Handel und Bankwesen in Italien

im Spätmittelalter

Autor: Jochen Gollhammer

Inhaltsverzeichnis


1.Einleitung

2.Der Handel

2.1 Die "Kommerzielle Revolution"

2.2 Land- und Seeverträge
2.3 Die bedeutendsten Märkte
2.4 Handelswege
2.5 Handelswaren

3. Das Bankwesen

3.1 Anfänge
3.2 Geschäftspraktiken

4. Nachwort

Literaturverzeichnis

 


 

1. Einleitung


Die vorliegende Seminararbeit "Handel und Bankwesen in Italien im Spätmittelalter" beschäftigt sich im Großen und Ganzem mit zwei Kapiteln, mit dem Handel und mit dem Bankwesen der oberitalienischen Städte. Im Mittelpunkt dabei stehen die, meiner Meinung nach, drei wichtigsten Städte, nämlich Florenz, Genua und Venedig. Im ersten Kapitel wird auf die Entwicklung des Handels seit der Ablöse der Bedeutung der Messen der Champagne um 1300 verstärkt eingegangen. Die von den Kaufleuten abgeschlossenen See- und Landverträge kommen hierbei ebenso zur Sprache wie die gewählten Handelsrouten und die gehandelten Waren. Spielte sich der Handel zuerst im lokalen Bereich ab wurde er später auf ganz Europa und bis in den Orient hinein ausgedehnt. Dabei errichteten die italienischen Stadtstaaten ein Netz von Handelsstützpunkten. Handelswaren waren vor allem Salz, Gewürze, Seide und Tücher aus Florenz. Im zweiten Kapitel, das sich mit dem Bankwesen beschäftigt, wird besonders auf die kaufmännischen Errungenschaften Versicherung, Wechsel und Buchführung hingewiesen. Die Etablierung eines funktionierenden Bank- und Finanzwesen ging Hand in Hand mit der Prägung von Goldmünzen seit Mitte des 13.Jahrhunderts. Ziel der Seminararbeit ist es eine Erklärung für die dominierende Rolle der oberitalienischen Kaufmannschaften im Bereich Handel und Finanzen, der sich über den ganzen betrachteten Zeitraum vollzog, zu finden.


2. Der Handel


2.1 Die "Kommerzielle Revolution"

Das Mittelmeer ist für Italien ein großer Vorteil, da es als Treffpunkt von Europa, Asien und Afrika angesehen werden kann. Seine geographische Lage ist durchaus ein entscheidender Ausgangspunkt für die Vormachtstellung nach der Umstellung des Handels. Die kommerzielle Revolution, welche um 1300 das Ende der Messen der Champagne herbeiführte, brachte den Bewohnern Italiens einen relativen Wohlstand. Am Anfang stand dabei das Ende der Völkerwanderungen. Schon während den Ausklängen kriegerischer Auseinandersetzungen wurde ein gewisser Handel zwischen den verfeindeten Mächten betrieben. Europa und der Orient handelten hauptsächlich mit Weizen und Fellen, islamische Kaufleute mit Edelmetallen aus Afrika und Asien. Als wichtigstes Kriterium wird jedoch das "Seßhaftwerden" der Kaufleute angesehen. Reiche Kaufleute traten oft nur mehr als Kreditgeber auf und schickten Vertreter auf Geschäftsreisen. Der Handel verstärkte sich und die Bevölkerungszahlen nahmen auf Grund fehlender oder seltener Kriege stark zu. Der demographische Aufschwung brachte der Wirtschaft die nötigen Anbieter, Nachfrager und Arbeitskräfte. Hand in Hand mit dieser kommerziellen Revolution ging das Anwachsen der Städte, wovon einige italienische Städte zu großer Blüte gelangten. In den Jahren von 1100 bis 1250 wuchs eine Reihe von Städten von 5000 auf 30-40,000 Einwohnern an. Die bedeutendsten städtischen Agglomerationen lagen an natürlichen Häfen, an Flüssen, an Verkehrsknotenpunkten oder an Handelswegen. Dabei war die Entwicklung der Städte eng mit dem Fortschritt des Handels verbunden.

Tabelle 1 zeigt die Bevölkerungsentwicklung in den wichtigsten europäischen Regionen in den ersten fünf Jahrhunderten des zweiten Jahrtausend. Dabei ist ersichtlich, daß Italien neben Frankreich und Deutschland immer zu den bevölkerungsreichsten europäischen Staaten gehörte. Der Rückgang von 1340 bis 1450 geht hauptsächlich auf die Folgen der Pestjahre zur Mitte des 14.Jahrhunderts zurück. Tabelle 2 führt die bevölkerungsmäßig größten Städte in Europa an, wozu vor allem die italienischen Städte, darunter auch Florenz, Venedig und Genua, auf welche in der Arbeit immer wieder eingegangen wird, gehörten.


Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung (geschätzt in Mio. Einwohner):

Land 1000 1340 1450
Italien 5 10 7,5
Frankreich 6 19 12
Iberien 7 9 7
Britannien 2 5 3
Deutschland 4 11,5 7,5

Quelle: Der große Ploetz


Tabelle 2: Einwohner europäischer Großstädte in der ersten Hälfte des 14.Jh.:

Mailand 200,000 Paris 80,000
Venedig 120,000 Köln 40,000
Genua 70,000 Gent 60,000
Florenz 120,000 Frankfurt 10,000

Quelle: Der große Ploetz


Für einen Fortschritt des Handels waren neue Methoden und Werkzeuge von Nöten. In der Antike so wie im mittelalterlichen Europa war Kapital begrenzt. Es lag nur in den Händen der Agrararistokratie. Außerdem war Kapitalismus nach gängiger Meinung unmoralisch. Hatte es ein "Kleinunternehmer" geschafft Geld zu verdienen und reich zu werden so schloß er sich der Agrararistokratie an und brachte es nicht mehr in Umlauf, was den Wirtschaftsprozeß hemmte.
Dieser Vorgang sollte sich in Italien allmählich ändern. Handwerker bauten Boote und Fahrzeuge, mit denen landwirtschaftliche Produkte transportiert werden konnten um sie auf den Märkten gegen andere Produkte einzutauschen. Am Anfang war das Risiko groß, der Gewinn dafür um so höher.

 

2.2 Land- und Seeverträge

Die Vertretung, oder prokura, war zu Beginn der Handelsfahrten eine beliebte Praxis. Diese erlaubte es einem Kaufmann sich an einem bestimmten Handelsplatz von einer anderen Person vertreten zu lassen.
Die zwei wichtigsten Geschäftspraktiken waren die commenda ( in Genua societas maris, in Venedig collegantia) und die compagnia, wobei erstgenannte für Seegeschäfte, letztere für Landgeschäfte benutzt wurde. Hauptziel beider ist die Risikoverteilung.

Im commenda-Vertrag traten beide Partner als Teilhaber auf. Ein Kaufmann , der Kreditgeber, trug das Kapitalrisiko, der andere, der Kreditnehmer, das Arbeitsrisiko. Der wandernde Kaufmann fuhr mit seiner Ladung an Produkten verschiedene Märkte an (hauptsächlich auf See). Der finanzielle Einsatz des einen belief sich auf zwei Drittel, der des anderen auf ein Drittel plus seine auf der Geschäftsreise getätigten Arbeit. Bei Verlust mußte der Kreditgeber das ganze Risiko tragen. Bei Gewinn wurde der gewährte Kredit zuerst zurückbezahlt und anschließend der Gewinn geteilt. Im Allgemeinen erhielt der Kreditgeber drei Viertel des Gewinnes, der Kreditnehmer ein Viertel. Der Vertrag lief gewöhnlich für die Dauer einer Geschäftsreise und enthielt auch bestimmte Bedingungen. Zweck des commenda-Vertrages war es die Risiken zu minimieren und die Gewinne zu erhöhen.

Der Kreditnehmer hatte den größten Einfluß darauf den Gewinn zu erhöhen, denn es war seine Aufgabe auf der Reise die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hauptsächlich hatte er es alleine in der Hand welche Häfen angefahren wurden. Er entschied über den Kauf von Produkten, er wußte über deren Qualität Bescheid und er bestimmte die Reiserouten. Es lag also fast ausschließlich an ihm, ob aus der Handelsfahrt ein Gewinn erzielt werden konnte.

Etwas abweichend, aber in der Grundstruktur dem commenda-Vertrag gleich, ist die societas maris der Genuesen. Hat der reisende Kaufmann vor Beginn der Handelsfahrt ein Drittel des Kapitals eingebracht bekam er die Hälfte des eventuellen Gewinnes. Bei Verlusten verlor er nur sein eingebrachtes Kapital. Seine Chancen zu gewinnen waren also etwas höher als zu verlieren.

Der Vertragstypus der compagnia war hingegen der für den Landweg am besten geeignetste. Die Partner sind meist eng miteinander verbunden und teilen Einsatz, Verluste und Gewinne. Oft sind es sogar Brüder oder Verwandte, welche eine compagnia abschließen. Im Unterschied zur commenda endete der Vertrag nicht nach einer Handelsfahrt, sondern nach einem vorher fest fixiertem Termin. Die Dauer einer compagnia kann jedoch mehrere Jahre dauern. In der Regel waren es drei bis fünf Jahre. Jeder Vertragspartner investierte einen gewissen Betrag. Der Anteil am Gewinn stand im Verhältnis zu seinem eingesetzten Kapital. Bei Verlust haftete jeder Gesellschafter mit seinem Privatvermögen gegenüber Dritten.
Man kann ohne weiteres sagen, daß die compagnia ein Familienbetrieb war. Oft wurden auch Heiraten effizient eingesetzt um zwei oder drei Familien miteinander zu verbinden. Einer der bekanntesten Familienunternehmen des 15.Jahrhunderts, die Medici aus Florenz, hatten Niederlassungen in vielen bedeutenden Städten Italiens (Venedig, Pisa, Mailand) und Europas (London, Brügge), welche ausschließlich von Familienmitgliedern geführt wurden.
Ein Sonderfall eines Landweg-Vertrages ist die societas terrae, die Ähnlichkeiten mit der commenda aufwies. Bei Verlust trug der Kreditgeber das alleinige Risiko, bei Gewinn wurde geteilt. Die investierten Geldbeträge konnten jedoch individuell variieren.

