Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

Universitaet Salzburg | FB Praktische Theologie | Katholisch-Theologische Fakultaet | Universitaetsbibliothek


49 Die Nottaufe

Bei Lebensgefahr, besonders wenn es sich um akute Lebensgefahr handelt, kann jeder Glaeubige, ja jeder Mensch, der die rechte Absicht hat, die Taufe spenden. Er spricht - soweit moeglich - das Glaubensbekenntnis, giesst Wasser (Weihwasser oder gewoehnliches Wasser) ueber den Kopf des Taeuflings und spricht dabei:
ICH TAUFE DICH IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES.
Es empfiehlt sich, dass dabei ein oder zwei Zeugen anwesend sind. Wenn ein Kind in Lebensgefahr getauft wird und nach menschlichem Ermessen genuegend Zeit bleibt, soll man sorgen, dass eine kleine Taufgemeinde zusammenkommt. Ist einer der Teilnehmer imstande, einen kurzen Gottesdienst zu leiten, kann das auf folgende Weise geschehen:
Es wird Wasser bereitgestellt, das nicht gesegnet zu sein braucht. Die Eltern, Paten und - wenn moeglich - einige Verwandte und Freunde versammeln sich bei dem kranken Kind. Der Taufspender, d. h. einer der Glaeubigen, beginnt mit folgenden Fuerbitten:
(Liebe Brueder und Schwestern!)
Lasset uns Gottes Erbarmen herabrufen auf dieses Kind, das die Taufe empfangen soll, auf seine Eltern und Paten (auf seine Geschwister) und auf uns alle, die wir schon getauft sind.
Wir beten fuer dieses Kind, dass es gesund werde und seinen Eltern Freude mache, - dass es sich auf seinem ganzen Lebensweg zu Christus bekenne.
Wir beten fuer die Eltern und Paten, dass sie diesem Kind ein Vorbild christlichen Lebens sind.
Wir beten fuer alle Brueder und Schwestern in der Welt, die sich auf die Taufe vorbereiten.

Die Fuerbitten schliessen mit folgendem Gebet:
Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, du Quell des Lebens und der Liebe. Du bist allen Eltern nahe, die in Sorge sind; du schaust hernieder auf die Kinder, deren Leben in Gefahr ist, und zeigst ihnen deine Liebe. Im Sakrament der Wiedergeburt schenkst du ihnen ein Leben, das kein Ende hat.
Hoere unser Gebet. Befreie dieses Kind von der Herrschaft des Boesen; nimm es auf in die Gemeinschaft deiner Kirche. Wir geben ihm den Namen N. und bitten dich: Lass es in der Kraft des Heiligen Geistes durch das Sakrament der Taufe Anteil erhalten an Tod und Auferstehung Christi. Nimm es an als dein Kind; mache es zum Miterben Christi, der mit die lebt und herrscht in Ewigkeit. A: Amen.

Der Taufspender laedt die anwesenden mit folgenden Worten zum Glaubensbekenntnis ein:
Im Gedenken an unsere Taufe wollen wir den Glauben an Christus bekennen, den Glauben der Kirche.
Glauben Sie an Gott, den Vater, den allmaechtigen, den Schoepfer des Himmels und der Erde?
Eltern und Paten: Ich glaube.
Glauben Sie an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der geboren ist von der geboren ist von der Jungfrau Maria, der gelitten hat und begraben wurde, von den Toten auferstand und zur Rechten des Vaters sitzt?
Eltern und Paten: Ich glaube.
Glauben Sie an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Suenden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben?
Eltern und Paten: Ich glaube.
Anstelle der Glaubensfragen kann auch das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen werden. Nr. 2,5

Dann tauft der Spender des Sakramentes das Kind mit den Worten:
N., ich taufe dich im Namen des Vaters
(erstes Uebergiessen)
und des Sohnes
(zweites Uebergiessen)
und des Heiligen Geistes
(drittes Uebergiessen)

Alle uebrigen Riten kann der Taufspender weglassen und jetzt sofort das weisse Kleid ueberreichen mit den Worten:
N., dieses weisse Kleid soll dir ein Zeichen dafuer sein, dass du in der Taufe neugeschaffen worden bist und - wie die Schrift sagt - Christus angezogen hast. Bewahre diese Wuerde f. das ewige Leben.

Die Feier schliesst mit dem Gebet des Herrn.

