Fachbereich Praktische Theologie – Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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59 GEBETE ZUR VORBEREITUNG

(1) Gott, du bist der Herr, hoch ueber allem und doch jedem nahe. Du hast mir mein Leben gegeben mit allen Fähigkeiten, Begabungen und Kräften. Dein Diener bin ich, Verwalter all dessen, was du mir anvertraut hast. Dir muss ich Rechenschaft geben.
Ich weiss, dass es in meinem Leben Versagen und Suende gibt. Ich haette ein besserer Verwalter deiner Gaben sein sollen. Lass mich erkennen, wo ich deinem Willen nicht entsprochen habe, wofuer ich deiner Vergebung bedarf.
Sende mir deinen Heiligen Geist, dass ich mich loese von allem, was falsch ist, dass ich es bereue und dass ich mich von neuem fuer dich entscheide.

(2) Gott, du bist mein Vater. Nach deinem Bild hast du mich geschaffen. In der Taufe hast du mich zum Bruder (zur Schwester) deines, Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus gemacht. Er hat stets deine Ehre gesucht und deinen Willen getan. Lass mich erkennen, wie sehr ich Jesus unaehnlich geworden bin, dass ich wie der verlorene Sohn von dir fort und in die Ferne gegangen bin. Vater, lass mich umkehren und heimfinden zu dir.

(3) Herr, ich kenne mich oft bei mir selber nicht aus. Du aber kennst mich. Ich moechte mich sehen, wie du mich siehst – auch wenn es schmerzt und mich beschaemt.
Ich weiss ja, Herr, dass du mich liebst, dass du Ja zu mir sagst, dass ich mich dir anvertrauen darf, so wie ich bin.
Hilf mir, Herr, meinen Stolz zu ueberwinden, damit ich mich heilen lasse durch das Wort der Vergebung, das der Priester in deinem Namen mir zuspricht.

Es eignen sich auch die Gebete Nr. 7,4 und 7,6; die Psalmen 19B, Nr. 714; 32, Nr. 721; 42/43, Nr. 726 und 139, Nr. 755; die Kyrie-Litanei Nr. 56,1 und die Lieder Nr. 163, 244 und 293.

BESINNUNG AUF MEIN LEBEN (GEWISSENSERFORSCHUNG)

(4) Bei der Pruefung des Gewissens steht uns nicht ein Gesetzbuch gegenueber, sondern der lebendige Gott. Vor ihm stehen wir wie der Zoellner im Evangelium. Die Erforschung des Gewissens ist daher ein ganz persönliches Tun, in dem wir uns und unser Leben vor Gott hinstellen, um zu fragen, was unser Verhältnis zu ihm belastet, gefährdet oder gar zerstört hat. Dies führt uns zur Erkenntnis des Bösen, das wir getan haben. Er führt uns aber auch zur Erkenntnis des Guten, das wir tun können und sollen; denn wir haben nicht nur Boeses getan, sondern auch Gutes unterlassen. So wird die Gewissenserforschung zur Reue fuehren, aber auch zum Trost und zum guten Vorsatz.

Nach dieser persönlichen Ueberlegung kann man einen Gewissensspiegel zu Hilfe nehmen. Aber kein Gewissensspiegel wird das konkrete Leben des einzelnen restlos erfassen. Er soll auch das eigene Nachdenken nicht ersetzen, sondern nur foerdern. Er will lediglich helfen, vor Gott Fragen und Lebensbereiche zu bedenken, die man sonst vielleicht uebersehen würde.

Die Gewissensspiegel findet man auf Seite 118 bis 141:

Nr. 61 Die zehn Gebote – kurze Darstellung des Inhalts der Gebote, die bei öfterer Beichte dienlich sein kann und fuer Gespraeche, die der Gewissensbildung dienen.
Nr. 62 Allgemeiner Gewissensspiegel – ausführliche Anleitung zur SelbstPruefung, die denen zu empfehlen ist, die seltener beichten.

Die weiteren Gewissensspiegel konzentrieren die Ueberlegungen auf bestimmte Gesichtspunkte:

(5) Gott, himmlischer Vater, ich habe gesuendigt; ich kann meine Suende nicht ungeschehen machen. Du allein kannst Suenden vergeben. Du hast deinen Sohn Jesus Christus gesandt, dass er die Schuld der Welt auf sich nehme und die Suender zu dir zurueckfuehre.
Herr Jesus Christus, fuehre auch mich von meinen Irrwegen zurueck auf den Weg der Wahrheit und des Lebens. Ich bekenne meine Suende und bereue sie, weil sie mich von dir fernhaelt.
Herr, verzeih mir und schenke mir deinen Geist, damit ich deine Liebe erkenne und sie dankbar erwidere.

(6) Herr, du liebst mich von Ewigkeit, hast mich gewollt und gerufen, wartest auf mich. Ich vergesse dich, stelle mich taub und laufe davon.
Es ist nicht gut, dass ich so bin; dass ich dich verletze und die Menschen, mit denen ich zusammenlebe.
Ich will neu beginnen im Vertrauen auf dich. Ich will versuchen, deinen Willen zu tun und gut zu sein zu den Menschen, die mich brauchen.

