Weltbild und geographische Kenntnisse zur Zeit der Hanse

Autorin: Titze Edith

Inhaltsverzeichnis


1. Der Aufbau der Welt bzw. des Kosmos

1.1 Der sphärische Bau der Welt

1.2 Das Kosmos - Ei

1.3 Der Bau der Welt aus den vier Elementen

2. Die Form der Erde

2.1 Kolumbus und die Kugelform der Erde

2.2 Die gelehrte kirchliche Tradition

2.3 Beweise für die Kugelgestalt der Erde

2.4 Die Berechnung des Erdumfangs und die Umrundbarkeit der Erde

2.5 Scheibe oder Kugel? Hintergründe der Auffassung von einem scheibenförmigen Weltbild im Mittelalter


3. Die Erde selbst

3.1 Beschreibung der bekannten Welt

3.2 Terra australis incognita und die Antipoden

3.3 Monströse Menschenrassen an den Rändern der Ökumene

3.4 Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Jerusalem oder der Nabel der Welt


4. Kartographische Quellen

4.1 Mappa mundi

4.2 Carta nautica

4.3 Itinerar

4.4 Situs

5. Erklärung einer mittelalterlichen Mappa mundi

6. Literaturverzeichnis


 



1. Der Aufbau der Welt bzw. des Kosmos


1.1 Der sphärische Bau der Welt

Von der griechischen Astronomie wurde die Auffassung, die Erde sei der Mittelpunkt des Planetensystems, ins Mittelalter übernommen. Dies waren zwei etwas unterschiedlich geozentrischen Systeme. Das erste, ältere Modell, war das homozentrische Sphärenmodell, welches von völlig konzentrischen Kugelschalen ausging, die sich um die Erde drehen. Das andere war das sogenannte Exzenter-Epizykelmodell, das die Unregelmäßigkeiten der Planetenbahnen durch Sphären mit ungleichen Mittelpunkten und der Epizykeltheorie zu erklären versuchte.

Im ersten Modell bewegten sich die Planeten in kreisförmigen Bahnen um die Erde. Die Sphären bildeten sich aus den Bahnen der sieben damals bekannten Planeten und dem Fixsternhimmel. Wobei man sich im Mittelalter nicht kristallene Kugeln vorstellte, sondern Armillarsphären. Das waren metallene Modelle des Kosmos, wo dünne Metallreife die Sphären abbildeten.
Die sieben Planeten von der Erde weg waren der Mond, der Merkur, die Venus, die Sonne, der Mars, der Jupiter und der Saturn.
Diese wurden von einer achten Kugel, dem Fixsternhimmel oder Firmament genannt, an dem die Fixsterne befestigt waren, umgeben. Dieser drehte sich am schnellsten, in 24 Stunden, um die Erde.
Außerhalb des Firmaments lag der bewegliche Kristallhimmel, wovon jenseits nur noch der Feuerhimmel, welcher als unbewegliches, homogenes Licht gedacht war, lag.

Es wurden auch Gründe angeführt, warum die Erde im Zentrum liegen müsse.
Erstens lag die Erde als schwerstes Element am weitesten unten, also vom Zentrum aus gesehen, lagen alle anderen Elemente weiter oben und waren somit auch wichtiger.
Zweitens wurde die Größe der Erde, die man im Vergleich zum gesamten Kosmos als winzig ansah, richtig eingeschätzt.
Und drittens war die Bedeutung, dass die Erde an unterster Stelle rangierte, für die Bewegungen der Himmelskörper ausschlaggebend. Die Bewegungen innerhalb des Kosmos gingen von einem außerhalb des Firmaments gelegenen Antrieb aus, während die Erde unbeweglich im Zentrum lag.
Dieser Beweger wurde als unsichtbare neunte, zehnte Sphäre oder als Gott selbst identifiziert, indem er die äußerste Sphäre in Bewegung setzte und sich diese auf die inneren Sphären übertrug.

In dieser Abbildung wird im Zentrum die Erde dargestellt. Dies konnte durch den Buchstaben T, das Wort Terra oder durch eine schematische Zeichnung einer irdischen Landschaft erfolgen. Umgeben war die Erde von acht konzentrischen Kreisen, welche die Namen der Planeten und des Firmaments trugen. Dieses Weltallbild diente als bildliches Kürzel für den physischen Kosmos.
Auf Weltallbildern, die in Handschriften, die sich mit der Schöpfung der Welt befassen, was offenbar bei dieser Abbildung der Fall ist, dargestellt werden, befanden sich außerhalb des Firmaments noch ein bis drei konzentrische Kreise, die den spirituellen Himmel darstellten. Dieser Himmel beinhaltete den Kristallhimmel, den Feuerhimmel und Gott. Da der Feuerhimmel unbeweglich war, gab es sachliche Verwirrungen über dessen Lage.

In mittelalterlichen Handschriften wurden oft mehrere Bedeutungen des Wortes "Himmel" angeführt.
Zuerst kam der körperliche Himmel, dies war der Bereich von der Mondsphäre bis zum Feuerhimmel. Außerhalb davon lag der Dritte Himmel, der den Wohnort der Heiligen, der Engel und den von Gott enthielt.
Eine andere Möglichkeit war den Himmel in drei verschiedene zu unterteilen. In den körperlichen Himmel, dies war jener, der alle Planten inklusiv des Firmaments und des Feuerhimmels enthielt, in den geistigen, dort waren die Engel ansässig und in den intellektuellen, wo sich die Trinität befand.

Über manche Planetenkonstellationen gab es im Mittelalter andere Ansichten, die ursprünglich wieder aus der Antike stammten. Man glaubte, dass Merkur und Venus um die Sonne kreisen und diese um die Erde. Grund für die Annahme war die Beobachtung, dass Venus und Merkur nur als Abend- und Morgenstern zu sehen waren und somit in einem nur geringen Winkelabstand zu der Sonne stehen mussten. Dies wird zum Beispiel im Handbuch von Daniel von Morley aus dem 13.Jahrhundert angeführt.
Diese Tatsache fand aber keine Aufnahme in das verbreitetste astronomische Buch des Mittelalters, des "Liber de sphaera" von Johannes de Sacrobosco, das vor 1220 entstanden ist, sowie dessen deutsche Übersetzung des Regensburger Domherrn Konrad von Megenberg (1309-1374).
In diesem Buch wurden dafür die Stillstände und Rückläufe der Planeten ausführlich behandelt, die man in der Antike mit der Annahme immer neuer Zwischensphären zu erklären versucht hatte. Das zweite Modell wurde im Hochmittelalter weitgehend akzeptiert. Dies war die Epizykeltheorie, welche die eigentlichen Planetenbahnen als Kreise deutete, deren Mittelpunkte sich auf den großen Sphären bewegten.
Sie wird durch die Abbildung 2 veranschaulicht dargestellt.
Diese Theorie fand man nur in ausgesprochen astronomischen Fachschriften aber nicht in allgemein gehaltenen astronomischen Erklärungen.


1.2 Das Kosmos-Ei

Neben der wissenschaftlichen Erklärung des Kosmosbaus gab es noch eine populäre und vor allem symbolischere Variante, nämlich den Vergleich der Welt mit einem Ei. Dieses Modell beruhte auf der mittelalterlichen Elementenlehre. Der Vergleich ordnete die vier Abschnitte des Weltalls den vier Elementen zu und diese wurden dann mit dem Aufbau eines Eis verglichen.
So ein Vergleich findet sich bei Honorius Augustodunensis.Man neigte zu Verbesserungen des Vergleichs, da selbst für mittelalterliche Verhältnisse diese Zuordnungen zu theoretisch waren.Diese Vergleiche waren keine Erfindung des Mittelalters, sie gehen auf die Antike zurück. Einerseits auf die griechische Kosmologie, die die Erde als Dotter im Ei interpretierte und andererseits auf den römischen Gelehrten Varro, der einen Vergleich der Elemente des Kosmos mit den Teilen des Eis anstellte.
Man wollte mit dieser Kosmosvorstellung kein astronomisches, sondern ein symbolisches Weltbild vermitteln.Obwohl die beiden vorgestellten Modelle, das sphärische und das des Eis ziemlich unterschiedlich klangen, gab es doch Gemeinsamkeiten. Denn durch die Schale war die Welt in sich endlich, die die göttliche Unendlichkeit fernhält.


