Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Die Feier des Fronleichnamsfestes

1992

Pastorale Einführung

I. Fronleichnamsfeier als Entfaltung der Eucharistiefeier

1. Was die Kirche entsprechend dem Auftrag ihres Herrn (1 Kor 11, 24f.) feiert, wird am Fest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam) zum Anlaß und Thema dieses Tages - in gewisser Parallele zum Gründonnerstag, aber mit anderen Entfaltungsmöglichkeiten und Akzentsetzungen, als sie im Rahmen der drei österlichen Tage gegeben sind.

2. Darum muß die Feier der Eucharistie im Mittelpunkt des Fronleichnamsfestes stehen. Jede andere Form der eucharistischen Frömmigkeit soll von ihr ausgehen oder zu ihr hinführen. Es wäre nicht im Sinne des Festes, wenn an ihm die Meßfeier zugunsten von sekundären Ausfaltungen (Prozession, Gemeindefest o. ä.) zurücktreten würde. Vielmehr sollen ihr die ersten Überlegungen im Hinblick auf Gestaltung und vertiefte Mitfeier gelten.

3. Wo es möglich und angebracht erscheint, kann und soll entsprechend katholischer Tradition mit der Meßfeier eine Fronleichnamsprozession verbunden sein. Ihre bleibende Bedeutung besteht darin, daß sie das "Geheimnis des Glaubens" in anschaulicher Weise in Beziehung zur Welt und zum Leben außerhalb des Gottesdienstraums bringt.

4. Es entspricht auch dem Sakrament der Einheit, wenn sich am Fronleichnamsfest die Zusammengehörigkeit der Gemeinde oder auch mehrerer Gemeinden über den eucharistischen Bereich hinaus in anderen Formen des Zusammenseins und Feierns fortsetzt.

II. Bedeutung und Leitmotive

5. Die liturgischen Texte vom Hochfest des Leibes und Blutes Christi lassen erkennen, daß die eucharistische Gegenwart Christi nicht allein und isoliert den Inhalt des Festes ausmacht, sondern daß diese im Zusammenhang der anderen zugehörigen theologischen Aspekte der Eucharistiefeier steht. Der reiche Gehalt der Eucharistiefeier läßt sich dementsprechend verschiedenartig entfalten, aktualisieren und akzentuieren. Wenn dies erkannt wird, behält die Feier des Fronleichnamsfestes, das historisch auf dem Hintergrund spezieller mittelalterlicher Entwicklungen entstanden ist, auch in der Gegenwart ihre Bedeutung.

6. Einige wichtige Aspekte und ihre fortdauernde Bedeutung sollen im Folgenden beispielhaft aufgeführt werden:

- Gedächtnis des Leidens, Sterbens und der Auferstehung des Herrn

Angesichts menschlicher Gedächtnisschwäche, Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit ist die Eucharistiefeier notwendig als Gedächtnis (Anamnese, memoria, Memorial) des Christusereignisses. "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." Bei dieser vergegenwärtigenden Gedächtnisfeier werden wir selber ergriffen von der Dynamik des Pascha-Mysteriums und hineingenommen in die Lebens- und Todeshingabe Jesu und in seine Auferstehung.

- Epiphanie Gottes unter uns Menschen

Angesichts des Gefühls der Gottesferne in unserer Zeit kann die Feier der menschgewordenen Liebe Gottes und das Sakrament dieser Liebe eine gläubige Sicht auf Gottes bleibende Nähe in unserer menschlichen Geschichte eröffnen und erhalten. Daraus erwachsen Lob und Anbetung der Gegenwart Christi sowie die Kraft zum Zeugnis für Gottes Gegenwart in Kirche und Welt.

- Personale Gemeinschaft mit Christus

Angesichts mancher "Kommunionroutine" und "ungeprüfter Kommunion" gilt es immer wieder zu entdecken und zu erschließen: Kommunion bedeutet lebendige und persönliche Gemeinschaft mit dem für uns dahingegebenen und auferstandenen Herrn, und sie ist ein immer neuer Ausgangspunkt für ein Leben mit Christus im Alltag der Welt.