(7) Guetiger Gott. Ich habe gesuendigt, aber ich will mir wieder Muehe geben, das Gute zu tun. Ich kenne meine Schwaeche, aber ich vertraue auf deine Hilfe. Du sollst das Ziel sein, das ich immer vor Augen habe. Lass mich nicht vergessen, lass mich dich suchen und finden.

(8) Dich liebt, o Gott, mein ganzes Herz; und dies ist mir der groesste Schmerz, dass ich erzuernt dich, hoechstes Gut. Ach, wasch mich rein in Jesu Blut.
Dass ich gesuendigt, ist mir leid; zu bessern mich bin ich bereit. Mein Gott und Herr, mir doch verzeih; nie mehr zu fallen, Gnad verleih.

Die vorstehenden Gebete sprechen nur allgemein vom Vorsatz. Selbstverstaendlich muss jeder entsprechend seinen persoenlichen Lebensverhaeltnissen ueberlegen, was er sich im Einzelnen vornehmen kann.

Es eignen sich auch die Gebete Nr. 7,1; 7,2 und 7,5; die Psalmen 51, Nr. 190; 119 A, Nr. 750; 119 B, Nr. 751; 130, Nr. 191 und die Lieder Nr. 164–169.

Wenn man laenger warten muss, kann man eines der folgenden Stuecke beten: Litanei vom Leiden Jesu, Nr. 766; Allerheiligen-Litanei, 2. und 3. Teil, Nr. 762,5–6; Jesus-Litanei, Nr. 765; Herz-Jesu-Litanei, Nr. 776; Kreuzweg, Nr. 775; Andacht von sieben Worten Jesu, Nr. 776; Fastenandacht, Nr. 774,2,3 und 6; Herz-Jesu-Andacht, Nr. 780,4; Christus-Andacht, Nr. 781,7; Andacht vom Gebet des Herrn, Nr. 782,5; Marien-Andacht, Nr. 783,2; Schmerzhafter Rosenkranz, oder eigene Gesaetze, etwa: Jesus, der uns die Suenden vergibt.

60 Beichte
Die Feier der Versoehnung fuer einzelne

(1) BEGRUESSUNG
Wenn der Beichtende den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer betritt, begruesst ihn der Priester. Dann macht der Beichtende das Kreuzzeichen und spricht:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
P Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Suenden und seiner Barmherzigkeit.
Antwort: Amen.

Der Priester kann nun, wenn es Zeit und Umstaende erlauben, ein Schriftwort lesen oder sprechen.

(2) BEKENNTNIS UND GENUGTUUNG
Es folgt das Bekenntnis der Suenden und das Beichtgespraech, bei dem der Beichtende ein angemessenes Bußwerk zur Genugtuung fuer seine Suenden uebernimmt.

(3) REUEGEBET UND LOSSPRECHUNG
Nach seinem Bekenntnis soll der Beichtende ein kurzes Reuegebet sprechen. Er kann z. B. sagen:
Ich bereue, dass ich Boeses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr.
Der Priester erteilt die Lossprechung mit folgenden Worten:
Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versoehnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Suenden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden.
SO SPRECHE ICH DICH LOS VON DEINEN SUENDEN + IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES.
Antwort: Amen.

(4) DANK UND ENTLASSUNG
P Dankt dem Herrn, denn er ist gütig.
Antwort: Sein Erbarmen währt ewig.
Dann entläßt der Priester den Gläubigen, der Vergebung seiner Suenden empfangen hat, mit den Worten:
Der Herr hat die dir Suenden vergeben. Geh hin in Frieden.
Nach der Entlassung durch den Priester soll der Gläubige noch eine Danksagung halten. Dazu kann er folgendes Gebet verwenden:
Gebet zur Danksagung
(5) Ich danke dir, Herr, fuer die Vergebung, die ich erfahren habe, und fuer den Mut zu einem neuen Beginn.
Ich danke auch fuer die Versoehnung mit der Kirche, der ich mit meiner Schuld Schaden zugefuegt habe.
Ich will mir Muehe geben, nicht nur mit Worten dankbar zu sein. Auch will ich vergeben, wenn andere mir schaden oder mir wehe tun.
Ich weiss, Herr, es wird nicht alles ganz anders werden in meinem Leben. Aber ich vertraue darauf, dass du mich nicht verwirfst und dass die Kirche mir immer wieder deinen Frieden schenkt, auch wenn nicht alles gelingt, was ich mir vornehme.
Ich danke dir, Herr, dass ich solches Vertrauen haben darf, weil du unsere Schuld getragen hast, und weil dein Erbarmen fortlebt in deiner Kirche.

