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Modulansatz zur Selbstevaluation von Schulentwicklungsprojekten

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Institut für Erziehungswissenschaften></A><A HREF=Universität Salzburg

Konzept - Schlüsselbegriffe

Der "Modulansatz zur Selbstevaluation von Schulentwicklungsprojekten" - kurz MSS - ist ein Instrument zur Selbstevaluation, das speziell für den Einsatz in der Schulentwicklung und Schulprofilbildung entwickelt worden ist. Er besteht aus einem Modulpool, der sich aus einzelnen Modulen zusammensetzt, welche ihrerseits jeweils einen bestimmten schulischen Themenbereich abdecken. Somit haben die jeweils Verantwortlichen und Engagierten an den Schulen die Möglichkeit, die für sie relevanten Module auszuwählen und zu einem Fragebogen zusammenzustellen, der speziell auf die eigene Schule mit ihren Rahmenbedingungen und individuellen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen zugeschnitten ist (Schulspezifität).

Die meisten Module sind sowohl bei SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern einsetzbar und erlauben daher eine multiperspektivische Betrachtung von schulischen Themenbereichen. Neben einer Diagnose des faktischen IST-Zustands einer Schule kann bei einigen Modulen auch die Erhebung des Wunsch- bzw. angestrebten Idealzustands (SOLL-Analyse) durchgeführt werden (Diskrepanzanalysen). Dies erleichtert die konsensuelle Festlegung von Zielen im Rahmen der Schulentwicklung.

Darüber hinaus sind neben vorgegebenen Aussagen und Fragen (quantitative Erhebung) auch für jeden Themenbereich offene Fragenstellungen (qualitative Erhebung) einsetzbar. Der MSS ist für Vollerhebungen (alle SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern einer Schule) konzipiert und erlaubt somit eine Analyse der Grundgesamtheit aber auch Detailanalysen von Subgruppen bis hin zur Klassenebene (z.B. Klassenklima, Aggressionsherde, detailliertes Lehrerfeedback für alle Lehrer in allen Unterrichtsfächern).

Grundsätzlich ist mittels MSS auch ein Vergleich mit anderen - allerdings anonymisierten - Schulen möglich. Die Anonymität der Einzelschule, aber auch einzelner Personen kann bei einem MSS-Einsatz vollständig gewahrt bleiben, falls dies gewünscht wird. Der MSS wird grundsätzlich nur an Schulen eingesetzt, in denen sich die Schulpartner (SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern) auf die Themenbereiche und die Vorgangsweise der Evaluation einvernehmlich und vertraglich festlegen. Ein einmaliger Einsatz des MSS kann allerdings nur ein blitzlichtartiges Bild der jeweiligen Schulwirklichkeit zu Tage fördern (Querschnitterhebung), ein wiederholter Einsatz (Längsschnittuntersuchung) kann jedoch dieser Verzerrungstendenz fundiert entgegenwirken.

Alles in allem ist der MSS ein äußerst flexibles Evaluationsinstrument, in dem das  methodische Expertenwissen (Erziehungs- und SozialwissenschaftlerInnen der Universität Salzburg mit dem Schwerpunkt MSS-Schulevaluation) mit dem spezifischen Wissen der pädagogischen PraxisexpertInnen an der jeweiligen Schule (DirektorIn und LehrerInnen vorort) verknüpft wird.

 

Modulpool

Der Modulpool besteht aus derzeit aus ca. je 150 Modulen mit über 3500 Fragen für Lehrer, Eltern und Schüler. Aus diesem Pool können von den an der Schulentwicklung mitarbeitenden Personen(gruppen) jene Module ausgewählt werden, die für die konkrete Schule von besonderer Bedeutung sind. Der Modulpool wird permanent weiterentwickelt und dem aktuellen Forschungsstand angepaßt. Der Gesamtbestand beträgt derzeit ca. 4000 Fragen (Items) und der Auswahlprozeß ist für die Schule ein wichtiger Schritt, um sich nur auf die "brennendsten Fragen" der eigenen Schule zu konzentrieren. Das MSS-Team hilft mit, darüber hinaus spezifische Fragen für die jeweilige Schule zu formulieren, die bislang noch keine Entsprechung im Modulpool gefunden haben.
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Modul

