Ernst Weiß
 
1884-08-28 [Brünn (Mähren, A)\Brno (CZ)] bis 1940-06-14 [Paris (F) - Selbstmord]

 


Quelle: AEIOU

W. war der zweite Sohn eines jüdischen Tuchhändlers. Der Vater starb früh. Der Sohn studierte Medizin, kurz in Prag und dann in Wien (Promotion 1908), und absolvierte dort seine Facharztausbildung zum Chirurgen.

Ab 1911 lebte er wieder in Wien und begleitete die ?Austria?, einen Dampfer des Österreichischen Lloyd, als Schiffsarzt auf eine Fernostreise, um ein Lungenleiden auszukurieren. 1913 schloss er Freundschaft mit Franz Kafka, im folgenden ersten Weltkriegsjahr war er Militärarzt bei einem Infanterieregiment. Etwa ab 1912 hatte er eine intensive Beziehung mit der Tänzerin und Schauspielerin Rahel Sanzara, und - soweit kriegsbedingt möglich - verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt mehr und mehr nach Prag.

Mit der politischen und nationalen Neuorientierung der Stadt nach Kriegsende konnte er sich nicht anfreunden, gab seinen Beruf als Arzt auf und lebte - nun freier Schriftsteller - von 1921 bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 in Berlin.

Als Schriftsteller näherte sich W. der Neuen Sachlichkeit (Der Fall Vukobrankovics, 1924), als Mensch Ludwig Winder, Joseph Roth und Stefan Zweig, von dem er auch finanziell unterstützt wurde. 1934 emigrierte W. nach Paris; unmittelbar beim Einmarsch der deutschen Truppen in die französische Hauptstadt 1940 nahm er sich das Leben.

Schon um 1910 herum hatte er auch zu schreiben begonnen, von Freunden - wie Albert Ehrenstein - ermutigt. Nach vielen Ablehnungen veröffentlichte S. Fischer seinen ersten Roman (Die Galeere, 1913). Aus einem geschlossenen sozialen Kreis (W. selbst: "wie ein Benzolring") können die Figuren nicht heraus, der Protagonist Erik Gyldental stirbt als Röntgenologe langsam an einer Berufskrankheit. Das Wienbild des Romans schwebt zwischen dem Arthur Schnitzlers und jenem Ivan Cankars. Auch die folgenden Romane (darunter Tiere in Ketten, 1918) sind stark von expressionistischen Zügen geprägt: Pathos zum einen und durchbrechende Gefühle zum anderen beherrschen den Erzählprozess, mehr und mehr mischen sich Motive des Krieges hinein.

Im Exil setzte sich W. mehrfach literarisch mit dem Nationalsozialismus auseinander. Sein Roman Der Augenzeuge, 1963 aus dem Nachlass veröffentlicht, schildert die Biografie des späteren Führers aus der Perspektive eines ihn behandelnden Arztes.




 

Wiss. Gesellsch.

siehe auch

Historischer Scan

Literatur
  • Peter Engel (Hg.), Ernst Weiß, 1982 Buchhandlung
  • Sabine Adler, Vom "Roman expérimental" zur Problematik des wissenschaftlichen Experiments, Untersuchungen zum literarischen Werk von Ernst Weiß, 1990 Buchhandlung
  • Margarita Pazi, Ernst Weiß. Schicksal und Werk eines jüdischen mitteleuropäischen Autors in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, 1993 Buchhandlung
  • Ernst Weiß, Die Galeere, Roman, 1913 Buchhandlung
  • Ernst Weiß, Tiere in Ketten, Roman, 1918 Buchhandlung

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Externe Links



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