Institut für Praktische Theologie - Universitätsplatz 1 - A-5020 Salzburg
Tel: +43-662-8044-2800 - Fax: +43-8044-251 - e-mail: elke.schäfer@sbg.ac.at
Universität Salzburg | Universitätsdirektion | Katholisch-Theologische Fakultät | Universitätsbibliothek

75 Der Christ in der Krankheit

Auch wenn keine unmittelbare Todeskrankheit besteht, fühlt sich der länger Kranke ausgeschlossen aus der Gemeinschaft. Er lebt am Rande. Es ist eine wichtige Aufgabe der Gemeinde, sich um die Kranken zu kümmern und sie zu besuchen. Sie sollen frei sein von wirtschaftlichen Sorgen, sollen teilnehmen können am Leben der Gemeinde, soweit möglich auch an der Eucharistie. (Vergl. Nr. 371)
Der Kranke wird von den Fragen der menschlichen Existenz stärker angerührt als der Gesunde. Er kann daher bewußter leben und glauben. Er kann aber auch leichter scheitern. Daher sind für den Kranken das Wort der Schrift und das Gebet besonders wichtig.
Für den Getauften ist Krankheit nicht sinnlos. Sie wird zur Teilnahme am erlösenden Leiden Christi. Der Kranke ist berufen, auf diese Weise dem Heil der Welt zu dienen.
Vielerlei Not kommt auf den Menschen zu. Für die besondere Not der Kranken hat Christus ein eigenes Sakrament vorgesehen. In der Krankensalbung zeigt er sich als Heiland, der die Kranken liebt und der dem Menschen gerade in der Gefährdung des Lebens nahe ist.

76 Die Krankensalbung

Zur Krankensalbung richtet man das Zimmer her und bereitet einen Tisch mit Kreuz, Kerzen und Weihwasser vor.
Der Priester begrüßt den Kranken und die Anwesenden. Es folgt das allgemeine Schuldbekenntnis oder die Beichte. In unmittelbarer Todesgefahr kann anschließend dem Kranken der vollkommene Ablaß gewährt werden.
Danach wird von einem Anwesenden ein Wort aus der Heiligen Schrift gelesen (z.B. Jak 5, 13-16; Röm 8, 18-27; Röm 8, 31b-39). Nach den Fürbitten legt der Priester dem Kranken die Hände auf. Dann spricht er über das Öl ein Dankgebet:
P Sei gepriesene, Gott, allmächtiger Vater: Für uns und zu unserem Heil hast du deinen Sohn in diese Welt gesandt.
Wir loben dich. A Wir preisen dich.
P Sei gepriesen, Gott, eingeborener Sohn: Du bist in die Niedrigkeit unseres Menschenlebens gekommen, um unsere Krankheiten zu heilen.
Wir loben dich. A Wir preisen dich .
P Sei gepriesen, Heiliger Geist, Du unser Beistand: Du stärkst uns in den Gebrechlichkeiten unseres Leibes mit nie erlahmender Kraft.
Wir loben dich. A Wir preisen dich.
P Herr, schenke deinem Diener / deiner Dienerin, der/die mit diesem heiligen Öl in der Kraft des Glaubens gesalbt wird, Linderung seiner/ihrer Schmerzen und stärke ihn/sie in seiner/ihrer Schwäche. Durch Christus, unseren Herrn.
A Amen.

Nun salbt der Priester den Kranken auf der Stirn und auf den Händen. Dabei spricht er:
P DURCH DIESE HEILIGE SALBUNG HELFE DIR DER HERR IN SEINEM REICHEN ERBARMEN, ER STEHE DIR BEI MIT DER KRAFT DES HEILIGEN GEISTES:
DER HERR, DER SICH VON SÜNDEN BEFREIT, RETTE DICH, IN SEINER GNADE RICHTE ER DICH AUF. A AMEN.
Nach einem Gebet des Priesters sprechen alle das Vaterunser. Danach können der Kranke und die Anwesenden, wenn sie es wünschen, die heilige Kommunion empfangen. Die Feier schließt mit dem Segen des Priesters.

