Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Die Feier der Ölweihen

Studienausgabe

1981

Pastorale Einführung

1: "Im Bischof sehe man den Hohenpriester seiner Herde, von dem das Leben seiner Gläubigen in Christus gewissermaßen ausgeht und abhängt1."
Eine charakteristische Ausdrucksform dieser priesterlichen Vollgewalt des Bischofs und Zeichen der engen Verbundenheit der Priester mit ihm ist die Chrisam-Messe. der Bischof feiert sie gemeinsam mit Priestern aus den verschiedenen Regionen seiner Diözese und weiht dabei den Chrisam und die anderen Öle. Denn mit dem vom Bischof geweihten Chrisam werden die Neugetauften gesalbt und in der Firmung besiegelt; mit dem Katechumenenöl werden die Taufbewerber auf den Empfang der Taufe vorbereitet; durch die Salbung mit dem Krankenöl werden die Kranken in ihren Gebrechen aufgerichtet.

2. Die Salbung von Königen, Priestern und Propheten im Alten Testament wies bereits im Voraus auf Christus, den Gesalbten Gottes. Die Salbung mit Chrisam zeigt an, daß die Christen Anteil erhalten an dem königlichen und prophetischen Priestertum Christi; durch die Taufe werden wir ja dem Paschamysterium des Herrn eingegliedert: Mit Christus gestorben, werden wir mit ihm begraben und mit ihm zu neuem Leben auferweckt2.
Die Salbung in der Firmung zeigt an, daß die Getauften mit der Gabe Gottes, dem Heiligen Geist, besiegelt werden. Die Salbung der Taufbewerber mit Katechumenenöl weitet die Wirkung der Exorzismen aus. Ehe sie zum Quell des Lebens hinzutreten und wiedergeboren werden, werden sie für den Kampf gegen Sünde und Satan gestärkt.
Die Salbung mit Krankenöl, die der Jakobusbrief bezeugt3, ist für die Kranken ein Heilmittel in den Schwächen der Seele und des Leibes, damit sie alles Böse ertragen und überwinden können und Vergebung ihrer Sünden erlangen.

I. Die Materie

3. Geeignete Materie für die sakramentalen Salbungen ist Olivenöl oder gegebenenfalls ein anderes Pflanzenöl.

4. Chrisam ist eine Mischung aus Öl und Duftstoffen (Balsam).

5. Die Mischung kann bereits vor der Weihe privat vorgenommen werden oder im Verlauf der liturgischen Handlung durch den Bischof geschehen.

II. Der Zelebrant

6. Die Chrisamweihe steht allein dem Bischof zu.

7. Das Katechumenenöl wird vom Bischof mit den anderen Ölen in der Chrisam-Messe geweiht. Doch kann es im Falle einer Erwachsenentaufe auch vom Priester geweiht werden, und zwar vor der Salbung in der entsprechenden Feier des Katechumenats.

8. Das Krankenöl muß eigens vom Bischof oder von einem dazu vom Recht oder durch eine besondere Erlaubnis des Apostolischen Stuhles bevollmächtigten Priester geweiht werden. Aufgrund des Rechtes dürfen das Krankenöl weihen:
a) Priester, die rechtlichen einem Diözesanbischof gleichgestellt sind;
b) in Notsituationen jeder Priester.

III. Die mitfeiernden Teilnehmer

8a. Zur Teilnahme an der Chrisam-Messe sind die Priester der Diözese und Vertreter der Gläubigen, besonders aus der Bischofsstadt, eingeladen.
Um den Teilnehmern eine verständnisvolle Mitfeier zu erleichtern, sollte der Chrisam-Messe eine entsprechende Einführung vorausgehen.

IV. Der Tag der Ölweihen

9. In der Regel weiht der Bischof die Öle am Gründonnerstag innerhalb der dafür am Vormittag vorgesehenen Messe.

10. Können jedoch Klerus und Volk an diesem Tag nur schwer mit dem Bischof zusammenkommen, so dann die Weihe auf einen anderen Tag vorverlegt werden, der noch nahe beim Osterfest liegt. Dabei verwendet man immer das Formular der Chrisam-Messe.

V. Der Zeitpunkt der Weihe innerhalb der Messe

11. Nach der Überlieferung der lateinischen Liturgie weiht der Bischof das Krankenöl unmittelbar vor dem Abschluß des eucharistischen Hochgebetes, das Katechumenenöl und den Chrisam nach der Kommunion.

12. Aus pastoralen Gründen können alle Öle auch nach dem Wortgottesdienst geweiht werden. Dabei ist folgende Ordnung einzuhalten.

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Monday, 19-Jan-2015 11:11:04 CET