Ein Modul ist eine (relativ) abgegrenzte Einheit, die einen bestimmten schulischen Themenbereich abdeckt. (z. B. Klassenklima, Klassenvorstand, Elternkontakte, Direktor, Lehrerfeedback, Klassenraum, Schulveranstaltung, Schulbewältigungsstrategien, Aggressionen, Bildungsziele, Schulgemeinschaftsausschuß, etc.). Jedes Modul setzt sich aus unterschiedlich vielen Statements (Aussagen bzw. Fragen) zum entsprechenden Themenbereich zusammen. Meist stehen 5 Antwortkategorien zwischen 1 (stimmt genau) bis 5 (stimmt nicht) zur Verfügung, um den Grad der Zustimmung zur Frage/Statement zum Ausdruck zu bringen. Insgesamt stehen im MSS derzeit ca. jeweils 150 Module für Schüler, Lehrer und Eltern zur Verfügung bei einem Gesamtvolumen von ca. 4000 schulrelevanten Fragen (Items).
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Modultypen

Es gibt verschiedene Typen von Modulen:

  • Personengruppenübergreifende Module: sie sind bei allen schulrelevanten Personengruppen (SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern) einsetzbar und erlauben eine multiperspektivische Betrachung eines Themenbereichs.

Beispiele : Schulklima, Schulveranstaltungen, Direktor, Stärken und Schwächenprofil der Schule, Bildungsziele.

  • Personengruppenspezifische Module: hierbei handelt es sich um Module, welche nur jeweils bei einer Personengruppe sinnvoll einsetzbar sind.

Beispiele: Konferenzen bei Lehrern, Elternvereinssitzungen bei den Eltern, Feedback für die einzelnen Klassensprecher bzw. Klassenvorstände bei den Schülerbögen.

  • Schulstufenspezifische Module: Für die Schülergruppe wurden auch schulstsufenspezifische Module konzipiert.

Beispiel: Mit ihnen können Fragen nach den Überstiegsproblemen von einer Schule zur anderen (Unterstufe), Gründe für den Schulwechsel (Mittelstufe) , Vorbereitung auf die Matura, das Universitätsstudium und die Arbeitswelt (Oberstufe) untersucht werden.

  • Absolventenmodul: Das Absolventenmodul wurde entwickelt, um den Schulen zusätzlich die Möglichkeit zu geben, Rückmeldungen von ehemaligen Schülern zu erheben. Hier liegt die Überlegung zugrunde, daß mit dem Abschluß der Schule und dem Eintritt in ein Universitätsstudium bzw. in die Arbeitswelt häufig ein Perspektivenwechsel einhergeht, der die Schule mit ihren Anforderungen in einem anderen Licht erscheinen lassen kann. Diese veränderte Perspektive ist für die Verantwortlichen in der Schule von ebensolcher Bedeutung wie die Perspektive der SchülerInnen, die sich noch im Schulprozeß befinden, da es ja auch ein wesentliches Ziel der Schule ist, die SchülerInnen auf ein künftiges Studium bzw. auf die Arbeitswelt vorzubereiten und aus der Distanz die Schulerfahrungen unter Umständen anders gesehen und bewertet werden.

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Skalen und Fragebatterien

Skalen bestehen aus einer fest zusammengefügten Anzahl von Aussagen bzw. Fragen und sind in dieser Zusammensetzung aus wissenschaftlichen Gründen nicht veränderbar. Eine Skala kann folglich nur so wie sie ist eingesetzt werden. (Beispiel: Schulangst, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, etc.)

Bei Fragebatterien (Normalfall) können einzelne Aussagen/Fragen bzw. Aussagegruppen gestrichen werden, ohne daß dadurch das Instrument untauglich werden würde. (Beispiel: Aggression, Klassenklima, etc.)
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Expertenwissen:

Theoretiker (Wissenschaftler) und Praktiker (Lehrer): Durch den MSS wird das unterschiedliche Expertenwissen von WissenschaftlerInnen und LehrerInnen miteinander verknüpft und so ein Synergieeffekt erzielt. Die Wissenschaftler bringen ihr Know-How zur Erstellung reliabler und valider Meßinstrumente und zur korrekten und verläßlichen statistische Datenauswertung ein, während die LehrerInnen der jeweiligen Schule ihr breites Erfahrungswissen aus ihrer täglichen Praxis an der konkreten Schule in die Modulauswahl einfließen lassen können. Schüler und Eltern sind ebenfalls Experten der "spezifischen Perspektive ihrer Schule".
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Diskrepanzanalysen

Unter Diskrepanzanalysen versteht man die Gegenüberstellung der tatsächlich wahrgenommenen Schulrealität (an einer bestimmten Schule) und dem gewünschten Idealzustand (IST-SOLL-Vergleich). Jene Bereiche, wo große Diskrepanzen (Differenzen) ersichtlich werden, zeigen mitunter jene Problemfelder auf, wo Handlungsbedarf gegeben ist – diese Diskrepanzen können sowohl innerhalb einer Gruppe bezogen auf einen speziellen Aspekt berechnet werden, als auch durch Mittelwertsvergleiche unterschiedlicher Gruppen hinweg (Schüler-Lehrer-Eltern) Abstimmungsbedarf nahelegen.