1.3 Der Bau der Welt aus den vier Elementen

In beiden betrachteten Modellen, dem sphärischen und dem des Eis, herrschte die Ansicht, dass der Kosmos aus vier Elementen bestand und zwar in konkreter Schichtung nach ihrem spezifischen Gewicht. Die gängigste Auffassung war, dass zwischen der Sphäre von Mond und Erde Schichten aus Feuer, Luft und Wasser lagen, die die Erde umgaben. Die Erde und das Wasser befanden sich auf der Erde. Darüber kam die Luft und oberhalb dieser noch eine Feuer- bzw. Ätherhülle, die bei der Mondsphäre oder beim Firmament endete.
Ab dem 12. Jahrhundert teilte man das Weltallbild nach der Epizykeltheorie anders ein. Die Lufthülle ging jetzt bis zum Firmament, die dahinter liegenden Himmel waren mit dem Feuer zu identifizieren. Aber über die genaue Verteilung der Elemente im All bestand weder bei den Astronomen noch bei den Enzyklopädisten Einigkeit.



2. Die Form der Erde


2.1 Kolumbus und die Kugelform der Erde

Die Kugelgestalt der Erde und die freie Wasserfläche zwischen Europa und Ostasien waren rein theoretisch weder zu Ende des 15. Jahrhunderts noch im Hochmittelalter ein Problem. Dies begann erst als man sich damit praktisch auseinandersetzte.Zeitgenössische Unternehmen wie der portugiesische Vorstoß um Afrika, waren nicht ein Problem von logistischer, sondern von psychologischer Natur. Um Afrika umsegeln zu können, musste man das Kap Nein auf der Breite der Kanarische Inseln mit seinem Nebeln und Untiefen und das südlich davon gelegenen Kap der Angst überwinden. Die Kugelform der Erde, die in der Antike seit Aristoteles als bewiesen galt und die nur in der Zeit der Kirchenväter einige Gegner hatte, zählte bereits seit der karolingischen Renaissance des 8. Jahrhunderts zum Wissensgut der Gelehrten. Spätestens ab dem 12. Jahrhundert begannen die astronomischen Handbücher und der Unterricht an den Universitäten für die Verbreitung des antiken, ptolemäischen Weltbilds.

2.2 Die gelehrte kirchliche Tradition

Beim spanischen Bischof Isidor von Sevilla (570-636) fanden sich nur wenig konkrete Aussagen über die Form unserer Erde. Die weit verbreiteten Radkarten, viele von Isidor angefertigt, stellten tatsächlich eine kreisförmige und flach aussehende Landmasse dar. Diese war aber nicht identisch mit unserer Welt oder auch nur der Erde, sondern nur eine Darstellung des bewohnten Teils, den drei bekannten Kontinenten Asien, Afrika und Europa. Der Kreis, indem diese eingetragen wurden, sollte nur eine symbolische Welt darstellen.

Somit können solche Karten sicherlich nicht als Beleg für ein scheibenförmiges Weltbild gewertet werden. Daneben gab es noch Zonen- und Klimatenkarten, die ich bei den Weltkarten weiter unten näher erklären werde oder rechteckige Karten, die sogenannten Noachidenkarten, auf denen die Besiedlung der Erde durch die drei Söhne Noahs Sem, Cham und Japhet, schematisch dargestellt wurden. Das zuvor erwähnte Honorius Augustodunensis [siehe Eivergleich], verfasste ein Werk mit dem Titel "Elucidarius", indem er einen Beleg für die Auffassung der Welt als Kugel um 1120 lieferte. Der Mensch, der aus den vier Elementen erschaffen wurde, wäre ein Mikrokosmos, der die Teile des Makrokosmos repräsentiere. So wäre der Kopf des Menschen nur deswegen eine Kugel, weil die ganze Welt, hier gesehen als der gesamte Kosmos, kugelförmig sei. Dieses Werk war als populäres Handbuch für den Klerus gedacht und hatte eine entsprechende Breitenwirkung.
Weitere Aussagen über die Form der Erde fanden sich unter anderen im Buch "Sidrach" (13.Jh.), wo die Erde mit einem Apfel verglichen wurde. Dieser Vergleich wird auch beim Reichsapfel eines Herrschers als Symbol für die Erde gezogen.
Auch der Vergleich der Erde mit einem Ball fand sich in einer Predigt aus dem 13. Jahrhundert und wies zahlreiche antike Parallelen auf.

2.3 Beweise für die Kugelgestalt der Erde

Die Behandlung der Gestalt der Erde findet sich in enzyklopädischen Werken folgender Autoren:
§ dem Dominikaner Thomas von Cantimpré
§ Vinzenz von Beauvais
§ dem Franziskanerbischof Robert Grosseteste (GB)
§ Gervasius von Tilbury

Damit ist bewiesen das die Kirche im Mittelalter die Lehre von der Kugelgestalt der Erde nicht als häretisch abgelehnt hat.
In mittelalterlichen Werken werden Beweise für die Kugelgestalt der Erde angeführt.
Eine Tatsache war die beobachtete Form des Erdschattens bei einer Mondfinsternis. Wäre die Erde eine Scheibe, so könnte der Erdschatten auf dem Mond auch streifenartig sein.
Weiters schloss man durch die Aufgehzeiten von Gestirnen und Planeten in Ost - West - Richtung auf die Kugelgestalt der Erde.
Nordeuropäische Jerusalempilger vermerkten wiederholt die unterschiedliche Höhe von Sternbildern in Nord - Süd - Richtung, denn die nördlichen Sternbilder näherten sich bei ihrem Weg nach Süden dem Horizont.
Ein letzter Beweis, der schon von Plinius aus dem ersten Jahrhundert stammt, ist jener:
Verläßt ein Schiff ein Meeresufer in Richtung offenes Meer, so ist das Schiff bald verschwunden, aber der Mast noch länger zu sehen. Das heißt, dass das Verschwinden nicht nur durch die größer werdende Entfernung zu erklären ist, sondern auch durch die Krümmung der Meeresoberfläche.

2.4 Die Berechnung des Erdumfangs und die Umrundbarkeit der Erde

Der süddeutsche Dominikaner Albertus Magnus (1193-1280) legte in seinem Werk "De caelo et mundo" ("Vom Himmel und der Welt") Angaben zum Erdumfang vor. Diese waren falsch, denn er hatte die Höhe der Sternbilder falsch eingeschätzt. Aufgrund der erhaltenen Resultate meinte er den Erdumfang viel geringer ansetzen zu müssen als antike Gelehrte, wie der griechische Geograph Strabo oder Ptolemäus. Ptolemäus Berechnungswert blieb fürs Mittelalter relevant.
Am Nähesten zum heute gemessenen Wert für den Erdumfang, gelangte schon Erathostenes im dritten Jahrhundert vor Christi. Er verglich den Sonnenwinkel in Assuan mit dem in Alexandrien zu Mittsommer.

