75 Der Christ in der Krankheit
Auch wenn keine unmittelbare Todeskrankheit besteht,
fühlt sich der länger Kranke ausgeschlossen aus der Gemeinschaft. Er lebt
am Rande. Es ist eine wichtige Aufgabe der Gemeinde, sich um die Kranken zu
kümmern und sie zu besuchen. Sie sollen frei sein von wirtschaftlichen Sorgen,
sollen teilnehmen können am Leben der Gemeinde, soweit möglich auch an der
Eucharistie. (Vergl. Nr. 371)
Der Kranke wird von den Fragen der menschlichen Existenz stärker angerührt
als der Gesunde. Er kann daher bewußter leben und glauben. Er kann aber auch
leichter scheitern. Daher sind für den Kranken das Wort der Schrift und das
Gebet besonders wichtig.
Für den Getauften ist Krankheit nicht sinnlos. Sie wird zur Teilnahme am erlösenden
Leiden Christi. Der Kranke ist berufen, auf diese Weise dem Heil der Welt
zu dienen.
Vielerlei Not kommt auf den Menschen zu. Für die besondere Not der Kranken
hat Christus ein eigenes Sakrament vorgesehen. In der Krankensalbung zeigt
er sich als Heiland, der die Kranken liebt und der dem Menschen gerade in
der Gefährdung des Lebens nahe ist.
Zur Krankensalbung richtet man das Zimmer her und
bereitet einen Tisch mit Kreuz, Kerzen und Weihwasser vor.
Der Priester begrüßt den Kranken und die Anwesenden. Es folgt das allgemeine
Schuldbekenntnis oder die Beichte. In unmittelbarer Todesgefahr kann anschließend
dem Kranken der vollkommene Ablaß gewährt werden.
Danach wird von einem Anwesenden ein Wort aus der Heiligen Schrift gelesen
(z.B. Jak 5, 13-16; Röm 8, 18-27; Röm 8, 31b-39). Nach den Fürbitten legt
der Priester dem Kranken die Hände auf. Dann spricht er über das Öl ein Dankgebet:
P Sei gepriesene, Gott, allmächtiger Vater: Für uns und zu unserem Heil hast
du deinen Sohn in diese Welt gesandt.
Wir loben dich. A Wir preisen dich.
P Sei gepriesen, Gott, eingeborener Sohn: Du bist in die Niedrigkeit unseres
Menschenlebens gekommen, um unsere Krankheiten zu heilen.
Wir loben dich. A Wir preisen dich .
P Sei gepriesen, Heiliger Geist, Du unser Beistand: Du stärkst uns in den
Gebrechlichkeiten unseres Leibes mit nie erlahmender Kraft.
Wir loben dich. A Wir preisen dich.
P Herr, schenke deinem Diener / deiner Dienerin, der/die mit diesem heiligen
Öl in der Kraft des Glaubens gesalbt wird, Linderung seiner/ihrer Schmerzen
und stärke ihn/sie in seiner/ihrer Schwäche. Durch Christus, unseren Herrn.
A Amen.
Nun salbt der Priester den Kranken auf der Stirn
und auf den Händen. Dabei spricht er:
P DURCH DIESE HEILIGE SALBUNG HELFE DIR DER HERR IN SEINEM REICHEN ERBARMEN,
ER STEHE DIR BEI MIT DER KRAFT DES HEILIGEN GEISTES:
DER HERR, DER SICH VON SÜNDEN BEFREIT, RETTE DICH, IN SEINER GNADE RICHTE
ER DICH AUF. A AMEN.
Nach einem Gebet des Priesters sprechen alle das Vaterunser. Danach können
der Kranke und die Anwesenden, wenn sie es wünschen, die heilige Kommunion
empfangen. Die Feier schließt mit dem Segen des Priesters.
(1) Das Sterben des Christen :
mit Christus durch den Tod zum Leben
Das Leben des Menschen ist überschattet von der
Gewißheit des Todes. Christus aber hat in seinem Sterben den Tod besiegt und
in seiner Auferstehung uns den Zugang zum ewigen Leben geöffnet. In der Taufe
wird der Mensch mit Christus verbunden und erhält Anteil an seinem Leben.