Beispiel "Bildungsziele": Wie werden die theoretisch möglichen Bildungsziele und -aufgaben an dieser Schule tatsächlich verwirklicht und wie würde eine ideale Realisierung aussehen. Derartige Diskrepanzanalysen über alle schulrelevanten Personengruppen hinweg haben den Vorteil, daß sie einfache und (relativ) konfliktfreie Formulierung von Zielen für die Schulentwicklung und Schulprofilbildung erlauben.


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Evaluation

Unter Evaluation versteht man in der Wissenschaft die systematische Anwendung sozialwissenschaftlicher - meist empirischer - Methoden zur Aus- und Bewertung der Konzeption, der Implementation und des Nutzens einer sozialen Interventionsmaßnahme. Im Rahmen von Schulentwicklungsprozessen geht es um die Anwendung wissenschaftlich fundierter und damit verläßlicher Erhebungsinstrumente zur Überprüfung des Nutzens von Schulentwicklungsmaßnahmen.

Beispiel: Hat die MSS-Analyse ergeben, daß an einer Schule hohe Aggressionswerte festzustellen sind und zugleich bei allen drei Personengruppen ein starker Wunsch nach einem Fach ‚Sozialerziehung‘, so kann ein bestimmtes Sozialtraining eingeführt werden. Das Training selbst, insbesondere seine Auswirkungen, sind aber zu evaluieren. Nur so kann sichergestellt werden, daß das Training auch tatsächlich den gewünschten Effekt erbringt und nicht etwa nutzlos oder gar kontraproduktiv ist.

Grundform von Evaluationen

PRÄERHEBUNG ð INTERVENTION ð POSTERHEBUNG

(Ersterhebung)   (Veränderungsmaßnahme)   (Zweiterhebung)

 

Typen von Evaluation:

EVALUATION

÷   ø

FORMATIV

 

SUMMATIV

PROZESSUAL

 

STATISCH

FEED BACK

 

BEWERTUNG

 

(a) Formative Evaluation:

Bei der formativen Evaluation werden einzelne Phasen einer Intervention evaluiert und die Ergebnisse dienen dazu auf den Gesamtprozeß zurückzuwirken, ihn zu korrigieren, zu modifizieren bzw. zu optimieren. Evaluation in diesem Sinne ist eine Form von Feed-Back, das der Verbesserung einer Intervention dient.

Beispiel aus dem Schulbereich: Lehrerqualifikation für Soziales Lernen. Nach jeder Sitzung werden bestimmte Bereiche abgefragt: z. B. persönlich belastend, neue Informationen, Vertrauen in die Kompetenz, Soziales Lernen jetzt besser unterrichten zu können, usw... Die Erhebungsergebnisse werden zur Vorbereitung der nächsten Trainingseinheit herangezogen.

(b) Summative Evaluation:

Bei der sogenannten summativen Evaluation geht es um die abschließende Bewertung einer Intervention. Meist klärt sie ab, ob eine Maßnahme beibehalten oder aber abgeschafft werden soll.

Beispiel aus dem Schulbereich: Einhaltung der neu erarbeiteten und verabschiedeten Hausordnung.

(c) Transferevaluation:

Diese Form der Evaluation soll überprüfen, ob der Effekt, der durch eine bestimmte Intervention erreicht wurde, auch auf andere Bereiche übertragen - transferiert - wird. Transferevaluation ist im Schulbereich besonders wichtig, zumal sie die eigentlich wichtige Frage beantworten soll, was aus den Schülerinnen und Schülern nach dem Schulabschluß geworden ist – die Perspektive der Absolventen ist für planvolle Schulentwicklung unabdingbar und stellt dadurch eine nötige Ergänzung zur direkten Evaluation des aktuellen Schulprozesses und der darin involvierten SchülerInnen dar. Sie bringt die Einschätzung durch Erfahrungen jener ein, die mit dem, was sie an der Schule seinerzeit erworben haben (sollten) die Herausforderungen des Studiums oder der Arbeitswelt bewältigen müssen. Es mag für SchülerInnen im Schulprozeß die eine oder andere Anforderung schwer nachvollziehbar sein, im Lichte der Aufgaben an der Universität oder im Berufsleben können aber gerade die dadurch erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse als sehr wichtig erkannt werden. Ein Perspektivenwechsel von der Schulsituation zur Universitäts- bzw. zur Berufssituation mag also durchaus auch zu einer Revidierung der früherer Bewertungen führen!

