Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Drittes Kapitel

Die Weihe einer Kirche, in der schon Gottesdienst gefeiert wurde

Pastorale Einführung

1. Eine neue Kirche sollte unbedingt mit ihrer Weihe in Gebrauch genommen werden, damit die Kraft der Symbole und der Sinn der Kirchweihe sich voll entfalten und auswirken können. Deshalb sollte man es nach Möglichkeit vermeiden, in einer neuen Kirche vor ihrer Weihe die Eucharistie zu feiern (vgl. 2. Kap., Nr. 8, 15, 17).
Wenn jedoch eine Kirche geweiht werden soll, in der schon Gottesdienst gefeiert wurde, ist die in diesem Kapitel beschriebene Ordnung zu verwenden.
Bei diesen Kirchen unterscheidet man mit Recht solche, die erst kürzlich errichtet wurden und deren Weihe leichter begründet werden kann, und andere, die schon vor langer Zeit erbaut worden sind.
Für die Weihe letzterer ist erforderlich:
- daß der Altar noch nicht geweiht ist; denn Gewohnheit und liturgisches Recht verbieten eine Kirchweihe ohne gleichzeitige Weihe des Altares; die Altarweihe ist nämlich der wichtigste Teil der ganzen Feier;
- daß an der Kirche etwas erneuert oder stark verändert wurde, entweder hinsichtlich des Baues (z.B. wenn die Kirche von Grund auf renoviert wurde) oder hinsichtlich ihrer rechtlichen Stellung (z.B. wenn sie zur Pfarrkirche erhoben wurde).

2. Die Pastorale Einführung zum zweiten Kapitel gilt im allgemeinen auch für diese Feier, es sei denn, die Verhältnisse erfordern offensichtlich eine andere Regelung, oder es wird im Folgenden ausdrücklich gesagt.
Die Unterschiede zwischen dieser und der im zweiten Kapitel beschriebenen Feier sind vor allem folgende:
a) Die Öffnung des Kirchenportals (vgl. 2 Kap., Nr. 34 oder 41) entfällt, da die Kirche den Gläubigen bereits offensteht. Deswegen erfolgt der Einzug in der einfachen Form (vgl. 2. Kap., Nr. 43-47). Wenn es sich jedoch um eine Kirche handelt, die lange geschlossen war und jetzt für den Gottesdienst neu zur Verfügung gestellt wird, ist es sinnvoll, das Kirchenportal feierlich zu öffnen.
b) Die Übergabe der Kirche an den Bischof (vgl. 2 Kap., Nr. 33 oder 40) soll unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation der Kirche stattfinden oder entfallen oder angepaßt werden (z.B. findet sie sinnvollerweise statt bei der Weihe einer erst kürzlich errichteten Kirche; sie entfällt bei der Weihe einer alten Kirche, an der keine baulichen Veränderungen vorgenommen wurden; sie wird angepaßt bei einer alten Kirche, die von Grund auf wiederhergestellt wurde).
c) Die Besprengung der Wände mit Weihwasser (vgl. 2 Kap., Nr. 48-50) entfällt, da sie den Charakter der Einweihung und Reinigung hat.
d) Die Eigenriten bei der ersten Verkündigung des Wortes Gottes (vgl. 2 Kap., Nr. 53) entfallen; der Wortgottesdienst wird also in gewohnter Weise gehalten. Anstelle von Neh 8,1-4a. 5-6.8-10 mit Psalm 19,8-9.10.15 und seinem Antwortvers (vgl. 2 Kap., Nr. 54a) wählt man eine andere passende Lesung aus. Wurde jedoch zusammen mit dem Altarraum auch der Ort der Verkündigung verändert und erneuert, bleiben die Eigenriten des Wortgottesdienstes.

Kapitel 4

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Monday, 19-Jan-2015 11:03:55 CET