 

2.3 Die bedeutendsten Märkte

Die vier wichtigsten und von den Einwohnern her größten Städte Italiens waren Venedig, Mailand, Genua und Florenz. Schätzungen über die Einwohnerzahlen sind schwierig, da die vorhandenen Angaben etwas divergieren. In der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts hatten Florenz und Venedig an die 120,000 Einwohner, Genua etwa 60-80,000. Mailand zählt knapp 200,000 Einwohner. Damit gehören sie zu den bevölkerungsmäßig größten Städte in Europa der damaligen Zeit. Neben diesen "vier Großen" gibt es noch einige kleinere Städte in der Kategorie von 20-50,000 Einwohner. Nichts desto trotz lebt die Mehrheit der Bevölkerung noch immer auf dem Land. Handel und Produktion gelangten aber auch dorthin.

Zwischen dem Jahr 1000 und dem Anfang des 13.Jahrhunderts spielte sich der Handel hauptsächlich auf verschiedenen Märkten ab (Jahr-, Wochen-, Tagesmärkte). Diese Märkte spielten in ländlichen Gebieten noch eine nicht minder bedeutende Rolle als sie in den Städten nur mehr Hilfsfunktionen einnahmen. Für den Handel mit Produkten des täglichen Lebens wurden Markthallen, Magazine oder Läden gebaut. Allmählich kamen später auch Läden in Dörfern auf.
Mit der Kommerzialisierung des Handels traten auch andere Produkte in Erscheinung. Neben den für das Leben notwendigen Produkte wurden nun auch Luxusgüter aus verschiedenen Ländern gehandelt. Damit steigerte sich auch die Produktpalette. Der Wohlstand einer Stadt oder jeglicher Agglomeration konnte an der Verschiedenheit der am Markt gehandelten Waren festgestellt werden.

 

2.4 Handelswege

Schon langsam begann der Fernhandel eine immer wichtigere Rolle zu spiele. Er löste den Regional- oder Lokalhandel in seiner Bedeutung ab. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten des Transports, den zu Wasser und den zu Land. Da für die italienischen Städte auf Grund ihrer Lage der Seeweg am bedeutendsten wurde soll verstärkt auf diese Art des Transports eingegangen werden. Die Kostenfrage spielte eine entscheidende Rolle. Demnach war der Transport zu See ein Vielfaches billiger als der zu Land. Bei Wolle und Seide kostete der Transport lediglich 2 Prozent des Wertes, bei Weizen 15 Prozent. Dennoch war die Fahrt zu See auch gefährlich. Es mußte ständig mit Übergriffen von Piraten gerechnet werden. Immer wieder mußte man auch mit Mastbrüchen fertig werden.

Zentrum und Ausgangspunkt des Fernhandels wurden die oberitalienischen Städte Venedig, Genua, Florenz und Pisa. Von diesem spätmittelalterlichen Wirtschaftszentrum führten die Handelsrouten nach Byzanz und zum Schwarzen Meer im Osten, sowie nach Flandern, Deutschland, England und Skandinavien im Nordosten. Dabei floß ein für diese Zeit beachtlicher Warenstrom in beide Richtungen.
Die italienischen Stadtstaaten errichteten ein Netz von Handelsstützpunkten in Europa, der afrikanischen Küste, am Schwarzen Meer bis tief nach Asien hinein. Meistens war der Aufenthaltsplatz der Kaufleute und Matrosen örtlich abgegrenzt. Der Raum, der ihnen zugestanden wurde konnte ein Viertel am Hafen, eine Lagerhalle oder nur ein einziges Gebäude, ein fondaco, sein, in dem sie zumindest rasten, aber auch ihren Geschäften nachgehen konnten. Ein größeres Viertel konnten beispielsweise die Warenlager, Verwaltungsgebäude, Kirchen, Bäder und so weiter mit einschließen. Rechtlich unterstanden sie dem Herrn ihrer Heimatstadt und genossen auch alle Privilegien von Kaufleuten. Diese Verwaltungsperson konnte ein consul missus, ein consul electus oder ein fundacarius sein. Ihre Aufgabe bestand darin für Recht und Ordnung zu sorgen.

