Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Kapitel II

Der liturgische Kalender

Abschnitt I - Der Kalender und die Angaben, die er enthalten soll
Abschnitt II - Die Eigentage der Feiern
Verzeichnis der liturgischen Tage nach ihrer Rangordnung
I.
II.
III.

Abschnitt I - Der Kalender und die Angaben, die er enthalten soll

48. Der liturgische Kalender enthält die Ordnungen für die Feier des Kirchenjahres. Es gibt den Generalkalender (mit den für den ganzen römischen Ritus geltenden Angaben) und den Eigenkalender (mit den für eine Teilkirche oder Ordensgemeinschaft geltenden Angaben).

49. Im Generalkalender ist der ganze Jahreskreis der Feiern verzeichnet: Die Feier des Heilsmysteriums im Herrenjahr (Zeitproprium), die Feiern jener Heiligen, die wegen ihrer allgemeinen Bedeutung überall zu halten sind, und die Feiern anderer Heiliger, welche die vielfältige und fortdauernde Heiligkeit im Volke Gottes bezeugen.
Die Eigenkalender dagegen enthalten auf Teilkirchen und Ordensgemeinschaften begrenzte Feiern, die mit dem allgemeinen Jahreskreis sinngemäß zu verknüpfen sind15. Die Teilkirchen und Ordensgemeinschaften sollen durchaus jene Heiligen, die ihnen besonders zugehörig sind, auch besonders verehren.
Die Eigenkalender werden von den zuständigen Autoritäten erstellt und vom Apostolischen Stuhl approbiert.

50. Bei der Erstellung der Eigenkalender ist folgendes zu beachten:
a) Das Herrenjahr, d. h. der Kreis der Kirchenfahrzeiten, Hochfeste und Feste, der das Erlösungsmysterium im Lauf des liturgischen Jahres entfaltet und feiert, soll unbeeinträchtigt bleiben und den gebührenden Vorrang vor Eigenfeiern erhalten.
b) Die Eigenfeiern müssen organisch mit der Ordnung des Generalkalenders verknüpt werden; dabei ist die im Verzeichnis der liturgischen Tage angegebene Aufstellung und Rangfolge maßgebend. Damit die Eigenkalender nicht ungebührlichen Umfang annehmen, soll jeder Heilige im Laufe eines Jahres nur einen einzigen Feiertag erhalten. Wo jedoch seelsorgliche Erwägungen es ratsam erscheinen lassen, kann eine zweite Feier als nichtgebotener Gedenktag gehalten werden: für die Übertragung oder Auffindung der Schutzheiligen und heiligen Stifter von Kirchen oder Ordensgemeinschaften.
c) Durch Sondergenehmigung eingeführte Feiern sollen nicht im Kirchenjahr schon vorhandene Feiern verdoppeln und außerdem nicht zu zahlreich sein.

51. Wenn auch jedes Bistum seinen Kalender, seine Eigenoffizien und Eigenmessen haben sollte, bedeutet das keineswegs ein Hindernis für gemeinsame Kalender, Offizien und Messen ganzer Provinzen, Regionen, Nationen und noch größerer Gebiete; sie sind in Zusammenarbeit der Beteiligten zu erstellen.
Dieser Grundsatz kann in gleicher Weise auf die Kalender mehrerer Provinzen von Ordensgemeinschaften innerhalb eines staatlichen Gebietes angewandt werden.

52. Der Eigenkalender entsteht durch Einfügung der folgenden eigenen Hochfeste, Feste und Gedenktage in den Generalkalender:
a) Der Kalender eines Bistums enthält die Feier der Schutzheiligen und des Kirchweihfestes der Kathedrale; außerdem solche Heiligen und Seligen, die zum Bistum eine besondere Beziehung haben, z. B. durch Herkunft, längeren Aufenthalt, Tod.
b) Der Kalender einer Ordensgemeinschaft enthält die Feier des Titels, des Stifters und des Schutzheiligen; außerdem solche Heiligen und Seligen, die zur Ordensgemeinschaft gehörten oder zu ihr in besonderer Beziehung standen.
c) Der Kalender jeder einzelnen Kirche enthält außer den Eigenfeiern des Bistums bzw. der Ordensfamilie die jeder Kirche eigenen Feiern, die im Verzeichnis der liturgischen Tage angegeben sind; außerdem die Feier eines Heiligen, wenn dessen Leichnam in der betreffenden Kirche beigesetzt ist. Die Mitglieder von Ordensgemeinschaften verbinden sich mit der Gemeinschaft der Ortskirche durch die Mitfeier der Kirchweihe der Kathedrale, der Hauptpatrone des Ortes und des übergeordneten Gebietes, in welchem sie ansässig sind.

