisch besteht diese Schichtstufe meist aus Mergeln, denen stellenweise dünne feinplattige Sandsteinbänke zwischengeschaltet sind.
Mit den Hochmoosschichten, die aus einer Wechsellagerung von dunkelgrauen Mergeln mit Sandsteinbänken bestehen, wird die Schichtfolge der Unteren Gosau beschlossen.

2. Mittlere Gosau:
Die Mittlere Gosau ist faziell stark differenziert.
 
a) Untere Mittelgosau (Stöcklschichten)
Diese Schichtstufe besteht aus Basalschichten, die bis zu 50 m mächtig werden. Darüber liegen 50 – 200 m mächtige Fossilmergel.
Für die Basalschichten ist das reiche Vorkommen von Hippuriten, Riffkorallen, Actaeonellen und Nerineen besonders auffällig.
Die Hippuriten bilden mit ihrem Detritus oft massige Kalke, die sich auch im Landschaftsbild aus den weichen Geländeformen der Gosaumergel deutlich abheben. Organogene Trümmerkalke, in denen der ursprüngliche Fossilgehalt nicht  mehr leicht zu erkennen ist, liegen dem Dachsteinkalk zwischen dem Kesselwald und dem Plankenstein-Plateau auf. Die weißen, gelblichen oder rötlichen, fein bis grobkristallinen Kalke sind mit dem Dachsteinkalk fest verwachsen, da sie in einem prägosauischen Karrenrelief zur Ablagerung gekommen sind. Diese Trümmerkalke enthalten auch kleinste Komponenten des aufgearbeiteten Dachsteinkalkes, wodurch die Ähnlichkeit der beiden Gesteine sehr groß werden kann und stellenweise eine Unterscheidung nicht mehr leicht ist. E. Spengler (1914) erkannte diese Schichten als Gosau.
Für die Altersdeutung der Hallstätter Plassenscholle sind diese Gosaureste insofern von größter Bedeutung, als sie den Überschiebungskontakt zwischen basalem Gebirge und der genannten Schollle transgressiv überlagern und damit die Annahme einer vorgosauischen Bewegung zur Gewißheit erheben.
Konglomerate der Mittleren Gosau erreichen nur bis 5 cm Durchmesser und sind immer gut gerundet. Fossilfunde beweisen die marine Natur dieser Strandgerölle. Die hellgrauen Mergel sind besonders reich an marinen Versteinerungen, doch kommen auch Brack- und Süßwassermergel mit eingeschalteten Kohlenflözen vor, die bei der Neu-Alpe zu ergebnislos verlaufenden Schürfversuchen geführt haben. Die Mittelgosau dürfte etwa den Bereich zwischen dem mittleren und dem oberen Santon umfassen.

b) Obere Mittelgosau (Randschichten)
Fossilarme Sandkalke, Mergel, Sandsteine und Konglomerate.

3. Obere Gosau:
Beiderseits des Gosautales werden die Hänge von den etwa 300 m mächtigen, sandigen Mergeln der Oberen Gosau eingenommen. Der sandige Charakter sowie der oft zu beobachtende Glimmergehalt des flyschähnlichen Gesteins lassen im allgemeinen eine Unterscheidung gegenüber den älteren Gosaumergeln zu.
Bei der Gruben-Alm liegen mergelige, dünnplattige, etwas rötlich gefärbte Sandsteine auf Kalken der Mittleren Gosau. Wenig entfernt transgrediert an einer Stelle die Obere Gosau unmittelbar über Dachsteinkalk.
Die Sandsteine und Mergel zeichnen sich alle durch Fossilarmut aus. Nur Kriechspuren und kohlige Lagen sind die einzigen Überreste einstigen Lebens.
Bezeichnend für die Obere Gosau sind Breccien, deren Komponenten meist klein sind und bis zu 10 mm Durchmesser haben. Daneben kommen aber auch grobkörnige Lagen vor, deren Bestandteile bis zu 10 cm Durchmesser erreichen können. Am Aufbau der Breccien nehmen Gesteine der Beckenumrandung Anteil, daneben finden sich aber auch Sandsteine aus den Werfener Schichten und kleine Quarzkörner. Das sandig-kalkige Bindemittel der Breccien ist grünlich gefärbt.
Die Schichten der Oberen Gosau liegen altersmäßig zwischen dem oberen Santon und dem unteren Campan.

