Frankfurt am Main und die Hanse

Autorin: Leitner Ludmilla

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte Frankfurts im Mittelalter

2.1. Entstehung
2.2. Aufstieg - Von der befestigten Pfalz zur Stadt

3. Soziale Struktur

3.1. Allgemeine Bevölkerung
3.2. Frauen
3.3. Gesellschaftliche Randgruppen
3.4. Bürgerrecht

4. Frankfurts Beziehungen zur Hanse

4.1. Die Frankfurter Messe
4.1.1. Entstehung
4.1.2. Aufstieg
4.2. Frankfurts Handel mit der Hanse - Handelswaren
4.3. Handelsbeziehungen mit Lübeck

5. Schlußwort

6. Literaturverzeichnis

 


 


1. EINLEITUNG

Frankfurt am Main ist ein wichtiger Ort deutscher Geschichte. Vor sechs Jahren, 1994, feierte die Stadt ihren zwölfhundertsten Geburtstag. Ihre lange Geschichte geht auf das frühe Mittelalter zurück. Eine zentrale Frage, die in dieser Arbeit behandelt werden soll, beschäftigt sich mit der besonderen Bedeutung Frankfurts als einem der wichtigsten Kreuzungspunkte der alten Fernhandelswege Zentraleuropas. Zu Beginn soll die Entstehung der Stadt und ihr allmählicher Aufstieg die nötigen Hintergrundinformationen geben, um Frankfurts Vorrangstellung als Handelsdrehscheibe Europas zu erklären. Wie gelangte die Stadt am Main zu ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung? Einen kurzen Ausblick auf die soziale Struktur Frankfurts im Mittelalter bietet das anschließende Kapitel. Schwerpunkt der Arbeit bilden im speziellen die Fragen nach Frankfurts Beziehungen zur Hanse, seine Handelsgeschäfte - u.a. mit der bedeutenden Hansestadt Lübeck - und der Entstehung sowie Bedeutung der Frankfurter Messe.
Eine der Hauptquellen dieser Seminararbeit bildet das Buch der Frankfurter Historischen Kommission "Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen", das einen sehr detaillierten und gut gegliederten Überblick über die Geschichte Frankfurts bis in die Gegenwart bietet. Auch das Internet bringt brauchbare Informationen zur Stadtgeschichte Frankfurts und dient darüber hinaus auch als Bildquelle.



2. GESCHICHTE FRANKFURTS IM MITTELALTER
2.1. Entstehung

Im Früh- und Hochmittelalter wurde die Geschichte Frankfurts, die mit dem Jahr 794 ihren Anfang nahm, weitgehend durch das Königtum bestimmt. In diesem Jahr wurde Frankfurt erstmals urkundlich erwähnt dank Karl dem Großen. In einer Schenkungsurkunde schien der Platz am Main als "Frankonofurd" oder "Vadum Francorum" zum ersten Mal namentlich auf. Der Name stand für "Furt der Franken", deren Bedeutung in der Möglichkeit lag, den Main an einer seichten Stelle bequem und gefahrlos zu überqueren. Frankfurt erlangte Bekanntheit, als Karl der Große am 1.Juni 794 geistliche Würdenträger zu einer Synode und Reichsversammlung lud. Viele Bischöfe, Erzbischöfe, Priester und Diakone, ja sogar Gesandte des Papstes folgten dieser Einladung an einen damals noch völlig unbekannten Ort. Warum Karl der Große gerade Frankfurt auswählte und sich selbst noch länger hier aufhielt, ist äußerst verwunderlich, da es im riesigen Frankenreich zahlreiche repräsentative Pfalzen gab, die für diesen würdigen Anlaß wohl geeigneter gewesen wären. Karl der Große saß der Synode vor, in der es in erster Linie um den Bilderstreit ging, in dem der König nach Unterstützung suchte. Er bekam sie auch, die Synode hob das Bilderverehrungsverbot auf.

Der lange Aufenthalt Karls des Großen bildete den Auftakt für etwa 300 weitere Königsbesuche bis zum Jahr 1378. 794 hielten sich Karl der Große und sein Gefolge in einem königlichen Wirtschaftshof mit einem gut ausgestatteten Königshaus auf. Archäologen entdeckten Spuren davon. Dieses domus regis war damals aber nicht mehr als ein komfortabler Holzbau. Karl der Große kehrte nach 794 nie mehr nach Frankfurt zurück, obwohl er das Main-Gebiet noch mehrmals aufsuchte.