(d) Selbstevaluation versus Fremdevaluation

Der Evaluationsbegriff läßt sich auch danach einteilen, von wem eine Evaluation durchgeführt wird: von der zu evaluierenden Institution selbst (intern) oder von außen (extern).

Von Fremdevaluation spricht man dann, wenn die Evaluation nicht von den (dauerhaften) Mitgliedern der Institution selbst – also ‚Fremden‘ – verordnet, geplant, durchgeführt und ausgewertet wird. Auch eventuelle Konsequenzen werden extern beraten und umgesetzt.

Wird hingegen eine Evaluation von den (dauerhaften) Mitgliedern einer Institution beschlossen, geplant und durchgeführt, so spricht man von Selbstevaluation – unabhängig davon, ob zur professionellen technischen Durchführung Hilfe von außen (Experten) herangezogen wird oder nicht. Der MSS ist ein Selbstevaluationsansatz in diesem Sinne.
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Leitbild & Schulprofil

In einem Leitbild wird die Grundhaltung formuliert, nach der sich die Organisation in allen ihren Tätigkeiten nach außen und nach innen orientiert. Mit der Formulierung von Leitbildern soll jedoch eine Prägnanz und Deutlichkeit und damit auch Kommunizierbarkeit erreicht werden, um sich selber, aber auch anderen ("Kundschaft: Schüler & Eltern" & Schulbehörde) klarer bewußt zu machen, was man will und wohin man will. Unter einem ‘Leitbild’ versteht man die Summe von Leitsätzen, die Miniaturversion von übergeordneten Grundsätzen eines Lehrplans. Nach innen wird damit der Wertekonsens des Lehrkörpers oder vielleicht sogar der Schulpartnerschaft (falls diese eingebunden war) signalisiert. Leitbilder mögen noch so klar und griffig erscheinen, sie sind aber notwendigerweise immer abstrakt. Um die Leitsätze umsetzen zu können bedarf es weiterer Konkretisierung durch das Schulprogramm.

Ein Schulprogramm ist folglich die schriftliche Ausformulierung, Fixierung und damit Konkretisierung von Leitbildern. Für das konsensuale Grundeinverständnis, wie es im Leitbild ausgedrückt wird, werden nun strategische Maßnahmen formuliert und beinhaltet beispielsweise Zielsetzungen, Arbeitsmethoden, Arbeitsschwerpunkte, Kompetenzen und Potentiale, Geschichte der Schule, Kooperationen, Organisationsstruktur und -kultur, Finanzgestaltung, Angebote und Tätigkeitsbereiche,...

Durch das Schulprogramm wird der individuelle Charakter der Schule noch konkreter sichtbar. Nach außen erleichtert man der "Kundschaft" eine bessere Orientierung und grenzt sich auch gegenüber anderen Schulen ab. Nach innen wird durch die Schaffung eines gemeinsamen Selbstverständnisses über Grundlagen und Richtung der Arbeit an der Schule das Wir-Gefühl – und damit die "Schul-Identität" - gestärkt.
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Schulentwicklung

Aktuelle Herausforderungen für das Bildungssystem wie auch für die einzelnen Schulen gibt es heute mehr als genug: Angefangen von der Flut an technischen Neuerungen (z.B.: (Mini-)Computer, Software, Internet,... und den sich dadurch entwickelnden neuen Berufsfeldern), über neue bzw. verstärkt zu Tage tretende soziale Aufgaben (hoher Anteil an Ausländern nicht-deutscher Muttersprache, Veränderung der Qualität der Aggressionen an den Schulen, zunehmend gesellschaftspolitischer Druck in Richtung Behindertenintegration und die damit einhergehende schleichende partielle Auflösung sowie partielle Umgestaltung des Sonderschulbereichs, fortschreitender Verlust konfessioneller Bindungen und Zugehörigkeiten (verschärft durch die Zuwanderung aus den mittel- und osteuropäischen Staaten) und damit die Notwendigkeit konfessionsübergreifender oder konfessionsneutraler Werterziehung (Stichwort: Ethikunterricht)) bis hin zu regional sehr verschiedenen wirtschaftlichen Erfordernissen in einem zusammenwachsenden Europa (Stichwort: Basisqualifikationen wie Kommunikationsfertigkeiten, Teamfähigkeit, Konfliktmanagement, soziale Kompetenz) und dem immer spürbarer werdenden Druck der Globalisierung (Bedeutung neuer (Ost-) Sprachen in einem Europa der Bürger, Flexibilität und damit einhergehendes interkulturelles Adaptationsvermögen).