4. Nierentaler Schichten:
In die Mergel der Oberen Gosau schalten sich in Hangende vereinzelt rote Pakete ein, die den Übergang zu den Nierentaler Schichten vermitteln. Die schönsten Aufschlüsse findet man in der Roten Wand, deren leuchtende Farbe die Namengebung veranlaßt hat.
a) Untere Nierentaler Schichten (Untere bunte Kalke und Mergel)
In der 120 – 130 m mächtigen Schichtfolge herrschen in wechselnder Folge hellgraue, grünliche sowie rötliche Kalkmergel und Mergelkalke, vereinzelt sind Sandsteine und Feinbreccienbänke zwischengeschaltet.
b) Mittlere Nierentaler Schichten (weiße Kalkmergel)
In den etwa 150 m mächtigen weißen Mergelkalken treten nur ganz vereinzelt rot gefärbte Schichtlagen auf. Auch weiche mergelige Lagen sind selten.
c) Obere bunte Kalke und Mergel der Oberen Nierentaler Schichten
Im tieferen Teil tiefrote Mergel und Kalke, denen im oberen Teil immer häufiger grünlichgraue Kalke und Sandsteine eingeschaltet sind. O. Weigel fand zwei Breccienbänke., in denen neben phyllitischem Material bereits aufgearbeitete Kalke aus den Nierentaler Schichten vorkommen. Mächtigkeit etwa 80 m.
d) Kalke und Sandsteine der Oberen Nierentaler Schichten
Graugrüne, gut gebankte Kalke wechsellagern mit grauen, feinbrecciösen Sandsteinen mit Phyllitbestandteilen. Grobe Konglomeratlagen (wie in den höheren Zwieselalmschichten) fehlen. Die Gesteine weisen keine Rotfärbung mehr auf. Die Mächtigkeit beträgt etwa 50 m.
 
 
 

5. Zwieselalmschichten:
Das starke Vorherrschen von zentralalpinem Material, wie Milchquarz und Phyllit aus der Grauwackenzone, charakterisiert den petrographischen Bestand der Zwieselalmschichten. Sie entwickeln sich allmählich aus den Nierentaler Schichten.

B. Quartär:
1. Moränen:
Ein weites Moränengelände erstreckt sich westlich vom Mitteltal im Hang nördlich der Leitgeb-Alm. Im genetischen Zusammenhang mit diesen Moränen steht das Vorkommen von erratischen Blöcken, die im Umkreis der Falmberg- und der Ötscher Alm sowie um die Liesenhütten verbreitet sind. Die erratischen Blöcke sind kalkalpinen Ursprungs.

2. Moore und Sümpfe:
Infolge ihrer tonigen und daher undurchlässigen Beschaffenheit neigen die Gosauschichten zu Wasserstauungen, wodurch die Bildung von anmoorigem Gelände begünstigt wird.

3. Rezenter Schutt und Talauen:
Nach dem Rückzug des Würm-Eises wurde durch die Schmelzwässer der Talboden verschottert. – Am Fuß der beiderseitigen Talhänge stauten sich die Abschlämmassen der leicht verwitterbaren Gosauschichten, die im allgemeinen einen schweren Boden bilden. Bei ungenügender Entwässerung neigt er zur Versäuerung.

