Fachbereich Praktische Theologie - Liturgiewissenschaft & Sakramententheologie

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Pontifikale

Die Weihe des Bischofs, der Priester und der Diakone

1994

Allgemeine Einführung

I. Das Weihesakrament
II. Der Aufbau der Feier
III. Die Anpassungen der Feier

I. Das Weihesakrament

1. Durch die heilige Weihe empfangen bestimmte Christgläubige die Gabe des Heiligen Geistes und werden in Christi Namen eingesetzt, die Kirche durch das Wort Gottes und seine Gnade zu leiten1.

2. In der Tat "hat Christus, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat (Joh 10,36), durch seine Apostel deren Nachfolger, die Bischöfe, seiner eigenen Weihe und Sendung teilhaft gemacht. Diese wiederum haben die Aufgabe ihres Dienstamtes in mehrfacher Abstufung verschiedenen Trägern in der Kirche rechtmäßig weitergegeben. So wird das aus göttlicher Einsetzung kommende kirchliche Dienstamt in verschiedenen Ordnungen ausgeübt von jenen, die schon seit alters Bischöfe, Priester (Presbyter), Diakone heißen."2

3. Die Bischöfe, "mit der Fülle des Weihesakramentes ausgezeichnet"3, sind durch den heiligen Geist, der ihnen in der Ordination gegeben worden ist, "wahre und authentische Lehrer des Glaubens, Priester und Hirten geworden"4 ; als solche leiten sie die Herde des Herrn in der Person Christi, des Hauptes seiner Kirche.

4. Die Presbyter "haben zwar nicht die höchste Stufe der priesterlichen Weihe und hängen in der Ausübung ihrer Gewalt von Bischöfen ab; dennoch sind sie mit ihnen in der priesterlichen Würde verbunden und kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters, zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester des Neuen Bundes"5.

5. Die Diakone "empfangen die Handauflegung nicht zum Priestertum, sondern zur Dienstleistung. Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie dem Volke Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebestätigkeit in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium."6

6. Die heilige Weihe wird erteilt durch die Handauflegung des Bischofs und durch das Gebet, durch das Gott gepriesen und die Gabe des Heiligen Geistes zur Ausübung des Dienstamtes herabgerufen wird7. Aufgrund der Überlieferung nämlich, die vorzüglich in den liturgischen Riten und in der Praxis der Kirchen des Ostens wie des Westens deutlich wird, ist es klar, daß durch die Handauflegung und das Weihegebet die Gabe des Heiligen Geistes mitgeteilt und das heilige Prägemal so verliehen wird, daß die Bischöfe, die Presbyter und die Diakone auf je eigene Art Christus gleichgestaltet werden8.

II. Der Aufbau der Feier

7. Handauflegung und Weihegebet sind das wesentliche Element jeder Ordination; denn in der Ordinationsfeier prägt das Gebet die Lobpreisung und Anrufung Gottes die Handauflegung und erschließt deren Bedeutung. In der katechetischen Unterweisung sollen daher diese Riten, die die Mitte der Ordinationsfeier bilden, erschlossen werden; in der Feier selbst sollen sie als deren Mitte deutlich erkennbar sein.

Zur Handauflegung beten alle in Stille; am Weihegebet haben alle teil, indem sie es hörend mitvollziehen und durch die Akklamation bestätigen und abschließen.

8. Bei der Ordinationsfeier sind auch die vorbereitenden Riten von Bedeutung, also die Vorstellung des Erwählten bzw. die Erwählung der Kandidaten, die Homilie, das Versprechen der Weihekandidaten und die Litanei, dann aber insbesondere die ausdeutenden Riten, in denen - unterschiedlich bei den verschiedenen Ordinationen - die Gnadengaben angezeigt werden, die durch die Handauflegung und durch die Anrufung des Heiligen Geistes übertragen worden sind.