Durch die (partielle) Dezentralisierung entstehen regionale Gestaltungsfreiräume, die schulspezifische Entwicklungen mit charakteristischen Inhaltsschwerpunkten erlauben und so die Architektur charakteristischer Einzelschulprofile eröffnen. Allerdings gilt auch für die Schule, was für jeden einzelnen Menschen gilt: Wo die Freiheit an Boden gewinnt, dort wächst auch die Verantwortung. Die im Rahmen der Schulautonomie neu gesetzten Initiativen und Interventionen, die von jeder Schule selber ausgehen können und müssen, sind auf ihre Zielerreichung hin zu evaluieren.
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Vollerhebung

Der MSS ist für Vollerhebungen konzipiert. Es sind also alle Personen (SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern) grundsätzlich eingeladen zu schulischen Themenfeldern Stellung zu beziehen. Niemand wird ausgeschlossen, übersehen, mundtot gemacht, aber auch niemand zur Teilnahme gezwungen. Die Form des Fragebogens erlaubt zudem die Vermeidung von Meinungsinselbildungen im Vorfeld oder im Erhebungsprozeß selbst. Ebenso spielt die Eloquenz des/der einzelnen bei dieser Form keine verzerrende Rolle. Allein der Umstand, daß alle eingeladen sind, aktiv Gedanken über die eigene Schule zu machen, kann ein erster wichtiger Schritt in Richtung Schulentwicklung sein. Der Umstand, daß sich in MSS-Projekten bereits bei der Fragebogenkonstruktion Schüler, Lehrer, Eltern einbringen ist meist ein guter Garant für erfreulich hohe Rücklaufquoten beim Ausfüllen.

Vollerhebungen erlauben darüber hinaus eine differenzierte Auswertung. So kann etwa bei den SchülerInnen bis auf das Klassenniveau mittels aggregierter Daten das Klassenklima ausgewertet werden oder Aggressionsherde lokalisiert werden, um dann spezifische Interventionsmaßnahmen einleiten zu können. Es kann die Gruppe der Fahrschüler auf deren Zufriedenheit mit dem Stundenplan detaillierter analysiert werden. Die den LehrerInnen kann etwa festgestellt werden, ob Lehrer bestimmter Fächer (z.B. Bildnerische Erziehung, Musik, Turnen, ...) andere Probleme, Änderungswünsche, etc. haben als Lehrer, die andere Fächer unterrichten (Mathematik, Englisch, ...). Eltern mit Kinder in unterschiedlichen Schulstufen könnten auf ihre Wahrnehmung hinsichtlich der Informationsweitergabe durch die Kinder, den Elternverein, die Direktion verglichen werden ...
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Schulpartner

Im Unterrichtsgesetz ist die Schulpartnerschaft – die konstruktive Zusammenarbeit von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern – festgelegt und geregelt. Der MSS nimmt auf diese gesetzliche Grundlage besondere Rücksicht, indem alle Schulpartner an der Erhebung (Planung, Modulauswahl, Rückmeldung) explizit beteiligt werden. Wird an einer Schule kein Konsens zwischen den Schulpartnern - etwa bezüglich Modulauswahl und Handhabung der Anonymität - gefunden, so kommt der MSS nicht zum Einsatz.
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Zielformulierung

In der Praxis zeigt sich immer wieder, daß der Übergang zwischen diagnostischer Evaluationsphase (Ersterhebung=Präerhebung) und der Realisierung von Veränderungsmaßnahmen eine sensible, oft problematische Phase darstellt. Der MSS versucht diesen Übergang von der Diagnostik zur Intervention durch die Möglichkeit von SEIN-SOLLEN-Vergleichen (Diskrepanzanalysen) in einigen Bereichen zu erleichtern: Dort wo alle am Schulprozeß beteiligten Personengruppen dieselben Diskrepanzen zwischen Wunsch (SOLL) und Wirklichkeit (SEIN) feststellen, lassen sich sehr leicht und harmonisch Ziele für die Weiterarbeit im Schulentwicklungsprozeß formulieren. In umstrittenen Themen hingegen ist es vielfach eine wertvolle Hilfe für die Diskussion, wenn die tatsächlichen Meinungsverhältnisse aufgrund der Vollerhebung klar und offen aufliegen und nicht mehr darüber gemutmaßt werden muß und kann.
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Fragebogen