Der eigentliche Aufstieg Frankfurts begann mit Ludwig dem Frommen, Sohn von Karl dem Großen, der 815 mit dem Bau einer Königspfalz (palatium) begann und sie 822 fertigstellte.

Diese Pfalz, über die man erst seit wenigen Jahrzehnten genaueres weiß, beeindruckte die Zeitgenossen. Die Reste der Pfalz lagen über Jahrhunderte hinweg unter der Altstadt vergraben. Als im März 1944 die Frankfurter Innenstadt völlig zerbombt wurde, nutzten die Archäologen diese Gelegenheit und so führten in der Wiederaufbauphase zahlreiche Ausgrabungen zu beeindruckenden Ergebnissen, die in Abbildung 3 skizziert sind. Man fand unter anderem heraus, daß sich die Karolingerpfalz auf dem sogenannten Domhügel (siehe Abb.1) befand, einer kleinen Anhöhe. 120m lang erstreckte sie sich über dem Main und mag einen imponierenden Anblick geboten haben. Zur Pfalz gehörten auch Landbesitzungen, die zum Reichsgut zählten. Die daraus gewonnenen Produkte waren für die Versorgung des Hofstaates notwendig.

Der nächste bedeutende Herrscher in Frankfurt war Ludwig der Deutsche, der Sohn von Ludwig dem Frommen. Er ließ eine steinerne Pfalzkirche errichten, die sogenannte Salvatorkirche (siehe auch Abb.1), die als Vorgängerin des heutigen Doms gilt. 852 wurde die dreischiffige Basilika vom Mainzer Erzbischof geweiht. 1235 entstand daraus die städtische Kirche St.Bartholomäus.


Daß Frankfurt auch für diesen Herrscher ein wichtiger Ort war, zeigt sich in seinen über 30 Aufenthalten. Er gründete an der Salvatorkirche ein Kanonikerstift mit zwölf Klerikern. Unter Ludwig dem Deutschen wurde Frankfurt zur Basis - man könnte auch sagen - zum Machtzentrum des ostfränkischen Reiches. Grund dafür war u.a. die günstige geographische Lage. Man konnte die Pfalz vom Rhein her sehr leicht mit dem Schiff erreichen, außerdem auch in alle übrigen Gegenden des Reiches schnell gelangen. Frankfurt hatte Residenzcharakter, denn die Karolinger hielten hier viele Reichsversammlungen ab. 855 wurde in Frankfurt zum ersten Mal ein König gewählt. Lothar der II. wurde deutscher Herrscher. Nach dem Tod Ludwigs des Deutschen 876 sah man in dieser Pfalz die principalis sedis orientalis regni, den Hauptsitz des ostfränkischen Reiches. Auch unter dem Sohn von Ludwig dem Deutschen, Ludwig dem Jüngeren, war Frankfurt ein srategisch wichtiger Ort.
Unter den Ottonen behielt Frankfurt seine Bedeutung. Erst die Salierzeit brachte einen drastischen Rückgang der Königsaufenthalte, der auf einen Brand des Pfalzgebäudes zurückzuführen ist. Das Gelände der Pfalz wurde im 12. Jahrhundert von der entstehenden Stadt überbaut.

2.2. Aufstieg - Von der befestigten Pfalz zur Stadt

Unter den Staufern ging es dann steil bergauf. Der Aufstieg Frankfurts von der befestigten Königspfalz zur Stadt begann. Handel, "Fernverkehr" und Bevölkerung wuchsen, der Ort weitete sich aus. Insgesamt gab es rund 60 Herrscheraufenthalte in dieser Zeit, durch die Frankfurt das ganze Mittelalter hindurch seine besondere Vorrangigkeit gegenüber ähnlich günstig gelegenen Orten dieser Region behaupten konnte. Im Auftrag Konrad des III. wurde ein neuer königlicher Bau errichtet, der Saalhof, am Rand der Domhügelsiedlung. Dieser Saalhof war eine Burganlage, die aus einem Repräsentativtrakt, einer Ringmauer, einem massiven Eckturm und später aus einer kleinen Kapelle bestand.


