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Einstellungen junger MigrantInnen zu Nationalsozialismus und Holocaust

Projektleitung: Reinhard Krammer (Salzburg)

Um Geschichtsunterricht zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust einerseits auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen in multiethnischen Klassen abstimmen und ande-rerseits die Forderungen und Zielsetzungen des Lehrplans in die Praxis umsetzen zu können, ist eine erweiterte Kenntnis der Grundhaltungen und Einstellungen auch der SchülerInnen anderer ethnischer Zugehörigkeit notwendig. In Bezug auf das Ge-schichtsbewusstsein junger MigrantInnen in Österreich und den daraus abzuleitenden Folgerungen für den Geschichtsunterricht wissen wir jedoch noch sehr wenig. Damit fehlt uns die Basis für die Beantwortung der Kernfrage: Mit welchen politisch-historischen Wissensbeständen, Erfahrungen und Haltungen müssen wir rechnen, wenn die Kommunikation über die Vergangenheit - über Nationalsozialismus und Holocaust - aufrecht erhalten werden und letztlich in einem Eintreten für Toleranz, Menschenrechte und friedliches Zusammenleben münden soll?
Inwieweit sind z.B. SchülerInnen aus türkischen MigrantInnenfamilien mit ihrer Geschichte und dem Genozid an den ArmenierInnen vertraut oder bereit sich damit auseinander zusetzen? Was bedeutet das für ihre Einstellung zur „österreichischen“ NS-Vergangenheit und zum Holocaust? Woher beziehen sie dazu ihre Informationen? Welche Positionen nehmen sie ein? Inwiefern spielen ihre Erfahrungen als „AusländerInnen“ in Österreich eine Rolle?

Die Projektergebnisse sollen Lehrern und LehrerInnen des Unterrichsfaches Geschichte Kenntnisse und Hilfestellungen zur Verfügung stellen, die Voraussetzung sind, um die vielen Berührungs- und Konfrontationsängste der Lehrenden in Zusammenhang mit Nationalsozialismus und Holocaust verringern und neue methodisch-didaktische Möglichkeiten des Geschichtsunterrichts eröffnen. (Geschichts-) Unterricht wird glaubwürdiger und wirkungsvoller, wenn Kulturaustausch nicht nur theoretisch gelehrt, sondern direkt im Klassenzimmer umgesetzt und erfahrbar gemacht wird. Zur Entwicklung eines multiethnischen Geschichtsbewusstseins gehört eben auch das positive und aktive Einbeziehen der Lebenswelten und Sichtweisen junger MigrantInnen, zu der dieses Forschungsprojekt im Sinne des Unterrichtsprinzips des „Interkulturellen Lernens“ beitragen möchte.
Die Ziele des Projekts sind:
 Erkenntnisse über die (Vor-)Einstellungen von MigrantInnen in Österreich zu Nationalsozialismus und Holocaust gewinnen,
 eine Kategorisierung der vorgefundenen Einstellungen und
 Schlussfolgerungen in Bezug auf die Konsequenzen der Ergebnisse für einen Geschichtsunterricht der Zukunft.
Die Ergebnisse bilden die empirische Grundlage für eine dementsprechende Umsetzung in der Praxis, d.h. für die zukünftige Unterrichtsplanung und neue Unterrichtskonzepte

Im Rahmen des geplanten Forschungsprojekts werden im Bundesland Salzburg Jugendliche mit unterschiedlichem Migrationshintergrund aus verschiedenen Schulen unterschiedlichen Schultyps ausgewählt und befragt. Sie sollen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren sein, d.h. die Thematik im Unterricht schon behandelt haben. Im Rahmen von Tonbandinterviews geben sie Auskunft über ihre Einstellungen zu Nationalsozialismus und Holocaust. Es handelt sich um eine österreichische Regionalstudie, die in Folgeprojekten ergänzt und verglichen werden kann.
Die Befragungen liegen im Bereich der qualitativen empirischen Sozialforschung. Um Einblick in die subjektiven Sichtweisen und sozialen Lebenswelten der MigrantInnen zu bekommen, sollen ca. 30 offene Leitfadeninterviews durchgeführt werden, wobei so weit wie möglich narrative Freiheit gelassen wird. Für die Erfassung der Grunddaten (Name, Geburtsdatum, Herkunftsland usw.) werden Fragebögen verwendet. Die Kontaktaufnahme mit den MigrantInnen erfolgt über Schulen, LehrerInnen und Hospitationen im Unterricht.

