Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Meßlektionar

Sammlung von Marienmessen

1990

Pastorale Einführung

 

I. Das Wort Gottes in den Formularren der "Sammlung von Marienmessen"
II. Die selige Jungfrau Maria, das Vorbild der hörenden Kirche

 

1. Über die Bedeutung des Wortes Gottes in der Eucharistiefeier finden wir in der Pastoralen Einführung der Leseordnung der Meßfeier viele wertvolle Hinweise, die zu beherzigen sind1. Sie alle sind selbstverständlich auch in den Marienmessen sorgfältig zu beachten.

I. Das Wort Gottes in den Formularren der "Sammlung von Marienmessen"

2. Der besondere Inhalt einer jeden liturgischen Gedächtnisfeier kommt sowohl in den Gebetstexten als auch in den biblischen Texten zum Ausdruck und wird durch sie bestimmt. So wird verständlich, warum schon seit ältester Zeit bei der Auswahl der Schriftstellen größte Sorgfalt angewandt worden ist. Es leuchtet aber auch ein, daß in der "Sammlung von Marienmessen" bei jedem Formular eigene Lesungen zur Feier des Wortgottesdienstes angegeben sind.

3. Die biblischen Lesungen der "Sammlung von Marienmessen" stellen eine breiten und vielfältigen Bestand dar, zu dem alte wie jüngere kirchliche Gemeinschaften im Lauf der Zeit beigetragen haben.
Unter diesen Schrifttexten können drei Arten von Lesungen unterschieden werden:

a) Lesungen aus dem Neuen oder aus dem Alten Testament, die sich auf das Leben oder die Sendung der seligen Jungfrau Maria selbst beziehen oder die Prophetien enthalten, die sie betreffen;
b) Lesungen aus dem Alten Testament, die seit alters auf Maria bezogen werden. Denn die Heilige Schrift des Neuen wie des Alten Bundes wurde schon von den Vätern gleichsam als ein Ganzes verstanden, das vom Geheimnis Christi und der Kirche durchdrungen ist2. Darum stellen Geschehnisse, Bilder oder gewisse Symbole des Alten Testaments im Voraus das Leben und die Sendung der seligen Jungfrau Maria, der glorreichen Tochter Zion und Mutter Christi dar oder lassen sie auf wunderbare Weise anklingen;
c) Lesungen aus dem Neuen Testament, die sich nicht direkt auf die selige Jungfrau beziehen, die aber dennoch zur Feier ihres Gedächtnisses vorgelegt werden, damit offenbar wird, daß in Maria, der ersten und vollkommenen Jüngerin Christi, auf wunderbare Weise die Tugenden aufgeleuchtet sind, die im Evangelium gepriesen werden - Glaube, Hoffnung, Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Reinheit des Herzens...

4. Zu den Lesungen, die den einzelnen Formularen in der "Sammlung von Marienmessen" zugeordnet sind, ist zu sagen:

a) Es werden nur zwei Lesungen vorgelegt: die erste aus dem Alten Testament oder aus dem "Apostel" (d.h. aus den Briefen oder aus der Offenbarung des Johannes), in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte oder aus der Offenbarung des Johannes, die zweite aus dem Evangelium.
b) Wenn jedoch in besonderen feierlichen Gottesdiensten der Priester gemeinsam mit den Gläubigen die Verkündigung von drei Lesungen in der Meßfeier wünscht, wird die zusätzliche Lesung aus dem Commune der seligen Jungfrau genommen oder aus dem Anhang im Lektionar der "Sammlung von Marienmessen", wobei zu beachten ist, was in der Pastoralen Einführung des Ordo lectionum Missae, Nr. 78-81 ("Grundsätze zum Gebrauch der Leseordnung ") angeordnet ist;
c) Lesungen, die in der "Sammlung von Marienmessen" für die einzelnen Formulare angegeben sind, werden meist die geeignetsten für die betreffende Feier der seligen Jungfrau sein. Dennoch darf der Zelebrant an ihrer Stelle andere geeignete Lesungen aus dem Commune der seligen Jungfrau Maria oder aus dem Anhang des Lektionars dieser "Sammlung von Marienmessen" frei auswählen3.

5. Für den Wortgottesdienst gilt:

a) Im Advent, in der Weihnachtszeit, in der Fastenzeit und in der Osterzeit sollen jene Lesungen genommen werden, die für den betreffenden Tag im Lektionar vorgesehen sind, damit die fortlaufende Lesung der Heiligen Schrift nicht unterbrochen wird oder des öfteren Lesungen, die den besonderen Charakter der Kirchenjahreszeit ausdrücken, übergangen werden. Wenn es sich jedoch um eine Feier im Rang eines Festes oder eines Hochfestes handelt, können jene biblischen Lesungen genommen werden, die dem jeweiligen Meßformular in diesem Lektionar zugeordnet sind4.
b) In der Zeit im Jahreskreis ist es Aufgabe des Zelebranten "im Einvernehmen mit jenen, die bei der Feier eine bestimmte Aufgabe haben", wobei die Gläubigen nicht übergangen werden sollen5, zu entscheiden, ob die Lesungen aus der "Sammlung von Marienmessen" oder aus dem Werktagslektionar genommen werden sollen.