2.5 Scheibe oder Kugel? Hintergründe der Auffassung von einem scheibenförmigen Weltbild im Mittelalter

In der von mir verwendeten Literatur werden drei Gründe angeführt, warum man in der Neuzeit und heute auf die Idee kommen konnte, dass man sich im Mittelalter die Erde als Scheibe vorstellte. Ein wichtiger Grund dafür liegt in der wissenschaftlichen Literatur von heute. Denn dort wird das mittelalterliche Weltbild noch immer auf den ägyptischen Kaufmann Kosmas zurückgeführt, der um 500 nach Christi Indien und Ostafrika bereiste. Jener lehnte aufgrund von Bibelaussagen das antike Weltbild ab und stellte diesem ein eigenes gegenüber. Dieses bestand im Wesentlichen aus einer scheiben- oder trapezförmigen Erde, die vom Himmel kastenartig umgeben war.

Von Augustinus im Frühmittelalter bis zur Zeit Kolumbus gab es immer wieder aufgegriffene Diskussionen darüber, ob es auf der anderen Seite der Erdkugel einen weiteren Kontinent gebe. Die Kirche vertrat die Meinung, dass es keine Antipoden, dies wären die Bewohner dieses vierten Kontinents, gebe. Wie man sieht handelte es sich hierbei, um zwei völlig unterschiedliche Fragen. Die Kirche verwechselte ihre Frage mit der nach der Existenz eines Antipodenkontinents.

Ein letzter Grund für die falsche Vorstellung war jener, wie oben schon erwähnt, dass im Mittelalter die bewohnte Erde als ein Kreis mit einem T, das die drei Kontinente voneinander trennte, dargestellt wurde. Diese Art von Karten waren seit Isidor in mittelalterlichen Handschriften weit verbreitet und können als symbolische Darstellung der bewohnten Erde schlecht für die ganze Welt gelten. Man vergisst heute, dass es sich bei diesen Karten um eine Projektionsform handelte, die nur die Erdoberfläche und einen Teil der Wasserfläche, nicht aber die ganze Erdkugel zeigten.

3. Die Erde selbst


3.1 Beschreibung der bekannten Welt

Von den drei bekannten Kontinenten war Asien der bedeutendste. Vor allem wegen der Orte der christlichen Heilsgeschichte, wie die Halbinsel Sinai oder die Berge Horeb und Ararat sowie der Luxusgüter, wie Gewürze, Öle, Farbstoffe, Früchte, Baumwolle, Seide oder Weihrauch, die aus dem Osten stammten. Diese gelangten seit der Kreuzzugszeit nach Europa.
Für Asien sprach auch der sagengeschichtliche Aspekt. Hier gab die vier Paradiesflüsse Nil, Euphrat, Tigris und Ganges, die aus dem, mit einem Flammenwall umschlossenen Paradies strömten, fabelartige Tiere und Wundermenschen, von denen seit den Indienzügen Alexander des Großen berichtet wurde. Weiters wurde von sagenhaften Inseln im indischen Ozean, wie Ceylon, Sumatra oder dem Magnetberg, der zwischen Indien und dem Südkontinent liegen sollte, gesprochen.
Auch noch auf den kleinsten Karten fand man biblische Orte eingezeichnet oder Plätze, die für den Regionalheiligen besondere Relevanz hatten.
Die Grenzen von Asien waren im Osten das Paradies sowie Japan, früher Cipangu genannt, im Südosten vorgelagerte Inseln, wie Taprobana, der Magnetberg, Tile, Crysien und Agiren. Im Südwesten das Rote Meer und der Nil als Grenze zwischen Asien und Afrika.
Weitere Grenzen stellten im Westen die Dardanellen, das Schwarze Meer und der Don dar. Diese westliche Grenze wurde gedanklich bis zu den Ripheischen Bergen im Norden fortgesetzt. Östlich davon befand sich das Kaspisches Meer und die Hyrcanischen Wälder.
Im Norden von Asien stellte man sich sagenhafte Inseln, die mit Fabelmenschen besiedelt waren, vor sowie die in einem Tal eingemauerten menschenfressenden Völker Gog und Magog.

Einen Bericht über Asien insbesondere über seinen Chinaaufenthalt (1271 - 1295) verfasste Marco Polo im Jahre 1298. Dieser Bericht wurde in kürzester Zeit in verschiedene Landessprachen übersetzt und in ganz Europa bekannt, obwohl man ihm nicht allzusehr vertraut hatte, da er für die chinesischen Städte sehr hohe Bevölkerungszahlen angab.
Um so mehr Glauben schenkte man dafür dem lügenhaftesten, aber populärsten Reisebericht des Mittelalters, den "Travels" von John of Mandeville. Für diesen schrieb er von alten Reiseberichten und Nachschlagewerken ab, aber sein Werk war ein Bestseller der mittelalterlichen Reiseliteratur.

Weitere Ostasienreisende waren Johannes de Plano Carpini ab 1245, Wilhem von Rubruk ab 1253 und Odorico de Pordenone ab 1314.
Im Bezug auf Afrika wusste man im Vergleich zu Asien wenig, abgesehen von den nördlichsten Landstrichen. Jenseits dieser dachte man sich den Süden Libyens und Äthiopiens von fabelhaften Tieren und Völkern besiedelt. Noch weiter südlich hielt man den Kontinent wegen der großen Sonnenhitze für unbewohnt und unbewohnbar.Zu Afrika gab es wenige Reiseberichte. Einerseits von Benjamin von Tudela und andererseits von Ibn Battuta, diese gelangten aber erst im 19. Jahrhundert nach Europa.
Natürlich war der mittelalterlichen Bevölkerung Europa am vertrautesten, dennoch gab es Kenntnislücken in Ost - und Nord - Europa. Nördlich von Germania und den Inseln Anglia, Scotia und Hibernia waren auf Karten üblicherweise Inseln nur schematisch mit den Legenden Dacia, Norwegia, Suecia und Thule eingetragen. Der Bereich des Festlands zwischen Deutschland und dem Don wurde im nördlichen Teil mit Skythien und im südlichen mit Russia bezeichnet. Zudem herrschte die Annahme, dass der Norden aufgrund der Klimatheorie unbewohnbar sei.Die Kenntnisse über Asien wurden im 13. und 14. Jahrhundert ständig ergänzt, was bei Nordeuropa nicht der Fall war. Ausgenommen von den Skandinaviern, die nach den Entdeckungsfahrten im 11. Jahrhundert neue Erkenntnisse sammelten. Die Kenntnisse über Entdeckung und Besiedlung Grönlands und Vinlands, das heutige Neufundland, wurden seit dem frühen 12. Jahrhundert aufgeschrieben.

3.2 Terra australis incognita und die Antipoden

Das Größenverhältnis zwischen Land und Wasser war lange Gegenstand von Überlegungen. Das Buch Esra (1.Jh.n.Chr.) in den Apokryphen behauptete 1/7 der Erde sei Wasser, dies glaubte auch Pierre d'Ailly im 14. Jahrhundert. Roger Bacon (1210-1292) behauptete im Grund das selbe, er beschrieb seine Aussagen in einem Verhältnis (Sechs Teile Erde und ein Teil Wasser). Weitere Annahmen waren die Verhältnisse 5:1 und 3:1 von Ptolemäus oder die Verhältnisse 4:1 und 11:1 im 12. Jahrhundert.
Mit dem heutigen Stand des Wissens erweisen sich diese Überlegungen als Irrtümer, da die Erdoberfläche aus 70 % Wasser besteht.

Die Annahme für die Existenz eines vierten Kontinents stammt schon aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert, mit jener Begründung, dass die Erdkugel sonst gewichtsmäßig unbalanciert wäre. Die Spekulationen über den Südkontinent könnten auch einem alten Wissen über die Inseln Ozeaniens oder Australiens entstammen.
Dieser vierte Kontinent sollte im Süden von Afrika oder Asiens liegen. Isidor von Sevilla nannte schon den vierten Kontinent und im 12. Jahrhundert wurde auf den meisten ausführlichen Weltkarten ein Sektor im Süden Asiens eingezeichnet, der durch einen symbolischen Äquatorialozean von der übrigen Landmasse getrennt war und als "Terra australis incognita" bezeichnet wurde. Die Bewohner dieses Kontinents nannte man Antipoden.