Vor allem Venedig und Genua schufen sich bereits im 13.Jahrhundert ein Kolonialreich im östlichen Mittelmeer und im Schwarzen Meer das sehr beachtlich war. Ziel war es ins Landesinnere vorzudringen. Die wichtigsten venezianischen und genuesischen Handelsstützpunkte waren auf Kreta und in Konstantinopel, auf Zypern und Chios, Alexandrien und Trapezunt, Caffa und Tabriz. Das bei weitem entfernteste fondaco war das von Zayton. Die westliche Route führte bis nach Flandern und England. In ihrer größten Ausdehnung umfaßte die Handelsroute den Weg von Newcastle in England bis nach Peking in China.

Italienische Kaufleute versuchten vor allem mit dem Handel von Gewürzen Gewinne zu machen, welche auf den beschwerlichen Routen aus Asien leichter als andere Produkte transportiert werden konnten. Die Nachfrage nach ihnen war groß. Durch das Mittelmeer gelangten die Gewürze schließlich nach Europa. Zum Großteil wurden sie aus den entferntesten Gebieten Asiens geholt, aus Indien, Ceylon (Sri Lanka), den Molukken oder von Java, nach Marco Polo "der größten und reichsten Insel der Welt".

Der Landhandel über größere Entfernungen ist erst etwas später in Erscheinung getreten als der Seehandel. An Bedeutung gelangte er erst im 12.Jahrhundert. Das System war dem des Seehandels ähnlich. Lokale Produkte wurden auf anderen Märkten angeboten und fremde Waren importiert. Die Transportkosten überstiegen jedoch derer auf See um ein vielfaches. Der Zeitaufwand war geringer. Auch Privilegien, wie sie Seekaufleute in vielen Niederlassungen genossen, wurden ihnen oft nicht gewährt. Auf Grund der Tatsache, daß der Transport von Produkten beschwerlich war beförderten die Landkaufleute vermehrt Kreditpapiere oder Pfandbriefe.

Ab der Mitte des 14.Jahrhundert begann eine Zeit der Krise, ausgelöst durch die Pest in den Jahren 1346-48. Der Schwarze Tod verminderte die Bevölkerungszahlen drastisch. Auch in den großen, florierenden Städten des Nordens kam es zu gewaltigen Einbussen der demographischen Zahlen. So verringerte sich die Einwohnerzahl von Florenz von ca. 100,000 auf etwa 75,000. Ein Rückgang von 25 Prozent. Ständige Kriege der Stadtstaaten untereinander und der Mongolen und Byzanz in Asien ließen auch eine weitere Expansion unmöglich machen. Im Gegenteil, in den Jahren von 1348 bis 1453 gingen viele Kolonien verloren, ausgehend von Peking, über Tabriz bis nach Konstantinopel.

Ab der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts hat die Bevölkerung aufgehört zu wachsen, sie ist sogar zurückgegangen. Die Grenzen der wirtschaftlichen Produktion und des Konsums wurden erreicht. Die undurchsichtige politische Lage in Vorderasien veranlaßte italienische Kaufleute dazu neue Märkte anstatt der altbewährten zu erkunden. Vermehrt wurden nun Handelsschiffe nach Nordeuropa geschickt, wo Venezianer hauptsächlich mit Luxusartikeln und Genuesen mit Rohstoffen für die Textilindustrie handelten.

Seit den Pestjahren und den darauffolgenden Krisen versuchten die Städte auf wirtschaftlicher Ebene mehr zusammenzuarbeiten. Dazu mußten zuerst die Verkehrsprobleme zu Land verbessert werden. Die Verbindungen über die Alpen nach Frankreich, Österreich, die Schweiz und Deutschland war bereits sehr ansprechend. Dazu wurden die Alpenpässe St.Gotthard (Öffnung 1230), Septimer und Brenner benutzt. Für die neuen Absatzgebiete wurde auch das Warensortiment umgestellt. Reis, Seide und Alaun kamen in größeren Mengen hinzu. Lokale Handelsbeziehungen gewannen wieder an Einfluß, nachdem sie in ihrer Bedeutung nach Aufkommen des Fernhandels eingeschränkt wurden. Immerhin lebte der Großteil der Bevölkerung noch immer auf dem Land. Normalerweise wurden Waren des täglichen Lebens gehandelt. Nichts desto trotz wurde der internationale Handel weiter betrieben, nur mit anderen Geschäftspartnern. Zwischen den lokalem und dem überregionalem Handel standen die Jahrmärkte, welche regelmäßig stattfanden und auf denen auch Produkte entfernterer Länder gekauft werden konnten.

Die großen italienischen Städte übernahmen eine Vermittlerrolle zwischen den Handelszentren in Europa, Asien und Afrika. Dabei kamen ihnen die Erfahrungen aus dem Fernhandel, wie zum Beispiel die Geschäftspraktiken der Byzantiner oder der Muslime, der vorhergehenden Jahrhunderte entgegen. Diese bereits führenden Mächte wurden wirtschaftlich immer stärker, übten eine Monopolstellung im Handel aus und zwangen andere zur Abhängigkeit.