Neben anderen Methoden der Datengewinnung (Interviews, Tests, Minikonferenzen, Steuergruppentreffen, etc.) lassen sich insbesondere durch Fragebögen äußerst ökonomisch und verläßlich simultan viele Antworten auf gezielte Fragen einholen. Diese sind standardisiert und großteils statistisch anschaulich auswertbar. Ein weiterer Vorteil bei Fragebögen ist die Unbeeinflussbarkeit durch andere Befragte, was insbesondere bei Gruppeninterviews oder Diskussionen, bei denen einzelne unter Druck geraten können, nicht gegeben ist. Die eigene Meinung und Wahrnehmung der Schulwirklichkeit zählt, der Rechtfertigungsdruck hingegen fällt weg. Die Anonymität ist gewährleistet und es kommen auch all jene zum Zug, die sich anders oft nicht aktiv in die Schulentwicklung einbringen würden.

Gerade in der Erstellung der Fragebögen und der Datenauswertung kommt das MSS-Team mit entsprechender Kompetenz und Erfahrung jenen Schulen entgegen, die aufgrund profunder Datenlage Entscheidungen treffen wollen, aber oft ziemlich unerfahren in der Fragebogenkonstruktion und -auswertung  sind.

Ein großes Problem bei den MSS-Schulen war bisher die Reduktion der "potentiellen Fragen aus dem Modulpool" auf ein verkraftbares Maß, das sowohl für die Betroffenen erträglich ist. Auch die zu erwartende Datenflut bei "Megafragebögen" kann für eine Schule erschlagend wirken! Als Richtwert werden 2-4, aber maximal 8 DIN-A4 Seiten bei der Ersterhebung für Schüler, Lehrer, Elternbögen (ohne Lehrerfeedback) empfohlen. Zu späteren Meßzeitpunkten ist es angebracht, neben einigen Standardfragen sich auf jene Themen zu beschränken, in deren Bereich Neuerungen stattgefunden haben und eine entsprechende Veränderungsmeßung angebracht ist. Die Länge des Fragebogens hängt in der Regel von der Anzahl der Fragen (gewählte Module plus schuleigene Fragen) sowie den finanziellen Möglichkeiten der MSS-Projektfinazierung ab (Kostenvoranschlag).
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Quer- und Längsschnitterhebungen

Querschnittuntersuchung: Zu einem bestimmten Zeitpunkt werden alle Schüler, Lehrer, Eltern einer Schule mittels MSS-Fragebogen aufgefordert, Position zu unterschiedlichsten Bereichen einzunehmen. Dies erfüllt die Funktion – ähnlich wie bei einem Blitzlicht – für einen Augenblick die "eigene Schule" zu beleuchten. Die Ergebnisse sind als Stimmungsbild zu verstehen – gerade deshalb ist eine Vollerhebung wichtig, um nicht zusätzliche Verzerrungen in der Momentaufnahme berücksichtigen zu müssen. Der Zeitpunkt für die Untersuchung ist sehr wesentlich. Er sollte nicht unmittelbar vor oder nach Ferien sein, nicht im ärgsten Schulstreß sondern zu einer relativ "schulalltäglichen" Zeit stattfinden. Das Schuljahr sollte schon zum Normalbetrieb angelaufen sein, damit auch die Neulinge der ersten Klassen (Schüler und Eltern) erste Impressionen sammeln können. Der Vorteil ist die Gleichzeitigkeit der Datenerhebung bei Schüler, Lehrer, Eltern und somit eine Vermeidung von Meinungsinseln, die – absichtlich oder unabsichtlich – durch ihre Standpunkte die Meinung der anderen verändern und manipulieren.