II. Die selige Jungfrau Maria, das Vorbild der hörenden Kirche

6. Die Kirche, die bei der Feier der Messe die Verkündigung des Wortes Gottes mit hohen liturgischen Ehren umgibt, ermahnt die Gläubigen immer wieder, sie sollen das Wort nicht nur anhören, sondern danach handeln, damit sie sich nicht selbst betrügen (vgl. Jak 1,22). Denn nach dem Wort des Herrn sind jene selig, "die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk 11,28).

7. Im Lauf der Jahrhunderte gab es viele und heilige Jünger des Herrn, die das Wort Gottes über alles liebten und zu den Heiligen Schriften wie zu einer lebensspendenden Quelle mit Eifer hinzutraten. Die Kirche aber stellt die Jungfrau von Nazareth, die wegen ihres Glaubens als erste von allen im Neuen Testament verdiente, selig genannt zu werden (vgl. Lk 1,45), als Beispiel einer Jüngerin, die Gottes Wort gläubig hört, allen anderen voran.

8. Die selige Jungfrau hörte nämlich gläubig die Botschaft Gabriels und nahm sie in Liebe auf. Darum wurde sie, die sich selbst "Magd des Herrn" nannte (vgl. Lk 1,38), die Mutter Christi, die den Sohn Gottes zuerst in ihrem Herzen und dann in ihrem Schoß empfing6. Maria, die kluge Jungfrau bewahrte die Worte des Herrn in ihrem Herzen und dachte, als weise Jungfrau, darüber nach (vgl. Lk 2,19-51).

Das Wort Gottes, das in ihr Herz eingepflanzt worden war, drängte Maria, ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen, um mit ihr Gott zu preisen wegen seiner Güte und seines Erbarmens für seinen geliebten Knecht Israel (vgl. Lk 1,54). Aber auch die harten (vgl. Lk 2,34-35; Mt 2,13) oder unverständlich (vgl. Lk 2,49) Worte, die ihr prophetisch gesagt wurden, lehnte die Jungfrau von Nazareth nicht ab, sondern bewahrte sie in Treue zu Gottes Ratschluß in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,51).

Bei der Hochzeit verstand sie nicht nur den Wortsinn dessen, was der Sohn sagte (vgl. Joh 2,4), sondern drang tiefer ein in das "Zeichen von Kana". Sie mahnte, zu tun, was der Herr sagte (vgl. Joh 2,5), und stärkte den Glauben der Jünger.

Unter dem Kreuz (vgl. Joh 19,25) nahm sie die Worte des Sohnes auf, der seinen geliebten Jünger ihrer mütterlichen Obhut anvertraute, bevor er seinen Geist aufgab (vgl. Joh 19,26). Was der Herr nach seiner Auferstehung von den Toten den Aposteln befahl, nämlich in der Stadt zu bleiben, bis sie mit der Kraft aus der Höhe erfüllt würde (vgl. Lk 24,49), das befolgte auch sie treu: Sie blieb in Jerusalem, harrte mit den Aposteln einmütig im Gebet aus und wartete gläubig auf die Gabe des Heiligen Geistes.

9. Wenn die Römische Liturgie die Gläubigen mahnt, das Wort Gottes zu hören, stellt sie ihnen darum oft das Vorbild der seligen Jungfrau vor Augen. Denn Gott hat sie für sein Wort bereit gemacht7, und so war sie, als neue Eva, dem göttlichen Wort gehorsam8, ganz offen für die Worte des Sohnes9. Darum wird die Mutter Jesu zu Recht als die "hörende Jungfrau" gegrüßt, die "das Wort Gottes im Glauben empfangen hat"10. Wie ein Abbild der Jungfrau Maria handelt "die Kirche, und zwar vor allem in der Feier der heiligen Liturgie. Gläubig hört sie das Wort Gottes, nimmt es auf, verkündet es und verehrt es, spendet es den Gläubigen als Brot des Lebens; im Licht des Gehörten erforscht sie die Zeichen der Zeit, interpretiert und lebt die Ereignisse der Geschichte."11

10. Die Seelsorger sollen die Gläubigen, die die Wallfahrtsstätten der Gottesmutter besuchen oder am Samstag das Mariengedächtnis feiern, belehren, daß die Marienverehrung vor allem darin besteht, das Wort Gottes in der Feier der Liturgie richtig zu verkünden und mit besonderer Liebe zu verehren, es gläubig zu hören und im Herzen zu bewahren, es im Geist zu erwägen und mit dem Mund zu verkünden, es gläubig auszuführen und das ganze Leben nach ihm auszurichten.

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Monday, 19-Jan-2015 16:19:42 CET