Außerdem wurde eine staufische Stadtmauer gebaut, um die Stadt nach außen hin abzusichern. Sie ist auch heute noch sichtbar. Allmählich entstanden auch Kaufmannshäuser über den Domhügel hinaus, die Stadt begann zu wachsen. In dieser Zeit wurde Frankfurt zum ständigen Königswahlort der deutschen Könige. Dies war ein bedeutender Punkt in der Geschichte Frankfurts. Zwischen den Jahren 855 und 1792 wurden insgesamt 36 Könige gewählt, zehn davon zum deutschen Kaiser gekrönt. 1152 wurde Friedrich Barbarossa als erster in Frankfurt zum König gewählt. Die Stadt mußte für die Wahl bereit sein und mit dem zu wählenden König einverstanden sein. Um die Zustimmung der Frankfurter zu erhalten, mußte der jeweilige König vor seiner Wahl Versprechen machen, die der Stadt zugute kamen. Die Stadt kam dadurch zu zahlreichen Privilegien, profitierte also von den Wahlen (z.B. 1170 Münzprivileg). 1222 wurde die erste steinerne Brücke über den Main erwähnt, durch die Frankfurts Verkehrsverbindung mit der Vorstadt Sachenhausen ermöglicht wurde. Dort wohnten mehrere Reichsministerialenfamilien.

Im Mittelalter hatte der König in Frankfurt uneingeschränkte Stadtherrschaft. Um 1220 wird der Vogt, der die Stadt bis dahin verwaltete, von einem sogenannten Schultheißen abgelöst. Dieser wurde vom jeweiligen König eingesetzt bzw. auch wieder abberufen. Er war also der oberste königliche Amtsträger der Stadt, mußte den König bei Abwesenheit vertreten und saß dem Stadtgericht vor. 1266 bekam die Stadt einen Rat neben den rechtssprechenden Schöffen, in dem die patrizische Oberschicht ein starkes Übergewicht besaß. 1311 erhielt er eine festere Form. Er setzte sich aus drei "Bänken" zusammen: aus der Bank der Schöffen, der Jungherren und der Handwerker. Frankfurt wurde zunehmend selbständig. 1311 erhielt die Stadt ihre erste Selbstverwaltung. Zwei jährlich wechselnde, vom Rat bestimmte Bürgermeister lösten die Schultheißen ab und übernahmen die Führung der Verwaltungsgeschäfte. Die Funktion der Schultheißen beschränkte sich nun auf die Gerichtsbarkeit.

1356 wurde Frankfurt in der Goldenen Bulle, dem Reichsgrundgesetz, offiziell als Wahlort der deutschen Könige bestimmt. 1372 wurde Frankfurt zur unabhängigen, reichsunmittelbaren Stadt, die nur mehr den König als Reichsoberhaupt über sich hatte.

Frankfurt profitierte bis ins hohe Mittelalter von den schon erwähnten zahlreichen Herrscheraufenthalten und feierlichen Zeremonien zur Selbstdarstellung der Könige. Das spätmittelalterliche Frankfurt zählte zu den politisch wie ökonomisch bedeutendsten, keineswegs aber zu den einwohnergrößten Städten Deutschlands. Im Durchschnitt hatte die Stadt nie mehr als 10.000 Einwohner, überschritt daher nie den Rahmen einer größeren Mittelstadt. Trotzdem überragte Frankfurt viele größere Städte an überregionaler Bedeutung aufgrund seiner idealen geographischen Lage, die einerseits seine zentrale Rolle in der Politik erklärte und die Stadt andererseits zum Handelsknoten Deutschlands machte. Die Frankfurter Mainbrücke war die Verbindung des Verkehrs zwischen Ober- und Niederdeutschland und darüber hinaus lange Zeit die einzige trockene Passage des Mains. Zudem mündet der Main in den Rhein, der natürlichen Verkehrsader Europas.


