Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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III. DIE GESTALT DER BEGRÄBNISFEIER

 

1. Strukturen

12. Die im vorausgehenden Abschnitt dargelegten Gedanken liegen allen Formen des Begräbnisritus zugrunde. Die Unterschiede sind mehr äußerlicher Art und bedingt durch die örtlichen Gegebenheiten.
Die Vielfalt der Möglichkeiten lässt sich in drei Grundformen zusammenfassen:

13. Die erste Form besteht aus drei Stationen, die in verschiedener Weise aufeinanderfolgen können und durch einen gemeinsamen Weg (Prozession) verbunden sind.

Form I A:
Erste Station am Ausgangspunkt (Trauerhaus, Friedhofs- oder Kirchenportal, Friedhofskapelle oder Trauerhalle) mit Eröffnung. Zweite Station in der Kirche mit Eucharistiefeier oder selbständigem Wortgottesdienst.
Dritte Station am Grab mit Beisetzung.

Form I B:
Erste Station am Ausgangspunkt (Trauerhaus, Friedhofs- oder Kirchenportal, Friedhofskapelle oder Trauerhalle) mit Eröffnung oder mit Eröffnung und Wortgottesdienst.
Zweite Station am Grab mit Beisetzung oder mit Wortgottesdienst und Beisetzung.
Dritte Station in der Kirche mit Eucharistiefeier (mit oder ohne Wortgottesdienst) oder mit selbständigem Wortgottesdienst.

Form I C:
Erste Station in der Kirche mit Eucharistiefeier oder selbständigem Wortgottesdienst.
Zweite Station in der Trauerhalle (Friedhofskapelle) mit Verabschiedung.
Dritte Station am Grab mit Beisetzung.

Die erste Form (I A, I B, I C) eignet sich für jene Fälle, bei denen die Eucharistiefeier in einer zeitlichen Einheit mit dem Begräbnis steht. Bei besonderen Umständen kann an Stelle der Eucharistiefeier ein selbständiger Wortgottesdienst gehalten werden.

14. Die zweite Form besteht aus zwei Stationen:
Erste Station am Ausgangspunkt (Friedhofskapelle oder Trauerhalle) mit Eröffnung und Wortgottesdienst oder nur Eröffnung. Zweite Station am Grab mit Beisetzung oder Wortgottesdienst und Beisetzung.
Diese Form eignet sich für jene Fälle, bei denen die Eucharistiefeier nicht unmittelbar mit dem Begräbnis verbunden werden kann, sondern zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Tag stattfinden muss.

15. Die dritte Form besteht aus einer Station. Die Gemeinde versammelt sich auf dem Friedhof in der Friedhofskapelle (Trauerhalle) oder im Krematorium. In einer einzigen Station geschieht am selben Ort die Eröffnung, die Verkündigung des Wortes Gottes und die Verabschiedung oder die Beisetzung. Die Eucharistiefeier wird zu einem anderen Zeitpunkt oder an einem anderen Tag gehalten.

16. Das Kinderbegräbnis kann seiner Struktur nach in allen drei vorher erwähnten Formen gehalten werden. Es hat jedoch immer eigene Texte.

17. Bei der Einäscherung ergeben sich für die liturgische Feier zwei Möglichkeiten:
Findet zur Einäscherung ein kirchlicher Gottesdienst statt (vgl. Form III), wird die Urne später in einer einfachen Feier beigesetzt (vgl. Kapitel VII).
Wenn bei der Einäscherung keine kirchliche Feier stattgefunden hat, wird die Urne nach Form II oder III beigesetzt.

18. Die unter Nr. 13-17 genannten Formen der Begräbnisfeier können in bestimmten Fällen an die konkrete Situation angepasst werden, zum Beispiel bei Form I A: Verlegung der Eröffnung direkt in die Kirche bei schlechter Witterung, oder bei Form II: Verkürzung des Wortgottesdienstes in der Friedhofskapelle wegen der rasch aufeinanderfolgenden Beerdigungen in städtischen Verhältnissen.

