Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Lektionar für Gottesdienste mit Kindern

Studienausgabe

1985

Pastorale Einführung

Jesus Christus, der auferstandene Herr, ist seiner Kirche "gegenwärtig in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden"1.
Er ist das "Wort des Lebens", das den Glauben weckt und nährt und stärkt. Darum soll bereits den Kindern der Reichtum der Schrift im Gottesdienst erschlossen werden. Das geschieht in eigenen Wortgottesdiensten2 ganz besonders im Wortgottesdienst der Meßfeier.
Gottesdienste mit Kindern folgen derselben Grundstruktur wir der Gemeindegottesdienst. Der Wortgottesdienst mit Kindern innerhalb wie außerhalb der Meßfeier weist im wesentlichen die gleichen Elemente auf: Schriftlesung, Antwortgesang, Auslegung, Bekenntnis und Gebet3.
Über die Schriftlesung in der Meßfeier sagt das Römische Direktorium für Kindermessen:

41. Da die Schriftlesungen "den Kern der Wortgottesdienstes" bilden, darf es keine Kindermesse ohne biblische Lesung gebe.

42. () Wenn die vorgesehenen drei oder zwei Lesungen an Sonntagen und Wochentagen den Kindern nur schwer verständlich sind, kann man zwei oder nur eine davon auswählen: eine Lesung muß jedoch stets dem Evangelium entnommen sein.

43. Wenn alle Tageslesungen für die Kinder wenig geeignet erscheinen, dürfen die Lesungen bzw. die Lesungen beliebig aus dem Lektionar oder aus der Heiligen Schrift ausgewählt werden, wobei die liturgischen Zeiten zu beachten sind. () Wenn es mit Rücksicht auf das Verständnis der Kinder notwendig erscheint, den einen oder anderen Vers der biblischen Lesung auszulassen, soll dies nicht leichthin geschehen und so, daß der Sinn des Textes oder die Absicht und der Stil der Schrift nicht entstellt werden.

44. Bei der Auswahl der Lesungen lasse man sich weniger von der Länge des Schrifttextes als von seinem Inhalt bestimmen. Nicht grundsätzlich und immer ist eine kürzere Lesung für Kinder geeigneter als eine längere. Entscheidend ist der geistliche Gewinn, den die Lesung des Kindern vermitteln vermag.

Es ist also dafür zu sorgen, daß die Kinder das authentische Wort Gottes zu hören bekommen. Dabei ist es durchaus möglich, daß eine weite, ja gelegentlich sogar dritte Lesung (besonders aus dem Alten Testament) der Aufnahmebereitschaft der versammelten Kinder dient. Ähnliches gilt von einer umfangreicheren Lesung. Zu kurze Lesungen gehen oft auf Kosten des Erfahrungsgehaltes und der Anschaulichkeit des Textes und können den Kindern sogar den Zugang zum Inhalt erschweren. Vor allem Erzählungen müssen eine gewisse zeitliche Ausdehnung haben, damit das Kind überhaupt Gelegenheit zum Hinhören hat.
Am Vortrag der Lesungen können auch die Kinder beteiligt werden. Nur der Evangeliumstext sollte, jedenfalls im Wortgottesdienst der Meßfeier, immer vom Priester vorgetragen werden. Man kann einen Teil der Perikope auch erzählend darbieten und im Anschluß daran den anderen Teil vortragen. Dies empfiehlt sich besonders bei längeren Textabschnitten. Gelegentlich, wenn ein Text dafür geeignet ist, kann er auch mit verteilten Rollen vorgetragen werden.
Ort ist es wünschenswert, Kinder zu den Lesungen hinzuführen zum Beispiel durch eine nichtbiblische Lesung, die eine Beziehung zum Leben der Kinder herstellt; durch Schilderung einer Situation, die im Evangelium angesprochen wird; durch das Zeigen und Erklären eines Bildes, das im Zusammenhang mit dem Text steht; durch einen kurzen Hinweis auf eine wichtige Aussage der Lesung, ohne damit schon den Inhalt der Lesung vorwegzunehmen4.
Besondere Bedeutung verdient die Auslegung des verkündeten Textes Kinder brauchen im besonderen Maße die Erschließung des Gehaltes einer biblischen Lesung. Das kann in einer Predigt oder in einem Gespräch mit den Kindern geschehen5, gelegentlich auch in Form einer szenischen Darstellung mit einem deutenden Wort.
Wenn die Kinder bei der Vorbereitung auf den Gottesdienst Bilder zum Thema der Schriftlesung gemalt haben, können sie diese bei der Auslegung erklären. Auf diese oder ähnliche Weise können sie selber einen Beitrag leisten zum Verständnis des Schriftwortes, das sie aufnehmen und in ihr Leben übersetzen sollen.
Die Verkündigung und Auslegung des Gotteswortes darf auch Eltern, Katecheten oder Erziehern anvertraut werden. Sie haben oft einen engeren Kontakt zum Kind und sind daher besonders mit dessen Sprach- und Lebenswelt vertraut6.
Die Ausdeutung des Schrifttextes in der Meßfeier sollte immer im Gesamtrahmen dieses Gottesdienstes stehen, damit Wortverkündigung und anschließende eucharistische Feier nicht auseinanderfallen.

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Bearbeitet:  Barbara Scheibner
last modified:
Monday, 19-Jan-2015 13:19:30 CET