- Einheit in Christus

"Darum sind wir viele ein Leib, denn wir haben teil an dem einen Brot" (1 Kor 10,17). Durch den eucharistischen Leib Christi wird der ekklesiale Leib Christi auferbaut. Eucharistiefeier und Kommunion begründen die Einheit der Gemeinde und der Kirche und helfen Spaltungen überwinden und Spannungen aushalten. Wenn wir "mit unserer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft", kann Kirche in einer vielfach entzweiten Welt ein Zeichen der Einheit sein und dem Frieden unter den Menschen dienen.

- Gebrochenes Brot für das Leben der Welt

Eucharistie ist Vergegenwärtigung der Lebenshingabe Christi für das Leben der Welt unter der Zeichenhandlung des Brotbrechens. "Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben". Teilen der Gaben und des Lebens mit anderen wird auch zur Möglichkeit und Aufgabe derer, die Christi Lebenshingabe feiern und als Heilsgabe empfangen.

- Stellvertretung

In der Feier des Opfers Christi wird die Bedeutung des Einen für die vielen deutlich und die Bedeutung einzelner für das Ganze. Sie erinnert an die Pro-Existenz Christi, der Kirche und des Christen. Eucharistie feiern heißt stellvertretend für andere loben, danken, anbeten, bitten und sich einsetzen.

- Lobpreis und Segen für die Welt

Die Schöpfung ist in den Lobpreis und die Segensbitte des eucharistischen Hochgebets einbezogen (Dank für die Schöpfung, Epiklese über die Gaben aus der Schöpfung). Sie ist kostbare Gabe Gottes und nicht zur Zerstörung, sondern zur Vollendung bestimmt (vgl. 2 Petr 3,13 und Offb 21,1: der neue Himmel und die neue Erde). Von der Eucharistie geht Konsekration und Heimholung der Welt aus, Aufrichten des Alls in Christus (Eph 1,10). Solcher Segen für die Welt realisiert sich im Alltag in ehrfürchtigem und verantwortungsvollem Umgang mit der Schöpfung.

- Vorbild und Unterpfand der kommenden Herrlichkeit

Angesichts immer wiederkehrender Stimmungsschwankungen zwischen Utopie und Resignation kann die Feier von Tod und Auferstehung Christi, "bis er kommt" (1 Kor 11,26), durchtragende Hoffnung geben. Das eucharistische Mahl ist Vorbild des endzeitlichen Mahles der Völker im Reiche Gottes. Die Prozession ist ein Ausdruck der Pilgerschaft zu diesem Ziel.

7. Für eine sinnvolle Gestaltung der Fronleichnamsfeier müssen die jeweils tragenden Motive schon bei der entfernteren Vorbereitung im Kreis der Hauptverantwortlichen (Liturgiekreis) unter Berücksichtigung der Lesungen im betreffenden Lesejahr bedacht werden. Damit soll keine thematische Monotonie intendiert, wohl aber eine willkürlich erscheinende Häufung von anspruchsvollen Themen und Vollzügen vermieden werden. Angestrebt werden sollte die Durchführung eines "Themas mit Variationen" in Wortgottesdienst, Eucharistiefeier und Prozession.

III. Formen der Fronleichnamsfeier

8. Folgende Formen der Fronleichnamsfeier haben sich in den Gemeinden herausgebildet:

1. Fronleichnamsfeier mit Prozession:
1.1. Prozession mit vier Stationen Diese Form - im Raum nördlich der Alpen entstanden und dem Brauch der Flurprozessionen mit der Verlesung der vier Evangelienanfänge nachgebildet - hat sich vorwiegend in katholischen Gebieten oder in größeren Stadtgemeinden erhalten.
1.2. Prozession mit einer Station In anderen Gemeinden wird eine Prozession mit nur einer Station gehalten. Sie haben sich damit an eine ältere Tradition angeglichen, wie sie sich auch in Rom erhalten hat.

In unserer Situation besteht allerdings ein großer Unterschied darin, in welchem Umfeld eine solche Sakramentsprozession stattfindet:
- in kirchlicher Umgebung, zum Beispiel auf einem Pfarrgrundstück oder zumindest auf relativ abgeschlossenem Terrain, oder
- in nichtchristlicher Umgebung, zum Beispiel auf offener Straße oder durch ein Wohnviertel.

