Universität Salzburg SS1999

Institut für Geschichte

SE: Die Stadt im Mittelalter

SE- Leiter: Dr. Ch. Janotta, Dr. R. Krammer

DIE JUDEN IN DER
MITTELALTERLICHEN STADT

abgegeben von: Sylvia Haslinger

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort
2. Die Ansiedlung von Juden
3. Die rechtliche Stellung der Juden
4. Gesellschaftliche Stellung der Juden
5. Wirtschaftliche Tätigkeit
6. Stellung der Juden in der Zeit der Kreuzzüge
7. Judenfeindlichkeit im ausgehenden Mittelalter 14
8. Wichtige baulichen Einrichtungen 16

8.1. Die Synagoge 17
8.2. Die Mikweh 18
8.3. Der Friedhof 19
8.4. Das Schlachthaus 19
8.5. Das Tanzhaus 20
9. Feste und Alltagsbräuche 20
10. Bibliographie 22
11.Entwurf der Unterrichtseinheit 23
11.1. Sachanalyse 23
11.2. Rahmenbedingungen 25
11.3. Stundenbild 26
11.4. Genauere Ausführung der Planung 27

1.Vorwort
Die Geschichte der Juden im europäischen Mittelalter ist im Laufe der Jahrhunderte einem massiven Wandel unterworfen. In der Frühzeit der Stadtentwicklung erlebte die jüdische Bevölkerung eine wahre Blütezeit, mit Vorrechten gegenüber den christlichen Stadtbewohnern und besaß durchaus ein hohes Ansehen bei breiten Schichten der Bevölkerung. Sie galten als Träger der Naturwissenschaften und Philosophie und hatten somit eine wichtige Rolle als Kulturvermittler inne. Nicht selten waren die Leibärzte und Finanzberater der Herrscher jüdischer Herkunft.

Nach dem ersten Kreuzzug 1095 kam es jedoch zu einem tiefgreifenden Wandel in der gesellschaftlichen und rechtlichen Stellung der Juden. Die wachsende Feindlichkeit gegenüber der jüdischen Minderheit seitens der christlichen Bevölkerung führte zu gewaltsamen Übergriffen, Vertreibung und Mord.

Die Ursachen für diesen Wandel sind vielschichtig. Antijüdische Tendenzen waren wohl trotz der breiten Akzeptanz schon immer Vorhanden. Die kirchliche Doktrin, aber auch das Unwissen über die fremde Kultur, waren wahrscheinlich die Hauptursachen der Feindseligkeiten in der christlichen Umwelt.

Eine weitere, nicht minder wichtigere, Ursache ist im sozialen Wandel der Stadtbevölkerung zu finden. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich eine starke, wirtschaftlich tätige Bürger- sowie Handwerkerschicht, die in den Juden eine ernst zu nehmende ökonomische Konkurrenz sahen.

Die Folgen spiegelten sich in sozialen und rechtlichen Einschränkung der jüdischen Minderheit wider.

 

2. Die Ansiedlung von Juden

Die meisten Juden kamen durch Einwanderung nach Westeuropa. Sie kamen als Händler aus Spanien sowie aus dem oströmisch- byzantinischen und den islamischen Herrschaftsbereichen. Meist ließen sich diese jüdischen Kaufleute entlang der Handelsstraßen nieder. So entstanden jüdische Ansiedlungen, die sich in Europa von Westen nach Osten, sowie von Süden nach Norden ausdehnten.

Allerdings gab es schon in römischer Zeit jüdische Siedlungen im deutschsprachigen Raum.

Die jüdischen Händler stellten fest, daß das städtischen Leben ihre ökonomischen Tätigkeiten begünstigte und ließen sich in der Folge dort nieder. Innerhalb der Stadtmauern oder des Bischofssitzes standen die jüdischen Kaufleute unter dem Schutz des Stadtherren. Mit der Zeit bildete die städtische Umgebung für die Juden die typische Existenzform.

Zu Beginn der städtischen Entwicklung im deutschsprachigen Raum waren die Juden den übrigen Stadtbewohnern rechtlich praktisch gleichgestellt. So ist in Rechtszeugnissen des 11.Jhdts. von ceteris cives Rede.

Das Bestehen einer jüdische Gemeinde spiegelte die wirtschaftlichen Prosperität einer Stadt wider und war deshalb von besonderer Bedeutung.

Die Juden waren Bestandteil einer jeden größeren städtischen Ansiedlung im Mittelalter. Gleichzeitig entfernten sie sich jedoch vom Landleben. Denn in der Feudalgesellschaft war es undenkbar, daß ein Ungläubiger der Leibeigene und sein Herr ein Christ sein konnte oder umgekehrt.

Das Ansehen der Juden in der städtischen Gesellschaft war zunächst hoch. Das wurde vor allem vom Aufkommen eines verstärkten Lokal- und Fernhandels positiv unterstützt. Die jüdische Bevölkerung war schon seit Jahrhunderten in diesemErwerbszweig tätig und so konnte die deutsche Bevölkerung von deren vielseitigen Erfahrungen profitieren und lernen.

Die Bischöfe sowie auch die weltlichen Stadt- und Grundherren betrauten die Juden oft mit dem Münzwesen, der Abwicklung finanzieller Angelegenheiten und der Aufzeichnungen wirtschaftlicher Daten.

Meist ließen sich die Juden in der Nähe von Burgen und in Marktorten nieder und bildeten dort bald eigene Gemeinden. Andere wohnten wiederum in selbständigen "Judendörfern" außerhalb einer Stadt. Noch heute findet man zahlreiche Ortsnamen, die an solche Niederlassungen erinnern.

Nicht selten waren es die Stadtherren selbst, die sich um die Niederlassung von Juden bemühten. Sie wollten einerseits von deren Kenntnisse im Handel und Geldgeschäft profitieren, andererseits erhoffte man sich ein Aufleben des städtischen Marktes.