Die Zentren des Binnenlandes, wie zum Beispiel Mailand, Florenz, aber auch Lucca, bezogen ihre Macht aus dem Export ihrer Handwerks- und Industrieerzeugnisse. Venedig und Genua darüber hinaus auch aus dem Handelsaustausch und Seeverkehr. Diese wirtschaftlichen Zentren brachten ihre, aber auch andere fremde Produkte hauptsächlich zu den internationalen Handelsschauplätzen. Dabei kam den italienischen Kaufleuten die noch schwache Präsenz anderer mediteraner, oder atlantischer Konkurrenten entgegen.
Florenz nahm eine ähnliche Entwicklung wie die beiden Hafenstädte Genua und Venedig. Auch sie profitierte von der Teilnahme am Fernhandel und wurde zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte der damaligen Zeit. Ihren Reichtum erlangte Florenz durch die Tuchindustrie, in der ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung tätig gewesen ist. Eine große Anzahl von Rohstoffen und Arbeitskräfte, Kapital und geeignete Absatzmärkte gewährleisteten optimale Standortfaktoren. Allmählich traten neben dem Handel auch Gewerbe und Handwerk auf. Weit wichtiger aber war die Errichtung eines funktionierenden Bank- und Finanzwesen, das die Bedeutung von Florenz in Europa weiter steigen ließ. Zuerst auf den Messen der Champagne führten die großen florentiner Kaufmannsfamilien ihre Geldgeschäfte schließlich in ganz Europa durch. Dabei wurde die erzielten Gewinne meist wieder in die eigene Industrie und das Gewerbe investiert, womit die Stellung Florenz´ nicht nur in Italien, sondern auch in Europa weiter anstieg. Auf ihrem Höhepunkt befand sich Florenz zu Beginn des 14.Jahrhunderts. Die Wirtschaft florierte auch ein Jahrhundert später, der Reichtum lag aber bereits in den Händen von einigen wenigen reichen Familien.

Venedig und Genua hingegen traten immer mehr als Rivalen auf. Die Genueser unterhielten nach ihrer Niederlage gegen Venedig (1378-80) noch immer genügend Niederlassungen im östlichen Mittelmeer, in Anatolien und in der Ägäis. Man hatte vor allem Vorteile im westlichen Mittelmeer, wo man Sardinien und Korsika besaß. Der Einfluß in Spanien wurde weiter ausgebaut. Der strategisch wichtige Hafen blieb ein Bindeglied zwischen Frankreich, Florenz und der Lombardei.

Die Venezianer ihrerseits bauten ein vorbildliches Schiffahrtsnetz mit guter Organisation auf. Im Laufe des 15.Jahrhunderts wurden die meisten bedeutungsvollen Häfen des Mittelmeeres in das Wegenetz der Kaufleuten von Venedig aufgenommen. Alle Schiffe aus dem Orient kommend mußten zuerst Venedig anfahren bevor sie weiter in westlicher Richtung segelten. Umgekehrt passierte dasselbe. So wurden dem Staat hohe Zolleinnahmen garantiert. Die ökonomisch wichtigsten Linien waren die nach Anatolien, Syrien und Ägypten in östlicher Richtung und die nach Flandern und England in westlicher Richtung.
Nach der Unterwerfung von Pisa im Jahre 1422 fuhren die florentinischen Handelsschiffe auf den Routen der Venezianer ohne jedoch ins Schwarze Meer oder
die Adria vorzudringen.


2.5 Handelswaren

Von der Vielfältigkeit der gehandelten Waren ist weiter oben bereits berichtet worden. Aber welche Produkte waren das im konkreten? Salz, Weizen, Wein, Käse, Obst, Eisen, Kupfer, Zink, Gewürze, Seide, aber auch Luxusartikel wurden auf den Schiffen transportiert. Im Fernhandel mit Asien war der Handel mit Gewürzen das entscheidende Geschäft. Auf der Route von Alexandria nach Venedig konnte von einer Gewinnspanne von 20-30 Prozent ausgegangen werden. Der Geschäftsaustausch mit dem Orient war nicht weniger dynamisch. Syrien und Ägypten lieferten Baumwolle und Gewürze. Die genuesischen oder venezianischen Kaufleute brachten Metalle oder Tücher. Aus dem Schwarzen Meer kamen Sklaven. Seit den Entdeckungsfahrten von Marco Polo (1271-95) drangen italienische Händler sogar bis China vor um Seide zu kaufen.
Der chinesische Hafen von Kanton war Hauptumschlagsplatz für Pfeffer, Rohseide und Porzellan. Eine Reise nach Peking dauerte etwa neun Monate bis ein Jahr. Waren aus Asien wurden zum Teil an Handelsstationen des Schwarzen Meeres gegen Sklaven, Pelze, Getreide, Holz und Edelmetalle, welche auf den Flüssen der Ukraine und Rußland, so wie auf der Donau, heruntergeschifft wurden, eingetauscht.