77 Vom Sterben des Christen

(1) Das Sterben des Christen :
mit Christus durch den Tod zum Leben

Das Leben des Menschen ist überschattet von der Gewißheit des Todes. Christus aber hat in seinem Sterben den Tod besiegt und in seiner Auferstehung uns den Zugang zum ewigen Leben geöffnet. In der Taufe wird der Mensch mit Christus verbunden und erhält Anteil an seinem Leben.
In der Kommunion empfängt der Christ den Leib des Herrn als Kraft für seinen Weg durch das Leben; für den Gläubigen wird die Kommunion auch zur Wegzehrung auf dem letzten Weg durch den Tod in das ewige Leben. Im christlichen Sterben vollenden sich die Taufe und das christliche Leben.
"Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: lebe wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn" (Röm 14, 7-8).
Wer daher lebt und stirbt im Glauben an diese Verbindung mit dem Herrn, in der Hoffnung auf die Vollendung im Tod und in der Liebe zu Gott und den Menschen, für den ist das Sterben Übergang ins neue Leben.
Beim Begräbnis ehren wir den Leib, in dem dieses menschliche und göttliche Leben sich ausgeprägt hatte, und geben ihn der Erde zurück als Samenkorn für die Auferstehung.

(2) Das Sterben des Christen in der Gemeinschaft der Kirche

Alle Glieder des Leibes Christi, die Getauften auf erden, die Armen Seelen in der Läuterung und die Vollendeten im Himmel, sind miteinander verbunden. Darum bittet die Kirche auf erden, der Verstorbene möge von seinen Sünden gereinigt und mit den Heiligen zum Festmahl im Reich Gottes zugelassen werden. Insbesondere feiert sie für die Verstorbenen die Eucharistie; sie verkündet darin Tod und Auferstehung des Herrn und dankt für die Erlösung; sie bekennt ihren Glauben an das ewige Leben und erhält jetzt schon daran Anteil am Tisch des Herrn. Die Lebenden sind nirgends enger verbunden mit den Verstorbenen als in Christus; diese Gemeinschaft wird verwirklicht in der Eucharistie.
Vom Sterben eines Christen ist die ganze Gemeinde betroffen. Ihre Aufgabe ist es, für den Verstorbenen zu beten, in Gebet und Gesang den Glauben an die Auferstehung zu bekräftigen, die Angehörigen dadurch in ihrem Schmerz zu trösten und durch Werke der Nächstenliebe die Verbundenheit der Glieder mit Christus und untereinander zu stärken.

(3) Am 2. November, dem Tag Allerseelen, betet die Kirche in besonderer Weise um das Heil ihrer verstorbenen Glieder. In der Feier der Eucharistie und im gläubigen Empfang der Sakramente, in Gebet und Ablaß und durch den Besuch der Friedhöfe zeigen die Gläubigen ihre Verbundenheit mit denen, die ihnen im Glauben vorausgegangen sind. Sie vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und bekennen die Auferstehung des Fleisches und die Gemeinschaft der Heiligen (1. November).
Einen Ablaß für die Verstorbene gewinnt, wer am Allerseelentag eine Kirche oder einen Friedhof besucht und dabei das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis verrichtet; Voraussetzung sind Beichte, Kommunionempfang und Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters.

78 Die Wegzehrung

Der Christ, der in unmittelbarer Todesgefahr schwebt, soll durch das Sakrament der Wegzehrung mit dem Leib und dem Blut Christi gestärkt werden. Dies kann mit Zustimmung des Bischofs auch innerhalb einer häuslichen Meßfeier geschehen.
Im Unterschied zur Form der einfachen Krankenkommunion (vgl. Nr. 371) erneuert der Kranke beim Empfang der Wegzehrung das Bekenntnis des Glaubens, das er bei der Taufe abgelegt hat:
Glaubst du...? - Ich glaube.
Bei der Spendung sagt der Priester:
Christus bewahre dich und führe dich zum ewigen Leben. Der Kranke antwortet: Amen.
Schlußgebet des Priesters
Gott, dein Sohn ist für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben. Schau gnädig her auf deinen Diener N. (Dienerin). Er (Sie) hat sich deinen Verheißungen anvertraut und ist gestärkt durch den Leib und das Blut deines Sohnes. Laß seine (ihre) Hoffnung nicht zuschanden werden. Gib, daß er (sie) in frieden das Kommen deines Reiches erwarte. Durch Christus, unseren Herrn. A Amen.