3.2.4. Tektonik:
Obwohl die Gosauschichten zu ihrer Unterlage in normalem stratigraphischen Verband stehen, ist die Beckenumrahmung dennoch durch einzelne Brüche gekennzeichnet. Der Verlauf dieser Brüche ordnet sich keinem bestimmten System ein und auch die Intensität und damit auch die Bedeutung der Brüche, sind einem örtlichen Wechsel unterworfen. Die bedeutendste Randstörung ist die Zwieselalm-Überschiebung, an deren steiler Bewegungsfläche die Gosauschichten an ihrem SW-Beckenrand überfahren wurden.
Zwischen dem Gosauschmied und dem Vorderen Gosausee verläuft noch der fast senkrecht stehende Gosauschmied-Bruch, der sich offenbar aus mehreren kleineren Einzelbrüchen summiert. Auf der Westseite des Klauskogels ist Hauptdolomit emporgehoben, der sich unter dem Talschutt mit dem Hauptdolomit auf der westlichen Talseite verbindet. Dieser Hauptdolomit bildet das stratigraphisch Liegende des Dachsteinkalk-Plateaus und erst in den Südwänden des Gosaukammes und der Dachsteingruppe streicht er wieder zutage.
Etwas westlich vom Höhenrücken des Hornspitz-Falmberges und Höhbichl verläuft innerhalb der Mittleren und Oberen Nierentaler Schichten eine NW – SO streichende Verwerfung mit abgesunkenem SW-Flügel.
 
 

3.3. Das Plateau und der Nordabhang:

3.3.1. Allgemeines:

Das Plateau des Dachsteins wird im Norden von West nach Ost vom Gosaubecken, dem Plassen und dem Hallstätter See sowie durch das Trauntal begrenzt. Die Südwestumrahmung wird durch die Linie „Vorderer und Hinterer Gosausee – Dachstein“ beschlossen. Von hier aus verläuft der Südrand des Plateaus an der Linie Koppenkarstein – Landfriedstein – Hölltal – Grafenberger Miesberg. Dieses ganze Gebiet ist eine geologische Einheit, die der Dachsteinmasse angehört. Ein einziges Gestein – der Dachsteinkalk – baut diese gewaltige Kalkplatte auf, die infolge ihrer Starrheit nur in großräumigen Verbiegungen auf die tangentialen Druckbeanspruchungen reagiert hat. Um so häufiger sind aber zahlreiche Verwerfungen, die den Charakter der ganzen Landschaft bestimmen. Den großen Verwerfungszonen verdanken die einzelnen Großschollen ihre heutige Höhenlage und damit auch ihr landschaftliches Gepräge.
Vergleiche auch Geologische Karte der Republik Österreich Blatt 96 Bad Ischl und 127 Schladming, sowie Abbildung 10 und 12.
 

3.3.2. Stratigraphie, Tektonik und Morphologie:

A. Trias:
1. Hauptdolomit:
Hauptdolomit ist im Landschaftsbild der Dachsteinkalkplatte nicht von Bedeutung.
Das wesentliche Vorkommen von Hauptdolomit liegt am Fuße des Klauskogels, 250 m nördlich vom Westende des Vorderen Gosausees. Die Grenze gegen den Dachsteinkalk liegt bei etwa 980 m.
Im gesamten nördlichen Raum des Dachsteingebietes ist außer im Nordosten kein Hauptdolomit erschlossen. In dem tief eingeschnittenen Trauntal zwischen dem Saarstein und dem Rauhen Koppen liegt die Oberkante des Hauptdolomits um etwa 600 m. Die Grenze zum Dachsteinkalk verläuft etwas unregelmäßig.