Ein scheinbar unbedeutendes Produkt, das Alaun, wurde aus Phocäa nach Italien importiert. Tatsächlich war das Alaun eines der wichtigsten Produkte in der mittelalterlichen Wirtschaftswelt, da es in der Textilindustrie als Beizmittel unentbehrlich war. Die Entdeckung von Alaun in Tolfa im Jahre 1461 wurde wie ein Sieg über die Türken gefeiert, welche die anderen Vorkommensstätten in der Hand hatten. Der Handel mit dem nördlichen Teil Europas vollzog sich im Allgemeinen mit Tüchern und Wolle.

Le Goff beschreibt den Vorgang und Verlauf einer genuesischen Handelsfahrt in den Orient am Beispiel der beiden Kaufleute Roberto Lopez und Armando Sapori aus dem 14.Jahrhundert. In Genua wurden hauptsächlich Tücher, Metalle und Waffen eingeladen. Nun ging es der Küste, oder über Korsika und Sardinien, entlang Richtung afrikanischen Küste nach Tunis, weiter nach Tripolis um schließlich Alexandria zu erreichen. In Ägypten wurde die Ladung mit lokalen Waren und Produkten aus dem Orient ergänzt. Syrische Häfen sind vor allem Anlaufstellen für Pilger. Die wichtigste Gewürzkammer im östlichen Mittelmeer ist Famagusta auf Zypern. Weitere bedeutende Häfen auf dieser Handelsroute waren Chios, Phokäa und Ladhakija, der Endpunkt der Wege aus Persien und Armenien. Am letztgenannten konnten die kostbaren Seiden- und Goldtücher erworben werden, in Phokäa das wichtige Alaun. Über Byzanz geht es weiter über das Schwarze Meer zur nach Caffa. Hier werden vor allem Weizen , Felle, Seide, aber auch Sklaven, welche über die Mongolei auf die Halbinsel Krim gebracht wurden, eingeladen. Einige Produkte wurden in den Häfen von Trapezunt oder Sinope wieder verkauft. Für die meisten Kaufleute endete hier die Handelsfahrt und traten somit die Rückreise an. Einige wenige Wagemutige wagten den Weg weiter östlich Richtung Siwas, Täbris und Indien, oder, wie Marco Polo, bis nach China.

 

3. Das Bankwesen


3.1 Anfänge

Die Kommerzielle Revolution und der damit verbundenen Anstieg des Handels führte von Anfang an zu Zahlungsproblemen, die es zu beseitigen gab. Hierbei haben die italienischen Kaufleute erneut die Vorreiterrolle übernommen und behielten die Vormacht bis ins 16.Jahrhundert. Die Anfänge des internationalen Bankwesen gehen auf die Messen der Champagne zurück. Zum ersten Mal werden auf diesen Messen bargeldlose Schuldverschreibungen von italienischen Händlern (damals vor allem aus Siena) ausgehändigt. Beispiel: Die Stadt Augsburg nimmt bei italienischen Kaufleuten einen Kredit in Florenz auf und zahlt es auf den Messen der Champagne wieder zurück. Aus diesen Schuldverschreibungen entsteht später der Wechselbrief. Aber auch die Buchführung, sowie später die doppelte Buchführung, gehen auf italienische Kaufleute zurück.

Zur Mitte des 13.Jahrhunderts begannen Genua (1252) und Florenz (1253) als erste Stadtstaaten mit der Münzprägung. Genua prägte den genovino, Florenz den fiorini d'auro, beides Goldmünzen. Perugia, Lucca und Venedig (Venezianer Dukat, 1284) folgten diesem Beispiel mit einigen Jahren Verspätung. Man kann ab diesem Zeitpunkt ohne weiteres vom Durchbruch zum modernen Geldwesen sprechen. Die Goldmünzen von Florenz und Genua entsprachen dem Wert der alten herkömmlichen Silbermünzen. Für die nächsten Jahrhunderte bildeten diese beiden gemeinsam mit dem Venezianer Dukaten die Leitwährung Europas. Nichts desto Trotz waren diese mittelalterlichen Währungen großen Schwankungen des Wechselkurses unterworfen, wie aus Tabelle 3 zu entnehmen ist. Goldmünzen traten somit neben Silbermünzen, welche bereits seit dem Frühmittelalter im Umlauf waren. Es gab nun also zwei Zahlungsmittel nebeneinander, Gold- und Silbermünzen. Mit den zunehmenden Warenaufkommen auf den europäischen Märkten herrschte jedoch immer eine Geldknappheit.


Tabelle 3: Kurs des florentinischen Gulden in Silbermünzen:

1252 20s.
1302 51s.
1342 65s.
1378 68s.
1386 73s.
1445 97s.

s...solidi (Silbermünzen)
Quelle: Der Große Ploetz


Eine funktionierende Geldwirtschaft, die mit der Einführung von Goldmünzen in den bedeutendsten oberitalienischen Städten vollzogen wurde, bedarf auch eines funktionierenden Kreditwesen. Die Kirche hielt lange Zeit an der im Alten Testament verbotenen Zinsnahme fest:

" Von deinem Stammesbruder darfst du keinen Zins annehmen, weder Zins für Geld noch Zins für Speisen, überhaupt keinen Zins für etwas, was man verzinsen kann."

