Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Die Feier der Bitttage

1992

Pastorale Einführung

I. Die Grundstruktur des Gebets: Lobpreis und Bitte

Das Gebet der Christen lehnt sich in seiner Struktur seit alter Zeit an die Tradition des Judentums an: Lobpreis und Bitte. Aus der Erfahrung des Heils, das Gott in vergangenen Tagen für sein Volk gewirkt hat und für das er zu preisen ist, erwächst die Bitte um das heilbringende Weiterwirken in der Gegenwart. Der Christ erkennt die besondere Wirksamkeit des heilschaffenden Gottes im Paschamysterium Christi. Aufgrund dieser Erkenntnis wird sein Bittgebet in Verbindung mit dem Paschamysterium stehen, das den Kern des christlichen Glaubens ausmacht.

II. Ein typisches Gebet des Christen: Für-Bitte

Auf die Bitte der Apostel hin "Lehre uns beten!" formuliert Jesus das Vaterunser (Lk 11,1-4). In diesem Herrengebet ist die Bitte für das notwendige Auskommen aller - "unser tägliches Brot gib uns heute" - ausgesprochen. Damit wird aufgezeigt, daß echtes christliches Beten von selbst zur Für-Bitte wird. Der Mensch kann sich nur im Für- und Miteinander verwirklichen. Der Christ bringt mit seinem Gebet das Für- und Miteinander in die Dimension Gottes hinein. Seine Erfahrungen im Umgang mit der Schöpfung werden vor Gott ausgesprochen. Zu seinem Erfahrungsbereich der Schöpfung gehören Pflanzen, Tiere und hauptsächlich der Mensch in seinen verschiedenen Tätigkeiten. Die Erfahrung der Unvollkommenheit und Schwachheit führt den Glaubenden hin zum Schöpfer aller Dinge. Nöte des gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Bereichs werden zur Sprache gebracht und Deutungen im Licht des Glaubens, besonders aus der Erfahrung von Tod und Auferstehung Jesu, versucht. Wer sich dem Geist Gottes öffnet, dem werden entscheidende Perspektiven klar und deutlich, und er erhält die Befähigung, im Namen Christi richtig zu bitten.

III. Formen gemeinsamen Bittgebets: Bittgottesdienste und -prozessionen

Die Tradition der Bitttage und Bittprozessionen reicht bis in das 4. Jahrhundert zurück. Die "Grundordnung des Kirchenjahres und des Kalenders" vom 21. März 1969 hat an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt festgehalten. Die Bittprozession am Fest des hl. Markus (25. April) wurde nicht mehr berücksichtigt, da sie in einem rein lokalen Brauch der stadtrömischen Kirche ihren Ursprung hat (Verchristlichung der heidnischen Flurprozession zu Ehren des Gottes Robigus und der Göttin Robigo). Dennoch wird an diesem Brauch in manchen Gebieten festgehalten.

Die Bitttage vor dem Fest Christi Himmelfahrt gehen auf eine Anordnung des Bischofs Mamertus von Lyon im Jahr 469 zurück, wegen Erdbeben und Mißernten an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt mit Fasten verbundene Bußprozessionen zu halten. Um 800 wurden diese drei Bitttage (Rogationes oder litaniae minores) auch von Rom eingeführt, allerdings ohne das vorgeschriebene Fasten.

Zusammen mit den Quatembertagen hat die "Grundordnung des Kirchenjahres und des Kalenders" von 1969 den Sinn der Bitttage so umschrieben: "An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen; auch eignen sich die Tage für den öffentlichen Dank." (Nr. 45)

Der Christ vertraut in frohen und schweren Stunden Gott, von dem der Mensch letztlich abhängig bleibt. Im Gebet trägt er ihm seine eigenen Sorgen und die Not und Angst der ganzen Menschheit vor. Dazu wollen die folgenden Gottesdienstmodelle eine Hilfe anbieten. Die aktuellen und bedrängenden Sorgen und Befürchtungen der heutigen Zeit sollen angesprochen und vor Gott ausgesprochen werden. Dabei werden wir uns aber bewußt bleibt, daß Gott das Leid und alle Unbegreiflichkeiten nicht aus der Welt nimmt und die Probleme nicht für uns löst, aber denen, die ihn lieben und ehren, alles zum Guten führt.

IV. "Wir sind unterwegs, Wanderer zwischen zwei Welten"

Bittgebet und -prozession entheben den Christen nicht der Verantwortung, bei der Lösung anstehender Probleme der Menschheit mitzuwirken. Die echte christliche Motivation zu solchem Tun wird in folgenden Worten angegeben: "Bete so, daß du unter der Bitte um die Gabe von oben dich immer mehr selbst zur Opfergabe nach oben machst. Bete so, daß dein anhaltendes Bittgebet als Bewährung erscheint für deinen Glauben an das Licht Gottes in der Finsternis der Welt, für deine Hoffnung auf Leben in diesem beständigen Sterben, für deine Treue der Liebe, die liebt ohne Lohn. Wir sind unterwegs, Wanderer zwischen zwei Welten. Weil wir noch auf Erden wandeln, laßt uns bitten um das, was wir auf dieser Erde brauchen. Da wir aber Pilger der Ewigkeit auf dieser Erde sind, laßt uns nicht vergessen, daß wir nicht so erhört werden wollen, als ob wir hier eine bleibende Stätte hätten, als ob wir nicht wüßten, daß wir durch Untergang und Tod eingehen müssen in das Leben, das in allen Bitten allein das Ziel des Lebens und Betens ist. Solange die Hände gefaltet bleiben, gefaltet bleiben auch im entsetzlichen Untergang, so lange umgibt uns die Huld und das Leben Gottes, und alle Abstürze in das Entsetzen und in den Tod sind nur ein Fallen in die Abgründe der ewigen Liebe" (Karl Rahner).

V. Hinweise zur praktischen Gestaltung der Bitttage

Die praktische Gestaltung der Bitttage wird wesentlich durch die örtlichen Gegebenheiten und Traditionen bestimmt. Dennoch sollen einige Hinweise angefügt werden, die bei der Vorbereitung zu bedenken sind:

- Besteht aus Sicherheitsgründen (Straßensperrung) für die Prozession die Notwendigkeit einer Information der örtlichen Organe über den Weg der Prozession?
- Ist für die medizinische und gastronomische Versorgung der Teilnehmer an den Bittprozessionen Vorsorge getroffen?
- Besteht die Möglichkeit, den Gesang der Prozession mit einer Musikkapelle zu unterstützen?
- Ist an ein Programm für ungünstige Witterung gedacht worden?

Bei der Aufstellung zur Prozession sollte folgende Reihenfolge beachtet werden:

- Kreuzträger mit Begleitung (evt. mit Kerzen oder Fahnen) gehen der Prozession voran.
- In der Mitte der Prozession geht der Priester mit den Vorbetern und dem Kantor. Zum besseren Verstehen der Gebete, Gesänge und Ansagen könnte ein Megaphon hilfreich sein.
- Am Schluß der Prozession sollten einige Helfer gehen.

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Design: Alexandra Kunstmann, bearbeitet: Barbara Scheibner (2015)
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Monday, 19-Jan-2015 10:09:44 CET