53. Wenn ein Bistum oder eine Ordensgemeinschaft eine größere Anzahl von Heiligen und Seligen aufweist, ist zu vermeiden, daß der Kalender des gesamten Bistums oder der gesamten Ordensgemeinschaft ungebührlich umfangreich wird. Das kann so geschehen:
a) Für alle Heiligen und Seligen - oder eine ihrer Gruppen - des Bistums oder der Ordensgemeinschaft wird eine einzige gemeinsame Feier gehalten.
b) Nur jene Heiligen und Seligen erhalten im Kalender eine eigene Feier, die für das ganze Bistum oder die ganze Ordensfamilie von besonderer Bedeutung sind.
c) Die anderen Heiligen und Seligen werden nur an jenen Orten gefeiert, zu denen sie eine besonders enge Beziehung haben oder an denen ihr Leichnam beigesetzt ist.

54. Die Eigenfeiern sollten als gebotene oder nichtgebotene Gedenktage begangen werden, soweit nicht das Verzeichnis der liturgischen Tage für einige von ihnen anders bestimmt, oder ganz besondere historische oder seelsorgliche Gründe dafür sprechen. Es können auch bestimmte Feiern an einzelnen Orten mit grüßerer Feierlichkeit als im ganzen Bistum oder in der ganzen Ordensgemeinschaft gehalten werden.

55. Die im Eigenkalender angegebenen Feiern müssen von allen, für welche der betreffende Kalender gilt, gehalten werden. Tilgungen und Änderungen der Rangstufen im Kalender bedürfen der Approbation des Apostolischen Stuhles.

Abschnitt II - Die Eigentage der Feiern

56. Die Kirche hat die Sitte, die Heiligen an ihrem Sterbetag zu feiern. Das soll möglichst auch bei der Angabe von Eigenfeiern in den Eigenkalendern so gehalten werden.
Wenn die Eigenfeiern für die einzelnen Teilkirchen und Ordensgemeinschaften auch eine besondere Bedeutung haben, ist es doch sehr wünschenswert, für die Feiern der im Generalkalender enthaltenen Hochfeste, Feste und Gedenktage Einheitlichkeit anzustreben. Daher ist bei der Angabe von Eigenfeiern in den Eigenkalendern zu beachten:
a) Feiern, die auch im Generalkalender verzeichnet sind, sollen im Eigenkalender an demselben Tag wie im Generalkalender gehalten werden; falls erforderlich, kann die Rangstufe der Feier geändert werden. Gleiches gilt von Feiern einer einzelnen Kirche in Hinsicht auf den Kalender des Bistums oder der Ordensgemeinschaft.
b) Die Feiern der Heiligen, die nicht im Generalkalender verzeichnet sind, sollen auf den Sterbetag gelegt werden.
c) Falls der Sterbetag unbekannt ist, soll die Feier auf einen Tag gelegt werden, der zum Heiligen in irgendeiner Beziehung steht wie z. B. Tag der Weihe, der Auffindung oder der Übertragung; andernfalls ist ein Tag zu wählen, der im Eigenkalender von anderen Feiern frei ist.
d) Wenn für den Sterbetag im Generalkalender oder im Eigenkalender bereits eine andere Feier einer höheren oder derselben Rangstufe angegeben ist, soll die Feier des Heiligen auf einen nächstliegenden freien Tag gelegt werden.
e) Andere Feiern, für die eine Sondergenehmigung vorliegt, sollen auf einen unter seelsorglichen Gesichtspunkten geeigneten Termin gelegt werden.
f) Damit die Kirchenjahrzeiten deutlich hervortreten und Heiligenfeste nicht für ständig verschoben werden müssen, sollen Tage, die meist innerhalb der österlichen Bußzeit und der Osteroktav liegen, sowie die Tage vom 17. bis 31. Dezember von Eigenfeiern frei bleiben. Ausnahmen sind: nichtgebotene Gedenktage und Feste gemäß Nr. 8 a-d aus dem Verzeichnis der liturgischen Tage und Hochfeste, die nicht verlegt werden können.
Das Hochfest des hl. Josef (19. März) kann von den Bischofskonferenzen dort, wo es kein gebotener Feiertag ist, auf einen anderen Tag außerhalb der ästerlichen Bußzeit verlegt werden.

57. Heilige und Selige, die im Kalender zusammen verzeichnet sind, werden immer zusammen gefeiert, sofern ihre Feier die gleiche Rangstufe hat, auch wenn einer oder einige von ihnen eine engere Beziehung zu der betreffenden Kirche haben. Wenn jedoch einer oder einige dieser Heiligen und Seligen mit höherer Rangstufe zu feiern sind, beziehen sich die Gottesdienste nur auf diese; die Feier der anderen entfällt, sofern man nicht vorzieht, sie als gebotenen Gedenktag auf einen anderen Termin zu legen.