 

3. Die rechtliche Stellung der Juden

Die Juden unterlagen im Mittelalter bestimmten Rechtsnormen, durch die ihre rechtliche Stellung in der christlichen Umwelt geregelt wurde.

Bereits seit dem Frühmittelalter waren diese Rechte durch Privilegien geregelt, welche entweder für Einzelpersonen oder ganze Gemeinden ausgestellt wurden. Trotzdem waren die Rechte im ganzen Reich relativ homogen.

Solche Privilegien wurden vom deutschen König verliehen. Er konnte allerdings auch einen anderen, wie zum Beispiel den Bischof, mit dem Judenregal belehnen, der dann in der Folge die Privilegien ausstellte. Die Schutzpflicht des Herrschers gegenüber der jüdischen Minderheit war an das Judenregal gebunden.

Um jedoch den diesen Schutz des Herren gegen Übergriffe zu erhalten, mußten die Juden regelmäßig Abgaben leisten.

Der jüdischen Bevölkerung war zunächst der Besitz ihres liegenden sowie beweglichen Eigentums zugesichert. Außerdem war ihnen der Grundbesitz innerhalb und außerhalb der Stadtmauern gestattet. Sie konnten ihren Besitz vererben, tauschen oder verkaufen, ohne dabei irgendwelchen rechtlichen Beschränkungen zu unterliegen.

Ein wichtiger Punkt der Privilegien lag in der Zusicherung der freien Handelsausübung, sowie der Zollfreiheit und dem Erlaß der Weggelder und sonstiger Gebühren.

Weiters waren die Juden von der Gastungspflicht befreit, das heißt, daß sie nicht, wie die anderen Stadtbewohner, verpflichtet waren, bei Hofreisen Angehörige des Gefolges in ihre Häuser aufzunehmen.

Weiters waren sie von der Pflicht befreit, bei königlichen Kriegszügen Pferde oder andere Dienste zu stellen.

Weiters hatten die Juden die Erlaubnis, Diebesgut, welches in gutem Glauben erworben worden war, nicht entschädigungslos an den früheren Besitzer zurückzuerstatten.

Später trug dieses Vorrecht, das sogenannte "Hehlerprivileg", allerdings zur Verschlechterung der Stellung der Juden in der Gesellschaft bei, da die christliche Bevölkerung über dieses

Recht nicht verfügte und die Juden somit in Kontakt mit dem Unerlaubten und Kriminellen traten.

Im Grunde duften Juden jegliche Art von Waren und Besitz erwerben. Der Erwerb erfolgte in der Regel durch Kauf, Tausch oder Pfandgeschäft. Sie unterlagen also keinerlei Einschränkungen hinsichtlich des Erwerbsrechts.

Im späten 11.Jahrhundert. kam das Recht zum Geldwechseln hinzu.

Der jüdischen Gemeinde wurde außerdem noch ein eigenes Gericht zugestanden. Einerseits sollte damit eine prozeßrechtliche Benachteiligung der Juden gegenüber den Christen verhindert werden, andererseits war es ein Versuch, ihnen ein Leben nach ihren religiösen Vorschriften und Traditionen zu ermöglichen.

Der Gerichtsherr der Juden war der deutsche König bzw. Kaiser, sofern er das Judenregal an keinen anderen weitergegeben hatte. Bei einem Rechtsstreit zwischen Juden sollte der Vorsteher der Synagoge, der sogenannte archisynagogus oder episcopus judeorum, verantwortlich sein.

Konnte keine Einigung gefunden werden, stand es ihnen offen, sich an den königlichen bzw. bischöflichen Gerichtshof zu wenden. Das selbe galt auch für Streitigkeiten zwischen Juden und Christen. Rechtsstreitigkeiten letzterer Art kamen vor ein ordentliches Gericht, wobei auf die Gleichstellung der Zeugenaussagen großen Wert gelegt wurde.

Die Zwangstaufe von jüdischen Kindern war verboten. Erwachsene Juden durften erst nach einer Besinnungsfrist von drei Tagen getauft werden. Diese Bestimmung wurde deshalb festgelegt, weil Juden, die einen anderen Glauben annahmen, das Erbe des Vaters verloren und später oft von der Kirche unterhalten werden mußten.

Christliche Bedienstete sowie Ammen durften in jüdischen Haushalten beschäftigt werden. Dienstleistungen an Sonn- und Feiertagen waren allerdings untersagt. Die Haltung von christlichen Sklaven war hingegen strikt verboten.

Ab dem 12.Jahrhundert kam es zu einem Wandel in der rechtlichen Stellung der jüdischen Bevölkerung.

Durch den Aufschwung des Handels stieg in der Folge der Geld- und Kreditbedarf der Herrscher. Der christlichen Bevölkerung konnte man, im Gegensatz zur jüdischen, ohne der Zustimmung der Stände keine neuen Steuern auferlegen.

Die Juden wurden der sogenannten "Kammerknechtschaft" unterstellt. Ursprünglich war sie als Schutz gedacht, doch bald stellte sie einen äußerst praktischer Vorwand dar, den Juden neue Steuern aufzuerlegen. Kaiser Friedrich II erklärte 1237 in einem Privileg, daß er ihr Herr wäre, "da kaiserliche Gewalt diesen Juden seit altersher ewige Knechtschaft als Strafe für die Sünde auferlegt hat"

Das Schicksal der Juden stand somit im engen Zusammenhang mit dem Gutdünken des jeweiligen Herrschers.

Das Eigentumsrecht der Herrscher über die Juden sowie die Schutzfunktion wurde nie in Frage gestellt. Jedoch gelangte das Judenregal im Laufe des 14. und 15.Jahrhunderts in Form von Leihgabe, Pfand, Kaufgegenstand oder Schenkung immer mehr an die unteren Stände des Reiches, die der jüdischen Bevölkerung nicht immer gut gesonnen waren.