50 Erneuerung des Taufversprechens

(1) Die Verbindung mit Christus, die in der Taufe grundgelegt wurde, will sich in unserem Leben auswirken; wir sollen Christus immer aehnlicher werden.
In der oesterlichen Bußzeit will die Kirche darum alle Jahre ihre Glieder von neuem zur Taufentscheidung fuehren, die in der Osternacht in feierlicher Weise bekraeftigt wird (Nr. 207).
Aehnliches geschieht bei der Firmung und bei der Erstkommunionfeier. Auch im sonntaeglichen Gottesdienst kann der Bußakt die Form einer Tauferneuerung annehmen, damit wir, wiedergeboren aus Wasser und Heiligem Geist, durch den gemeinsamen Empfang des Herrenleibes immer mehr eins werden in Christus.
Auch der einzelne Christ wird sich dankbar immer wieder seiner Taufe erinnern. Besonders werden ihn der Jahrestag seiner Taufe und der Gedenktag seines Namenspatrons zu einer bewussten Tauferneuerung fuehren. Man kann im Familienkreis dazu die Taufkerze anzuenden. Auch werden die Eltern gern (z. B. am Abend, beim Abschied) ihren Kindern das Kreuz auf die Stirne zeichnen, wie sie das bei der Taufe getan haben. Jedesmal, wenn einer sich selber bekreuzigt und das Weihwasser nimmt, ist dies eine Aufforderung zu einem erneuten Taufbekenntnis.
Wer aufmerksam das Gebet des Herrn oder das Glaubensbekenntnis spricht, bekennt, dass er in der Taufe ein Kind Gottes geworden ist und zur Gemeinschaft der Christglaeubigen, zur Kirche gehoert.

Dank fuer die Taufe

(2) Ich danke dir, Vater im Himmel, dass ich aus Wasser und Geist neu geboren wurde in der Taufe. Ich darf mich dein Kind nennen, denn du hast mich aus Schuld und Tod gerufen und mir Anteil an deinem Leben geschenkt.
Ich danke die, Jesus Christus, Sohn des Vaters, fuer deinen Tod und deine Auferstehung. Wie die Rebe mit dem Weinstock, so bin ich mit dir verbunden; ich bin Glied an deinem Leib, aufgenommen in das heilige Volk zum Lob der Herrlichkeit des Vaters.
Ich danke dir, Heiliger Geist, dass deine Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen. Du lebst in mir und willst mich fuehren zu einem Leben, das Gott bezeugt und den Bruedern dient. So kann ich einst mit allen Heiligen das Erbe empfangen, das denen bereitet ist, die Gott lieben.

51 Die Firmung

(1) Wenn der Heilige Geist schon in der Taufe geschenkt wird, was soll dann noch die Firmung?
Die Taufe ist das erste und grundlegende Sakrament, in dem das Leben im Heiligen Geist geschenkt wird. Die Firmung ist "Vollendung der Taufe". In einem Bild wird sie auch "Siegel" genannt: Die Firmung ist das Siegel und die Urkunde von der Gotteskindschaft und der Indienstnahme f. Christus.
Das zweite Vatikanische Konzil sagt: "Durch das Sakrament der Firmung werden die Getauften vollkommener (als durch die Taufe) mit der Kirche verbunden; sie werden reich ausgestattet durch eine besondere Kraft des Heiligen Geistes, und sie werden strenger verpflichtet, den Glauben als wahre Zeugen Christi in Wort und Tat zu verbreiten und zu verteidigen."

Was in der Firmung geschieht, ist nicht Menschenwerk, sondern Gottes Gabe. Der Heilige Geist selber, der in der Firmung geschenkt wird, ist DIE GABE GOTTES, die den getauften ganz durchdringt und ihn von innen her aufschliesst fuer das, was Christus von diesem Menschen will.
Der Heilige Geist fordert vom Gefirmten, in der Gemeinschaft der Brueder und Schwestern fuer Christus offen Zeugnis abzulegen und zu handeln wie Christus. Der Heilige Geist gibt auch die Kraft, es zu vollbringen.
Bei der Firmung streckt der Bischof zunaechst die Haende ueber alle Firmlinge aus und ruft den Heiligen Geist auf sie herab. Dann legt er jedem einzeln die Hand auf und zeichnet das Zeichen Christi, das Kreuz, auf die Stirn. Dabei spricht er:
"Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist."