Längsschnittuntersuchung: Aufgrund der Ergebnisse bei der ersten Untersuchung wird die Schule auf die Datenlage entsprechend reagieren. Ob die Veränderungen tatsächlich etwas bewirkt haben – und falls ja, was genau – wird sich verläßlich nur durch eine weitere Datenerhebung in einem angemessenen Zeitabstand nachprüfen lassen. Natürlich ist auch die zweite Messung wiederum nur eine Momentaufnahme, allerdings können sich durch ein regelmäßig Datenerhebungen deutliche Trends herauskristallisieren. Es könnte beispielsweise das Schulklima permanent steigen durch interaktive Maßnahmen zwischen allen Personengruppen, das Aggressionspotential durch Sozialtrainings nach und nach zurückgehen, die Elternbeteiligung am Elternverein erhöht werden, weil der Elternverein dem Wunsch nach Transparenz seiner Entscheidungen immer mehr Nachdruck durch Informationskampagnen verleiht, die Lehrer und der Direktor durch Feedback immer realistischer ihre Stärken und Schwächen sehen und gezielter an sich arbeiten können. Durch die mehrmalige Messungen (Posterhebungen) können auch Veränderungen an der Schule deutlich dokumentiert werden (Veränderungsmessung).
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Vergleich mit anderen Schulen

Der MSS ist ein Instrument, das primär zur Evaluation von Entwicklungsprozessen an konkreten Einzelschulen entwickelt wurde. Der Vergleich mit anderen Schulen (Ranking) war und ist primär nicht intendiert. Dennoch lassen sich in einzelnen Bereichen auch Vergleiche zu anderen – freilich anonymisierten - Schulen ziehen. So etwa bei der Frage nach dem Wiederbesuch der Schule. Da jede Schule mit ihrem spezifischen konstruierten MSS-Fragebogen Daten ihrer Schule erhebt, gibt es nur wenige Frage, die überhaupt einen Schulvergleich ermöglichen würden. In diesen Fragen wäre es aber grundsätzlich möglich, sich an den Vergleichszahlen anderer Schulen zu messen – besonders ideal ist dies an der schulstufenspezisfischen Auswertung der Frage "nach meinen bisherigen Erfahrungen würde ich diese Schule wiederbesuchen" demonstrieren.
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Anonymität

Zunächst ist klar festzuhalten, daß Evaluationen in den Lebens- bzw. Arbeitsbereich von Menschen eingreifen! Daher werden sie zu recht oft als potentiell bedrohlich erlebt! Die Wahrung des Persönlichkeitsschutzes ist ein wichtiges Anliegen, das auch und gerade in sozialwissenschaftlichen Evaluationsprojekten gewahrt werden muß.

Andererseits kann es aber wohl auch nicht so sein, daß gleich bei den geringsten subjektiven Nutzenüberlegungen ein Evaluationsprojekt geopfert wird, dessen Ergebnisse seinerseits zu wichtigen verbesserten Ergebnissen für das Gemeinwohl führen können. Es gilt also abzuwägen zwischen dem wohlbegründeten persönlichen Wohl (Privatsphäre) und einem ebenso wohlbegründeten allgemeinen Nutzen der Erhebung.

Im folgenden sollen die Grundsätze und Richtlinien der ESF (European Science Foundation) aufgelistet werde. Die ESF hat folgende Richtlinien erlassen, der sich alle wissenschaftlichen Evaluatoren unterziehen sollten – für den MSS-Einsatz sind diese Richtlinien verbindlich:

 

Grundsätze und Richtlinien der European Science Foundation zum Datenschutz

1

Die Verarbeitung personenbezogener Daten setzt eine gesetzliche Ermächtigung voraus, oder die informierte Einwilligung der Betroffenen.

2

Informierte Einwilligung liegt vor, wenn der Betroffene ausdrücklich und eindeutig aufgeklärt wurde über:

(a) die Datenerhebung freiwillig ist,

(b) die Verweigerung der Datenerhebung zu keinerlei negativen

Konsequenzen führt,

(c) welchen Zweck das Evaluations/Forschungsprojekt verfolgt,

(d) wer der Auftraggeber bzw. der "Erheber" ist.

3

Die personenbezogenen Daten dürfen nicht für nicht bekanntgegebene andere Zwecke weiterverarbeitet oder anderen Institutionen bekannt gemacht werden, wenn diese für den Betroffenen Konsequenzen haben können.

4

Die Leiter einer Evaluationsstudie gewähren die Einhaltung des Datenschutzes.