Es eignen sich auch die Gebete Nr. 3; 4,2–6; 6,5–6; und 8,1; die Psalmen 18, Nr. 712; 23, Nr. 718; 34, Nr. 723; 85, Nr. 123; 94, Nr. 739; 103, Nr. 742; 145A, Nr. 757 und 146, Nr. 759; das Magnificat, Nr. 689; das Benedictus, Nr. 681; das Te Deum, Nr. 706 und die Lieder Nr. 257–285.

Wenn der Priester eine Gebetsbuße aufgetragen hat, kann sie jetzt verrichtet werden.

67 Weisungen der Kirche

Gott schenkt uns seine Gnade vor allem durch die Sakramente. Wir tragen diesen Schatz in zerbrechlichen Gefaessen (2 Kor 4,7). Die Kirche will uns mit ihren Weisungen helfen, in der Gnade zu verharren, das heisst, in der Gemeinschaft und der Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu leben.

Feiere den Sonntag als "Tag des Herrn"!

(1) Der Sonntag ist der Tag des Herrn, an dem wir des Todes und der Auferstehung unseres Herrn feiernd gedenken. Es muss ein festlicher Tag sein, ein Tag der Gemeinschaft und der Liebe, an dem die Familie beisammen ist und die Arbeit ruht.

(2) An Sonn- und Feiertagen nimm regelmaessig an der Eucharistiefeier teil!
An allen Sonn- und Feiertagen versammeln wir uns, um das Wort Gottes zu hoeren, in der Eucharistiefeier des Todes und der Auferstehung des Herrn zu gedenken, Gott dankzusagen und in der Fuerbitte fuer alle Welt einzutreten. Je tiefer wir das Geheimnis der heiligen Messe verstehen, umso freudiger werden wir allsonntäglich daran teilnehmen. Die Sonntagsmesse wird dann zu einer Quelle, aus der wir Kraft fuer unser Leben in Familie und Beruf schöpfen.
Das Versäumen der sonntäglichen Eucharistiefeier ohne schwerwiegenden Grund ist eine ernsthafte Verfehlung vor Gott und der Gemeinde. Wer sich ohne Grund immer wieder sonntäglichen Eucharistiefeier entzieht, steht im schweren Widerspruch zu dem, was er seiner Gemeinde als getauftes und gefirmtes Mitglied schuldig ist, und er weist damit zugleich undankbar das Angebot Gottes zurueck.
Wenn die Teilnahme an der Sonntagsmesse aus einem wichtigen Grund nicht moeglich ist, sollen wir an der sonntaeglichen Kommunion teilnehmen oder durch das Mitlesen und Mitbeten der Messtexte oder in einer anderen Weise (geistliche Kommunion) uns der Feier der Gemeindemesse anschliessen.

(3) Am Freitag bring ein Opfer!
Am Karfreitag hat der Herr seinen Leib fuer uns dahingegeben und sein Blut fuer uns vergossen. Seine Liebe zu uns kostete ihn das Leben. Verzichtet auf Fleischspeisen und auf Genussmittel (Abstinenz), Fasten, Werke der Buße, der Sühne und der Liebe, die im persoenlichen Leben spuerbar sind, werden zu Zeichen der Verbundenheit mit dem leidenden Herrn und den leidenden Mitmenschen. Sie sind ein Weg zur Freiheit und zur Freude.

(4) Empfange regelmaessig, wenigstens aber in der oesterlichen Zeit, die Sakramente der Buße und des Altares!
An Ostern feiert die ganze Kirche und jede Gemeinde in der Freude des neuen Lebens gemeinsam das große Fest der Erloesung: Tod und Auferstehung des Herrn. Darum soll jeder Christ wenigstens in der Osternacht in voller Weise an der Eucharistiefeier teilnehmen, indem er auch zum Tisch des Herrn geht.
Nach einer guten Vorbereitung in der Fastenzeit soll jeder Christ, moeglichst in der oesterlichen Zeit, die Vergebung der Schuld im Bußsakrament erbitten und sein Verhältnis zu Gott und den Menschen neu ordnen.
Da wir aus der Begegnung mit dem Herrn in den Sakramenten Hilfe und Heil erlangen, empfiehlt uns die Kirche die regelmaessige Beichte und die oeftere heilige Kommunion.

(5) Hilf der Kirche und deiner Gemeinde!
Durch Taufe und Firmung sind wir der Kirche eingegliedert. In jeder Eucharistiefeier erfahren wir uns neu als Brueder und Schwestern. Wir sind mitverantwortlich fuer die Weitergabe des Glaubens, fuer den Gottesdienst der Gemeinde, fuer seelsorgerische und caritative Dienste. Die Formen unseres Einsatzes sind mannigfaltig: Mitarbeit, Beratung, Uebernahme von Diensten und Ämtern, Gebet und Opfer, finanzielle Beitraege. Wir alle sollen einen Teil unserer Freizeit fuer die Kirche zur Verfuegung stellen und sollen, jeder in seiner Weise, zum gemeinsamen Werk einmuetig zusammenarbeiten.

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Friday, 10-Oct-2014 15:46:11 CEST