 

4. Gesellschaftliche Stellung der Juden

In der frühen Phase der städtischen Entwicklung waren die Juden gegenüber den christlichen Stadtbewohnern nicht diskriminiert. Im Gegenteil, sie genossen viele Rechte, welche der christlichen Bevölkerung vorenthalten waren.

Die Juden wohnten zwar in eigenen Vierteln, jedoch hatte diese Tatsache nichts mit Ausgrenzung zutun, sondern entsprach vielmehr den damaligen Siedlungsgewohnheiten. Es konnten sich genauso nichtjüdische Kaufleute in demselben Viertel niederlassen.

In manchen Städten grenzte man das Judenviertel durch eine Mauer ab, was ein besonderes Privileg des Stadtherren darstellte und nicht, wie später, eine diskriminierende Maßnahme war.

Die Wohnbezirke der Juden lagen meist in einer vornehmen Gegend der Stadt, in der Nähe der Burg, der Bischofskirche oder des Rathauses.

Die Juden durften auch Waffen besitzen und beteiligten sich, wie auch die christlichen Stadtbewohner, am Wachdienst und der Stadtverteidigung.

In manchen Städten waren sie selbst in der Verwaltung und in anderen bedeutenden Positionen tätig.

Die jüdische Bevölkerung war in der Regel gut in die städtische Umgebung integriert.

Sie genossen zunächst ein relativ hohes Ansehen sowie Gleichberechtigung zur restlichen Bevölkerung. Diese Tatsache darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, daß die christliche Umwelt keineswegs tolerant geprägt war und die Kirche dem Grundsatz, daß man zum Heil nur über die christliche Religion gelangen könne, vehement vertrat.

Trotz der allgemeinen Akzeptanz in der christlichen Umwelt waren immer antijüdische Tendenzen vorhanden.

Die jüdische Bevölkerung wurde im Kollektiv beschuldigt, für den Tod Christi verantwortlich zu sein. Deshalb wurden sie 1103 in den sogenannten allgemeinen Landfrieden als besonders schutzbedürftige Gruppe aufgenommen. Verbunden mit dem Landfrieden war das Verbot, Waffen zu tragen. Diese Vorschrift galt sonst ausschließlich nur für Priester, Unfreie und Knechte. Da jedoch alleinig der Waffenträger als voll rechtsfähig galt, verschlechterte sich innerhalb kurzer Zeit die sozial-rechtliche Lage der jüdischen Bevölkerung.

5. Wirtschaftliche Tätigkeit

Das Spektrum jüdischer Betätigungen war breit und reichte von der Gerberei bis zur Medizin. Juden waren in fast allen Berufsbranchen der Städte zu finden.

Neben der Funktion als Geldverleiher und Geldwechsler übte die jüdische Stadtbevölkerung noch eine Vielzahl anderer Tätigkeiten aus. Sie arbeiteten als Handwerker, Klein- und Großhändler und führten auch Handelstransaktionen im großen Sinne durch. Weiters waren sie als Hausierer und im ambulanten Handel tätig.

Bis ins 11.Jahrhundert waren die Juden in ihrer Funktion als Händler für das Reich unentbehrlich. Deshalb standen sie auch unter besonderem Schutz des Herrschers und genossen einige Vorrechte, wie Zollbegünstigungen und der Befreiung von sonstigen Verkaufsabgaben.

Gerade die Vielseitigkeit der ökonomischen Tätigkeit war für die jüdische Bevölkerungsschicht charakteristisch.

Erwerbsformen wie Geldverleihen und Handel verhalfen vielen Juden zu Wohlstand, welcher der christlichen Oberschicht nahe kam.

Im 14.Jahrhundert kam es jedoch zu einer deutlichen Einschränkung bezüglich der Tätigkeitsbereiche. Der Grund für diese Veränderung lag im Entstehen eines organisierten Kaufmanns- und Handwerkerstandes,- den Zünften und Gilden-, zu denen die jüdische Bevölkerung keinen Zutritt hatte. Somit beschränkte sich die Produktion jüdischer Handwerker auf den Eigenbedarf.

Das städtische Bürgertum übernahm nach und nach den Warenhandel und es lag in ihrem Interesse, die jüdische Konkurrenz weitgehend auszuschalten.

Durch die Vertreibung aus vielen Berufsbranchen beschränkte sich die ökonomische Tätigkeit der Juden fast ausschließlich auf Kreditgeschäfte.

 

6.Stellung der Juden in der Zeit der Kreuzzüge

Mit dem Aufkommen des Kreuzzugsgedanken verschlechterte sich die Situation der Juden. Nicht selten kam es zu Zwangstaufen, gewalttätigen Übergriffen, Vertreibungen und Mord.

Als Papst Urban II im Jahre 1095 beim Konzil von Clermont zum Kampf gegen die Feinde der Christen aufrief, kam es in der Folge zu schweren Judenverfolgungen in Frankreich und Deutschland.

Schon kurz nach dem Aufbruch des Kreuzfahrerheers kam es in Nordfrankreich zu gewaltsamen Übergriffen auf die dort ansässige jüdische Bevölkerung. Bald wurde auch Deutschland von der Gewaltwelle ergriffen. Am schlimmsten wurden die rheinischen Judengemeinden in Mitleidenschaft gezogen.

Der deutsche Kaiser Heinrich IV, der Schutzherr der Juden und zu der Zeit gerade in Italien, beauftragte die Bischöfe, den Juden Schutz zu gewähren. Jedoch konnten diese Ausschreitungen nicht immer verhindern. In manchen Städten reichten weder die finanziellen Mitteln noch die zur Verfügung stehenden Truppen aus, um effizienten Schutz zu leisten.