Natürlich gab es Gegenmeinungen von Personen und Institutionen, die die Existenz des vierten Kontinents beziehungsweise die Bevölkerung dieser mit Menschen anzweifelten. Vor allem die Kirche stellte sich mit zwei Aussagen gegen die Antipodenlehre.
Einerseits hatte Noah nur drei Söhne und konnten somit nur drei Kontinente besiedeln.
Andererseits wäre Christi Missionsauftrag undurchführbar gewesen, wenn dort Menschen gelebt hätten wodurch das Erlösungswerk überhaupt in Frage gestellt worden wäre. Da Christus keinen unsinnigen Auftrag erteilt hätte, war die Kirche gegen deren Existenz.

Eine dritte Gegenmeinung war jene, dass die Südhemisphäre wegen der sengenden Hitze am Äquator nicht erreichbar wäre und somit die Nachkommen Noahs den Australkontinenten gar nicht erreichen hätten können.

Die Verhärtung der kirchlichen Lehrmeinung im 14. Jahrhundert hatte zur Folge, dass man bei der Behauptung der Existenz solcher Antipoden, auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Diese Wende war allerdings überraschend, da sich im 12. und 13. Jahrhundert fast alle bekannten Enzyklopädisten und Astronomen für die Existenz der Antipoden ausgesprochen hatten.

3.3 Monströse Menschenrassen an den Rändern der Ökumene

Aus Werken wie der Odyssee, Illias von Homer, Werken von Alexander dem Großen oder Plinius, Solinus stammten die Beschreibungen der Menschenrassen an den Rändern der Ökumene. Beschrieben wurden unter anderem Anthropophagen (Menschenfresser), Patrophagen (Elternfresser), Pygmäen, diese waren drei Spannen groß, Cynocephali, Menschen mit Hundsköpfen, Macrobii, Menschen, die mit weißem Haar geboren wurden, Astomi, diese lebten vom Geruch der Äpfel, Hippomolgi, dies waren Pferdemelker, Ichthyophagen (Fischfresser), sechshändige Menschen, Blemmyae oder Acephales (Kopflose), Oxydraken (indische Weise), Skiopoden, Menschen mit nur einem riesigen Fuß oder Panotios, Menschen mit riesigen Schlappohren.Die gängige, biblisch-historisierende Antwort auf die Frage der Herleitung der Wundervölker stammte von Kain, dessen Verfluchung durch Gott an seinen Nachkommen in Form von Anomalien sichtbar geworden sei.

3.4 Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Jerusalem oder der Nabel der Welt

Jerusalem galt als Zentrum der Welt und Ort des Erlösungswerks. Die Stadt war der Mittelpunkt der Erdoberfläche. Dies zeigt sich auf christlichen Weltkarten des 12. und 13. Jahrhunderts.

Gegenbeispiele werden unter anderen von Heinrich von Mainz geliefert.
(Vergleiche dazu Abbildung 6 auf der nächsten Seite.)
Auf dieser Abbildung werden im Zentrum die Kykladen dargestellt, die die heilige Insel Delos umgeben. Diese Art der Darstellung leitet sich aus einer griechischen Tradition ab.

Die zentrale Lage Jerusalems spielte in den Schriften der Kreuzfahrer und Pilger eine zentrale Rolle.
Orte, die von Pilgern und Kreuzfahrern in Jerusalem besichtigt werden konnten, waren der Felsendom, die Grabes- und Kreuzfahrerkirche, sowie das Grab Adams, Marias und des Hl. Stephanus. Weiters der Abendmahlsraum, der Raum des Pfingstwunders, das Gefängnis des Petrus, die Kirche im Garten Gethsemane, der Turm Davids, der Palast des Pilatus und natürlich die Via dolorosa.
Außerhalb der Stadt konnten Orte wie der Ölberg, das Tal Josaphat, das Grab des Lazarus in Bethanien sowie die Stadt Jericho, der Jordan, das Tote Meer und der Berg Hebron besichtigt werden.
Um den Weg nach Jerusalem und die Auffindung der Orte in Jerusalem zu erleichtern, wurde eine Reihe von Stadtplänen (Situs), Reisewegbeschreibungen (Itinerarien) und Pilgerführern herausgegeben.
Die Reise nach Jerusalem führte im Frühmittelalter über den Landweg der Donau entlang bis Belgrad, von dort aus über den Balkan, teilweise nach Konstantinopel, über das türkische Hochland nach Nicea und über Cäsarea nach Antiochien oder über Italien, Albanien und Mazedonien nach Konstantinopel.
Im Hochmittelalter war es üblich, dass man sich in Venedig einschiffte und auf dem Seeweg nach Tyrus oder Akkon fuhr.
Im Mittelalter pilgerte man nicht nur nach Jerusalem, sondern vor allem seit dem 8. Jahrhundert auch nach Rom und nach Santiago de Compostella seit dem 9. Jahrhundert.


4. Kartographische Quellen

Allgemeines:

Das wichtigste Faktum im Mittelalter war, dass bis auf die Seekarte, nicht der Maßstab und nicht das Gradnetz entscheidend waren, auch die Vermessung war nicht gefragt, weder für die praktische, noch theoretische Karte. Vor allem herrschte kein Praxisbezug, im Vordergrund standen spekulative und didaktische Aspekte.
Weiters galt, dass die Kartographie bei den literarischen Quellen eingeordnet wurde, da sie im Mittelalter aus pictura und scriptura, aus Gemälde und Text bestand.
Zeitlich eingrenzen kann man die mittelalterliche Kartographie durch das vierte Jahrhundert, indem das Römische Reich christianisiert wurde und die Erweiterung der Weltkenntnis durch die Entdeckungen Kolumbus.
Die mittelalterliche Kartographie hatte nicht alles selbst erschaffen, sie übernahm viel aus der Antike. Einerseits aus dem griechischen Hellenismus, dies war eine naturwissenschaftliche Kartographie, andererseits aus der römischen Verwaltungs- und Heerespraxis den Typ der Straßenkarte.
Besonders geprägt wurde die Kartographie des 15. Jahrhundert durch die Ptolemäus-Renaissance. Sie gestaltete in ihrem Denken nichts um, denn es existierten verschiedene Weltbilder nebeneinander. Neue Formen wurden breiteren Kreisen nur langsam bekannt, vor allem ab den 1470ern durch den Buchdruck, der auch den Karten zugute kam.
In der mittelalterlichen Kartographie wurden termini technici verwendet. Es gab keine Entsprechung zu "Karte" im heutigen Sinn. Am ehesten erfüllte diese Aufgabe noch der Begriff "mappa", der vor allem in der Verbindung mit dem Begriff "mundi" auftrat. Im Italienischen und Spanischen wird der Begriff "mappa" auch für Regionalkarten verwendet, das Mittellateinische bringt "mappa" wiederum mit "mundi", als Weltkarte in Verbindung.
Die Wörter "Carta" oder "Charta" bedeuten Urkunde. In Verbindung mit "nautica", dies ist die italienische Form, trat die enge Verbindung der spätmittelalterlichen Seekartographie mit Italiens Seestädten zum Vorschein. Diese hatten die Fabrikation von Portolanen und Hafenführern als Erste betrieben.
Die Regionalkarte war vor dem 12. Jahrhundert in Form von Itinerarien, den Reisewegbeschreibungen zu Lande vorhanden. Diese hatten mitunter Angaben zu den Stationen, basierten zumeist auf römischen Straßenkarten und dienten vor allem Pilgerreisenden, die nach Rom oder Jerusalem gingen.
Der Situs war ein Lageplan einer Siedlung, eines Territoriums eines Landes und Vorläufer des Stadtplans sowie der Landkarte. Dieser war wiederum nicht maßstabsgetreu gezeichnet und sollte nur zur ersten Orientierung dienen.
In den folgenden Abschnitten möchte ich die genannten Kartentypen näher betrachten.