2. Dachsteinkalk (vergleiche auch Kapitel 2.):
Als scheinbar gleichförmiges und doch interessantes Gestein, bestimmt der Dachsteinkalk völlig den Charakter des Dachsteingebietes. Bei schwankender Mächtigkeit erreicht er bis über 1000m. Infolge seiner Verwitterungsbeständigkeit wird der Dachsteinkalk zum wichtigsten Element in der Landschaft.
Innerhalb der Dachsteinkalkplatte lassen sich vier Faziesbezirke unterscheiden, die ineinander übergehen. Der „normale“ Dachsteinkalk ist grauweiß, weiß oder auch gelblich. Das Gestein ist gebankt; die Mächtigkeit der Bänke kann von einem Dezimeter bis weit über einen Meter betragen. Durch seine regelmäßige Bankung erweist sich der Dachsteinkalk als ein rythmisches Sediment, wobei es offen ist, welchem zeitlich  regulierenden Faktor diese Bewegungen zuzuschreiben sind.
Inmitten normaler Dachsteinkalkprofile gibt es einzelne Bänke, die bei näherer Betrachtung sich als monomikte sedimentäre Breccien erweisen. Da die kleinen, eckigen Komponenten die gleiche Farbe wie das Bindemittel aufweisen, kann man nur an besonders günstig angewitterten Flächen, oder dort, wo Verwitterungslösungen färbend eingedrungen sind, die näheren Strukturverhältnisse feststellen.
Im nordöstlichen Teil des Dachsteingebietes ist ein dolomitisches Faziesgebiet herrschend.
Bezeichnend für diesen Ablagerungsbereich ist die immer wiederkehrende Wechsellagerung von Kalk mit Dolomit. In oft unregelmäßiger Folge wechseln Kalkbänke von üblichem Charakter des Dachsteinkalkes mit grauen Dolomiten ab, die dem Hauptdolomit gleichen. Weit verbreitet ist auch ein feinrhythmischer Wechsel von  etwa 1mm dünnen Kalklagen mit ebenso mächtigem Dolomit. Bei solchen Beispielen könnte man an einen jahreszeitlich beeinflußten Sedimentationsryhthmus denken.
Das Verbreitungsgebiet des mit Dolomit wechsellagernden Dachsteinkalkes liegt um den Hallstätter See, hauptsächlich gegen den Saarstein zu, sowie im Gebiet des Hohen Koppen. Südlich des Traunflusses erstreckt sich eine bis zu 1km breite dolomitische Zone. Gegen Westen erreicht sie mit einer Breite von 300 m das Echerntal.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß Teile dieser Dolomit-Kalk-Folge bereits dem Niveau des Hauptdolomits entsprechen, so daß dieser mit dem Dachsteinkalk normaler  Fazies durch eine mächtige Übergangszone verbunden ist.  3 km südlich tritt in den Südhängen des Niederen Krippensteins bis zum Nieder-Speikberg und darüber hinaus, wieder eine schmale dolomitische Zone im Dachsteinkalk auf. Es handelt sich dabei um tektonische Aufbrüche, an denen diese tieferen Schichten hochgeschleppt wurden. Vom Niederen Krippstein verbreitert sich die Dolmitfazies in den Raum des Rumplers und jenseits des Gjaidsteins bis an den Eissee.
In der normalen Dachsteinkalkfazies entwickelt sich besonders im Südosten (Umgebung der Grafenberger-Alm und des Grafenberger Miesberges) eine Fazies, die stellenweise mit der Hallstätter Entwicklung in größter Übereinstimmung steht. Ähnliche Einschaltungen sind auch östlich des Gosau-Schmied sowie am Nordufer des vorderen Gosausees zu beobachten.
Die faziellen Einschaltungen von Hallstätter Kalk zeigen immer eine petrographische Änderung gegenüber dem Normaltyp des Dachsteinkalkes. Das Gestein ist feinkristallin, zuckerkörnig-homogen, meist weiß und stellenweise unregelmäßig von fleischroten Farbtönen geflammt. Die Buntfärbung ist wolkig verteilt und gegen den weißen Kalk unscharf abgegrenzt. Eine Schichtung wird durch die Verfärbung in keinem Fall angedeutet. Die Kalke sind gebankt, jedoch nicht so augenfällig wie der normale Dachsteinkalk. Das feinkristalline Gefüge der Hallstätter Einschaltungen deutet auf eine Änderung der Bildungsbedingungen. Die chemisch-physikalischen oder biologischen Verhältnisse müssen in diesen Kalken andere gewesen sein als in der Normalfazies. Da der Hallstätter Habitus nur immer lokalisiert auftritt, müssen auch die ändernden Bedingungen lokaler Natur gewesen sein. Ob die Roteinschwemmung mit den Terra Rossa Bildungen in der Normalfazies zusammenhängt, kann man nur vermuten.
Als viertes Hauptfaziesgebiet ist der Dachsteinriffkalk zu nennen, der bereits im Kapitel Gosaukamm und Rettenstein ausführlich beschrieben wurde. Dieser ungeschichtete Korallenriffkalk ist auch noch nordöstlich der beiden Gosauseen verbreitet und geht dort in den normalen Dachsteinkalk über.
Eine besondere Fazies stellen die Hornsteinkalke im Gebiet der Gosauseen dar. Sie erstrecken sich vom Halskogel im Südosten bis zum Kriegsstellen-Wald im Nordwesten. Die grauen, gut gebankten Kalke sind reich an Hornsteinknauern. Bei abnehmendem Kieselsäuregehalt gehen sie im Hangenden in normalen Dachsteinkalk über.