Zugleich salbt er die Stirn mit Chrisam, um die "Salbung" des Firmlings durch den Heiligen Geist darzustellen, von dem Christus gesagt hat: "Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen" (Lk 4,18).

Der Firmpate
(3) Der Firmling wird dem Spender durch einen Paten vorgestellt, der selber gefirmt sein muss. Wenn Taufe und Firmung in einem Gottesdienst empfangen werden, ist der Taufpate immer zugleich der Firmpate. Wird die Firmung erst spaeter empfangen, ist es sinnvoll, dass der Taufpate wiederum das Amt des Firmpaten uebernimmt. Es kann aber auch ein anderer katholischer Christ das Firmpatenamt uebernehmen. Ebenso koennen Kinder von ihren Eltern zur Formung gefuehrt werden.

52 Die Spendung der Firmung
(1) Im Rahmen der Messfeier geschieht die Firmspendung nach dem Evangelium. Der Bischof nimmt nach der Ansprache das Taufbekenntnis der Firmlinge entgegen.
Bischof: Widersagt ihr dem Satan und all seiner Verfuehrung?
Firmlinge: Ich widersage.
Bischof: Glaubt ihr an Gott, den Vater, den Allmaechtigen, den Schoepfer des Himmels und der Erde?
Firmlinge: Ich glaube.
Bischof: Glaubt ihr an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der geboren ist von der Jungfrau Maria, der gelitten hat und begraben wurde, von den Toten auferstand und zur Rechten des Vaters sitzt?
Firmlinge: Ich glaube.
Bischof: Glaubt ihr an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Suenden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben?
Firmlinge: Ich glaube.

Die letzte Frage kann auch erweitert werden:

Bischof: Glaubt ihr an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der wie einst den Aposteln am Pfingstfest, so heute euch durch das Sakrament der Firmung in einzigartiger Weise geschenkt wird?
Firmlinge: Ich glaube.
Bischof: Glaubt ihr an die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Suenden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben?
Firmlinge: Ich glaube.

Die Gemeinde kann in einem Glaubenslied dem Taufbekenntnis der Firmlinge zustimmen.

(2) Der Bischof laedt die Gemeinde zum Gebet ein. Alle knien nieder und beten in der Stille. Dann breitet der Bischof die Haende ueber die Firmlinge aus und spricht folgendes Gebet:

Allmaechtiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, du hast diese (jungen) Christen (unsere Brueder und Schwestern) in der Taufe von der Schuld Adams befreit, du hast ihnen aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt. Wir bitten dich, Herr, sende ihnen den Heiligen Geist, den Beistand. Gib ihnen den Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis und der Staerke, den Geist der Froemmigkeit und der Gottesfurcht. Durch Christus, unseren Herrn. A: Amen.

(3) Die Firmlinge werden einzeln von ihrem Paten oder den Eltern zum Bischof gefuehrt. Der Firmling nennt seinen Vornamen. Der Bischof zeichnet ihm mit Chrisam das Kreuz auf die Stirn und spricht:
N., SEI BESIEGELT DURCH DIE GABE GOTTES, DEN HEILIGEN GEIST.
Der Gefirmte antwortet: Amen.
Der Bischof: Der Friede sei mit dir.

(4) Die Gefirmten beteiligen sich anschliessend an den Fuerbitten und am Opfergang (z.B. f. die Diaspora), mit dem die Messe fortgesetzt wird.
Mit der Firmung kann die Erneuerung des Firmversprechens f. die Gemeinde oder f. einzelne erfolgen. Dies kann entsprechend vorbereitet werden. Nach der Firmspendung kann ein Mitglied der Gemeinde die Neugefirmten als Vollbuerger des Volkes Gottes begruessen.

Gebet zur Firmerneuerung
(5) Herr unser Gott, du hast mir im Sakrament der Firmung die Kraft des Geistes Christi geschenkt, der auf geheimnisvolle Weise die Kirche heiligt und eint. Ich soll vor der Welt Zeugnis geben von der Botschaft Christi und von seiner Liebe, von seinem Tod und seiner Auferstehung.
Hilf mir, ein lebendiges Glied der Kirche zu sein, damit ich in ihr dich verherrliche durch Christus im Heiligen Geist. Hilf mir, unter der Fuehrung des Geistes allen Menschen zu dienen, so wie Christus es getan hat, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes in Ewigkeit. Amen.

Next


Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Friday, 10-Oct-2014 15:01:38 CEST