4.1 MAPPA MUNDI

Zuerst möchte ich auf den Begriff "Mappa mundi" näher eingehen und kurz beschreiben was er beinhaltet. Mappa bedeutete das weiße, ausgebreitete Tuch, also eine vorgegebene Fläche, die begrenzt war und ausgestaltet werden sollte. Im Mittellateinischen hatte Mappa fast immer den Genitiv mundi hinter sich, was hieß, dass das Dargestellte mit der bekannten Welt identisch war.
Sie war eine typische mittelalterliche Kartenform, worunter man aber auch See- oder Regionalkarten, Itinerarien sowie Lagepläne, verstehen konnte.
Das erste Mal trat der terminus technicus der Mappa mundi in Bibliothekskatalogen der Benediktinerklöster am Beginn des 9. Jahrhunderts auf.
Als Vorbild dieses Kartentyps diente die römische Ökumene-Karte, deren Mittelpunkt der mediterrane Raum war.
Die Mappa mundi war nichts Neues, sie galt schon in der Bibel als bildliche und geschriebene Hilfe zur Demonstration der Heilsgeschichte. Und dies war auch der Hauptzweck der mittelalterlichen Weltkarte. Sie sollte die Welt anders darstellen, nämlich unter christlicher Chiffre. Dasselbe galt für Itinerar und Situs. Zur Veranschaulichung dieser Komponente dient die Ebstorfer Weltkarte, die den Körper Christi darstellen sollte.
Im folgenden Zitat wird die Weltkarte kurz und bündig beschrieben.
"Die Mappa mundi ist Weltgeschichte, gebannt auf die Fläche einer Karte, sie zeigt das Geschehen unter Zurückstellung der Komponente Zeit in einem durch alle Zeiten hindurchgehenden räumlichen Nebeneinander."
Die Karte diente also nicht nur der Erläuterung der Heilsgeschichte, sondern war auch Schauplatz der weltlichen Geschichte. Dargestellt wurden Orte, an denen Niederlagen stattfanden, vor allem durch Kriege oder Krankheiten.
Das wichtigste auf den Karten waren menschliche Siedlungen, Naturgegebenheiten, wie Gebirge, Flüsse und Meere und historische Plätze aller Zeiten. Sie wurden auf die vorgegebene Fläche projiziert, wobei alte Ortsnamen sehr lange beibehalten und nur durch bedeutsame Städte der jeweiligen eigenen Zeit erweitert wurden.
Auf den mittelalterlichen Weltkarten gab es keine weißen Flecken, denn die Kartenmaler hatten eine Antipathie dagegen. Aus diesem Grund schoben sie wenig bekannte Gegenden räumlich zusammen, das selbe geschah mit dem Meer.
Verwendet wurde die Mappa mundi seit der Spätantike vor allem im Schulunterricht. Die Weltkarte hatte die Funktion einer Schultafel, denn der zu beschreibende Raum ist vom Ozean umschlossen gedacht. Die Schüler sollten die Lage der Orte, ihre Entfernung voneinander, den Verlauf der Flüsse von der Quelle bis zur Mündung, das Aussehen ihrer Gestade und die Gestalt des Ozeans kennen.
Die geographischen Vorstellungen und Kenntnisse waren eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Bibelstudium und die Pilgerfahrt im Geiste.
Wie schon oben erwähnt (siehe Ortsnamen), gab es selten eine Fortentwicklung und Weiterbildung dieser imago mundi. Die Kartographie ließ sich wenig von dem beeinflussen, was man im Alltag beobachtete.
Es musste dennoch etwas Eigenes hineingeflossen sein, sonst könnte man manche Karten nicht so gut bezüglich ihres Entstehungsortes lokalisieren.
Im 13. Jahrhundert war der Kulminationsraum der mittelalterlichen Kartographie. In diesem Zeitraum war nicht nur das reichhaltigste und vielseitigste Material greifbar, es entstanden umfassende überformatige Weltkarten, zum Beispiel von Rotulus von Vercelli, die Ebstorfer Weltkarte oder die Hereford-Karte.

Diese überformatigen Karten wurden als Schmuck in Kirchen verwendet, denn nur an der Wand oder hängend konnten sie voll zur Geltung gebracht werden.Seit den Symbolisten des 12. Jahrhundert lag die Betonung auf der Austauschbarkeit von Raum und Zeit, indem die Mappa mundi zum Symbol des Geschichtsablaufs von Osten nach Westen wurde.
Seit dem 13. Jahrhundert aber vor allem seit dem 14. Jahrhundert wurde die Universalkartographie zunehmend exakter und wirklichkeitsbezogener, der Nutzen wurde aus der Seekartographie gezogen.
Um 1300 waren deutlich arabische Einflüsse beobachtbar, dies wurde belegt durch die Neugestaltung Afrikas.
Zudem bezieht man zum Beispiel die Mongolen in Persien, Rußland, Zentral-Asien und China mit ein. Dies geschah durch den Venezianer Paulinus Minorita (ca. 1311-1334). Er betonte unter anderem die Notwendigkeit von Text und Bild bei der Mappa mundi. Für ihr war beides ein unverzichtbarer Teil von Geschichtswerken. Um nicht von der Wahrheit abzuweichen, nannte er seine Vorlagen. Dies waren Kirchenväter aus dem Mittelalter und der Antike.
Das Weltbild veränderte sich vor allem durch die Mongoleneinfälle. Zeugnisse aus dem Orient werden fast ausschließlich in der scriptura aber nur sehr zögernd in der pictura festgehalten.
Paulinus Minorita beschrieb einem Abschnitt mit der Überschrift "De alia divisione Scythie" über die traditionelle Lokalisierung Skythiens zwischen Germanien und dem Sererland nahe Kaukasus und Kaspischen Meer.
Er befasste sich ausgiebig mit den vier mongolischen Großreichen, hatte sie aber nicht in seinen Karten eingezeichnet.
Einzelheiten zu den Mongolen fand man in der pictura erst in der mallorquinischen Portolankartographie ab 1350.
Was weitgehend auch noch im 15. Jahrhundert in der pictura fehlte, waren die Maghreb-Völker und die Osmanen.