B. Jura:
1. Hirlatzkalk und Fleckenmergel:
Typisch für diese Liasablagerungen ist ihr spaltenförmiges Vorkommen. Die Spalten liegen in Nordwest-Südost-Richtung, ihre Breite schwankt von einigen Dezimetern bis zu 10m. Die größte Tiefe wurde in den Wänden des Ochsenkogels und des Langtalkogels beobachtet. Der Bildungsgang dieser Liaskalke, die sich auf einen Raum von etwa 20km² verteilen, sei kurz skizziert: Die Ablagerung des Dachsteinkalkes wurde am Ende des Rhät durch eine Regression des Meeres unterbrochen und das Gebiet wurde im unteren Unterlias trockengelegt. Während einer antiklinalen Aufwölbung des Dachsteingebietes  zerriß die Dachsteinkalkplatte und die nachfolgende Karstverwitterung erweiterte die Zugspalten und löste Teile des obersten Dachsteinkalkes auf. Auf dem Lösungsrückstand bildete sich Terra rossa, der das Liasgestein seine rote Farbe verdankt. Während der Transgression des oberen Unterlias versank die Dachsteininsel; ihren antiklinalen Charakter bewahrte sie jedoch auch im submarinen Zustand, wie aus der Verteilung der Fazies hervorgeht. Bereits auf der Südseite des Echerntales liegen über dem Dachsteinkalk Liasfleckenmergel. Diese grauen Mergel sind die Ablagerungen eines tieferen Meeres. Die einzigen häufigeren Fossilreste sind Nadeln von Kieselschwämmen sowie seltene Ammoniten, deren Alter auf oberen Unterlias weist. Meist nicht deutbare organische Überreste verursachen im Gestein kleine dunkle Flecken, die den Namen gegeben haben.
Eine flächenhafte Verbreitung hat der Hirlatzkalk nur im Umkreis des Ursprungkogels, wo das rote Sediment einem karrenartig zerfressenen Relief von Dachsteinkalk aufliegt.
 
 

2. Klauskalk und Radiolarit:
Den mittleren Jura vertreten zwei faziell verschiedene Gesteine. Der Klauskalk (s. Spengler 1918) ist ein massiger, ungeschichteter roter Kalk, der sich durch seine dunklere Farbe und die schwarzen Manganflecken oder Rinden vom Hirlatzkalk unterscheidet. Die Vorkommen sind räumlich sehr beschränkt und gruppieren sich hauptsächlich um das „Klausloch“.
Der Radiolarit ist in kleinen Einzelvorkommen verbreitet und durch seinen kantigen, grusigen Verwitterungsschutt leicht zu erkennen. Das Kieselsäutesediment besitzt keine große Mächtigkeit und dank seiner schweren Löslichkeit im Wasser bleibt der Verwitterungsgrus an geschützten Stellen konserviert. In frischem Zustand ist das Gestein ein rotbrauner oder grünlicher, dünngebankter Hornstein, der an zahlreichen, senkrecht zur Schichtung stehenden Rissen zerfällt.
Die größten Verbreitungsgebiete des Radiolarits liegen im Gebiet des Plassen.

