Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Die verschiedenen Formen der Verehrung des Allerheiligsten

Die Aussetzung des Allerheiligsten
1. Der Zusammenhang zwischen der Aussetzung der heiligen Eucharistie und der Messe
2. Was bei der Aussetzung zu beachten ist
Längere Aussetzung
Kurze Aussetzung
Die Anbetung in Ordensgemeinschaften
3. Der Zelebrant der eucharistischen Aussetzung

 

79. Auch eine außerhalb der Messe nach den von der rechtmäßigen Autorität aufgestellten Normen vollzogene private und öffentliche Verehrung der heiligen Eucharistie wird eindringlich empfohlen; denn das eucharistische Opfer ist Quelle und Höhepunkt des gesamten christlichen Lebens.

Diese eucharistischen Andachten sollen mit Blick auf den jeweiligen Festkreis des Kirchenjahres gestaltet werden und mit der heiligen Liturgie übereinstimmen, gewissermaßen aus ihr leben und zu ihr hinführen1.

80. Die Gläubigen sollen sich bei der Verehrung des im Sakrament gegenwärtigen Christus bewußt sein, daß diese Gegenwart aus dem Opfer hervorgeht und auf die sakramentale und geistliche Kommunion hinzielt.

Denn die Frömmigkeit, welche die Gläubigen zur Anbetung der heiligen Eucharistie bewegt, ermuntert sie auch dazu, voll und ganz am österlichen Geheimnis teilzuhaben; sie ist dankbare Antwort auf das Geschenk dessen, der durch seine Menschwerdung unaufhörlich die Glieder seines Leibes mit göttlichem Leben erfüllt. Indem die Gläubigen bei Christus, dem Herrn, verweilen, vertrauen sie sich ihm an, schütten vor ihm ihr Herz aus und bitten für sich und alle die Ihrigen, für den Frieden und das Heil der Welt. Mit Christus bringen sie im Heiligen Geiste ihr ganzes Leben dem Vater dar und empfangen aus dieser erhabenen Verbindung Wachstum im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. So wird in ihnen jene rechte innere Haltung genährt, mit der sie in gebührender Ehrfurcht das Gedächtnis des Herrn feiern und häufig das Brot empfangen können, das uns der Vater geschenkt hat. Die Gläubigen sollen daher ihren Lebensverhältnissen entsprechend Christus, den Herrn, im Sakrament verehren. Die Seelsorger aber mögen ihnen darin Beispiel sein und sie durch ihr Wort dazu anleiten2.

81. Auch sollen die Gläubigen sich bewußt sein, daß sie durch dieses Gebet zum Herrn im Sakrament jene Verbindung mit ihm fortsetzen, die sie in der heiligen Kommunion erlangt haben; durch die Erneuerung des Bundes mit ihm empfangen sie die Kraft, in ihrem Leben das zu verwirklichen, was sie in der Eucharistiefeier im Glauben und im Sakrament empfangen haben.

Gestärkt durch die himmlische Speise, sollen sie sich bemühen, in der Teilhabe am Tod und an der Auferstehung des Herrn in ständiger Dankbarkeit zu leben. Daher soll jeder danach streben, gute Werke zu tun, Gott zu gefallen, christlichen Geist in die Welt zu tragen und überall, und zwar inmitten der menschlichen Schicksalsgemeinschaft, Zeuge Christi zu sein3.

Die Aussetzung des Allerheiligsten

1. Der Zusammenhang zwischen der Aussetzung der heiligen Eucharistie und der Messe

82. Die Aussetzung der heiligen Eucharistie im Ziborium (Pyxis) oder in der Monstranz führt die Gläubigen zum lebendigen Bewußtsein von der wunderbaren Gegenwart Christi und lädt sie ein, sich mit ihm zu vereinigen. Diese Vereinigung erlangt in der sakramentalen Kommunion ihren Höhepunkt. Darum fördert die Aussetzung in glücklicher Weise die Christus im Geist und in der Wahrheit geschuldete Anbetung.

Es ist darauf zu achten, daß bei solchen Aussetzungen die Verehrung des heiligen Sakramentes in ihrer Beziehung zur Messe deutlich wird. In der äußeren Form der Aussetzung vermeide man deshalb sorgfältig alles, was irgendwie die Tatsache verdunkeln könnte, daß es der vornehmliche Wunsch Christi bei der Einsetzung der heiligen Eucharistie war, sie uns als Speise, Heilmittel und Stärkung anzubieten4.

83. Es ist verboten, während der Aussetzung des heiligen Sakramentes innerhalb des gleichen Kirchenraumes die Messe zu feiern.

Außer den in Nummer 6 genannten Gründen gilt nämlich, daß die Feier des eucharistischen Geheimnisses bereits in vollkommenerer Weise jene innere Vereinigung einschließt, zu der die Aussetzung die Gläubigen hinführen will.

2. Was bei der Aussetzung zu beachten ist

84. Wird die Aussetzung des Allerheiligsten auf einen ganzen Tag oder mehrere aufeinanderfolgende Tage ausgedehnt, so muß sie während der Feier der Messe unterbrochen werden, es sei denn, die Messe werde in einer vom Aussetzungsraum getrennten Kapelle gefeiert, und wenigstens einige Gläubige setzen die Anbetung fort5.

85. Vor dem Allerheiligsten macht man eine einfache Kniebeuge*, sowohl wenn es sich im Tabernakel befindet als auch wenn es zur Anbetung ausgesetzt ist. Befindet sich das heilige Sakrament in der Monstranz, brennen vier oder sechs Kerzen, wie dies bei der Messe auch vorgesehen ist; außerdem wird Weihrauch verwendet werden. Bei Aussetzung in der Pyxis (im Ziborium) sollen wenigstens zwei Kerzen brennen; auch hier kann Weihrauch verwendet werden.