Arten der Mappa mundi

Die Zonenkarte:

Die Griechen und ihre Nachfolger gingen in der Regel von der Kugelgestalt der Erde aus, die aber in der unperspektivischen Malweise des Mittelalters verloren ging.
Ein spezifischer Kartentyp, der noch Relikte der Kugel aufweisen konnte, war die Zonenkarte, die durch spätantike lateinische Autoren oder auf dem Umweg über die arabische Wissenschaft überliefert wurde.
Die Erdkugel wird durch zwei Ozeanringe, die sich im rechten Winkel schneiden, gegliedert. Einerseits durch den Polar-Ozeanring und den Äquatorial-Ozeanring, die wie die Namen schon sagen durch die beiden Pole bzw. dem Äquator entlang verliefen. Dadurch entstanden nach Krate von Mallos aus Pergamon (2.Jh.v.Chr.) vier Kontinente. Diese Vorstellung gelangte durch spätantike Autoren in die abendländischen Schulbücher, wo man aber nur noch eine Planiglob zeichnete.
Dieser bestand aus einem Kreis, der vom Ozeanring umgeben und durch einen waagrecht verlaufenden Meeresarm in zwei Kontinente, einen südlichen und nördlichen, geteilt wurde. Beide Kontinente lagen jeweils in der gemäßigten Zone, voneinander getrennt nur durch einen heißen Klimagürtel. Begrenzt wurden sie im Norden und Süden durch je eine kalte Zone an den Polen. Dadurch entstanden fünf Zonen, von denen zwei bewohnbar waren, wobei aber nur eine von beiden mit der bekannten Welt identifiziert wurde.
Diese jetzt beschriebene Zonenkarte war im 11. und 12. Jahrhundert besonders beliebt. Zum Beispiel jene von Lambert von Saint-Omer, die wie folgt beschrieben wurde:
"diese ist geostet, die unbewohnbaren Teile der Erde sind so zusammengedrückt, daß praktisch zwei Hemisphären zur Verfügung stehen, von denen die Linke dieser geosteten Zonenkarte die bewohnte Welt zeigt, die rechte diverse Texte der scriptura aufnimmt. Ein T der Gewässer unterteilt die bekannte Welt, die oben und unten nahe dem Äquatorialmeer von zwei kleinen Inseln begleitet ist, im Osten von dem durch die Paradiesströme verbundenen Paradieseiland, im Westen vom Antipodenkontinent, dessen Bewohner laut Legende Tag und Nacht uns entgegengesetzt, die Jahreszeiten aber entsprechend haben".

Die Klimatenkarte:

Eine Sonderform dieser sogenannten Zonenkarte bildete die Klimatenkarte. Auf dieser war der Gürtel der bewohnten Welt in sieben Klimata eingeteilt, die nach den wichtigsten Städten benannt waren. Dieser Kartentyp wurde erst durch die Araber Spaniens an die Lateiner vermittelt und konnte somit nicht vor dem 12. Jahrhundert im Westen bezeugt werden.

Die T-O-Karte:

Die gebräuchlichste Form der Weltkarte, die im Mittelalter angefertigt worden ist, war die Radkarte in T-O-Form. Diese Karte hatte die Form eines Rades oder O, dem ein T eingeschrieben war. Das T wurde von den, die Erde einteilenden Gewässern gebildet. Als dessen Balken galt der Don, das östliches Mittelmeer und der Nil und als Schaft das Mittelmeer.
Diese Karten waren geostet, das heißt, das obere Ende der Karte zeigte Richtung Osten und beinhalteten die drei bekannten Erdteile Asien in der oberen Hälfte, Europa im linken unteren und Afrika im rechten unteren Viertel. Siehe dazu die Abbildung auf der Titelseite.

In der T-O-Karte treffen die Charakteristika des christlichen mit dem antik-römischen Weltbild aufeinander. Man war der Meinung, dass Jerusalem der Mittelpunkt der bekannten Welt sei. Mit der nun bekannten Karte, würde aber Jerusalem ins Wasser fallen, daher verschob man in der Folgezeit das T nach unten, also nach Westen, wodurch Jerusalem außerhalb des T blieb. Wie schon oben erwähnt fand dieser Kartentyp ab der Zeit Isidors von Sevilla eine außerordentliche Verbreitung.

Es wurden T-O-Schemen und Zonenkarten nebeneinander verwendet, konnten aber auch ineinander integriert werden.
Die Wirkung der lateinischen Kartographie ging über den westlichen Kulturkreis hinaus.
So findet man T-O-Karten nach Augustinus bzw. Isidor bei den Ostchristen, insbesondere bei den Syrern im Früh- und Hochmittelalter. Sie sind sogar noch bei den Armeniern im 15. Jahrhundert nachzuweisen.

Weitere wesentliche Merkmale der Mappa mundi, die ich noch nicht angeführt habe, wären die folgenden.
Die Kartographen gingen deduktiv vor, das hieß, dass sie von unumstößlichen Gegebenheiten ausgingen, in die sie die individuellen Erkenntnisse hineininterpretierten.
Die Moslems arbeiteten in diesem Hinblick anders. Diese erstellten zur gleichen Zeit Detailkarten bestimmter Gebiete und setzten sie anschließend zu einem Ganzen zusammen. Sie waren somit viel flexibler in Bezug auf die Aufnahme und Verarbeitung neuer Erkenntnisse, denn sie hatten keinen begrenzten Bereich, der ausgefüllt werden musste. Daher gestattete erst der Verzicht auf räumliche Eingrenzung eine freie Variation der pictura im europäischen Raum.


4.2 CARTA NAUTICA

Carta nautica ist ein italienisches Wort. Der Grund dafür liegt darin, dass in Italien die Erstellung dieses Kartentyps ihren Aufschwung nahm. Kartenwerkstätten befanden sich in Pisa, Genua und auf Mallorca.
Die spätmittelalterliche Seekarte war auch unter dem terminus technicus "Portolankarte" bekannt. Ein Portolan war ein Küstenführer, der ebensogut scriptura wie pictura beinhalten konnte, was im Idealfall auch so war.
Die Portolankarte war zunächst eine reine Küstenkarte, wo der Küstenverlauf eingetragen wurde. Die Beschriftung erfolgte quer zum Küstenverlauf, wodurch die Küste durch Inschriften hervorgehoben wurde. Für die Legenden bedeutender Plätze wurden besondere Farben verwendet, wie etwa Rot. Der Raum des Küstenverlaufs im Meer wurde für Bemerkungen der Seefahrer, wie Untiefen oder Riffe, freigelassen.
Bei diesen Karten wurden Entfernungen gemessen, dafür diente ein Meilenmesser am Kartenrand.
Geschriebene Küstenhandbücher aus dem hellenistischen Bereich sind reichlich bezeugt, auch erhalten, aber gezeichnete Portolane der Antike sind bisher nicht nachgewiesen, ebensowenig kennt man eine Entsprechung im frühen oder hohen Mittelalter.
Die Portolane brauchte man nicht nur für die theoretische Allgemeinbildung in Schulen, sie waren allein aus praktischen Notwendigkeiten geschaffen worden. Sie dienten den Seeleuten, halfen ihnen auf dem Meer den rechten Weg zu finden und reibungslos Häfen anzufahren. Man musste vorbei an vorgelagerten Felsen und Untiefen, denn die Schifffahrt wurde behutsam entlang der Küsten betrieben.
Solche Karten waren großformatig, Wind und Wetter ausgesetzt. Die spätmittelalterliche Porotlankartographie bediente sich der Benutzung der Magnetnadel. Diese Karten waren mit einem feinen Liniennetz, einem Gewebe aus Kompasslinien überzogen.
Als Beschreibstoff dienten Tierhäute von Ziege oder Kalb. Die Karte war nicht mehr geostet, eher drehbar zu lesen, die Tendenz ging zur Nordung oder Südung. Die Beschriftung war jeweils im unteren Quadranten angebracht.
Die Erstellung solcher Portolane erfolgte in induktiver Verfahrensweise. Wichtig war vor allem die möglichst wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Meeresküsten, vor allem des Mittelmeers und der angrenzenden Küstenlandschaften.

Die älteste Portolankarte war die Pisanische. Sie musste vor dem Fall Akkons 1291 entstanden sein. Zeugnisse für solche Karten gab es auch vor 1291. So ist zum Beispiel eine Überfahrt von Tunis nach Cagliari (Sardinien) aus dem Jahr 1270 belegt.

Die folgende Abbildung zeigt die Pisanische Karte, die schon ein sehr genaues Bild von Europa und den angrenzenden Gebieten liefert.

