Georg, Ritter von Schönerer
 
1842-07-17 [Wien (A)] bis 1921-08-14 [Rosenau am Kamp (Niederösterreich, A)]

 


Quelle: AEIOU

Der bürgerliche Vater Mathias Schönerer hatte das einst gräfliche Schloss Rosenau samt dazugehörigem Gut im westlichen Niederösterreich erworben, das später auch der Sohn übernahm und dann beachtenswerte soziale und wirtschaftliche Reformen umsetzte.

Bereits im "Ausseer Programm" vom 24. September 1868 hatten die "Deutschen Autonomisten" eine Abtrennung Galiziens, der Bukowina und Dalmatiens - mit großen Anteilen von slawischer und jüdischer Bevölkerung - von der westlichen ("österreichischen") Reichshälfte gefordert, um im verbleibenden Rest eine Vorherrschaft der Deutschsprachigen abzusichern. Georg, ein Spätstarter, kanalisierte diese Strömungen ab 1879 als Führer der österreichischen deutschnationalen Bewegung, der sogenannten Alldeutschen.

Er war ein fundamentaler Gegner eines multinationalen und multikulturellen österreichischen Staates, engagierte sich früh für eine politische Vereinigung mit dem Deutschen Reich, in der antikatholischen "Los-von-Rom-Bewegung" und konvertierte zum Protestantismus.

Unter den Schönerianern waren ursprünglich - neben Karl Lueger - auch maßgebliche Figuren der österreichischen Sozialdemokratie, wie Engelbert Pernerstorfer und Viktor Adler: Sie verließen die Alldeutschen jedoch während der Redaktion des "Linzer Programms" von 1883, das die nationalchauvinistischen Züge verschärfte und auch einen Antisemitenparagraphen enthielt.

1888 brachte Sch. eine terroristische politische Aktion ins Gefängnis und kostete ihn Adelsprädikat, Reserveoffiziersrang und Abgeordnetenmandat. Die Bewegung verfügte mit den Zeitungen "Alldeutsches Tagblatt" und "Grazer Wochenblatt" und der Zeitschrift "Unverfälschte deutsche Worte" über mehrere Printmedien.

Seine Anhänger rekrutierte der Politiker hauptsächlich aus den nationalen Burschenschaften, den deutschen Turnvereinen und aus dem Sudetengebiet insgesamt: Bei den Parlamentwahlen von 1901 erhielt die Alldeutsche Partei 21 Mandate, 20 davon aus Wahlkreisen im Königreich Böhmen.

Sch. gehörte der Wiener nationalen Burschenschaft "Gothia" an Wien und ist bis heute "Ehrenbursch" vieler nationaler Studentenverbindungen. Von ihm führen klar erkennbare Linien zu Adolf Hitler und zu deutschtümelnden, europafeindlichen Tendenzen der heutigen österreichischen "Freiheitlichen Partei" (FPÖ).




 

Wiss. Gesellsch.

siehe auch

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Literatur
  • Andrew G. Whiteside, Georg Ritter von Schönerer. Alldeutschland und sein Prophet, 1981 Buchhandlung

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