Längere Aussetzung

86. In Kirchen, in denen die Eucharistie ständig aufbewahrt wird, soll jährlich eine feierliche, längere Zeit (wenn auch mit Unterbrechungen) andauernde Aussetzung des Allerheiligsten stattfinden, damit die Ortsgemeinde dieses Geheimnis mit größerer Hingabe betrachten und anbeten kann.

Eine solche Aussetzung - mit Genehmigung des Ortsordinarius gehalten - soll jedoch nur stattfinden, wenn eine entsprechend große Beteiligung der Gläubigen erwartet werden kann6.

87. In einer schweren und allgemeinen Not kann der Ortsordinarius anordnen, daß in vielbesuchten Kirchen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten während eines längeren Zeitraumes Bittandachten gehalten werden7.

88. Wo mangels einer angemessenen Anzahl von Betern die Aussetzung nicht ohne Unterbrechung gehalten werden kann, kann man das heilige Sakrament zu vorher festgesetzten und bekanntgemachten Stunden reponieren, jedoch nicht öfter als zweimal am Tag, z. B. zur Mittagszeit und während der Nacht.

Diese Reposition kann in einfacher Form erfolgen: Der Priester oder Diakon - mit Talar, Albe oder Chorrock und Stola bekleidet stellt nach kurzer Anbetung und einem Gebet mit den Gläubigen das heilige Sakrament in den Tabernakel. In gleicher Form wird es zur vorgesehenen Zeit wieder ausgesetzt8.

Kurze Aussetzung

89. Kurze Aussetzungen des Allerheiligsten sind so zu gestalten, daß vor dem Segen mit dem heiligen Sakrament eine angemessene Zeit für die Lesung des Wortes Gottes, für Gesänge, Gebete und für Zeiten stillen Gebetes vorgesehen wird.
Die Aussetzung, die keinen anderen Zweck hat, als den Segen zu erteilen, ist verboten9.

Die Anbetung in Ordensgemeinschaften

90. Ordensgemeinschaften und andere geistliche Gemeinschaften, die nach ihren Konstitutionen oder nach den Regeln ihres Instituts eine ewige Anbetung oder eine Anbetung auf längere Zeit praktizieren, sollen diese fromme Gewohnheit nach dem Geist der Liturgie so ordnen, daß immer dann, wenn die Anbetung vor Christus, dem Herrn, unter Anteilnahme der ganzen Gemeinschaft stattfindet, heilige Lesungen, Gesänge und Zeiten stillen Gebetes eingefügt werden. Dadurch soll das Gebet fruchtbarer und wirksamer werden für das geistliche Leben dieser Gemeinschaft. Auf diese Weise wird nämlich der Geist der Einheit und der Brüderlichkeit, der durch die Eucharistie bezeichnet und bewirkt wird, unter den Mitgliedern der klösterlichen Gemeinschaft gefördert und die dem Allerheiligsten geschuldete Verehrung in besonderer Weise geübt.

Sehr zu begrüßen und darum beizubehalten ist jene Anbetungsform, an der einzelne oder jeweils zwei Mitglieder der Gemeinschaft einander ablösen; denn auch auf diese Weise wird nach der Regel solcher Institute, die von der Kirche approbiert sind, Christus, der Herr, im Sakrament im Namen der ganzen Gemeinschaft und der Kirche angebetet und sein Beistand erfleht.

3. Der Zelebrant der eucharistischen Aussetzung

91. Ordentlicher Zelebrant für die Aussetzung des Allerheiligsten ist der Priester oder der Diakon, der auch am Schluß der Anbetung, bevor er das Sakrament reponiert, das Volk mit dem Sakrament segnet. Im Falle der Abwesenheit oder Verhinderung von Priester und Diakon können folgende Beauftragte die heilige Eucharistie zur Anbetung öffentlich aussetzen und reponieren: a) Akolyth und Kommunionhelfer; b) jeder Angehörige einer Ordensgemeinschaft oder Säkulargemeinschaft, sowohl Männer wie Frauen, deren Aufgabe die eucharistische Anbetung ist; sie müssen aber vom Ortsordinarius dazu bestellt sein. Alle Genannten können die Aussetzung in der Weise vornehmen, daß sie den Tabernakel öffnen oder gegebenenfalls die Pyxis (das Ziborium> auf den Altar stellen oder die Hostie in die Monstranz einfügen. Zum Schluß der Anbetung stellen sie das heilige Sakrament in den Tabernakel zurück. Es ist ihnen aber nicht erlaubt, den Segen mit dem Allerheiligsten zu erteilen.

92. Der Zelebrant, wenn er Priester oder Diakon ist, trägt Albe oder Chorrock und die weiße Stola. Die anderen Beauftragten tragen entweder die ortsübliche liturgische oder eine der Bedeutung ihres Dienstes angemessene Kleidung, die vom Ordinarius approbiert ist. Zur Erteilung des sakramentalen Segens am Ende der Anbetung, bei der die Monstranz aufgestellt war, tragen der Priester und der Diakon Chormantel und das Schultervelum in weißer Farbe. Wird der Segen mit dem Ziborium gegeben, trägt der Zelebrant nur das Schultervelum.

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Design: Alexandra Kunstmann, bearbeitet: Barbara Scheibner (2015)
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Monday, 19-Jan-2015 10:05:50 CET