Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Die Feier der Aufnahme gültig Getaufter in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche

1973

1. Wenn Christen, die in kirchlichen Gemeinschaften geboren und getauft wurden, die von der katholischen Kirche getrennt sind, in die volle Gemeinschaft1 der katholischen Kirche auf genommen werden wollen, so geschieht das im Bereich der lateinischen Liturgie in einem Ritus, der vom Bewerber nur das verlangt, was notwendig ist, um die Gemeinschaft und Einheit herzustellen2 (vgl. Apg 15, 28).

2. Christen aus den Ostkirchen, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche treten wollen, brauchen lediglich das Bekenntnis des katholischen Glaubens abzulegen. Das gilt auch dann, wenn ihnen mit Erlaubnis des Apostolischen Stuhles der Übertritt zum lateinischen Ritus gestattet wird3.

3. a) Die Aufnahme soll gottesdienstlichen Charakter haben und im Empfang der Eucharistie ihren Höhepunkt finden. Daher soll sie in der Regel innerhalb einer Messfeier stattfinden.

b) Jeglicher Aufwand ist sorgfältig zu vermeiden. Die Form der Messfeier soll den Verhältnissen entsprechend vorher genau festgelegt werden, und zwar im Blick auf die ökumenischen Belange und auf das Verhältnis des Bewerbers zu der betreffenden Pfarrgemeinde. Oft wird es sich empfehlen, diese Messe nur im kleinen Kreis, d. h. mit den Angehörigen und Freunden des Bewerbers, zu feiern.

Kann aus einem wichtigen Grund keine Messe gehalten werden, soll die Aufnahme innerhalb eines Wortgottesdienstes stattfinden. Die Form der Aufnahme soll man auch mit dem Bewerber selbst besprechen.

4. Wenn der Bewerber nicht im Rahmen einer Messe aufgenommen wird, soll der Zusammenhang zwischen Aufnahme und Eucharistie dadurch deutlich werden, dass man möglichst bald eine Messe hält, die der Neuaufgenommene erstmals inmitten seiner katholischen Mitchristen voll mitfeiert.

5. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine entsprechende Glaubensunterweisung und Einführung in die Frömmigkeit. Der Bewerber soll mehr und mehr in der Kirche heimisch werden, in der sich auswirken soll, was er in der Taufe empfangen hat. In welchem Ausmaß er während seiner Vorbereitungszeit am Gottesdienst der Kirche teilnehmen kann, bestimmt das Ökumenische Direktorium. In jedem Fall ist zwischen Bewerbern um die Aufnahme und Katechumenen zu unterscheiden.

6. Ist der Bewerber außerhalb der sichtbaren katholischen Kirche geboren und getauft, so wird keine Abschwörung von Irrlehren mehr von ihm verlangt; er braucht nur das Glaubensbekenntnis abzulegen4.

7. Wer einmal getauft ist, kann nicht ein zweites Mal getauft werden, auch nicht bedingungsweise, es sei denn, an der Tatsache oder der Gültigkeit der gespendeten Taufe bestünde berechtigter Zweifel. Ergeben sich bei gründlicher Nachforschung solche berechtigten Zweifel an der Tatsache oder der Gültigkeit der Taufe, so dass die Taufe bedingungsweise noch einmal gespendet werden muss, soll der Spender die Gründe sachgemäß darlegen und den Bewerber privat taufen5. Bei einer solchen Taufe soll der Ortsordinarius jeweils entscheiden, welche Riten entfallen können.

8. Für die Aufnahme eines Bewerbers ist der Bischof zuständig. Beauftragt er einen Priester, so hat dieser auch die Vollmacht, einem noch nicht gültig gefirmten Bewerber bei der Aufnahme das Sakrament der Firmung zu spenden6.

9. Wird der Bewerber innerhalb einer Eucharistiefeier aufgenommen so soll er je nach der persönlichen Gewissenssituation bereits vorher einem Beichtvater, den er von der bevorstehenden Aufnahme verständigt, seine Sünden bekennen. Das Bekenntnis kann jeder zur Spendung des Bußsakramentes berechtigte Priester entgegennehmen.

10. Dem Bewerber soll bei seiner Aufnahme gegebenenfalls eine Person als Zeuge (Zeugin) zur Seite stehen, die an seiner Hinführung zur Kirche oder an der Vorbereitung besonderen Anteil gehabt hat; es können auch zwei Zeugen zugelassen werden.

11. Bei der Eucharistiefeier, in deren Rahmen die Aufnahme stattfindet, bzw. in der auf die Aufnahme folgenden Messe können außer dem Neuaufgenommenen die folgenden Personen die Eucharistie unter beiden Gestalten empfangen: die Zeugen; die Eltern und der Ehegatte, falls sie katholisch sind; die Katecheten, die den Bewerber vorbereitet haben. Wenn es von der Zahl der Teilnehmer her oder aus anderen Gründen angemessen erscheint, können darüber hinaus alle katholischen Teilnehmer unter beiden Gestalten kommunizieren.

12. Die Bischofskonferenzen können die Form der Aufnahme den jeweiligen Erfordernissen anpassen (Lit.-Konst., Art. 63). Der Ortsordinarius kann außerdem je nach der Person oder der örtlichen Situation einen entsprechend gekürzten oder erweiterten Ritus vorsehen7.

13. Die Namen der Neuaufgenommenen sind in einem eigenen Buch einzutragen; dabei sind Zeit und Ort ihrer Taufe anzugeben.

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Friday, 16-Jan-2015 12:43:18 CET