C. Gosau:
Auf der Hochfläche des Niederen Kreuzes liegen an zwei Stellen konkordant über dem Dachsteinkalk dünnplattige, gelbe, feinkörnige und etwas eisenschüssige Sandsteine. Sie sind hauptsächlich aus Quarzkörnchen und Glimmer zusammengesetzt. Das Bindemittel ist kalkig. Die Korngröße der Quarzgeröllchen überschreitet selten 1 mm. Gegen die Basis wird der Sandstein ungeschichtet und geht in ein geringmächtiges Basalkonglomerat über, dessen Bestandteile nur aus aufgearbeitetem Dachsteinkalk bestehen.

D. Tertiär:
1. Bruchtektonik:
Aus der tektonischen Entwicklungsgeschichte des Dachsteinmassivs ergibt sich für die Hauptbewegungen ein vorgosauisches Alter und es ist fast unwahrscheinlich, daß es während dieser Bewegungsphasen nicht auch zu einer Bruchtektonik in der starren Dachsteinkalkplatte gekommen wäre. Die heute auffälligen Verwerfungen scheinen alle jünger zu sein als die Bildung der tertiären Landoberfläche, für die man mit größter Wahrscheinlichkeit ein miozänes oder pliozänes alter annehmen kann.
Trotz der starken Zerstückelung der Dachsteinmasse halten sich die Sprunghöhen aller Verwerfungen innerhalb gewisser Grenzen. Die Wandbildungen innerhalb der Dachsteinmasse erreichen 200 – 300 m; das sind auf die Gesamtmächtigkeit der triadischen Kalkplatte (3000 m) bezogen höchstens 10%.
Die wichtigste Störungslinie im westlichen Teil des Dachsteinmassivs ist die Verwerfung des Langtals. Sie erstreckt sich vom Hinteren Gosausee in nordöstlicher Richtung über die Kogelgasse und das Langtal bis zur Radltal-Alm, wo sie abzuklingen scheint. Liasfleckenmergel wurden an dieser Zone hervorgepreßt.

2. Bohnerzlager:
Etwa gleichaltrig, aber immerhin jünger als die Augensteinschotter (vergleiche nachstehendes Kapitel) des Gjaidstein-Taubenkogels sind die Bohnerzvorkommen, die auf dieser besterhaltenen Landoberfläche das Ende des Tertiärs sowie das Diluvium überdauert haben. Wie in anderen Kalkgebieten, so hat sich auch hier unter dem Einfluß des tertiären Klimas aus dem Verwitterungsrückstand des Dachsteinkalkes in geringen Mengen Bohnerz (Brauneisenerz) gebildet. Diese kleinen, schokoladebraunen oft glänzenden Konkretionen liegen nesterweise verstreut, ohne eine größere Bedeutung zu erlangen.

3. Aragonit:
An einzelnen Klüften kommen Gangfüllungen aus einem hellen, durchscheinenden Aragonit mit langen, bis fingerdicken Kristallen vor, die jedoch bereits die Spaltbarkeit des Kalzits angenommen haben. Das größte Aragonitvorkommen ist westlich des Niederen Gjaidsteins erschlossen. Der Aragonit ist hier nicht nur als Spaltenfüllung verbreitet, sondern auch als ausgedehnte Sinterdecke, die wohl auf thermalen Absatz deutet.
In dem Aragonitsinter des Niederen Gjaidsteins wurden einige Augensteingeröllchen aufgefunden, die von diesen pliozänen Sinter umschlossen wurden.

C. Quartär:
Während der diluvialen Hauptvereisungen war wohl das ganze Dachsteingebiet von Firn und Eis bedeckt. Moränen aus dem älteren Diluvium sind jedoch nicht erhalten geblieben.

1. Interglaziale Deltaablagerungen des Echerntales:
Südlich von Hallstatt sind am rechten Talrand des Echerntales unter Schutt und Würmmoränen kreuzgeschichtete Kalkgerölle und Kalkgrus erhalten, die der Rest eines zwischeiszeitlichen Schwemmkegels sein könnten, der in den Hallstätter See vorgeschüttet wurde. Das heutige Talbodenniveau liegt bedeutend tiefer.