2. Einzelelemente

Eucharistie
19. Der Höhepunkt des christlichen Begräbnisses ist die Eucharistiefeier, auf deren Bedeutung die Gläubigen hingewiesen werden sollen. Durch die Feier der Eucharistie verkündet die Gemeinde den Tod und die Auferstehung des Herrn, vereinigt sich mit seinem Opfer und wird in ihm auch mit dem Verstorbenen verbunden. Die Gläubigen, besonders die Angehörigen des Verstorbenen, sollen in der Eucharistiefeier nach Möglichkeit das Herrenmahl empfangen. Wo die Voraussetzungen gegeben sind, kann die Kommunion unter beiden Gestalten gereicht werden.
Ist es üblich, bei der Gabenbereitung eine Geldgabe zum Altar zu bringen, soll der Brauch beibehalten werden. Es ist aber dafür zu sorgen, daß dies vor dem Gabengebet abgeschlossen wird. Diese Geldgabe kann auch beim Betreten der Kirche eingesammelt und bei der Gabenbereitung in den Altarraum gebracht werden.

Lesungen
20. Bei jeder Feier für Verstorbene kommt den Lesungen aus der Heiligen Schrift eine besondere Bedeutung zu. Sie verkünden Tod und Auferstehung Christi, stärken die zuversichtliche Hoffnung auf die Vollendung im Reiche Gottes, lehren die Verbundenheit mit den Verstorbenen in der Gemeinschaft mit Christus und rufen zum Zeugnis des christlichen Lebens auf.
Bei der Vorbereitung des Begräbnisses sollen die Lesungen so ausgewählt werden, daß sie der Situation des Verstorbenen, der Angehörigen und der Anwesenden möglichst entsprechen.

Homilie
21. Im Anschluss an die Lesungen wird in der Regel eine kurze Homilie gehalten, in der das Wort Gottes erklärt wird. Sie kann auch das Leben des Verstorbenen miteinbeziehen.. Bei besonderen Umständen kann an Stelle der Homilie ein Meditationstext vorgelesen werden.

Psalmen. Gesänge und instrumentale Musik
22. Der Gesang beim Begräbnis bringt die österliche Zuversicht zum Ausdruck und soll deshalb gefördert werden.
Die Kirche greift bei den Feiern für Verstorbene immer wieder auf die Psalmen zurück, um Schmerz und Trauer auszudrücken und die Hoffnung zu bestärken. Die Seelsorger sollen ihren Gemeinden das Verständnis wenigstens einiger Psalmen aus der Begräbnisfeier erschließen. Auch die übrigen Gesänge müssen dem Geist der Heiligen Schrift und der Liturgie entsprechen.
Für die instrumentale Musik gelten die allgemeinen Regeln.

Gebete
23. Die christliche Gemeinde bekennt ihren Glauben auch in den Gebeten. Sie legt Fürbitte ein für die Verstorbenen, damit sie, von Sünden befreit, am Leben Gottes teilhaben dürfen. Ebenso werden Gebete für die Angehörigen des Verstorbenen gesprochen, damit sie in ihrem Schmerz den Trost des Glaubens erfahren.
Damit diese Gebete möglichst gut der Situation entsprechen, liegen verschiedene Fassungen vor, aus denen die passendste sorgfältig ausgewählt werden muß. Bisweilen wird es angebracht sein, die Texte noch weiter anzupassen, z. ß. durch Auslassungen oder kleine Beifügungen.
In den Fürbitten der Begräbnismesse kommen immer auch die Anliegen der Kirche und der Welt zum Ausdruck, während am Grabe des Verstorbenen und seiner Angehörigen gedacht wird.

Begrüßung und Hinweise
24. In der Begrüßung sollen die Teilnehmer kurz auf die Begräbnis- und Eucharistiefeier eingestimmt werden. Soweit es notwendig erscheint, können auch innerhalb der Begräbnisfeier erklärende Hinweise gegeben werden. Doch darf der Gottesdienst nicht zu einer Liturgie-Katechese werden.

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Friday, 09-Jan-2015 13:41:26 CET