In der Kommunion empfängt der Christ den Leib des Herrn als Kraft für seinen
Weg durch das Leben; für den Gläubigen wird die Kommunion auch zur Wegzehrung
auf dem letzten Weg durch den Tod in das ewige Leben. Im christlichen Sterben
vollenden sich die Taufe und das christliche Leben.
"Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: lebe wir,
so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben
oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn" (Röm 14, 7-8).
Wer daher lebt und stirbt im Glauben an diese Verbindung mit dem Herrn, in
der Hoffnung auf die Vollendung im Tod und in der Liebe zu Gott und den Menschen,
für den ist das Sterben Übergang ins neue Leben.
Beim Begräbnis ehren wir den Leib, in dem dieses menschliche und göttliche
Leben sich ausgeprägt hatte, und geben ihn der Erde zurück als Samenkorn für
die Auferstehung.
(2) Das Sterben des Christen in der Gemeinschaft der Kirche
Alle Glieder des Leibes Christi, die Getauften
auf erden, die Armen Seelen in der Läuterung und die Vollendeten im Himmel,
sind miteinander verbunden. Darum bittet die Kirche auf erden, der Verstorbene
möge von seinen Sünden gereinigt und mit den Heiligen zum Festmahl im Reich
Gottes zugelassen werden. Insbesondere feiert sie für die Verstorbenen die
Eucharistie; sie verkündet darin Tod und Auferstehung des Herrn und dankt
für die Erlösung; sie bekennt ihren Glauben an das ewige Leben und erhält
jetzt schon daran Anteil am Tisch des Herrn. Die Lebenden sind nirgends enger
verbunden mit den Verstorbenen als in Christus; diese Gemeinschaft wird verwirklicht
in der Eucharistie.
Vom Sterben eines Christen ist die ganze Gemeinde betroffen. Ihre Aufgabe
ist es, für den Verstorbenen zu beten, in Gebet und Gesang den Glauben an
die Auferstehung zu bekräftigen, die Angehörigen dadurch in ihrem Schmerz
zu trösten und durch Werke der Nächstenliebe die Verbundenheit der Glieder
mit Christus und untereinander zu stärken.
(3) Am 2. November, dem Tag Allerseelen, betet
die Kirche in besonderer Weise um das Heil ihrer verstorbenen Glieder. In
der Feier der Eucharistie und im gläubigen Empfang der Sakramente, in Gebet
und Ablaß und durch den Besuch der Friedhöfe zeigen die Gläubigen ihre Verbundenheit
mit denen, die ihnen im Glauben vorausgegangen sind. Sie vertrauen auf Gottes
Barmherzigkeit und bekennen die Auferstehung des Fleisches und die Gemeinschaft
der Heiligen (1. November).
Einen Ablaß für die Verstorbene gewinnt, wer am Allerseelentag eine Kirche
oder einen Friedhof besucht und dabei das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis
verrichtet; Voraussetzung sind Beichte, Kommunionempfang und Gebet in der
Meinung des Heiligen Vaters.
Der Christ, der in unmittelbarer Todesgefahr schwebt,
soll durch das Sakrament der Wegzehrung mit dem Leib und dem Blut Christi
gestärkt werden. Dies kann mit Zustimmung des Bischofs auch innerhalb einer
häuslichen Meßfeier geschehen.
Im Unterschied zur Form der einfachen Krankenkommunion (vgl. Nr. 371) erneuert
der Kranke beim Empfang der Wegzehrung das Bekenntnis des Glaubens, das er
bei der Taufe abgelegt hat:
Glaubst du...? - Ich glaube.
Bei der Spendung sagt der Priester:
Christus bewahre dich und führe dich zum ewigen Leben. Der Kranke antwortet:
Amen.