3. SOZIALE STRUKTUR
3.1. Allgemeine Bevölkerung

Wie in allen mittelalterlichen Städten bildeten auch in Frankfurt Handwerker und Händler den Kern der Bevölkerung. Die Stadt hatte eine überwiegend handwerklich-agrarisch bestimmte Wirtschaftsstruktur. Etwa 80% der Bevölkerung arbeiteten in produktiven Berufszweigen (Gewerbe, Landwirtschaft, Lohnarbeit). Nicht nur die partrizische Oberschicht lebte von ihrem Grundbesitz, sondern auch die meisten Handwerker hatten Acker und Vieh. Seit dem 13. Jahrhundert gaben in der Frankfurter Oberschicht die reichen Fernhändler den Ton an. Zu den Patriziern zählten aber auch freie Grundbesitzer, Ministerialenadelige und reiche Handwerker. Sie hatten die politische Macht in der Stadt inne, da sie im Stadtrat auch die Mehrheit besaßen. 1385 hatte Frankfurt mit 10.000 Einwohnern die größte Bevölkerungszahl im Spätmittelalter. Das Durchschnittsalter war eher hoch, ebenso die Anzahl der Behinderten. Es gab viele Infektionskrankheiten in der Stadt. Neben den in Frankfurt fest ansässigen Einwohnern gab es auch eine "flukturierende Bevölkerung". Dazu zählten vor allem Gesinde, Dienstboten und wandernde Handwerksgesellen, die sich zeitweise in der Stadt aufhielten oder aber auch durch Einheirat ansässig wurden. Zur Bevölkerung zählten auch Juden (zwischen 30 und 200 Personen), die zweimal in grausamen Pogromen nahezu vollständig ausgerottet wurden.

 

3.2. Frauen

Im spätmittelalterlichen Frankfurt gab es einen deutlichen Frauenüberschuß. Die Mehrzahl der selbständig erwerbstätigen Frauen arbeitete in nichtzünftigen Berufen: Kleinhandel mit Lebensmitteln, Textilverarbeitung, Viehirtinnen, Turmwächterinnen, Zöllnerinnen, Hausiererinnen usw. Der Zugang zum Arztberuf war Frauen nicht möglich, sie arbeiteten als Hebammen in der Frauen- und Kinderheilkunde. Eine nennenswerte Beteiligung von Frauen im Handwerk gab es nicht. Die meisten weiblichen Arbeiten waren eng mit der hauswirtschaftlichen Frauenarbeit verbunden. Hauptaufgabe der Frau lag in der Haushaltsführung, gegebenenfalls mit Hilfe von Dienstboten. Sie waren auch für die Textilproduktion und für die Lebensmittelversorgung zuständig.

3.3. Gesellschaftliche Randgruppen

In Frankfurt gab es zahlreiche Frauenhäuser, in denen besonders zur Messezeit großer Andrang herrschte. Zwei dieser Etablissements wurden vom Stadtrat unterhalten, die anderen waren nicht konzessioniert. Es gab auch Bettler in Frankfurt. Sie kamen in Notzeiten immer wieder in großen Scharen in die Stadt, wo sie u.a. am Mainufer lagerten. Wenn es zu viele wurden, ließ der Rat die Bettler zusammentreiben und bewachen oder sie verjagen. 1488 wurde eine Bettlerordnung verabschiedet, in der nur in Frankfurt ansässigen Bettlern, die sich durch ein Blechschild auszuweisen hatten, das Betteln erlaubt war.

3.4. Bürgerrecht

Nur wer in Frankfurt das Bürgerrecht besaß, hatte aktive und passive politische Rechte. Das Bürgerrecht beinhaltete neben dem Schutz von Leben und Besitz des Bürgers auch seine Vertretung vor auswärtigen Gerichten. Außerdem wurden Bürger bei Gefangennahme im Falle von städtischen Kriegszügen ausgelöst. Im Gegensatz dazu hatten die Bürger Steuer- und Wehrpflicht. "Bürgerschaft war eine umfassende solidarische Rechts- und Haftungsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit." Im Spätmittelalter hatten nicht alle Einwohner Frankfurts das volle Bürgerrecht, obwohl der Stadtrat auf eine Einheitlichkeit drang.