Im Hinblick auf die letztgenannte Form - Prozession in nichtchristlicher Umgebung - werden in den Gemeinden ablehnende und zustimmende Meinungen aufeinandertreffen. Die einen haben Bedenken, das Geheimnis der Eucharistie einer Umgebung auszusetzen, die keinerlei Zugang dazu hat; andere möchten die Prozession beibehalten aus Treue zur Tradition oder um den Eindruck eines Rückzugs aus der Öffentlichkeit zu vermeiden. Für eine Beibehaltung ist es notwendig, daß die Entscheidung dafür von einem maßgeblichen Teil der Gemeinde mitgetragen wird. Diese Form stellt die Gemeinde vor die nicht leichte Aufgabe, die Prozession so zu gestalten, daß sie einerseits Ausdruck ihrer eucharistischen Frömmigkeit ist und andererseits für Außenstehende Ansatzpunkte des Verstehens ermöglicht.

2. Fronleichnamsfeier ohne Prozession

Wo die gerade angesprochenen Bedenken oder praktische Gründe eine Fronleichnamsprozession nicht angebracht erscheinen lassen, konzentriert man sich auf die Festmesse; die in der Geschichte des Festes am Anfang stand, während die Prozession erst in einer zweiten Entwicklungsphase hinzukam.

In der heutigen Praxis lassen sich dabei zwei Varianten unterscheiden:
2.1. Festliche Gemeindemesse in gewohntem Rahmen, gestaltet mit dem einen oder anderen speziellen Akzent, der vom Festinhalt her gegeben ist (z. B. feierliche Gabenprozession, Kommunion unter beiden Gestalten, durch Kommunionmeditation oder andere eucharistische Gebetsformen erweiterter Kommunionteil). Eine naheliegende Möglichkeit ist in diesem Falle auch die Feier der Erstkommunion am Fronleichnams(sonn)tag.
2.2. Gemeinsame Meßfeier mehrerer Gemeinden einer Stadt oder einer Diasporagemeinde mit ihren Außenstationen in einer großen Kirche oder im Freien. Für diese beiden Varianten wird im Folgenden gelegentlich die Bezeichnung "statio urbis" beziehungsweise "statio parochiae" verwendet. Auf diese verschiedenen Formen wird im Textteil mit Gestaltungshinweisen und Textvorschlägen eingegangen. Anderenorts werden darüber hinaus noch andere Formen vorgeschlagen und praktiziert, wie etwa die Sternprozession aus verschiedenen Stadtteilen zur gemeinsamen Eucharistiefeier an zentraler Stelle. Da bei allen Formen vieles in der konkreten Gestaltung von der jeweiligen Situation abhängig ist und eine entsprechende Vielfalt erlaubt und zu begrüßen ist, kann manches im Dargebotenen nur den Charakter von Anregungen haben.

IV Die Meßfeier

9. Da die Meßfeier der historische Ausgangspunkt und bleibende Mittelpunkt der Fronleichnamsfeier ist, wird man darauf bedacht sein, daß sie ein besonderes Gepräge erhält:
- durch die größere und andersartige Zusammensetzung der Gottesdienstgemeinde (Einladung der Außenstationen beziehungsweise der Filialgemeinden, gemeinsame Feier benachbarter Gemeinden);
- durch die rechtzeitig überlegte Einbeziehung verschiedener Gruppen und Personen in die Vorbereitung und Gestaltung (Verteilung der Dienste, Abwechslung innerhalb der musikalischen Gestaltung) und
- durch die festliche Gestaltung des Gottesdienstraumes und bedeutsamer Handlungen.

10. Vor allem dort, wo das Fest in einer Meßfeier ohne anschließende Prozession gefeiert wird, sollten an diesem Tage bestimmte Teile deutlicher akzentuiert und festlicher entfaltet werden.
Das betrifft zunächst jene Prozessionen innerhalb der Meßfeier, die zu einer feierlichen Form gehören:
- Einzug aller, die in der Messe einen besonderen Dienst haben, mit Vortragekreuz, Leuchtern, Weihrauch, Evangeliar beziehungsweise Lektionar;
- Evangeliumsprozession;
- Gabenprozession - eventuell in der Form, daß mit den Gaben für die Eucharistiefeier auch Altarleuchter, Blumenschmuck und andere Gaben zum Altar gebracht werden;
- Kommuniongang, begleitet von bekannten Liedern oder Wechselgesängen und
- gegebenenfalls Sendung von Kommunionhelfern, die an diesem Tag Kranken die Kommunion bringen.