58. Aus pastoralen Gründen ist es erlaubt, an den Sonntagen im Jahreskreis Feiern zu halten, die in die Woche fallen und bei den Gläubigen beliebt sind. Voraussetzung dafür ist, daß diese Feiern in der Rangordnung über dem Sonntag stehen. Es können dann alle Messen mit größeren Teilnehmerzahlen die betreffende Feier zugrunde legen.

59. Maßgebend für den Rang der liturgischen Tage hinsichtlich der Feier ist einzig das folgende Verzeichnis.

Verzeichnis der liturgischen Tage nach ihrer Rangordnung

I.

1. Die Drei Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn.

2. Weihnachten, Erscheinung des Herrn, Himmelfahrt und Pfingsten.
Sonntage des Advents, der Fastenzeit (österlichen Bußzeit) und der Osterzeit.
Aschermittwoch. Karwochentage von Montag bis Gründonnerstag einschließlich.
Tage in der Osteroktav.

3. Hochfeste des Herrn, der seligen Jungfrau Maria und jener Heiligen, die im Generalkalender verzeichnet sind. Allerseelen.

4. Die Eigen-Hochfeste:
a) Hochfest des Hauptpatrons eines Ortes oder einer Stadt.
b) Hochfest der Weihe - oder des Jahrestages der Weihe - der betreffenden Kirche.
c) Hochfest des Titels der betreffenden Kirche.
d) Hochfest des Titels oder Stifters oder Hauptpatrons eines Ordens oder einer Genossenschaft.

II.

5. Die Herrenfeste, die im Generalkalender verzeichnet sind.

6. Die Sonntage der Weihnachtszeit und die Sonntage im Jahreskreis.

7. Die Feste der seligen Jungfrau Maria und der Heiligen des Generalkalenders.

8. Die Eigenfeste:
a) Das Fest des Hauptpatrons des Bistums.
b) Das Fest des Jahrestages der Kirchweihe der Kathedrale.
c) Das Fest des Hauptpatrons der Region, der Provinz, der Nation oder eines noch umfassenderen Gebietes.
d) Das Fest des Titels, Stifters, Hauptpatrons eines Ordens, einer Genossenschaft und Ordensprovinz vorbehaltlich der Bestimmungen von Nr. 4.
e) Andere Eigenfeste einer Kirche.
f) Andere Feste, die im Kalender eines einzelnen Bistums, eines Ordens und einer Genossenschaft verzeichnet sind.

9. Die Wochentage des Advents vom 17. bis 24. Dezember einschließlich.
Die Tage in der Weihnachtsoktav.
Die Wochentage der Fastenzeit (österlichen Bußzeit).

III.

10. Die gebotenen Gedenktage des Generalkalenders.

11. Die gebotenen Eigengedenktage:
a) Der Gedenktag des zweiten Patrons des Ortes, des Bistums, der Region und einer Ordensprovinz.
b) Andere gebotene Gedenktage im Eigenkalender eines Bistums, eines Ordens oder einer Genossenschaft.

12. Nichtgebotene Gedenktage, die jedoch auch entsprechend den Angaben in den Allgemeinen Einführungen in die Messe und das Stundenbuch an den in Nr. 9 genannten Tagen gehalten werden können. In gleicher Weise können gebotene Gedenktage, die hin und wieder auf einen Wochentag der Fastenzeit fallen, wie nichtgebotene Gedenktage behandelt werden.

13. Die Wochentage des Advents bis zum 16. Dezember einschließlich.
Die Wochentage der Weihnachtszeit vom 2. Januar bis zum Samstag nach Erscheinung.
Die Wochentage der Osterzeit vom Montag nach der Osteroktav bis einschließlich Samstag vor Pfingsten.
Die Wochentage im Jahreskreis.

60. Wenn mehrere Feiern auf einen Tag treffen, wird jene gehalten, die im Verzeichnis der liturgischen Tage höher steht.
Im Falle eines Zusammentreffens jedoch wird ein Hochfest, das von einem ranghöheren verdrängt wird, unter Wahrung von Nr. 5 der Grundordnung des Kirchenjahres und des Kalenders auf den nächstgelegenen Tag verlegt, der keiner der unter Nr. 1- 8 im Rangverzeichnis aufgeführten Tage ist. Andere Feiern entfallen für das betreffende Jahr.

61. Wenn an einem Tag die Vesper des heutigen und die Vesper des folgenden Tages zusammentreffen, hat die Vesper jenes Tages den Vorrang, der im Verzeichnis der liturgischen Tage den höheren Rang innehat; bei gleichem Rang geht die Vesper des heutigen Tages vor.

Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
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