Die in der Stadt ansässigen Bürger hießen "gesessene Bürger". Ihr Bürgerrecht wurde durch Geburt oder Einheirat erworben und weitervererbt. Frauen und Kinder hatten Anteil am Bürgerrecht ihrer Männer bzw. Väter. Wenn der Mann starb oder aus der Stadt zog, konnte sein Bürgerrecht von der Witwe oder der Erbtochter an einen einheiratenden Mann übertragen werden. Nur Geächtete waren gänzlich vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Wer sich im Handel oder im Handwerk betätigen wollte, mußte zuvor die Bürgerschaft erwerben. Auch die Mitgliedschaft in einer Zunft war an das Bürgerrecht gebunden. Wenn jemand seine Bürgerpflichten verletzte, konnte er auch sein Bürgerrecht verlieren. Wer von sich aus das Bürgerrecht aufgab, um beispielsweise keine Steuern bezahlen zu müssen, mußte die Stadt verlassen oder zumindest sein Haus aufgeben und in eine offene Herberge ziehen.


4. FRANKFURTS BEZIEHUNGEN ZUR HANSE
4.1. Die Frankfurter Messe
4.1.1. Entstehung

"Messen, Jahrmärkte und Wochenmärkte waren die Orte der Bündelung von Angebot und Nachfrage an den einzelnen Handelsplätzen." Oft entwickelten sich aus den Jahrmärkten die Messen. Entscheidend für das Aufblühen der Messen im Mittelalter waren mehrere Faktoren: (a) Die Konzentration von Angebot und Nachfrage verbesserte die Marktübersicht. (b) Am Messeort bestand eine relativ große Rechtssicherheit; vor allem war man bei der Anreise und bei der Abreise vom Arrest für Schulden befreit. (c) Am Messeort wurden keine Abgaben gefordert. (d) An den Messeorten bestand für die Dauer der Messe eine besondere Gerichtsbarkeit mit beschleunigtem Verfahren, so daß Rechtsstreitigkeiten meistens keinen längeren, wesentlich über die Messedauer hinausgehenden Aufenthalt erforderten." Die Messen waren besonders für den Fernhandel von Bedeutung, aber auch für den örtlichen Absatz.

Die Stadtwerdung Frankfurts ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Frankfurter Messe. Diese wurde 1160 in einer jüdischen Schrift zum ersten Mal erwähnt. Die Frankfurter Messe war zunächst nur ein regionaler Markt, der Jahr für Jahr am Ende der Erntezeit abgehalten wurde. Hierbei handelte es sich um die sogenannte Herbstmesse, die immer am 15.August stattfand. Diese erste Messe entwickelte sich allmählich. Zunächst wurde mit den Überschüssen aus der landwirtschaftlichen Produktion und mit frisch geernteten Naturalien gehandelt, also mit Getreide, Holz, Vieh, Heu und Wolle, die von den Landwirten aus der Umgebung nach Frankfurt gebracht wurden. Es läßt sich für Frankfurt ein Übergang vom Jahrmarkt zur isolierten Messe nachweisen.



4.1.2. Aufstieg

1240 ging es für die Messe dann langsam bergauf. In diesem Jahr sicherte Kaiser Friedrich II. den an- und abreisenden Kaufleuten der Messe urkundlich seinen besonderen Schutz zu. Der Niedergang der Champagnemessen zu Anfang des 14. Jahrhunderts bedeutete für die Frankfurter Messe endgültig den Aufstieg von der regionalen Messe zum Kreuzungspunkt des europäischen Fernhandels. Die Messen der Champagne waren bis dahin international angesehene Handelsplätze, gegen Ende auch wichtige Kapital- und Finanzmärkte. Bereits im 13. Jahrhundert bekamen die Messen der Champagne spürbare Konkurrenz. In den vier bedeutenden Messestädten Troyes, Lagny, Provins und Bar-sur-Aube fanden diese Messen alle zwei Monate statt. Dabei gab es auch schon Spezialisierungen. In Troyes setzte sich vor allem der Tuchhandel durch.

Dank seiner günstigen Mittelpunktlage wurde Frankfurt von nun an zu einem der führenden Wirtschaftsplätze. 1330 erlaubte Kaiser Ludwig der Baier die Abhaltung einer zweiten Messe in Frankfurt. Es gab also dann noch eine Frühjahrs- und Fastenmesse neben der bisherigen Herbstmesse, von denen jede 14 Tage dauerte. Die neu eingeführte Frühjahrsmesse wurde hauptsächlich für Wintererzeugnisse wie Schafwolle oder auch Wein entwickelt. Dies bedeutete natürlich einen zusätzlichen Aufschwung für den Handel in Frankfurt, man kann sogar von einer Monopolstellung Frankfurts sprechen.