Des Weiteren bieten sich folgende Möglichkeiten an:
- Die Fürbitten können eine Erweiterung erfahren, die sich an den sonst in der Prozession üblichen Fürbittreihen orientiert.
- Das Hochgebet als Tischgebet des eucharistischen Mahls sollte nach Möglichkeit in den dafür vorgesehenen Teilen gesungen werden. Es wird mancherorts auch dadurch hervorgehoben, daß Ministranten beziehungsweise Kinder und Jugendliche während des ganzen Hochgebets den Altar mit brennenden Kerzen umgeben.
- Sinnvoll ist gerade an Fronleichnam die Aufforderung zum Friedensgruß.
- Es besteht auch die Möglichkeit, bei "Meßfeiern an hervorgehobenen Festtagen, wenn die Zahl der Teilnehmer nicht zu groß ist", die Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen (Richtlinien der Berliner Ordinarienkonferenz zur Kommunionspendung vom 15. / 16. Juni 1971, in: Kirchliches Amtsblatt 1971, Nr. 9). Gerade am Hochfest des Leibes und Blutes Christi - so der volle Name des Festes - kann die Kommunion auf diese Weise "ihre volle Zeichenhaftigkeit" gewinnen (Allgemeine Einführung in das Römische Meßbuch, Art.240). In einer Gottesdienstgemeinde, die dafür zu groß erscheint, kann das auch dadurch angestrebt werden, daß wenigstens ein bestimmter Teil in die Kelchkommunion einbezogen wird: jene, die einen besonderen Dienst zu verrichten haben oder die im Gemeindeleben besondere Aufgaben wahrnehmen, Vertreter verschiedener Gruppen oder Filialgemeinden u. ä.
- Wo sich an die Meßfeier keine Prozession anschließt, ist der Kommunionteil an diesem Tag ein gegebener Ort, an dem in einem größeren Rahmen als bei eucharistischen Andachten die Verehrung der sakramentalen Gaben einen entsprechenden Platz erhält: als vertiefte Kommunionmeditation, in eucharistischem Lob und in der Anbetung vor ausgesetztem Allerheiligsten sowie in Segensbitten und sakramentalem Segen (Textbeispiele S.113 ff.).

11. Wo sich an die Meßfeier eine Fronleichnamsprozession anschließt, kann nur das eine oder andere der genannten Elemente in der vorgeschlagenen Weise hervorgehoben werden. Die Fürbitten werden manchmal unterbleiben, wenn sie bei der Prozession in der bekannten Weise entfaltet werden. In der Eucharistiefeier wird eine große Hostie zusätzlich für die Prozession konsekriert.

V. Die Fronleichnamsprozession

12. Die für das Fronleichnamsfest charakteristische Prozession wird zwar in der Diasporasituation von einem Teil der Gemeinden als problematisch empfunden, aber es wäre trotzdem ein Verlust, sie generell aufzugeben. Wenn ihre Entstehung und Ausformung auch mit liturgie- und frömmigkeitsgeschichtlichen Entwicklungen zu tun hat, die sich inzwischen gewandelt haben, so kann die Prozession in der Gegenwart etwas ausdrücken, woran nicht nur mit Worten erinnert wird, sondern was auch im wörtlichen Sinne begangen wird: Was im Innenraum der Kirche geschieht, steht in Beziehung zur Außenwelt und ist für sie von Bedeutung.
Diese Bedeutung gilt es der Gemeinde immer wieder einmal bewußt zu machen - sei es in der Predigt, sei es in einigen kurzen Sätzen vor Beginn der Prozession -, zum Beispiel in einer der folgenden Weisen:
- Die Kirche läßt ihren Lobpreis und Dank auch in die Welt hinaus klingen, weil Anlaß und Inhalt der Eucharistiefeier - Leben, Sterben und Auferstehung Christi - bedeutungsvoll für die ganze Welt sind.
- Der Segen Gottes, der die Gaben und jene, die sie empfangen, heiligt, soll durch deren Gebet und Leben zum Segen für die Welt werden.
- Die Prozession drückt aus, daß die Verbundenheit mit Christus auch in das Alltagsleben mitgeht und daß seine heilbringende Nähe allen Menschen angeboten wird.
- In der Prozession kommt die vermittelnde Berufung und Aufgabe der Gemeinde zum Ausdruck: Sie bringt Christus der Welt und trägt deren Anliegen zu ihm.
- Die "kleine Herde" geht zeichenhaft ihren Pilgerweg in der Kraft des Gotteswortes und der eucharistischen Speise von Station zu Station, von Sonntag zu Sonntag, bis zum endzeitlichen Hochzeitsmahl.