Die Kirche hatte aber auch andere Gründe vorzuweisen die Zinsnahme als unmoralisch und als Wucher zu bezeichnen. So apellieren Theologen an die Moral der Kreditgeber, daß ihre Tätigkeit, das Geld verleihen, keine produzierende Arbeit ist. Sie sehen nur die schöpferische Arbeit als legitimes Mittel zur Gewinnanhäufung an.

1214 wurde auf dem 4.Laterankonzil das Zinsverbot für Juden aufgehoben. Man wollte jedoch das Kreditgeschäft nicht nur den Juden überlassen, sondern allen Kaufleuten zugänglich machen. So kam es auf Grund stärker werdenden Druckes der Händler von Oberitalien zur allmählichen Auflösung des Zinsverbots, was von der Schule der Scholastik und von Thomas von Aquin in bestimmten Ausnahmefällen auch theologisch gerechtfertigt wurde. So wurden aus den großen Kaufmanns- familien Bankiers, die neben Handelsfahrten und Kreuzzügen auch europäische Fürstenhäuser finanzierten.

Im Gegensatz zu den Hafenstädten Genua und Venedig waren die Geschäftsleute der Binnenstädte, vor allem der Lombardei (Asti, Lucca, Piacenca, Siena) als Geldverleiher und Bankiers tätig. Die oberste Stelle nahm die Stadt Florenz ein, begünstigt durch die gute Lage am Arno und an der Wegkreuzung nach Mailand, Venedig und Genua. Entscheidende Ausgangspunkte waren zusätzlich die Verbindung von Handel, Gewerbe und Bankwesen. Das führende Gewerbe der Stadt war die Tuchproduktion. Zu Beginn des 14.Jahrhunderts erreichte die Ausfuhr von Tüchern 100,000 Stück. Florenz hatte ein internationales Bankennetz mit Niederlassungen in Mailand, Avignon, Lyon, Paris, Brügge und London. Die berühmtesten florentiner Zünfte waren die Frescobaldi, die Bardi, die Peruzzi und die Medici.

Diese großen Gesellschaften von Kaufleuten waren kommerzielle und finanzielle Organisationen, welche an jeder Art von Geldgeschäften interessiert waren. Darüber
hinaus gab es ebenfalls Kaufleute, vor allem Landkaufleute, welche Wucher betrieben. Geld oder Kreditpapiere auf dem Landweg zu transportieren war eben leichter als Waren. Diese versuchten Darlehen an Fürsten auszugeben in der Hoffnung Handelskonzessionen zu bekommen. Es muß also zwischen kommerziellen Kreditgebern und einfachen Wucherern unterschieden werden. Vor allem die Lombarden waren als Wucherer bekannt. Menschen aus unteren oder mittleren Schichten wurden Darlehen mit enormen Zinsen gewährt um sich selbst zu bereichern. Eine Stufe darüber standen die Geldwechsler. Ihre Bank oder ihr Tisch (bancho, tabula) stand im Freien auf der Straße, wo sie versuchten Kunden zu werben. Meistens geschah dies an größeren öffentlichen Treffpunkten, in Florenz auf dem Alt- oder Neumarkt, in Venedig auf der Rialto-Brücke und in Genua nahe der Casa di San Giorgio. Anfänglich übten diese Geldwechsler zwei Tätigkeiten aus, das Geldwechseln und den Handel mit Edelmetallen. Nach und nach kamen weitere Aufgabenbereiche hinzu, wie die Ausgabe von Darlehen, die Kontoeröffnung für Kunden oder Investitionen. Es ist nicht vermessen zu behaupten, daß sie allmählich zu Bankiers geworden sind. An der Spitze standen die sogenannten Kaufmannbankiers. Neben den finanziellen Tätigkeiten (Wechsel- oder Versicherungsgeschäfte, Annahme von Einlagen,...) waren sie auch auf den Warenhandel spezialisiert.

 

3.2 Geschäftspraktiken

Die Versicherung:

Der Begriff securitas kann ab Ende des 12.Jahrhunderts als Synonym für Versicherung verstanden werden. Ein Kaufmann vertraut seine Waren einem anderem Kaufmann (locant) an. Nach Bezahlung der securitas verpflichtet sich der locant die Waren an einen bestimmten Ort zu bringen.
Die Versicherung ist eine Vertragsform, die vor allem auf Waren, welche auf See transportiert wurden, abgeschlossen wurde. Eine Berechnung über die Gefahren und Risiken des Seehandels auf einer bestimmten Route legte den Versicherungssatz (primes) fest. Im Versicherungsvertrag versicherte der locant die im Vertrag angeführten Waren des Geschäftspartners wohl behütet von A nach B zu befördern. Ebenfalls angegeben wurde der vom Versicherten zu leistende Betrag. Bei Verlust der Ware verpflichtete sich der locant zur Zahlung einer Entschädigung für die verlorenen Produkte.