Das Schicksal vieler Judengemeinden hing vom Verhalten der jeweiligen Bürger ab. Dort, wo das Bürgertum den Bischof unterstützten, wie zum Beispiel in Speyer, konnte eine Katastrophe verhindert werden. In anderen Städten, wo die Bürgerschaft in Opposition stand, nahm die Verfolgung schwere Ausmaße an. In Worms beklagte die jüdische Gemeinde 800 Tote, obwohl nicht wenige der christlichen Stadtbewohner Juden zum Schutz in ihre Häuser aufgenommen hatten.

Schon zur Zeit des ersten Kreuzzugs tauchte in Deutschland der Vorwurf von Ritualmord, also dem Mord an einem christlichen Knaben für rituelle Zwecke, und Brunnenvergiftung auf. Solche Beschuldigungen wurden von der abergläubischen Bevölkerung schnell aufgenommen und waren oft der Auslöser für Angriffe auf jüdische Gemeinden.

Als der Kaiser von seinem Italienaufenthalt zurückkehrte, ging er mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vor.

Den zwangsgetauften Juden gewährte er, gegen den Willen Roms, die Rückkehr zu ihrem Glauben.

Die Ereignisse des ersten Kreuzzugs zeigten deutlich, daß die jüdische Bevölkerung nicht wirklich geschützt werden konnte.

Deshalb nahm sie der Kaiser 1103 in den Mainzer Reichslandfrieden auf. Dadurch erreichten die Juden einen neuen Status, nämlich den der homines minus potentes. Sie waren demnach besonders schutzbedürtig. Dieser neue Status erfaßte alle Reichsbewohner, die sich im minderen Maß verteidigen konnten, also auch Geistliche, Frauen, Witwen und Kinder. Ein Verbrechen gegen ein Mitglied dieser Gruppe, war zugleich ein Verbrechen gegen das Reich und konnte durch eine peinliche Strafe gesühnt werden.

Im Gegensatz zu den früheren Privilegien war dieses Recht für alle Juden des gesamten Reiches gültig.

Jedoch brachte diese neue Bestimmung gleichzeitig eine Einschränkung der früheren Rechte der jüdischen Minderheit. Bisher war es ihnen gestattet gewesen, Waffen zu tragen. Als besonders schutzbedürftige Reichsbewohner mußten sie jedoch unbewaffnet sein. Trugen sie Waffen, unterstanden sie nur dem allgemeinen Schutz des Reiches, ebenso wie alle anderen Freien und Unfreien. Die Juden unterlagen somit keinem direkten Waffenverbot. Jedoch führte die Minderung in der Waffenfähigkeit und die Betonung auf ihre Schutzbedürftigkeit unwillkürlich zu einer Herabsetzung des gesellschaftlichen Stellenwertes. Die Tatsache, daß sich die Juden nicht mehr selbst verteidigen konnten, wirkte sich mindernd auf ihre Ehre aus.

Im Wirtschaftsleben war die Beeinträchtigung, die durch die Vorfälle des ersten Kreuzzuges hervorgerufen worden war, besonders deutlich zu erkennen. Die Juden verloren ihr Monopol im Fernhandel. Das war auch der Grund, warum sie sich in der Folge in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit immer mehr Kreditgeschäften und Pfandleihe zuwandten.

Auch im zweiten Kreuzzug 1147 kam es wieder zu Ausschreitungen. Als Grund für das gewaltsame Vorgehen gegen die Juden wurde der Geldverleih gegen exorbitante Zinssätze genannt. Die Opferzahl erreichte allerdings nicht die Ausmaße des ersten Kreuzzugs.

Erst beim dritten Kreuzzug 1189/90 konnten durch entsprechende Vorkehrungen Friedrich I. Barbarossas und der Bischöfe schlimmere Ausschreitungen verhindert werden.

7. Judenfeindlichkeit im ausgehenden Mittelalter:

Die Situation der Juden hatte sich schon im 13.Jahrhundert deutlich verschlechtert, als die Handwerker der Städte an Einfluß gewannen. Viele Stadtbewohner der unteren Schichten sahen in den Juden Verbündete der herrschenden Schichten.

So hatte sich im späten Mittelalter auch der Judenschutz verändert. Meist lag er in den Händen des jeweiligen Territorialherren. Im Falle eines Pogroms erhob der Herrscher Ansprung auf den Besitz des Ermordeten. Somit waren die Juden dem Herrscher praktisch ausgeliefert, der sie nur im eigenen Interesse schützte. Da sie jedoch für das Reich als Steuerzahler eine wichtige Einnahmequelle darstellten, war ihnen der Schutz auch weitgehend gesichert.

Die Juden, in ihrer Rolle als Geldverleiher, erhoben ihrerseits immer höhere Sicherheiten für ihre Kredite.

Allerdings führte die willkürliche Erteilung von Tötungsbriefen oder der völlige Erlaß der Zinszahlungen an die Juden, später auch die vollständige Aufhebung der Kreditrückzahlung durch den Herrscher, zur Verarmung der jüdischen Gemeinden.

Die negative Haltung einiger Herrscher gegenüber dieser Volksgruppe, die den Gesetzen nach eigentlich als besonders schutzbedürftig galt, blieb bei den breiten Massen natürlich nicht ohne Widerhall.

Seit dem Ende des 13.Jahrhunderts kam es zu wiederholten Anschuldigungen des Ritualmordes, der Brunnenvergiftung und der Hostienschändung, die in gewalttätigen Übergriffen ihren Ausdruck fanden.

Die Judenverfolgungen Mitte des 14.Jahrhunderts stellen den tiefsten Einschnitt in der jüdischen Geschichte des Mittelalters dar.

Die Ursachen der Verfolgungen waren tiefgreifende soziale Konfliktsituationen innerhalb der städtischen Bevölkerung.

Die Pestepidemie, welche Europa zu dieser Zeit heimsuchte, war nur ein Auslöser.