1337 versprach der Kaiser, keiner anderen Stadt, wie etwa Mainz, das Messerecht zu verleihen. Das Messewesen selbst beruhte auf einem rechtlich begründeten und abgesicherten Ausnahmezustand, d.h. auf Messeprivilegien, durch die die sonst geltenden mittelalterlichen Vorschriften vorübergehend außer Kraft gesetzt wurden. Dieser Ausnahmezustand wurde mit der Sturmglocke der Reichsstadt ein- und ausgeläutet. Zur Messezeit durfte jeder mit jedem handeln. Jeder durfte seine Waren öffentlich anbieten und verkaufen. Jeder durfte in der Stadt aufgenommen werden, auch gerichtlich Verfolgte. Eine Unterkunft zu finden war zu Messezeiten nicht nur schwierig, sondern auch teuer. Viele Händler wollten langfristige Beherbergungsverträge, die aber sehr kostspielig waren. Die Beherbergung der Messebesucher war eine wichtige Einnahmequelle für die Bürger. Mietverträge wurden oft über Jahre abgeschlossen und sogar vererbt.

Die grundsätzliche Rechtslosigkeit von Ortsfremden wurde während der Messe aufgehoben. Einwohner Frankfurts, die am Reichsgericht angeklagt waren, wurden nicht verfolgt. Dieser Schutz galt nur fünf Meilen um die Stadt. Friedrich III. erlaubte die Einrichtung eines Messegerichtsstandes. Für Messebesucher war nicht mehr das Gericht ihres Heimatwohnsitzes, sondern das Frankfurter Schöffengericht zuständig, das in einem beschleunigten Verfahren bereits am nächsten Gerichtstag zur Verhandlung rief.

Die Einzugsgebiete der Frankfurter Messen im 14. und 15. Jahrhundert waren das Rhein-Main-Gebiet, die Niederlande, Nord- und Ostdeutschland, Polen, Böhmen, Ungarn, Italien. Einzelbesucher kamen auch aus Frankreich, Spanien und England. Eine besonders lukrative Sparte für das Messegeschäft war der Tuchhandel, der in späterer Zeit viel an Bedeutung zugunsten der flandrischen und englischen Konkurrenz verlor. Das Messegeschehen selbst fand nicht auf einem fixen Messegelände statt, sondern die Geschäftszentren verteilten sich in der Stadt auf das Mainufer, den Römerberg, Neue Kräme, Liebfrauenberg, Heu- und Roßmarkt. Die anliegenden Häuser wurden als Verkaufs- und Lagerräume vermietet.

Für den deutschen Weinhandel wurde Frankfurt zum zentralen Umschlageplatz. Rheinischer und elsässischer Wein wurde auf den Messen verkauft. Im 15. Jahrhundert gab es dann auf den Messen Rohrzucker, italienisches Glas und Papier, Schmuck und Erzeugnisse des Buchdrucks. Mit dem Buchdruck hatte sich nämlich um 1480 auch die Buchmesse als fester Bestandteil der Frankfurter Messe entwickelt, die der Stadt nochmals einen Aufschwung brachte.


4.2. Frankfurts Handel mit der Hanse - Handelswaren

Zentraleuropa gliederte sich damals in zwei wirtschaftliche Großräume: in den Hanseraum im Norden und den oberdeutschen Raum im Süden. Frankfurt war sozusagen das natürliche Bindeglied und wurde so zum Knotenpunkt des Handels. Neben der Hanse gab es im Mittelalter auch eine Reihe anderer Zusammenschlüsse von Städten. Frankfurt war auch Mitglied eines solchen Städtebundes. Der Mittelrheinische Städtebund zwischen den Städten Mainz, Worms, Bingen, Frankfurt am Main, Gelnhausen und Friedberg wurde um 1220 geschlossen und hatte in erster Linie die Funktion, Gefahren und Unsicherheiten beim Handel zu verringern bzw. zu verhindern. Denn auf den Landstraßen kam es beim Transport immer wieder zu Übergriffen durch Raubritter, aber auch durch die Territorialfürsten.