 

„Inventing the EU“ – Zur De-Konstruktion von „fertigen Geschichten“ über die EU in deutschen, polnischen und österreichischen Schulgeschichtsbüchern

Projektleitung: Christoph Kühberger (Salzburg) und Dirk Mellies (Greifswald)


Die Geschichte der Europäischen Union, verstanden als der historische Integrationsprozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte,  ist seit einigen Jahren auch Stoff der Zeitgeschichte und somit Teil des Geschichtsunterrichtes. Durch das historische Wenden dieses thematischen Bereiches stellt sich die Frage, wie die Geschichte der Europäischen Union in den Geschichtslehrwerken der Sekundarstufe I Eingang fand. Eine De-Konstruktion (im Sinn der Geschichtsdidaktik) der entsprechenden Schulbuchkapitel anhand von fünf Werken pro Land (Deutschland, Polen, Österreich) und der Austausch darüber ermöglichten es, die nationalstaatlichen Perspektiven durch Blicke von außen zu ergänzen, zu brechen und dadurch sensibler für etwaige „Sondererzählungen“ zu werden. Gleichzeitig bot die Auswahl der Länder drei verschiedene Beispiele für die Identifikation mit der EU, was sich aus den unterschiedlichen Beitrittsphasen ergibt.
Das Ziel des Projektes bestand nicht nur in einer Outputorientierung (Feststellen von „invented traditions“ im Bereich der Geschichtserzählungen, von ausgewogenen Interpretationen, Mängeln oder Einseitigkeiten etc., um einen Leitfaden für den Umgang mit der Geschichte der EU in der Schulpraxis zu gestalten), sondern auch in der Kompetenzförderung der jungen HistorikerInnen/ PolitikwissenschaftlerInnen im Umgang mit Kommunikationsstrukturen/ -kulturen in modernen Wissenschaftssystemen (Vernetzungen, Wissenschaftsorganisation).
Zur Projekhomepage

Beteiligte Universitäten: Universität Greifswald (D), Universität Salzburg (A), Universität Stettin (PL)

Ergebnisse:
Mellies, D. / Migdalski, P./ Kuehberger, Ch. et al.: Empfehlungen zum Umgang mit Geschichte anhand von Schulbuchkapiteln zur Geschichte der Europäischen Union. Greifswald 2007.
Die wissenschaftliche Publikation der Forschungergebnisse ist in Vorbereitung.

 

„Internationale Wirtschafts- und Kulturräume“ – geschichtsdidaktische Zugänge

Projektleitung: Christoph Kühberger

„Internationale Wirtschafts- und Kulturräume“ (IWK) bezeichnet einen neuen Unterrichtsgegenstand der österreichischen Handelsakademie (HAK), der erstmals ab Herbst 2008 an allen HAKs eingeführt wird. Das Fach kann man als gesellschaftliche und schulpolitische Reaktion auf die im Heute wahrnehmbare Globalisierung verstehen. Es spricht im letzten Jahr der HAK (13. Schulstufe) jene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaften an, die – so die Lehrplanvorgabe – aus geographischen und historischen Studien gespeist werden und so exemplarische Vertiefungsmöglichkeiten bietet.

Aus diesem Grund wurde ein Themenheft der Historischen Sozialkunde (1/2008) erstellt, das einen Beitrag zur möglichen Perspektivierung des Unterrichtsfaches leistet. Ausgehend von geschichtsdidaktischen Überlegungen – neuere Diskussionen der Bildungs- und Geschichtswissenschaften aufgreifend – können in einem Beitrag von Christoph Kühberger („Neue Weltgeschichte im Geschichtsunterricht Reflexionen zur Anbahnung von globalgeschichtliche Kompetenzen) Einblicke in eine didaktische Konzeption des historisch-politischen Lernens gemacht werden. Neue Weltgeschichte sowie Globales Lernen liefern dafür die Impulse.
Darüber hinaus beschäftigt sich der Beitrag von Friedrich Öhl mit dem neuen Fach aus einer Innenperspektive, der es gelingt weitere Anregungen für den konkreten Unterricht zu geben. Ein Unterrichtsbeispiele von Christoph Kühberger („Gibt es den Orient?“) verdeutlichen zusätzlich auf welche Art ein kompetenzorientierter Unterricht in IWK – hier eben im Bereich der historischen Sachkompetenz – möglich ist.

Im geschichtswissenschaftlichen Teil des Heftes bemühen sich die Afrikanisten Arno Sonderegger und Walter Schicho um eine Begriffsklärung für den afrikanischen Kontinent und die damit verbundenen Probleme für historisch-politische Betrachtungen, die kulturelle Aspekte nicht ausschließen. Die afrikanischen Räume stehen dabei als Beispiele für jene komplexen und verzweigten Zusammenhänge, die es in der Betrachtung von internationalen Wirtschafts- und Kulturräumen herauszuarbeiten gilt.

Zusätzliches Karten- und Unterrichtsmaterial findet man auf der Homepage der Historischen Sozialkunde

Ergebnisse:

Christoph Kühberger (Hg.): Internationale Wirtschafts- und Kulturräume (IWK) (=Historische Sozialkunde. Geschichte – Fachdidaktik – Politische Bildung 1/2008) Wien 2008.

Hilfestellung zum Unterricht in IWK bietet auch die Homepage „Neue Weltgeschichte“ die von Christoph Kühberger betreut wird.

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