Unter der christlichen Bevölkerung verbreitete sich der Verdacht, daß die Juden die Brunnen vergiftet hätten. Meist ging er der Pest voraus und führte dazu, daß die jüdische Bevölkerung noch vor dem Eintreffen der Epidemie der Verfolgung zum Opfer gefallen war. Kaum ein Ort blieb von den Pogromen verschont.

Die jüdische Bevölkerung unterlag zu dieser Zeit bereits massiver sozialer Diskriminierung. Schon beim 4.Laterankonzil 1215 wurde eine besondere Kleidervorschrift für die Juden eingeführt, der allerdings nicht überall Folge geleistet wurde. Weiters unterlagen sie Beschränkungen bezüglich des Häuserbaus und des Grundstückserwerbs in den Städten. Nun mußten sie ihr Wohnviertel mit einer Mauer umgeben, die nicht mehr, wie in früheren Zeiten, ein Privileg des Stadtherren darstellte, sondern zur Abgrenzung von der christlichen Bevölkerung diente. In manchen Städten wurden die Juden von der vornehmen Wohnlage in schlechtere Viertel umgesiedelt.

In einem eigenen Judenbuch wurden die jüdischen Geschäfte gesondert von den christlichen verzeichnet.

Nicht selten wurden aus Geldnot seitens der Herrscher Judengemeinden ganzer Regionen gefangengenommen, um ihren gesamten Besitz einzuziehen.

Der Vorwurf, mit den Hussiten zu kollaborieren, Hostien zu schänden und Christenkinder zu töten, führte zur Ermordung ganzer Judenkommunen.

In der Folge wurden im ausgehenden 15.Jahrhundert die Juden aus weiten Gebieten des Deutschen Reiches ausgewiesen.

Die meisten Vertriebenen wanderten in Richtung Osten, wo die Wirtschaft noch nicht so entwickelt war.

Es muß allerdings beachtet werden, daß die jüdische Bevölkerung nicht in allen Städten in abgegrenzten Ghettos lebte und sich von der christlichen Stadtbewohnern durch Kleidervorschriften abheben mußten. In vielen Städten gewährte man den Juden das Bürgerrecht.

Das Ghetto konnte neben der Abgrenzung auch Schutz bieten und die Kleidervorschriften kamen manchmal Abgrenzungswünsche von Seiten der Juden nach. So hatte der typische Judenhut keine diskriminierende Funktion. Der gelbe Fleck hingegen, der auf der Kleidung aufzunähen war, galt als diskriminierend, wird jedoch in Bildquellen nur selten dargestellt.

 

8. Wichtige bauliche Einrichtungen der jüdischen Gemeinden

Unter dem Begriff "jüdische Gemeinde" versteht man die Gesamtheit der Juden, die in einem abgegrenzten Bereich wohnten, sich unter einer bestimmten Herrschaft befanden und Zutritt zu diversen Einrichtungen hatten.

In jüdischen Siedlungen waren Gebäude, die zur Erfüllung der religiösen Pflichten dienten, von besonderer Wichtigkeit.

Größerer Gemeinden verfügten neben den Wohnhäusern über eine ganze Reihe von Einrichtungen wie Synagoge, rituelles Bad, Schlachthaus, Friedhof und Tanzhaus.

 

8.1 Die Synagoge

Mittelpunkt einer jeden Gemeinde war die Synagoge. Sie war das Zentrum des geistig-kulturellen Lebens. Daneben war sie gleichzeitig der Sitz des Rabbinatsgerichts. Außerdem war die Synagoge der Ort, an dem öffentliche Verlautbarungen verlesen wurden. In älteren Zeiten galt die Synagoge auch dem Studium der Tora und wurde deshalb auch als "Judenschul" bezeichnet.

Waren keine finanzielle Mittel vorhanden, wurde oft ein Privathaus als Synagoge verwendet. Sobald jedoch Geld zu Verfügung stand und die Größe der Gemeinde es erlaubte, wurde eine Synagoge errichtet.

Der Standort der Synagoge befand sich stets in der Mitte der Gemeinde. Diese Tatsache sollte den zentralen Stellenwert der Religion im Leben unterstreichen.

Im jüdischen Religionsgesetzbuch, der sogenannten Halacha, gibt es genaue Vorschriften, wie eine Synagoge zu errichten ist. So bestand eine Synagoge aus einem Zentralraum und einem Vorderhaus, von dem aus man zur Straße kam. Den Vorschriften nach durfte sie nicht an andere Häuser angrenzen.

Im Innenraum befanden sich zwei Einrichtungen, die für die jüdischen Gottesdienste benötigt wurden. Die erste war der Schrein bzw. die Nische. Er befand sich an der Ostwand, die in Richtung Jerusalem wies. Dort wurden die Schriftrollen aufbewahrt.

Die zweite Einrichtung war das Lesepult, Bima oder Almemor genannt. Es befand sich in der Mitte der Synagoge. Vor der Synagoge befand sich der Schulhof, ein Platz, an dem Trauungen, aber auch Rechtsprechungen innerhalb der Gemeinde abgehalten wurden. Der Schulhof war die einzige Freifläche im Viertel.

Das Judenregal war auch mit dem Schutz der Synagogen verbunden. Wurde die jüdische Bevölkerung jedoch vertrieben, so wurden die Synagogen in Folge oft abgerissen, zu Kirchen umgebaut oder verschenkt.

8.2 Die Mikweh

Die Mikweh war das jüdische Badehaus und stellte eine religiöse Einrichtung dar. Neben der Mikweh gab es jedoch noch ein öffentliches Bad, das zur Körperpflege diente. Die Kirche untersagte nämlich unter Strafe das gemeinsame Baden von Juden und Christen.

Das rituelle Bad, die sogenannte Mikweh, war ein Tauchbad. Durch das vollständige Untertauchen erlangte man rituelle Reinheit.

Mit der Zeit wurde die Mikweh vornehmlich von Frauen benutzt, welche verpflichtet waren, vor der Heirat, nach der Geburt sowie nach der Menstruation diese Einrichtung aufzusuchen.

