Die Entwicklung der Telearbeit

Intensives Nachdenken über die Auslagerung von Arbeit durch die Nutzung moderner Telekommunikationstechnologien fand erstmals Mitte der 70er Jahre statt. Unmittelbarer Auslöser dafür war der Ölschock 1973. Man suchte Auswege aus der Mobilitätskrise, die durch die spürbare Verteuerung von Benzin hervorgerufen worden war, und so prägte Jack Nilles im Jahr 1973 den Begriff „Telecommuting" (Telependeln) (vgl.Kloibhofer 1997, S.6), der durch Alvin Toffler in dem Buch „The Third Wave" populär gemacht wurde. Bei dem Konzept standen zunächst aber weniger die Potentiale von dezentralisierter, computerisierter Arbeit im Vordergrund, als vielmehr eine „verkehrs-, energie-, städtebau- und raumordnungspolitische Neuorientierung" (Kirchmair 1996, S.43) im Vordergrund. Später erhoffte man sich von der Einführung moderner Komunikationstechnologien eine Möglichkeit „Arbeitsplätze zu dezentralisieren, die Städte zu vitalisieren und die größtenteils inhumanen Arbeitsbedingungen in den Firmen zu verbessern" (Kloibhofer 1997, S.6)
Der Grundgedanke des „Telecommutings" war, daß nicht die Beschäftigten, sondern nur die arbeitsrelevanten Daten zwischen Wohnung und Firmenzentrale pendeln sollten.

Dieses Konzept wurde später um den Gedanken des „remote office work" erweitert: Wenn die entsprechende Telekommunikations-Infrastruktur vorhanden ist, kann praktisch jeder Ort als Arbeitsplatz dienen. Ob Zug, Auto, Wochenendhaus oder Büroräume in der Nähe der Wohnung, überall kann man sein Arbeitspensum erfüllen (vgl. Kirchmair 1996, S.44).

Der Begriff „telecommuting" ist vorwiegend in den USA in Gebrauch, in Europa hat sich die Bezeichnung „telework" mit den entsprechenden Übersetzungen in die Landessprachen („teletravail", „telelavoro", „Telearbeit",..) .durchgesetzt.
Vor allem seit Beginn der 90er Jahre erfreut sich das Thema immer größerer Beliebtheit: Die Anzahl der Nennung von Begriffen, die mit „telecommute" zu tun hat, hat sich von rund 500 im Jahr 1990 auf über 2300 im Jahr 1994 erhöht (Reichwald et al. 1998, S.66f.). Durch die immer universelleren Verwendungsmöglichkeiten der IKT erweiterte sich seit dem Beginn der 90er Jahre das Spektrum der „Telearbeit" enorm: Mobile Arbeitsmöglichkeiten, gekoppelt mit jederzeitiger Erreichbarkeit, Einrichtung von Arbeitsgruppen, die sich rund um den Globus spannen und so 24 Stunden am Tag arbeiten können (indem sie sich die Arbeit gegenseitig „weiterreichen"), Auslagerung von Kundenbetreuung in entfernte Länder, die günstigere Lohn- und Steuerkonditionen für die Unternehmen versprechen, …

Auf dem Weg zur Globalisierung wurde so auch die Arbeit immer mehr unabhängig von Ort und Zeit, das Prinzip von „Anytime/Anyplace" (Reichwald et al. 1998, S.4f.) wird in immer größerem Maß auch für die Arbeit gültig.