Die Seekarte wurde auch als Teil der Mappa mundi betrachtet, deren entscheidende Entwicklungsphase das 13. Jahrhundert gewesen ist. Die Kreuzzugszeit hatte die Interessen des Abendlandes auf den mediterranen Raum konzentriert, da man vor allem seit dem vierten Kreuzzug auf den Seeweg angewiesen war.
Portolankarten hatte es in großen Mengen gegeben, denn um 1354 hatte jedes Schiff mindestens zwei solcher Karten mitzuführen.
Die Portolankarte war im Alltag, wie schon oben erwähnt, überformatig und in der Geschenkaufmachung zurechtgeschnitten.
Zwischen 1300 und 1330 gab es eine kurze Phase großer wissenschaftlicher Originalität. Diese hatte die exakte Erfassung von Küsten zum Gegenstand. Nachdem sie die Mittelmeerküsten umschrieben hatte, stagnierte die Originalität sehr schnell. In der folgenden Zeit wurde das Binnenland miteinbezogen und Teile des atlantischen Raumes erfasst. Die Portolankartographie wurde mehr zum Kunsthandwerk als zur wissenschaftlichen Arbeit.
Schon 1306 hatte Johann von Carignano auf seinen Portolankarten das Landesinnere mit nötigem Interesse betrachtet und so eine Verbindung zwischen Portolankarte und Mappa mundi hergestellt. Auf seinen Karten fand man Details von Nordeuropa, Innerafrika und Asien.
Eine weitere Sonderart war der Portolan der oberitalienischer Seen des 14. und 15. Jahrhunderts. Erfasst wurden die Ufer des Gardasees und ab dem 15. Jahrhundert auch das Etschtal und Verona. Denn in Oberitalien war ein Verkehrsknotenpunkt, woraus sich das Bedürfnis nach Regionalkarten, die Itinerar und Situs verbinden, relativ früh entwickelte.
Solche Verbindungen mehrerer Karten fanden sich bei den Arbeiten des Venetianers Pietro Vesconte zu den Schriften des Marino Sanudo dem Älteren. Er stattete die Handschriften mit verschiedenartigen Siten des Heiligen Landes und Portolankarten aus.

Im 15. Jahrhundert wurde nichts Wesentliches hinzugefügt, bis auf einige Details im Atlantik und Afrika.
In der Folgezeit wurden Seekarten weitgehend in die Mappa mundi integriert. Die einzigen Neuerungen waren wie bei der Mappa mundi, die zeitgenössischen Ortsnamensgebungen.
Besonders interessant wars die Tatsache, dass in Venedig, zum Beispiel Pietro Vesconte, einzelne Seekarten zu Atlanten zusammen fasste und dazu eine Mappa mundi gab.


4.3 ITINERAR

Dieser Kartentyp wurde im Mittelalter weitergeführt. In der Antike waren Itinerare römische Landkarten. Somit war es eine Form der Kartographie, die den Römern gemäß und daher bei ihnen verbreitet war.
Die Römer wollten die Erde nutzen, mussten über die Qualität der Wege informiert sein und die Etappenstationen einplanen können. Die Itinerare dienten ausschließlich den militärischen und verwaltungsmäßigen Zwecken der Römer.
Im Mittelalter gab es wenig Neuaufnahmen von Wegen, man bediente sich der vorhandenen und konservierte sie.
Sie ist eine Zusammensetzung aus Einzelitinerarien mit einer Gesamtlänge von 6,75 Metern und einer Breite von nur 34 Zentimetern. Sie beinhaltet 3.300 Stationen, 600 Ortsnamen, über 500 Stadtsymbole und Signaturen sowie Verbindungen und Entfernungen von insgesamt 105.000 Kilometern.
Besonders hervorgehoben werden die Städte Rom, Konstantinopel und Antiochia, andere Städte werden durch verschiedene Türme gekennzeichnet.
Der Inhalt der Karte stammt aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Der hier vorliegende Abschnitt stammt aus einer Kopie des 12. Jahrhunderts, benannt nach deren Besitzer Konrad Peutinger.
Ein Itinerar informierte über die Beschaffenheit des Kriegsgebietes, gab Auskunft über Entfernungen, Qualität der Wege über mögliche Abkürzungen, Seitenwege, Hindernisse wie Berge und Flüsse. Diese Beschreibung wurde nicht nur in Worte gefasst, sondern auch bildlich dargestellt.
Im Mittelalter hatte sich der Zweck der Itinerare geändert. Sie dienten nicht dem Kriegswesen, wenig der Verwaltung, sondern vor allem dem Pilgerwesen, deren wichtigste Ziele Rom und das Heilige Land waren.
Ein Beispiel dazu lieferte der Engländer Matthaeus Parisiensis, der ein Itinerar von England nach Apulien gestaltete.
Straßenkarten beziehungsweise Itinerarien erfassten Strecken nicht maßstabsgetreu. Sie vermeldeten Tagesreisen, informierten über Hindernisse und klärten über Hilfsmöglichkeiten auf. Sie waren nur Teil einer geographischen Karte, eher Skizzen zwecks Erleichterung jeglicher Fortbewegung zu Lande.
Die Darstellung erfolgte in Streifenform. Man schnitt Details aus der Mappa mundi heraus und ging von vorgegebenen Angaben aus.

4.4 SITUS

Der Situs bot einen Lageplan, zumeist von Gebäuden zueinander oder mehrerer Siedlungen.
In die Gruppe des Situs gehörten alle Stadtpläne, Klosterpläne, wie der von St.Gallen oder Pläne, wie die von Waltham Abbey, der Wasserversorgungen skizzierte.

Am weitesten verbreitet war der Situs von Jerusalem. (Abbildung 10 auf der nächsten Seite)
Denn schon lange vor der Kreuzzugszeit war die Pilgerreise nach Jerusalem üblich, wie Pläne der heiligen Stätten um 700 beweisen.
Mit der Kreuzzugszeit wuchs diese Literatur entsprechend an. Eine Kleinausgabe dieses Situs fand man im Zentrum der Welt auf überformatigen Karten wie zum Beispiel auf jener von Ebstorf.
Der Situs war ein Ausschnitt aus der Mappa mundi, dies zeigte wie schon angesprochen nicht nur der Situs von Jerusalem. Auch auf der Italien-Karte des Guido von Pisa zeigte sich die Lage Italiens zu den angrenzenden Provinzen. In Italien wurden Rom und Otranto eingezeichnet, waren vielleicht als Skizzen für Kreuzfahrer gedacht.
Im 13. Jahrhundert kamen die Englandkarten des Matthaeus Parisiensis und im Spätmittelalter waren Darstellungen einzelner Regionen, wie Oberitalien, häufiger.
Die Engländer bewiesen einen ausgeprägten Sinn für andere Länder. So lieferte Matthaeus Parisiensis auch einen Situs vom Heiligen Land. Es gab auch die sogenannte Gough Map, um ca. 1360 entstanden, eine Karte von den Britischen Inseln.
Für Siedlungsansichten setzte sich die Betrachtung aus der Vogelperspektive durch. Es gab große Zahlen von Holzschnitten die menschliche Siedlungen darstellten. Geschaffen wurden sie von Jacobus Phillippus Foresti von Bergamo (ab 1483) und dem Nürnberger Arzt Hartmann Schedel (um 1493).

Am Abschluss möchte ich noch anführen, dass von mittelalterlichen Kartensammlungen nichts bekannt ist. Hin und wieder wurden bereits durch die Seekartographen Atlanten erstellt, die Einzelportolane zusammenfassten und bisweilen als Übersichtskarte eine Mappa mundi hinzufügten. Doch waren derartige Bände die Ausnahme, während sie bei den Moslems die übliche Art der Bereitstellung von Karten für Verwaltung und Verkehr darstellten.
Editionen von mittelalterlichen Karten wurden erst im 19. Jahrhundert erstellt, da erst in dieser Zeit mittelalterliche Darbietungen akzeptiert wurden.