Allerdings diente die Mikweh auch anderen rituellen Zwecken. So wurde neues Geschirr vor dem ersten Gebrauch im Becken untergetaucht und religiöse Juden vollzogen vor dem Sabbat das Untertauchen.

Das Wasserbecken unterlag festgelegter Vorschriften bezüglich der Wassermenge. Die Mikweh mußte mit Grund- oder Regenwasser

gefüllt sein. Meist war das Tauchbecken am Grunde eines tiefen Schachtes, wohin man über eine Treppe gelangte. Über dieser wurde gewöhnlich ein Badeturm errichtet.

 

8.3 Der Friedhof

Nur größere Gemeinden verfügten auch über einen eigenen Friedhof. Dieser befand sich nach rituellen Vorschriften stets außerhalb der Stadt.

Kleinere Kommunen begruben ihrer Toten auf Friedhöfen größerer Gemeinden. Die Transportkosten und Begräbnisgebühr, für die sie selbst aufkommen mußten, waren oft sehr hoch.

Wurde die jüdische Bevölkerung einer Stadt vertrieben oder zog sie ab, ereilte die Friedhöfe ein ähnliches Schicksal wie die Synagogen. Sie wurden meist zerstört, die Grabsteine zerschlagen und als Baumaterial verwendet.

 

8.4 Das Schlachhaus

Jede Gemeinde besaß ein eigenes Schlachthaus bzw. eine eigene Fleischbank. Diese Einrichtung war deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil es in der jüdische Religion bestimmte Vorschriften bezüglich der Zubereitung und des Genusses von Fleisch gibt. Demnach durften sie verschiedene Fleischteile nicht essen und versuchten oft, diese an Christen zu verkaufen. Jedoch war es der christlichen Bevölkerung untersagt, Fleisch von Tieren zu kaufen, die von Juden geschlachtet worden waren.

Diesem Verbot war nicht schwer Folge zu leisten, denn unter den Christen war der Glaube verbreitet, daß die Juden den Teil

des Fleisches, den sie nicht verzehren durften "angespieen und

das Wasser darauf gelassen habe, damit die Christen den Tod davon schlucken".

 

8.5 Das Tanzhaus

Festmahle und Hochzeitsfeiern fanden in der Gemeinde im eigenen "Judenspielhaus" statt. Diese Einrichtung trug auch die Namen "Judentanzhaus" oder "Hochzeitshaus".

Bei den Hochzeitsfesten wurde auf gutes und reichhaltiges Essen großen Wert gelegt.

Jüdische, aber auch nichtjüdische Musiker sorgten für die Unterhaltung. Das Tanzen von Männern mit Frauen war allerdings untersagt.

Trotzdem amüsierte man sich beim gleichgeschlechtlichen Tanzen, meist in der Form des Mizwatänzchen.

 

9. Feste und Alltagsbräuche

Ausdruck jüdischen Lebens sind vor allem Feste, die den Ablauf des Jahres begleiten. Während in der christlichen Welt die Feste ihre Form im Laufe der Jahrhunderte veränderten oder ganz verschwanden, zeigen die jüdischen Feiern eine Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende alte Kontinuität auf.

In der mittelalterlichen Stadt spielten sich die jüdischen Feste hauptsächlich im Rahmen der Familie ab. Somit blieben die Bräuche den Augen der Christen vorenthalten. Da eine solche Handhabung der Privatsphäre der damaligen christlichen Bevölkerung unbekannt war, rief dieses Verhalten Mißtrauen hervor. Man hatte den Verdacht, daß hinter den Mauern etwas Unerlaubtes vorging. Vielleicht war das auch ein Mitgrund für die wachsende Judenfeindlichkeit unter den christlichen Stadtbewohnern.

Die jüdische Religion verfügt über eine Reihe von Feiertagen und Festen, die schon im Mittelalter einen wichtigen Stellenwert im Leben der Juden einnahmen.

Am allwöchendlichen Sabbat, dem jüdische Ruhetag, wurde nicht gearbeitet, die Frauen kochten nicht und man verließ auch nicht den Ort. Es wurden weder Geschäfte abgeschlossen, noch Waren durch die Straßen der Stadt transportiert.

Andere wichtige Feste, wie Purim, Pesach, Chanukka, Schabhuot u.a., alle mit religiösem Charakter, verteilten sich über das Jahr hinweg.

 
10. Bibliographie

Ben-Sasson, Hillel Haim (Hg.): Geschichte des jüdischen Volkes. Vom 7.-17.Jhdt. Das Mittelalter. München, 1979. Bd.II

Schultz, Magdalena: Fest- und Alltagsbräuche der Juden im Mittelalter.- Ursache von Antijudaismus? -In: Birkham, Helmut(Hg.): Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt. Wiener Arbeiten zur Altertumskunde und Philologie. Bern, 1992. Bd.XXXIII S. 109-142.

Boockmann, Harmut: Die Stadt im späten Mittelalter. München, 1986.

Drabek, Anna M.: Judentum und christliche Gesellschaft im hohen und späten Mittelalter. -In: Drabek, Anna M./u.a. (Hgs.): Das österreichische Judentum: Voraussetzungen und Geschichte. Wien, 1974.

Grillmayr, Christian: Die Situation spätmittelalterlicher Judengemeinden des süddeutschen Raumes unter dem Schwerpunkt ihrer baulichen Gegebenheiten. Salzburg, 1985.

Haverkamp, Alfred: Die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge deutscher Städte. -In: Haverkamp, Alfred: Verfassung, Kultur, Lebensform: Beiträge zur italienischen, deutschen und jüdischen Geschichte im europäischen Mittelalter. Trier, 1997. S. 223- 298.