Zweifellos gab es eine vielschichtige Verknüpfung des hansischen Handels mit den Frankfurter Messen. Handelsprodukte waren Wein, Hering, Pelze, Wachs, Wolle, Pferde, Vieh, Metallwaren und auch Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum und dem Orient. Eine besondere Rolle spielte - wie schon erwähnt - der Tuchhandel. Die qualitätvollen, teuren Wollstoffe kamen aus England, Flandern und anderen nordwesteuropäischen Gebieten. Niederrheinische Kaufleute brachten neben den Tuchprodukten auch die wichtigsten Waren des Hansehandels nach Frankfurt, vor allem den Hering. Für die Kölner Kaufleute hatte Frankfurt besondere Bedeutung: einerseits wegen des reichhaltigen Warenangebotes, andererseits aber auch wegen der Möglichkeit, Geschäftsbeziehungen nach Nürnberg, Österreich, Ungarn, Italien und der Schweiz zu knüpfen. Die Kölner erwarben auf den Messen vor allem Pelze, Tuche, Seide und Metalle.

Es gab auch eine Beziehung der wendischen und sächsischen Hansestädte mit dem Frankfurter Messehandel seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Messebesucher kamen aus Göttingen, Bielefeld, Einbeck, Hildesheim, Braunschweig, Lüneburg, Hamburg und Lübeck, also aus den norddeutschen Hansestädten. Sie kamen als Ein- und Verkäufer zu den Messen, heirateten aber auch in Frankfurter Kaufmannsfamilien ein und ließen sich in der Mainmetropole nieder. Für den Export hansischer Güter wurden die Frankfurter Messen zum Teil wichtiger als der Stapelplatz in Brügge im Westen. Die hansischen Kaufleute erwarben in Frankfurt auch Wein, vor allem den berühmten elsässischen und den Rheingauer Wein. Der Weinhandel war ein ganz entscheidender wirtschaftlicher Faktor für die Arbeiter, - der Wein kam per Schiff - aber auch für den Frankfurter Stadtrat, der davon finanziell profitierte. Insgesamt hatten die Frankfurter Messen eine große Bedeutung für den hansischen Binnenhandel.

 

4.3. Handelsbeziehungen mit Lübeck

Durch den bedeutenden Handel zwischen Frankfurt und Lübeck, der zeitweise durch Handelsgesellschaften organisiert war, begegneten sich im späten Mittelalter zwei große Wirtschaftsräume, der weite Handelsraum der Hanse vom Nord- und Ostseeraum bis nach Rußland und der oberdeutsche Bereich mit seinen Verbindungen in den Mittelmeerraum. Es ging also nicht nur um den bloßen zwischenstädtischen Waren- und Geldaustausch.
Für Lübeck spielte Frankfurt eine wichtige Rolle. Viele Lübecker ließen sich durch Einheirat als Frankfurter Neubürger nachweisen. Der erste Höhepunkt der Handelsbeziehungen zwischen den beiden "Metropolen des mittelalterlichen Welthandels" fand in den 40er und 50er Jahren des 14. Jahrhunderts statt. Der Grund für den starken Aufschwung der Handelskontakte zwischen dem hansischen Kernraum und Oberdeutschland war, daß im Jahre 1358 die Hanse den Handelsverkehr mit Flandern einstellte und somit Brügge als Umschlagplatz nicht mehr in Frage kam. Diese entscheidende Rolle übernahm ab diesem Zeitpunkt Frankfurt, das bis auf flandrisches Tuch alle Waren, die von den Lübecker Kaufleuten in Brügge gekauft wurden, ebenfalls liefern konnte. Obwohl bereits zwei Jahre später die Handelssperre mit Flandern aufgehoben wurde, blieben die geknüpften Handelsbeziehungen mit Frankfurt aufrecht und wurden noch weiter ausgebaut. 1388 kam es dann zum erneuten Abbruch des Handels mit Flandern und der Umsatz in Frankfurt erlebte nochmals eine Steigerung. Brügges Niedergang bedeutete zugleich den Aufstieg Frankfurts.

