Ferdinand von Saar
 
1833-09-30 [Wien (A)] bis 1906-07-24 [Wien (A) - Selbstmord]

 


Quelle: AEIOU

S. entstammte dem Beamten-Adel. Früh vaterlos geworden, trat er - nach Besuch des Schottengymnasiums in Wien - 1849 als Kadett in das kaiserliche Heer ein. Während seines Dienstes an verschiedenen böhmischen und mährischen Garnisonen (Brünn/Brno, Olmütz/Olomuc, Iglau/Iglava, Prag/Praha, Theresienstadt/Terecin) und in Wien erkannte er, dass künstlerische Berufung mit dem öden Alltag auf dem Manöverfeld schlecht zu vereinbaren war, lernte aber auch sonderbare Menschentypen kennen, die er später als Prototypen verwendete.

Nach dem italienischen Feldzug 1859 quittierte er auf eigenen Wunsch den Dienst. Finanzielle Sorgen und Misserfolge plagten ihn, bis er in Josephine von Wertheimstein, der Fürstin Salm und der Fürstin Marie zu Hohenlohe zuverlässige Gönnerinnen fand. 1881 heiratete er Melanie Lederer, die drei Jahre darauf Selbstmord beging. Seine um die Jahrhundertwende aufsteigende Anerkennung war ihm durch das Leiden am Darmkrebs vergällt, bis er sich 1906 zum Freitod entschloss.

Die ersten schriftstellerischen Versuche erbrachten Dramen, die sich aber auf dem Theater nicht durchsetzen können - einige von ihnen wurden zwar gedruckt, aber kaum aufgeführt. Den darin stark ausgeprägten Hang zum Historismus überwand S. in der Prosa. Schloß Kostenitz (1893) vermittelt die Befangenheit der Menschen in Veranlagungen und vorgegebenen Umständen, die selbst durch (Nächsten-)Liebe nicht zu bezwingen sind. Die Novellen aus Österreich (1897), die ihm zum Ansehen verhalfen, zeichnen sich durch eine besondere Verbindung von Empfindsamkeit und Fatalismus im Stile Schopenhauers aus. Die Wiener Elegien (1893) werfen auf die Großstadt einen wehmütig-kritischen Blick.

1890 wurde S. mit dem Franz-Joseph-Orden ausgezeichnet, 1902 in das Herrenhaus berufen. Um die Jahrhundertwende galt er neben Marie Ebner-Eschenbach als einer der größten Schriftsteller Österreichs und Wegbereiter der Wiener Moderne.




 

Wiss. Gesellsch.

siehe auch

Historischer Scan Historische Lexikonstelle

Literatur
  • Ernst Kobau (Hg.), Rastlos zieht die Flucht der Jahre . . . Josephine und Franziska von Wertheimstein und Ferdinand von Saar, Böhlau, 1997 Buchhandlung
  • Kurt Bergel (Hg.), Ferdinand von Saar: Zehn Studien, Ariadne Press, 1995 Buchhandlung
  • Herbert Klauser, Ein Poet aus Österreich: Ferdinand von Saar - Leben und Werk, Literas-Universitätsverlag, 1990 Buchhandlung
  • Ferdinand von Saar, Schloß Kostenitz, Erzählung, 1893 Buchhandlung
  • Ferdinand von Saar, Novellen aus Österreich, 1897 Buchhandlung
  • Ferdinand von Saar, Wiener Elegien, 1893 Buchhandlung

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