Keil, Martha/Klaus Lohrmann(Hgs.): Studien zur Geschichte der Juden in Österreich. -In: Institut für Geschichte der Juden in Österreich (Hg.):Handbuch zur Geschichte der Juden in Österreich. Reihe 2. Wien, Köln, Weimar, 1994. Bd.II

Spitzer, Shlomo: Bne Chet. Die österreichischen Juden im Mittelalter. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Wien, Köln, Weimar, 1997.

Stemberger, Brigitte: Die Juden in Deutschland im Mittelalter Bis zur Zeit des Schwarzen Todes. -In: Katalog für die Ausstellung "Judentum im Mittelalter" im Schloß Halbturn. Burgenland, 1978. S. 148-177.

11. Entwurf einer Unterrichtseinheit
 

11.1.Sachanalyse

· Begründung der Wahl des Themas

Jüdische Geschichte beginnt für viele erst im 19.Jahrhundert oder gar erst mit dem Nationalsozialismus. Um das Aufkommen des modernen Antisemitismus jedoch verstehen zu können, ist es wichtig, auch über die Rolle der Juden in der Gesellschaft der Jahrhunderte davor Bescheid zu wissen. Deshalb erscheint mir die genauere Betrachtung jüdischen Lebens im Mittelalter als ein sehr relevantes Thema für den Unterricht. Dabei sollten die jüdische Bevölkerung jedoch nicht gleich als Opfer dargestellt, sondern auch die Begünstigungen und Vorteile gegenüber der christlichen Bevölkerung aufgezeigt werden, welche später u.a. zur Judenfeindlichkeit beitrugen.

Da die genauere Behandlung dieser Thematik im Unterricht oft aus zeitlichen Gründen nur schwer möglich ist, eignet es sich gut für eine Wahlpflichtgruppe.

· Vermutete Voreinstellungen und Vorkenntnisse der S/S

Vermutlich wissen die S/S nur wenig über das Leben der Juden im Mittelalter. Meist wird die Meinung vorherrschen, daß die Juden schon damals am Rande der Gesellschaft standen und sich ihre wirtschaftliche Tätigkeiten auf den Geldverleih beschränkten.

Das Behandeln verschiedener Aspekte des jüdischen Lebens erscheint mir deshalb für die S/S ein sehr spannendes Thema.
 

· Lehr- und Lernziel

Die S/S sollten:
® Einen Einblick in die Lebenswelt der jüdischen Bevölkerung des Mittelalters bekommen und Wissen über die grundliegenden Verhältnisse erlangen.

® Erkennen, daß Juden trotz blutiger Verfolgungen in der städtischen Umgebung integriert waren.

® Die Zusammenhänge von Vorurteilen, geschichtlichen Gegebenheiten und Ausschreitungen erfassen können.

® Erkennen, daß Unwissen zu Vorurteilen und in Folge dessen zu Ausgrenzung führten.
 
 

· Strukturelemente der Unterrichtssequenz

Zuerst möchte ich einen Überblick über das Thema vorgeben. Der Lehrervortrag sollte die Bereiche Ansiedlung sowie wirtschaftliche, rechtliche und soziale Stellung der Juden in mittelalterlichen Städten abdecken.

Danach möchte ich auf die Verschlechterung hinsichtlich der gesellschaftlichen und rechtlichen Stellung der jüdischen Bevölkerung eingehen. Dabei ist die Mitarbeit der S/S gefragt, welche bei den einzelnen Themen ihre Meinungen und Schlüsse in den Unterricht mit einbringen sollten.

Geplant ist die Verwendung von bildlichen und schriftlichen Quellen, mit denen die S/S in Gruppen arbeiten sollen.

Zum Abschluß möchte ich noch auf die Spuren eingehen, die sich aus dieser Zeit bis heute erhalten haben.
 
 

· Instrumente der Vermittlung

Folie und Bildquellen:
OH-Folie: "Jüdische Niederlassungen um 1200"
OH-Folie: "Ein Bauer bittet einen jüdischen Geldverleiher um Bargeld." Holzschnitt,1531
"Ein jüdischer Arzt und sein Patient." Holzschnitt,1487

 

 
 
 
 
 

Darstellung einer Hostienschändung.
Schriftliche Quellen:

 
Aus dem Bericht des Juden Josef ha Cohen über die Pestzeit.
Bericht über die Judenverfolgung in Mainz 1096

11.2. Rahmenbedingungen

Schulstufe: 6.Klasse AHS, Wahlpflicht

Schülerzahl: 12

Zeit: 100 min

Material:- OH- Folien

- Schriftliche Quelle
Bildliche Quellen

11.3. Stundenbild

Zeit: 100 min
 
ZEIT  INHALT  MATERIAL  METHODE 
3 min  1.Begrüßung und Vorstellen des Themas der folgenden

Unterrichtssequenz. 

7 min  2.Ansiedlung der Juden im deutschsprachigen

Raum. 

OH- Folie: Jüdische

Niederlassungen 

L-S- Gespräch 
15 min  3.Lebensbedingungen:

- Wirtschaft

- Recht

- Soziales Ansehen 

Folie: Holzschnitt: Jüdischer Geldverleiher,

Jüdischer Arzt

LV 
10 min  4.Verschlechterung der Situation der Juden  L-S- Gespräch 
10 min  5.Bildquelle:

S/S schreiben zu Bild einen Text 

Arbeitsblatt:

Darstellung einer

Hostienschändung 

Gruppenarbeit 
15 min  6.Vergleichen der Texte.

L/L präsentiert den Originaltext 

Plenum 
10 min  7.Wie kommt es zu solchen Beschuldigungen? Was waren die Folgen?