Der Handelsweg von Frankfurt nach Lübeck wurde zu einer sehr belebten Achse des Nord-Süd-Handels. Die sogenannte "Lübecker Straße" verband den Rhein-Main-Raum mit der Nord- und Ostseeküste. Von Lübeck aus gingen in erster Linie Seefische, vor allem der bei Schonen gefangene Hering und Stockfisch aus Norwegen, nach Frankfurt. Aber auch Felle, Asche, Teer, Flachs, Wachs, Honig, Salpeter, Bernstein, Bernsteinprodukte (Rosenkränze) und schwedisches Eisen wurden geliefert. Dafür erhielt man aus Frankfurt Produkte des oberdeutschen Handels (Silber, Gold, Wein und italienische Produkte), deren Vertrieb durch große Handelsgesellschaften geregelt wurde. Die Lübecker Kaufleute erwarben auf den Frankfurter Messen neben Wein auch mittelrheinische und italienische Tuchprodukte, Gewürze, Nürnberger Metall- und Waffenprodukte, Schmuck und Ende des Mittelalters Erzeugnisse des Buchdrucks.
Ende des 14. Jahrhunderts begann der Aufstieg der Städte Nürnberg und Antwerpen. Diese Tatsache war nur ein Grund neben anderen, daß die Handelsbeziehungen zwischen Frankfurt und Lübeck für etwa ein halbes Jahrhundert stagnierten. Dann allerdings gab es einen neuerlichen Aufschwung und bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts übernahm Frankfurt die führende Rolle im Handel mit dem Norden.


5. SCHLUSSWORT

Das Fazit der getätigten Recherchen für diese Seminararbeit läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Frankfurt am Main ist eine Stadt mit vielen Facetten und einer sehr interessanten und bewegten Geschichte. Die Stadt am Main wird oft als "Kaufhaus der Deutschen" im Mittelalter bezeichnet. Tatsache ist, daß die Mainmetropole eine führende Rolle im damaligen Handel einnahm - weit über die Grenzen Deutschlands hinaus - als Drehscheibe Europas. Durch Frankfurt berührten sich zwei große wirtschaftliche Gebiete des Mittelalters, darin lag seine herausragende Bedeutung. Auch in der Neuzeit war Frankfurt eine wichtige Stadt. Um 1530 wurde Frankfurt zur wichtigsten Druckerstadt Deutschlands und zu einem der größten Buchzentren Europas. Heute ist Frankfurt Finanz- und Wirtschaftszentrum und noch immer eine der größten Messestädte. Die Stadt am Main besitzt außerdem den größten Flughafen Deutschlands und ist einer der Hauptverkehrsknoten im Land.



6. LITERATURVERZEICHNIS

· Bund, Konrad: Frankfurt am Main im Spätmittelalter 1311-1519, in: Frankfurt am Main. Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission XVII. Sigmaringen, 1991.
· Henning, Friedrich-Wilhelm: Deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands. Band I. Paderborn, 1991.
· Kramer, Waldemar (Hrg.): Frankfurt - Lexikon. Frankfurt am Main, 1989.
· Lexikon des Mittelalters IV. München, 1989.
· March, Ulrich: Der Handel Frankfurts mit Lübeck, in: Brücke zwischen den Vökern - Zur Geschichte der Frankfurter Messe. Herausgegeben von Rainer Koch, Band II. Frankfurt am Main, 1991.
· Orth, Elsbeth: Frankfurt am Main im Früh- und Hochmittelalter, in: Frankfurt am Main. Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission XVII. Sigmaringen, 1991.
· Rothmann, Michael: Die Frankfurter Messen im Mittelalter. Stuttgart, 1998.
· Schneidmüller, Bernd: Hanse und Frankfurter Messen im Mittelalter, in: Brücke zwischen den Völkern - Zur Geschichte der Frankfurter Messe. Herausgegeben von Rainer Koch, Band II. Frankfurt am Main, 1991.

Quellen aus dem Internet

· http://www.frankfurt.de/deutsch/1geschichte/13chronik/vorgeschichte3.html, 30.3.2000.
· http://www.frankfurt.de/deutsch/1geschichte/13chronik/vorgeschichte4.html, 30.3.2000.
· http://www.frankfurt.de/deutsch/1geschichte/13chronik/reichsstadt.html, 30.3.2000.
· http://www.frankfurt.de/deutsch/1geschichte/13chronik/zeittafel1.html, 30.3.2000.
· http://www.frankfurt-am-main.de/ffm_roem.html, 29.6.2000.
· http://www.staedte.seiten.de/frankfurt/infos.html, 29.6.2000.
· http://www.privat.swol.de/JoergSteinhauer/ffmde.htm, 29.3.2000.