Fragen der Anonymität sind vor Durchführung eines MSS-Projekts vertraglich festzulegen! Dieser Kontrakt wird zwischen MSS-Team und dem Schulgemeinschaftsausschuß (SGA) geschlossen. Die ausgefüllten Fragebogen und die Originaldaten bleiben ausschließlich im MSS-Datenzentrum, damit nicht schulintern die Anonymität aufgehoben werden kann. Bei einer weiteren Datenerhebung an der gleichen Schule ist es möglich, die Daten derselben Personen zusammenzuhängen, da durch einen privaten Code, den nur der Computer und der Ausfüller kennen (Chiffre), die Daten unterschiedlicher Zeitpunkte verschmolzen werden können, um den Nachweis zu erbringen, ob die gesetzten Ziele bzw. positive Veränderungen bei den Betroffenen erreicht wurden.
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Lehrerfeedback

Der Einsatz des Moduls "Lehrerfeedback", das in unterschiedlich ausführlichen Varianten vorliegt, ermöglicht eine detaillierte und aufschlußreiche Rückmeldung seitens aller SchülerInnen für jeden einzelnen Lehrer. Jeder Lehrer bekommt die eigenen Mittelwerte aus jeder Klasse für seine Fächer und kann sich an den Schulmittelwerten in den einzelnen Kriterien messen. Da es sich um personenbezogene Daten handelt, ist eine ausführliche Diskussion über die Anonymität in diesem Fall von größter Wichtigkeit.
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Quantitative und qualitative Erhebung

Die Module des MSS bestehen zum überwiegenden Teil aus vorgegebenen Aussagen bzw. Fragen, von denen in der Regel einzelne Fragen/Aussagen entsprechend den Bedürfnissen der einzelnen konkreten Schule ausgewählt werden können (Ausnahme: Skalen). Diese Aussagen sind meist auf einer Bewertungsdimension von 1 (stimmt genau) bis 5 (stimmt nicht) zu bewerten. Dies stellt eine quantitativ auswertbare Erhebung dar. Es lassen sich statistisch leicht verständliche Prozentzahlen und Mittelwerte berechnen und anschauliche Graphiken und Tabellen erstellen.

Neben diesem quantitativen Vorgehen liegen aber zu jedem Themenbereich zusätzlich noch offene Fragen vor, die sicherstellen sollen, daß keine wichtigen Informationen verloren gehen.

Es besteht also für jeden die Möglichkeit, sich auch verbal zu den einzelnen Themen mittels "Anmerkungen" zu äußern. Die Auswertung dieser qualitativen Antworten führen zu einer idealen Vernetzung von "empirischen Daten" und "subjektiven, inhaltlichen Ergänzungen".
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Multiperspektivität

Im Schulprozeß sind verschiedene Personengruppen – SchülerInnen, LehrerInnen und auch Eltern – involviert. Es ist daher notwendig, schulische Themenfelder aus den Blickwinkeln dieser drei Personengruppen zu beleuchten.

Nur eine derartige Vorgangsweise genügt den gesetzlichen Vorgaben zur Schulautonomie. Dadurch, daß die meisten Module des MSS personengruppenübergreifend konzipiert sind, stellt der MSS ein besonders geeignetes Instrument dar, die drei Perspektiven in geeigneter Weise zu verknüpfen.
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Schulspezifität

Da der MSS so konzipiert ist, daß er eine fundierte Datenlage im eigenen Schulentwicklungsprozeß liefert. Da bekanntlich keine zwei Schulen gleich sind, gibt es auch keinen Fragebogen, der für mehrere Schulen identisch eingesetzt werden könnte. Der eine Vorteil des Modulpools ist es, aus einer Vielzahl von Fragen jene herauszufiltern, die für die spezifische MSS-Schule als geeignet und interessant eingestuft werden, ohne "das Rad ständig neu zu erfinden". Einige dieser Fragen werden unter Umständen bereits in anderen Schulen eingesetzt worden sein, was die Möglichkeit bietet, anonymisierte Schulvergleiche anzustellen. Ein zweiter Vorteil besteht darin, über das Angebot des Modulpools hinaus, eigene schulspezifische Fragen zu formulieren und auszuwerten. Bei herkömmlichen Fragebogen- und Testverfahren war das Bestreben seitens Wissenschaft und Schulbehörde meist groß, Schulvergleiche und Rankings zu ermöglichen bzw. Analysen auf nationaler oder internationaler Ebene durchzuführen. Beim MSS hingegen besteht das ausdrückliche Bemühen darin, der Situationsspezifität der jeweiligen Schule Rechnung zu tragen und letztlich die Profilbildung unterschiedlichster Schulen - in Rahmen ihrer Autonomie - zu unterstützen.
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© 1999 MSS-Projekt -- Universität Salzburg, (andreas.paschon@sbg.ac.at)
Letzte Änderung: Wednesday, 25-May-2011 09:51:03 CEST , (stefan.gmoser@sbg.ac.at)