Hypothesensammlung 

Tafel

Text: Aus einem Bericht des Juden Josef ha Cohen über die Pestzeit 1348/49 

Plenum 
8 min  8.Verfolgung der Juden  LV 
10 min  9.Text: Bericht über die Judenverfolgung in Mainz (1096)  Text

Fragen 

Partnerarbeit 
5 min  10.Vergleichen der Antworten  Plenum 
7 min
 
 
 
 

 

11.Wohin gingen die vertriebenen Juden?
Wo findet man heute noch Spuren der mittelalterlichen Vergangenheit des Judentums? 
L-S- Gespräch

11.4.Genauerer Ausführung der Planung

1. Ansiedlung der Juden:

 
Juden schon seit der Antike im deutschsprachigen Raum
Mit dem Aufkommen der Städte wandern sie als Kaufleute nach Mitteleuropa ein.
Niederlassung bei Märkten und Burgen aus wirtschaftlichen Gründen.
Bedeutung der Juden für die wirtschaftliche Prosperität einer Stadt.
Präsentation der Folie:

Fragen:

Wo findet man eine besondere Dichte jüdischer Niederlassungen?

Warum gerade dort?

Erwartete Schülerantworten:
Entlang von großen Flüssen, besonders im Rheinland.
Flüsse = Handel


2. Lebensbedingungen:

Wirtschaft: - Wirtschaftliche Tätigkeitsbereiche
- Funktion als Geldverleiher
Recht: - Rechtliche Stellung, Vor- und Nachteile im Vergleich

zur christliche Bevölkerung

- Judenregal

Soziales Ansehen: - Stellung der Juden in der Gesellschaft

- Bauliche Eingliederung in der Stadt

- Integration der Judengemeinde in früheren

Zeiten.

Dazu: Folie: Bilder:

  1. Ein Bauer bittet einen jüdischen Geldverleiher um Bargeld. Holzschnitt, 1531
  2. Ein jüdischer Arzt und sein Patient. Holzschnitt, 1487

  3.  

     
     
     
     
     

3. Verschlechterung der Situation der Juden:

- Wachsende Judenfeindlichkeit, Ausgrenzung durch Mauer, Kleidervorschriften, Einschränkung der Rechte.

- Ursachen

Fragen:

Was könnte zum Aufkommen antijüdischer Tendenzen beigetragen haben?

Erwartete Schülerantworten:

 

 
 
 
 
 

Wirtschaftliche Potenz der Juden
Hohe Zinsen
In Krisenzeiten (z.B. Pestepidemie) sucht man
Schuldige

 

 
 
 
 
 

Jüdische Bräuche erschienen Christen fremd.
Vorurteile und Feindschaft entstehen.
4. Bildquelle:

    Darstellung einer Hostienschändung.

    Die S/S schreiben zu den einzelnen Bilder jeweils einen kurzen Text und versuchen somit die Geschehnisse nachzuvollziehen.

    Die S/S werden zum genauen Betrachten der Bilder angehalten.

    Dabei sollen sie den Begleittext in Gruppen von jeweils 4 S/S erstellen.

    (siehe Anhang. Arbeitsblatt I)

5. Vergleichen der Texte:
    Jede Gruppe erzählt ihre Version der dargestellten Ereignisse.

    Die Geschichten werde verglichen, Unterschiede erarbeitet und hinterfragt.

    Danach präsentiert der L/L den Originaltext, der die Bilder begleitet. Abweichungen von den Schülertexte werden aufgezeigt und erörtert.

6. Wie kommt es zu solchen Beschuldigungen?

Was waren die Ursachen für solche Beschuldigungen?

Hypothesensammlung auf der Tafel:

Erwartete Argumente:

 

 
 
 
 
 

Juden haben Jesus getötet, sind also Feinde der Christen.
Christliche Bevölkerung wollte Juden vertreiben, erfand deshalb Beschuldigungen.
Aberglaube der Bevölkerung
Folgen:

 
Minderung der sozialen Stellung, Ausgrenzung, Vertreibung, Mord,
Text: Bericht des Juden Josef ha Cohen über die Pestzeit 1348/49.
Fragen:

Wie werden sich derartige Beschuldigungen auf das Leben der Juden ausgewirkt haben? Was erfährt ihr darüber im Text? Welche Folgen könnte es noch gegeben haben?

Erwartete Antworten:

Text: Juden sind verbrannt worden

Sonstige Folgen: Vertreibung, Zwangstaufen, Ausgrenzung
 
 

7. Verfolgung der Juden:
Zeit der Kreuzzüge, Einstellung der chrsitlichen Umwelt,
Warum wurden die Juden gerade in der Zeit der Kreuzzüge besonders verfolgt?

 

 
 
 
 
 

Zur Zeit der Pestepidemie, Beschuldigungen, Folgen
8. Text: Bericht über die Judenverfolgung in Mainz 1096:

S/S lesen im Stillen den Text und beantworten in Partnerarbeit folgende Fragen:
Inwiefern konnten die Juden auf Überleben hoffen?
Warum sagt der Burggraf, warum der Bischof, Hilfe zu?
Was motivierte die Kreuzfahrer noch zusätzlich gegen die Juden vorzugehen?
Wurde der zugesagte Beistand seitens des Burggrafen und des Bischofs auch geleistet?
Woran zerbrach der Widerstand letztendlich?
Was wird über den aktiven bzw. passiven Widerstand der Juden berichtet?
Wie wirkt sich die Gewalt der Kreuzfahrer auf den Zusammenhalt und die Glaubenskraft der Juden aus?


9. Vergleichen der Antworten?

    Die Antworten werden im Plenum verglichen und besprochen.

    Die S/S können noch Fragen zum Text stellen.
     
     

  1. Vertreibung der Juden; Spuren der mittelalterlichen Vergangenheit:
- Juden zogen in den Osten, wo Wirtschaft noch nicht so entwickelt war.

- Spuren: jüdische Friedhöfe, Orts- und Straßennamen, Synagogen, Mikwehn;

Anschauungsmaterial: Bilder von Synagoge, Mikweh, Friedhof

Welche Zeugnisse jüdischer Vergangenheit gibt es in Salzburg