5. Erklärung einer mittelalterlichen Mappa mundi (am Beispiel der Karte von Hereford)

Diese Weltkarte stammt aus der Kathedrale von Hereford nahe der walisischen Grenze. Sie ist die einzige noch vollständig erhaltene, großformatige mittelalterliche Weltkarte, da die Karte von Ebstorf, Norddeutschland, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und eine Karte aus Cornwall nur mehr als Fragment erhalten ist.

Das Material aus dem die Hereford-Weltkarte gefertigt wurde, ist ein Pergament aus Kalbsfell.
Außerhalb der Weltkarte wurde oben Christus als Weltenrichter des jüngsten Gerichts zwischen Engeln mit Posaunen, die den Seelen Rettung (links) oder Verdammnis (rechts) verkünden, dargestellt.
Unten links wird ein Zitat aus dem Lukasevangelium mit einem Befehl Kaiser Augustus' (hier: Cäsar), die ganze Welt aufschreiben zu lassen, angeführt. Darunter nennt sich der Autor selbst, ein gewisser Richard of Haldingham and Lafford.
Unten rechts findet man einen Ritter und einen Jäger mit Hund sowie die Worte "passe avant" "vorwärts", was wohl eine Anleitung für den Betrachter der Karte darstellt.
Die Legenden außerhalb der Karte sind vorwiegend in Anglo-normannischer Sprache gehalten, während die Eintragungen auf der Karte selbst in Latein verfasst wurden.
Der doppelte Kreisrahmen, der die Welt umgibt, ist außen durch die vier Himmelsrichtungen (mit den Bezeichnungen ORIENS, MERIDIENS, OCCIDENS und SEPTEMBRIO), innen durch die Hauptwindrichtungen (die Symbole dafür sehen aus wie Tierköpfe) gegliedert. Die Außenkarte des ganzen Pergaments trägt einen ornamentalen Rahmen und eine Schriftleiste.
Die Weltkarte ist geostet und entspricht in groben Zögen dem verbreitetsten Schema der mittelalterlichen Weltkarten, indem dem O ein T eingeschrieben wurde. Die Balken dieses T trennen Asien (oben) von Afrika (rechts unten) und Europa (links unten).

Die Buchstaben oder Ziffern in den Klammern sind Abkürzungen, die ich auf der Weltkarte verwendet habe.

Gewässer und Landschaften auf der Weltkarte:

Das T, das hier dargestellt ist, ist nicht so ein T wie wir es kennen. Der senkrechte Teil des T soll das Mittelmeer (a) darstellen, der linke Teil den Don (b), anschließend an das Ägäische und Schwarze Meer (c) und der rechte Teil den Nil (d).
Hier fand auch eine Beeinflussung des Kartenbildes durch die sogenannten Hemisphärenkarten statt, die die ganze Halbkugel der Erde mit den Kontinenten zeigen wollten. Daher ist der angenommene Äquatorialozean (e), der einen am Äquator liegenden Ozean symbolisiert, der die Kontinente auf der Nordhalbkugel vom Südkontinent oder Australkontinent (f) trennt und diesen damit für die Menschen nicht zugänglich macht, nur mehr ein schmaler Wasserlauf im Süden Afrikas. Der angedeutete Australkontinent ist von Wundervölkern und Fabelwesen besiedelt.
Außen ist ein Wasserring dargestellt, der die bewohnte Welt umschließt.
Dem Mittelmeer anschließend ist die Adria (g) eingezeichnet.
Links unten ist der Ärmelkanal (h) dargestellt, der England (i) vom Festland trennt. Weiters sind hier noch Schottland (j) und Irland (k) zu finden.
Wo sich das heutige Skandinavien befindet, war nur eine Anzahl von willkürlich angeordneten Halbinseln und Inseln markiert.
Rechts oben befindet sich das Rote Meer (l), der Persische Golf (m) mit der vorgelagerten sagenhaften Insel Taphana (n), die fälschlich für Ceylon oder Sumatra gehalten wurde.
Am Ende des Persischen Golf mündet der Euphrat (o), weiter östlich der Tigris (p), knapp daneben der Indus (q) in den Golf.
Nördlich des Roten Meers gegen das Zentrum wird der Jordan (r) mit dem See Genezareth (s) und den beiden darin versunkenen Städten Sodom und Gomorrha abgebildet. Dies geschieht überdimenionalisert aufgrund der großen Bedeutung hinsichtlich der Heilsgeschichte.
Deneben sind noch die Donau (t), ihre zahlreichen Nebenflüsse, darunter angeblich die Salzach mit Salzburg und der Rhein (u), der links unten in den Ärmelkanal strömt, vermerkt.

Gebirgszüge:

Im unteren Teil sind die Pyrenäen (I) eingezeichnet. Zudem auch die Alpen (II), das Atlas Gebirge (III) und "sehr hohe äthiopische Berge" (IV), südlich des Nils in Afrika sowie das Taurusgebirge (V) und die armenischen Berge (VI) mit der Arche Noah in Asien.

Symbolische Darstellungen:

Im Zentrum der Karte wird Jerusalem (1), das von einer kreisförmigen Stadtmauer umgeben ist, dargestellt, östlich davon der Turm von Babel (2) und gleich darunter die Stadt Damakus (3).
Im Nordosten der Erde steht jene Mauer (4) mit der, der Sage nach, Alexander der Große die schrecklichen Völker Gog und Magog in einem Tal eingemauert hat.
In der Südhälfte der Welt befindet sich Alexandrien (5) mit dem Leuchtturm in der Nilmündung und die Stadt Hippo (6) an der afrikanische Mittelmeerküste, dem Wirkungsort des Heiligen Augustinus.
Auch Inseln im Mittelmeer werden eingezeichnet. Kreta (7), worauf das Labyrinth des Minotaurus detailliert eingetragen ist und Sizilien (8).
Die Städte Rom (9), als große Burg dargestellt und Paris (10), als größte Stadt Europas finden auch Platz.

Bildlegenden, die sich mit Menschen und Tieren beschäftigen:

In Europa gibt es einen schifahrenden Norweger (11) im hohen Norden, zudem einen Bären (12), Affen (13) und Büffel (14) (östlich der Pyrenäen).
In Afrika befindet sich im Südwesten ein Leopard (15) und Basilisk (16), in Äthiopien ein Einhorn (17) und im Süden fabelhafte Menschenrassen.
Südlich von Afrika werden nackte Gangines, vieräugige Maritimi, kopflose Blemmyae, die Psilli, Hermaphroditen, Mundlose, Einfüßer, Ohrenlose im Osten, links davon schon in Asien, die gehörnten Satyren und die Lippenschattler abgebildet.
In Asien findet man ein Krokodil (18), das von einem Mann geritten wird (Nilinsel), zwei hübsche Drachen (19) (auf Ceylon), in Ostindien einen Elefant (20) mit einem Turm auf Rücken, einen Kranichschnäbler mit Stock (21), einen Pelikan (22), der sich die Brust aufreißt, einen Minotaurus (23), Greife (24), die gegen Pygmäen kämpfen und zwei kannibalische Anthropophagen (25), die menschliche Gliedmaßen zerstückeln und verzehren.

LITERATURVERZEICHNIS

Brinken, Anna-Dorothee von den: Kartographische Quellen.
Welt-, See- und Regionalkarten.
Brepols 1988.

Kupçík, Ivan: Alte Landkarten.
Von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
6. Auflage. Hanau 1990.

Simek, Rudolf: Erde und Kosmos im Mittelalter.
Das Weltbild vor Kolumbus.
München 1992.

Cartography in Medieval Europe and the Mediterranean
in: The History of Cartography.
Cartography in Prehistoric, Ancient and Medieval Europe and the Mediterranean. (Vol. 1),
hg. von University of Chicago 1987. S. 281 - 501