13. Da die Prozession untrennbar mit der Eucharistiefeier verbunden ist, soll die innere Einheit beider auch in Einzelheiten deutlich werden:
- Beide sollen mit gleicher Sorgfalt vorbereitet werden.
- Anzustreben ist - auch in größeren Städten - die eine gemeinsame Meßfeier. Die Teilnahme der Gläubigen soll sich nicht nur auf die Meßfeier oder die Prozession beschränken.
- Die in der Prozession mitgetragene Eucharistie ist in der unmittelbar vorausgegangenen Meßfeier konsekriert worden. Das Vortragekreuz, das die Prozession anführt, dient schon in der Meßfeier als Altarkreuz, und die Kerzen, die am Altar brennen, werden bei der Prozession mitgetragen.
- Meßfeier und Prozession sollen inhaltlich durch erkennbare Themenzusammenhänge verbunden sein.

14. Grundvorgang jeder Prozession ist das procedere, das Voranschreiten, der Zug, der an Fronleichnam wegen der begleitenden Gegenwart des Herrn zu einem Festzug wird. Es ist nicht festgelegt, ob und wieviel Stationen vorgesehen sind, an denen der Segen erteilt wird. Die Praxis kennt gelegentlich neben den Grundformen mit einer oder vier Stationen auch Zwischenformen. In jedem Fall gehört zur Prozession der feierliche sakramentale Segen.

15. Alles, was dem festlichen Charakter der Prozession dient und Ausdruck des Glaubens und der Verehrung sein kann, behält auch weiterhin sein Recht und sollte nicht leichthin aufgegeben werden: das Kreuz an der Spitze der Prozession, der Baldachin, die Kerzen oder Laternen in der Nähe des Allerheiligsten, der Weihrauch und die Schellen, die Chöre der Sänger und Bläser, aber auch die Teilnahme aller Ministranten in ihren Gewändern, das Tragen von Bannern und Fahnen, das Mitgehen der Kommunionkinder in ihrer festlichen Kleidung, das Blumenstreuen der Kinder, der Schmuck des Weges und der Altäre, die Blütenteppiche vor den Altären und anderes mehr - auch weniger Traditionelles, soweit alles dem Sinn der Prozession Ausdruck verleihen kann und dem eigentlichen Geheimnis der Feier untergeordnet bleibt.

16. Die musikalische Gestaltung der Prozession ist von besonderem Gewicht für ihr Gelingen und ihren festlichen Charakter. Zur Prozession gehört der Gesang.
Der eigentliche Prozessionsgesang ist die Litanei. Die Prozessionsteilnehmer können auf die Rufe des Vorsängers oder der Schola leicht antworten, ohne in ein Buch sehen zu müssen.
Litaneiartige Gesänge aus dem Gotteslob sind unter anderem:

GL 564

Christus Sieger, Christus König

GL 767

Litanei vom heiligsten Sakrament (Melodie nach Modell GL 762 oder 770)

GL 563

Lobpreis und Fürbitte

GL 284

Lobpreis vom Heilswirken Gottes

GL 281

Lobgesang der drei Jünglinge Dabei statt des Kv 281,1 evtl. zu Beginn und zwischen Abschnitten jeweils eine Strophe von GL 267: Nun danket all und bringet Ehr

GL 762

Allerheiligenlitanei; evtl. in ausgewählten Abschnitten (Die Heiligen werden in das Fest mit dem Herrn einbezogen.)