Schlußgebet des Priesters
Gott, dein Sohn ist für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben. Schau gnädig
her auf deinen Diener N. (Dienerin). Er (Sie) hat sich deinen Verheißungen
anvertraut und ist gestärkt durch den Leib und das Blut deines Sohnes. Laß
seine (ihre) Hoffnung nicht zuschanden werden. Gib, daß er (sie) in frieden
das Kommen deines Reiches erwarte. Durch Christus, unseren Herrn. A Amen.
Das Gebet in der Sterbestunde verbindet den Menschen
mit seinem Gott. Die Umstehenden helfen dem Sterbenden, die Zuversicht zu
stärken und die Angst vor dem Tod im Glauben zu bewältigen.
Rufe
(1) Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.
Der Herr ist mein Licht und mein Heil.
Ich bin gewiß, zu schauen die Güte des Herrn im Lande der Lebenden.
Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott.
Herr, in deine Hände leg ich voll Vertrauen meinen Geist.
Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.
Jesus, Maria, Josef, steh mir bei im letzten Kampf.
Jesus, dir leb ich, Jesus, dir sterb ich, Jesus, dein bin ich tot und lebendig.
(2) Lesungen
Die Leidensgeschichte des Herrn aus einem der vier Evangelien oder Mt 25,1-13;
Offb 21,1-7; Offb 22.
(3) Psalmen
22, Nr. 715-717; 23, Nr. 718; 24, Nr. 122; 90, Nr. 736; 91, Nr. 698; 113,
Nr.693; 122, Nr. 692
Litaneien
Allerheiligenlitanei Nr. 762; Litanei vom Leiden Christi, Nr. 766
(4) Gebete
Fünf Wunden, Sieben Worte Jesu am Kreuz Nr. 776, (einzelne Stücke), Kreuzwegstationen
Nr. 775, Gesätze des schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes, "Sei gegrüßt,
o Königin", Passionslieder.
Wenn der Augenblick des Verscheidens unmittelbar bevorzustehen scheint, kann
einer der Anwesenden sprechen:
(5) Mache dich auf den Weg, Bruder (Schwester) in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist. Heute noch sei dir im Frieden eine Stätte bereitet, deine Wohnung bei Gott im heiligen Zion, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit dem heiligen Josef, mit... (Namenspatron) und mit allen Engeln und Heiligen Gottes.
Gebet unmittelbar nach dem Verscheiden
A Kommt herzu, ihr Heiligen Gottes, / eilt ihm (ihr) entgegen, ihr Engel des
Herrn. / Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz
des Allerhöchsten.
V Christus nehme dich auf, der dich berufen hat, und in das Himmelreich sollen
Engel dich geleiten.
A Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
V Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm (ihr).
A Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
V Lasset uns beten: Herr, unser Gott, wir empfehlen dir unseren Bruder (Schwester)
N. In den Augen der Welt ist er (sie) tot. Laß ihn (sie) leben bei dir. Und
was er (sie) aus menschlicher Schwäche gefehlt hat, das tilge du in deinem
Erbarmen. Durch Christus, unsern Herrn.
A Amen.
In den Tagen zwischen Tod und Begräbnis hält die
Gemeinde Totenwache. Nicht nur die Verwandten und Freunde des Verstorbenen
nehmen daran teil. Man versammelt sich dazu im Trauerhaus oder in der Kirche.
Nach altem Brauch wird das Abend- und Morgenlob (Totenvesper und Totenlaudes)
gebetet, (Beide sind im EGB 12 - "Gesänge zum Begräbnis" zu finden, man kann
sie auch aus "Gotteslob" zusammenstellen.) Bei der Totenwache betrachtet man
das Sterben des Christen im Licht von Tod und Auferstehung des Herrn. Es eignen
sich: der schmerzhafte Rosenkranz zusammen mit dem ersten Geheimnis des glorreichen
Rosenkranzes, die Litanei vom Leiden Jesu, Nr. 766; die Litanei für die Verstorbenen,
Nr. 770; Die Andacht zum Totengedenken, Nr. 791; der Kreuzweg, Nr. 775; die
Andacht von den sieben Worten Jesu am Kreuz, Nr. 776; viele Psalmen, Lieder
aus den Abschnitten "Tod und Vollendung", Nr. 652-664 und "Passion" Nr. 174-194.