79 Sterbegebete

Das Gebet in der Sterbestunde verbindet den Menschen mit seinem Gott. Die Umstehenden helfen dem Sterbenden, die Zuversicht zu stärken und die Angst vor dem Tod im Glauben zu bewältigen.
Rufe
(1) Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.
Der Herr ist mein Licht und mein Heil.
Ich bin gewiß, zu schauen die Güte des Herrn im Lande der Lebenden.
Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott.
Herr, in deine Hände leg ich voll Vertrauen meinen Geist.
Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.
Jesus, Maria, Josef, steh mir bei im letzten Kampf.
Jesus, dir leb ich, Jesus, dir sterb ich, Jesus, dein bin ich tot und lebendig.

(2) Lesungen
Die Leidensgeschichte des Herrn aus einem der vier Evangelien oder Mt 25,1-13; Offb 21,1-7; Offb 22.

(3) Psalmen
22, Nr. 715-717; 23, Nr. 718; 24, Nr. 122; 90, Nr. 736; 91, Nr. 698; 113, Nr.693; 122, Nr. 692

Litaneien
Allerheiligenlitanei Nr. 762; Litanei vom Leiden Christi, Nr. 766

(4) Gebete
Fünf Wunden, Sieben Worte Jesu am Kreuz Nr. 776, (einzelne Stücke), Kreuzwegstationen Nr. 775, Gesätze des schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes, "Sei gegrüßt, o Königin", Passionslieder.
Wenn der Augenblick des Verscheidens unmittelbar bevorzustehen scheint, kann einer der Anwesenden sprechen:

(5) Mache dich auf den Weg, Bruder (Schwester) in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist. Heute noch sei dir im Frieden eine Stätte bereitet, deine Wohnung bei Gott im heiligen Zion, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit dem heiligen Josef, mit... (Namenspatron) und mit allen Engeln und Heiligen Gottes.

Gebet unmittelbar nach dem Verscheiden
A Kommt herzu, ihr Heiligen Gottes, / eilt ihm (ihr) entgegen, ihr Engel des Herrn. / Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
V Christus nehme dich auf, der dich berufen hat, und in das Himmelreich sollen Engel dich geleiten.
A Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
V Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm (ihr).
A Nehmt auf seine (ihre) Seele / und führt sie hin vor das Antlitz des Allerhöchsten.
V Lasset uns beten: Herr, unser Gott, wir empfehlen dir unseren Bruder (Schwester) N. In den Augen der Welt ist er (sie) tot. Laß ihn (sie) leben bei dir. Und was er (sie) aus menschlicher Schwäche gefehlt hat, das tilge du in deinem Erbarmen. Durch Christus, unsern Herrn.
A Amen.

80 Die Totenwache

In den Tagen zwischen Tod und Begräbnis hält die Gemeinde Totenwache. Nicht nur die Verwandten und Freunde des Verstorbenen nehmen daran teil. Man versammelt sich dazu im Trauerhaus oder in der Kirche.
Nach altem Brauch wird das Abend- und Morgenlob (Totenvesper und Totenlaudes) gebetet, (Beide sind im EGB 12 - "Gesänge zum Begräbnis" zu finden, man kann sie auch aus "Gotteslob" zusammenstellen.) Bei der Totenwache betrachtet man das Sterben des Christen im Licht von Tod und Auferstehung des Herrn. Es eignen sich: der schmerzhafte Rosenkranz zusammen mit dem ersten Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes, die Litanei vom Leiden Jesu, Nr. 766; die Litanei für die Verstorbenen, Nr. 770; Die Andacht zum Totengedenken, Nr. 791; der Kreuzweg, Nr. 775; die Andacht von den sieben Worten Jesu am Kreuz, Nr. 776; viele Psalmen, Lieder aus den Abschnitten "Tod und Vollendung", Nr. 652-664 und "Passion" Nr. 174-194.

Inhalt

Home


Design: Alexandra Kunstmann
last modified: Tuesday, 12-Jun-2001 16:18:42 CEST