Andere Gesänge sind unter dem Gesichtspunkt der Singbarkeit beim Gehen auszuwählen. Entsprechende Lieder sind zum Beispiel:

GL 537

Beim letzten Abendmahle

GL 538

O heilger Leib des Herrn

GL 551

Schönster Herr Jesu

GL 560

Gelobt seist du, Herr Jesu Christ

GL 258

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

GL 265

Nun lobet Gott im hohen Thron

GL 267

Nun danket all und bringet Ehr

GL 303

In Gottes Namen fahren wir

GL 836

Christen singt mit frohem Herzen

GL 837

Ihr Engel allzumal

GL 838

Deinem Heiland, deinem Lehrer

GL 839

Kommt her, ihr Kreaturen all

GL 842

Kommt und lobet ohne End

GL 843

Gelobt sei Jesus Christus

Bei Prozessionen sollte man nicht Liedstrophen unmittelbar aneinanderreihen. Besser ist es, wenn zwischen Bläserkapelle und Gemeinde beziehungsweise zwischen Chor und Gemeinde gewechselt wird.

Wenn eine Lautsprecheranlage vorhanden ist, kann das der musikalischen Seite der Prozession dienen: Vorsänger, Chor und Bläserkapelle können einen festen Platz an einem Mikrophon haben. Es kann eventuell eine Verbindung zur Orgel hergestellt werden. Außerdem ist die Lautsprecheranlage auch eine gute Hilfe für einen natürlichen und verständlichen Vortrag der gesprochenen Texte. Handzettel mit der Abfolge der Gesänge und mit anderen notwendigen Angeben zur Prozession ersparen Ansagen während der Feier.

17. Oft wird es angebracht sein, für ungünstige Witterung eine Alternative in Reserve zu haben, die sich an Kapitel IV - Anregungen für die Meßfeier ohne Prozession - orientieren kann.

VI. Zusammengehörigkeit der Gemeinde(n) über den Gottesdienst hinaus

18. Es entspricht dem Sakrament der Einheit, wenn sich die Zusammengehörigkeit der Gemeinde oder mehrerer Gemeinden auch über den Rahmen der Meßfeier und Fronleichnamsprozession hinaus fortsetzt.

19. Dazu gehört, daß rechtzeitig überlegt wird, ob an diesem Tage jenen Kranken, die es wünschen, die heilige Kommunion durch Kommunionhelfer gebracht werden kann. Wenn ihre Zahl nicht ausreicht, kann für solche Einzelfälle vom Bischof die Erlaubnis gegeben werden, weitere Gläubige mit diesem Dienst zu beauftragen (Instruktion "Immensae caritatis" vom 9.1.1973, Nr.2: Kirchliches Amtsblatt 1973, Nr.7). Wo keine Fronleichnamsprozession stattfindet, ist die gemeinsame Sendung zu diesem Dienst am Ende der Meßfeier sinnvoll (vgl. dazu Anhang II: Krankenkommunion am Fronleichnamstag).

20. Außerliturgische Formen der Begegnung und des Zusammenbleibens hängen in ihrer konkreten Form von den jeweiligen Gegebenheiten und Möglichkeiten ab. Wo Außenstationen oder andere Gemeinden zum Gottesdienst eingeladen wurden, werden sie von Familien des Pfarrortes zum Mittagessen eingeladen. Oder es ist ein Zusammenbleiben mit Gespräch und Spiel, Essen und Trinken auf dem Pfarrgrundstück möglich. Oder die Gemeinde trifft sich nachmittags zu einem Gemeindefest oder bleibt in kleineren Gruppen (Familienkreise) zusammen. Unter Umständen ist es eine bestimmte Gruppe, für die und mit der ein Sommerfest stattfindet (z. B. Familien mit Kindern, Behinderte mit ihren Angehörigen und Helfern).

21. Wo es die Verhältnisse erlauben, kann die gemeinsame Vesper den Abschluß eines solchen Tages bilden. Dafür eignen sich die erste und zweite Psalmenreihe der Sonntagsvesper (GL 684-686 und 692-694) mit dem Antwortgesang GL 679 (Vers für Fronleichnam) sowie die Vesper von Kirchweih (GL 648ff.).

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Monday, 19-Jan-2015 11:09:27 CET