2. Moränen des Würm und der Rückzugsstadien:
Auf nähere Ausführungen wurde verzichtet, da es in einer eigenen Seminararbeit behandelt wird.

3. Rezenter Schutt:
Schuttbildung ist am Fuße der Dachsteinkalkwände weit verbreitet. Die größten Schuttkegel liegen beiderseits des Traunflusses und im Echerntal. Auch das Tal zwischen den beiden Gosauseen ist stark verschüttet.

4. Talauen und Schwemmkegel:
Die einzigen Talauen und Schwemmkegel breiten sich im Echerntal und im Trauntal aus.
 
 

3.4. Augensteine:

Über die ganze Hochfläche verstreut findet man Gerölle, die vorwiegend aus hellen bis trüben Quarzen verschiedener Färbung bestehen. Die mit gelber Verwitterungskruste überzogenen sind die häufigsten. Daneben treten aber auch Gerölle aus anderem Material auf, wie Grauwackenschiefer, Phyllit, Gneise, gelbe bis rote Sandsteine. Sie sind meist schön gerollt, doch kommen auch flache Geschiebe vor. Die hellen Quarze und die Hornsteine sind oft gut poliert. Die Größe dieser Gerölle ist sehr schwankend. Die wasserhellen bis durchscheinenden, hochpolierten Quarze werden von den Einheimischen als „Augensteine“ bezeichnet, weil sie ihnen als Mittel zur Entfernung von Fremdkörpern aus dem Auge galten. Meist haben die Augenstein 1 – 3 cm Durchmesser, aber auch halbfaustgroße Gerölle kommen vor. Außer diesen losen Augensteinen findet man sie häufig als Bestandteil grober Sandsteine oder Konglomerate.
Die Augensteinvorkommen sind meist an das Auftreten von Karstklüften und Schloten, eingestürzten Höhlengängen oder an das Vorhandensein von gelbem oder rotem Verwitterungslehm gebunden. Der Menge nach gibt es Fundstellen, wo nur wenige Augensteine beisammenliegen und solche mit flächenhafter Ausdehnung (Niederer Gjaidstein, Roßfeld, Rumplerseelein, Augensteindlgrube, Feisterscharte). Die Vorkommen sind der Horizontalen nach auf den Raum südöstlich der Linie Kreuzkamm – Krippenstein beschränkt. Westlich des Kreuzkammes kommen keine Augensteine mehr vor (vergleiche Geologische Karten der Republik Österreich Blatt 127 und 96).
Die heutigen Augensteine und Schotter sind die Reste einer mittel- bis jungtertiären Schotterdecke, deren Geröllmaterial größtenteils aus den Zentralalpen herangeführt wurde und nur zum geringeren Teil aus mesozoischen Ablagerungen stammt. Die Erhaltung der Augensteinschotter ist in erster Linie der Karstentwässerung zu danken, in zweiter Linie der Einklemmung längs tektonischer Linien. Längs der karsthydrographischen Röhren wurden Augensteine durch Schmelz- und Niederschlagswasser durch den ganzen Gebirgsstock transportiert und erfüllen ihn nun raumartig in allen Höhenlagen. Auf horizontalen Wegstrecken mit entsprechend weitem Querschnitt bildeten sich wohlgeschichtete Sandstein- und Konglomeratbänke von meist geringer Ausdehnung. Auf stärker geneigten bis vertikalen Wegstrecken kam es an Querschnittsverengungen zur Ausfüllung der Karstschlote und röhren mit Augensteinmaterial. Die Reste solcher Ausfüllungen sind dann kleine Sandstein- und Konglomeratvorkommen, die hautartig die Karströhren auskleiden.
Die Vorkommen auf dem Kamm des Gjaidstein gehören zu den reichsten und höchstgelegenen.

 

Abbildungen