Der Wechsel:

Der Wechsel ist ein Kreditpapier. Der Gewinn der Kreditgebers (Geldverleiher) wird im manipulierten Wechselkurs versteckt um die nach dem kanonischen Recht verbotenen Zinsnahme zu umgehen. Die Schuldverschreibung ist höher als die geliehene Summe. Es konnte auch vereinbart werden das Zahlungsversprechen an einem anderem Ort zurückzuzahlen und in einer anderen Währung (Geldwechsel).
Im 15.Jahrhundert mußten nur noch die wesentlichen Angaben im Wechselbrief enthalten sein: Geldsumme in der jeweiligen Währung, Örtlichkeiten und Datum sowie die Namen der am Geschäft beteiligten Personen.

So gibt Favier ein Beispiel eines kurz und prägnanten Wechselbriefes an:
"Im Namen Gottes. Am 26.April 1465. Zahlt durch diesen ersten Wechsel über 75 Tage, ausgestellt auf Piero de Medici und Compagnie, 1564 Dukaten, das heißt 1574 Philippstaler, für den uns berechneten Wert. Gott schütze Euch.
Niccolo Manelli und Giovanni Chanigliani und Compagnie in Valencia."
Rückseite:
"An Giovanni Salviati und Piero da Rabata und Compagnie, in Brügge. Erster Wechsel."

Dieser überregionale bargeldlose Zahlungsverkehr nahm seinen Ausgang von Genua aus während der Kommerziellen Revolution. Zu dieser Zeit wurde in einigen italienischen Städten mit der Münzprägung begonnen. Neben Goldmünzen gab es auch Silbermünzen. Nach Le Goff hatte der Wechsel vier Aufgaben: Zahlungsmittel im Handel, Überweisungsmittel für Geld, Kreditquelle und Ausnutzung von Kursdifferenzen. Im wesentlichen wird im Wechselvertrag der Zweck des Vertrages, die Schuldanerkennung, Verpflichtung und Zahlungsbefehl angeführt.


Die Buchhaltung:

Der Führung der Handelsbücher wurde mit der Zeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Haltung und Methoden änderten sich immer ein wenig. Es wurden Unterteilungen gemacht in Einkauf, Verkauf, Einnahmen, Ausgaben, Rohstoffe,...um nur einige zu nennen. Grundsätzlich wurden alle Geschäftsvorfälle aufgeschrieben. Als eine Revolution wurde die doppelte Buchführung angesehen. Sie umfaßt zwei Kontoreihen, die Bestandskonten (Vermögens- und Kapitalwerte) und die Erfolgskonten (Aufwand und Ertrag).


Vorreiter dieser Entwicklung waren einmal mehr ab dem 13.Jahrhundert die Kaufleute aus der Toskana. Ein Hauptanliegen in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Tätigkeit war die Unternehmensverwaltung zu modernisieren, rationalisieren und zu vereinfachen. Die Führung von Handelsbüchern breitete sich auch auf den "Kleinunternehmer" aus, was mit der Senkung des Papierpreises begünstigt wird.

Bereits ab dem Jahr 1000 wurden erste Aufzeichnungen bezüglich der Geschäftstätigkeiten gemacht, die Handelsbücher in zwei Teile unterteilt, in Verbindlichkeiten und Kredite. Mit einer Vergrößerung des Handelsvolumens kam es schließlich auch zu einer Vermehrung der Buchführungskonten. Kennzeichnend waren die beiden Schlagwörter "dare" (Soll) und "avere" (Haben).

 

4. Nachwort


Der Vorsprung italienischer Kaufleute und Bankiers wurde oft durch die immer neuen Methoden in der Geschäftsführung erklärt. All diese Veränderungen und der Fortschritt, der in den letzten 200 Jahren des Mittelalters in Organisation und Finanz- und Handelsmethoden erzielt wurde war oft nur auf Italien allein anwendbar. Italien war dem übrigen Europa weit voraus. Im Zeitalter, in dem die italienischen Handelsgesellschaften seßhaft wurden betrieben die meisten europäischen Kaufleute die Geschäfte noch persönlich. Die genuesischen und venezianischen Kaufleute schickten ihre Vertreter oder Vertrauenspersonen hingegen auf weite Reisen bis nach China. Die schnell entwickelten Methoden in der Geschäftstätigkeit (compagnia, commenda, Wechsel, Versicherung, Buchhaltung,..) ließen den Vorsprung gegenüber den Rest von Europa weiter ausbauen.


Literaturverzeichnis

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KELLENBENZ, H. (Hrsg.), 1980, Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd.2 - Stuttgart

PLETICHA, H. (Hrsg.), 1996, Weltgeschichte, Bd.5 - Gütersloh

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