Ada Christen
 
1839-03-06 [Wien (A)] bis 1901-05-23 [Wien (A)]

 


Quelle: AEIOU

Ada wurde unter dem Namen Christiane Rosalia Friderick 1893 in Wien geboren. Ihr Vater war Kaufmann, stand in der 1848er Revolution auf der Seite der Aufständischen, wurde verurteilt, verlor sein Vermögen und starb im Gefängnis. Die bürgerliche Familie geriet in eine finanzielle Notsituation, musste in die Vorstadt übersiedeln, wo Adas überforderte Mutter als Heimarbeiterin den familiären Lebensunterhalt verdiente.

Gegen den Willen der Mutter nahm die rothaarige und stattliche Ch. Schauspielunterricht, schloss sich einer Wandertruppe an und zog durch alle Kronländer der Monarchie. Eine Heirat mit einem ungarischen Juristen bot ihr die Zeit und das Geld, ihre lückenhafte Bildung zu vervollständigen. Nach dem Tod ihres gemeinsamen Kindes und kurz darauf ihres Mannes in den 1860er Jahren kehrte sie ohne finanzielle Mittel nach Wien zurück und arbeitete als Animierdame. Mit Adalmar von Breden, einem Herausgeber von militärischen Zeitungen, begann sie ein Liebesverhältnis, 8 Jahre später folgte die Heirat. Die Verbindung, die bis zu Ch. Tod bestand, war von beiderseitigen Seitensprüngen geprägt.

Ferdinand von Saar, den Ch. flüchtig während ihrer Schauspiel-Ausbildung kennen gelernt hatte, wurde zu dieser Zeit auf ihr schriftstellerisches Talent aufmerksam. Mit seiner Hilfe veröffentlichte Ch. ihre erste autobiographische Gedichtsammlung Lieder einer Verlorenen (1869), die zum Sensationserfolg und - von der Autorin durchaus provoziert - zum Skandal wurde. Ch. sprach darin offen von Sexualität und dem Wunsch nach körperlicher Liebe. Ihren dadurch erworbenen "Ruf" nutzte Ch. durch weitere Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen gekonnt zur Anhäufung eines ansehnlichen Vermögens.

Ab 1874 erschienen weitere Skizzen und Erzählungen, in denen Ch. die Situation des vorstädtischen Heimarbeiter- und Handwerkermilieus bzw. des deklassierten Bürgertums beschrieb und darin ihre Kindheits- und Jugenderfahrungen verarbeitete. In ihrer Wohnung traf sich der Verein der Wiener Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, und neben von Saar entstand auch eine enge Freundschaft mit Ludwig Anzengruber.

Nachdem Breden zuerst sein Vermögen verloren, sich anschließend aber die finanzielle Situation des Ehepaares wieder gebessert hatte, wurde Ch. nervenkrank, zog sich aus der Gesellschaft zurück und verbrachte viel Zeit mit Reisen und Aufenthalten in Venedig und Fiume. Gleichzeitig verblasste Ch.s literarischer Ruhm. Versuche, durch den Roman Jungfer Mutter sowie Volksstücke daran anzuschließen, scheiterten, denn für Naturalisten war ihre soziale Anklage zu wenig radikal, für die Autoren von und um Jung-Wien war sie zu sehr den Strömungen des 19. Jahrhunderts (Heine, Dickens, Storm) verhaftet.

Ch. starb 1901 in Wien. Testamentarisch hatte sie verfügt, dass in ihren Grabstein nicht ihr bürgerlicher Name, sondern ihr Künstlername, Ada Christen, eingemeißelt werden sollte.




 

Wiss. Gesellsch.

siehe auch

Historischer Scan

Literatur
  • Christa Gürtler, Sigrid Schmid-Bortenschlager, Eigensinn und Widerstand. Schriftstellerinnen der Habsburgermonarchie, Ueberreuter, 1998 Buchhandlung

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