"Egonek" Kisch wuchs als Sohn eines deutschsprachigen jüdischen Buchhändlers in Prag auf, besuchte das Gymnasium und studierte kurz an der Technischen Hochschule Tiefbau und an der Karlsuniversität Literatur. Er war Zeit seines Lebens ein Nicht-Konformist und verbrachte auch schon beim Militär beinahe die Hälfte eines "Einjährigen-Freiwillenjahrs" im Gefängnis.
Nach kurzen, eher improvisierten journalistischen Versuchen besuchte er eine Journalistenschule in Berlin und arbeitete dann bis 1913 als Lokalreporter (damals eher ein berüchtigtes Ressort) bei der deutschsprachigen Prager Tageszeitung "Bohemia" (Aus Prager Gassen und Nächten, 1912). Der Workaholic schaffte sich ausgezeichnete Verbindungen zu Polizei, Feuerwehr, den Spitälern und anderen Nachrichtenlieferanten und war damit der Konkurrenz in der Regel um Stunden voraus. Dazu gelang ihm die Aufdeckung einiger Verbrechen. Mit der Aufdeckung des Spionageskandals um Oberst Redl 1913 wurde K. endgültig zum Starreporter.
Seine Reportagen sind nicht nur in dem Sinn "literarisch", dass er nicht selten Details veränderte: Durch Verstellung der Chronologie, Verknüpfung von Perspektiven u. a. m. gelang es ihm häufig, krimi-ähnliche Spannungsbögen aufzubauen.
Im 1. Weltkrieg war er zuerst als Korporal der k.u.k. Armee an der serbischen Front, wurde dann schwer verwundet und schließlich Oberleutnant im Kriegspressequartier tätig (Soldat im Prager Korps, 1922), von seinen Vorgesetzten einmal gefeiert, einmal diszipliniert. Bei Kriegsende 1918 war K. Kommandant der Roten Garde in Wien. Der Versuch der Errichtung einer Räte-Republik blieb freilich stecken.
K. lebte dann hauptsächlich in Berlin; seine Sammlung Der rasende Reporter (1925), unter anderem über den Tod Lenins, die Einführung des Schillings als österreichische Währung und die 1. Olympischen Winterspiele in Chamonix, verschafften ihm als "Rasenden Reporter" einen bleibenden Markennamen.
Er machte ausgedehnte Reisen, auch in die UdSSR (Zaren, Popen, Bolschewiken, 1927). 1933 wurde der Kommunist K. von der NS-Regierung wegen Brandstiftung verhaftet, nach Intervention der tschechoslowakischen Regierung aber wieder entlassen. Seine Reportagen, verbunden mit persönlichem Aktionismus, wurden nun immer markierter anti-nationalsozialistisch (Landung in Australien, 1937). Im spanischen Bürgerkrieg schloss er sich den Republikanern an, ging dann über die USA in mexikanische Exil, wo er maßgeblich an der Gründung der Gruppe "Freies Deutschland" beteiligt war.
Schon 1946 kehrten K. und seine Frau aus dem mittelamerikanischen Exil nach Prag zurück. Er wurde in den Stadtrat gewählt. Nach seinem Tod knapp zwei Jahre später erhielt K. ein Staatsbegräbnis.