9. Die Ordination findet innerhalb der Messe statt, vorzüglich am Sonntag; die Gläubigen nehmen daran tätig teil, "an dem einen Altar und unter dem Vorsitz des Bischofs, der umgeben ist von seinem Presbyterium und den Dienern des Altars"9.

Durch diese Verbindung der Ordinationen mit dem eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens10, stellt sich die Kirche den Mitfeiernden besonders eindringlich dar.

10. Nicht nur durch die Einfügung der Ordination in die Messe und durch besondere Einschübe in das Eucharistiegebet sowie durch Eigentexte für den Feierlichen Schlußsegen wird die Verbindung der Ordinationsfeier mit der Meßfeier dargestellt, sondern auch durch eine den geltenden Regeln entsprechende Auswahl der Lesungen und durch die Verwendung des für die einzelnen Ordinationen vorgesehenen Meßformulars.

III. Die Anpassung der Feier

11. Es ist Sache der Bischofskonferenzen, die Ordnung für die Weihe des Bischofs, der Presbyter und der Diakone den Erfordernissen der einzelnen Gebiete anzupassen, damit sie, nach Bestätigung durch den Apostolischen Stuhl, dann so verwendet wird. In Anbetracht der jeweils besonderen lokalen und sachlichen Gegebenheiten, der Eigenart und der Überlieferung der Völker, können die Bischofskonferenzen daher folgende Entscheidungen treffen:

a) Sie können die Form bestimmen, in der die versammelte Gemeinde - nach den regionalen Gebräuchen - der Erwählung der Kandidaten (bei der Bischofsweihe: Nr. 22-24 und Nr. 60; bei der Priesterweihe: Nr. 21 und Nr. 51; bei der Diakonenweihe: Nr. 24 und Nr. 55; bei der Weihe von Diakonen und Priestern in einer gemeinsamen Feier: Nr. 16, 18, 56 und 58) zustimmt.
b) Sie können dem Weiheversprechen zu Beginn der einzelnen Ordinationen (bei der Bischofsweihe: Nr. 31 und Nr. 67; bei der Priesterweihe: Nr. 27 und Nr. 57; bei der Diakonenweihe: Nr. 31 und Nr. 62; bei der Weihe von Diakonen und Priestern in einer gemeinsamen Feier: Nr. 24, 26, 64 und 66) gegebenenfalls weitere Fragen hinzufügen.
c) Sie können die Form des Zeichens festlegen, in der die Kandidaten der Diakonenweihe und der Priesterweihe dem Bischof Ehrfurcht und Gehorsam versprechen (bei der Priesterweihe: Nr. 28 und Nr. 58; bei der Diakonenweihe: Nr. 32 und Nr. 63; bei der Weihe von Diakonen und Priestern in einer gemeinsamen Feier: Nr. 25, 27, 65 und 67).
d) Sie können festlegen, daß die Erklärung der Bereitschaft, die Verpflichtung zum Zölibat zu übernehmen (bei der Diakonenweihe: Nr. 31 und Nr. 62; bei der Weihe von Diakonen und Priestern in einer gemeinsamen Feier: Nr. 24 und Nr. 64), über die Beantwortung der entsprechenden Frage hinaus noch in anderer sinnenfälliger Form zum Ausdruck gebracht wird.
e) Sie können approbieren, daß anstelle der in diesem Buch vorgesehenen Gesänge andere Gesänge vorgetragen werden.
f) Sie können dem Apostolischen Stuhl weitere Anpassungen von Riten vorschlagen, die dann mit dessen Zustimmung eingeführt werden. Doch kann die Handauflegung unter keinen Umständen entfallen; das Weihegebet kann nicht gekürzt oder durch alternative Texte ersetzt werden. Die Grundstruktur der Ordnung und die Besonderheit eines jeden Teilelements dieser Ordnung sind zu bewahren.

Die Bischofskonferenzen und die approbationsberechtigten (Erz-)Bischöfe des deutschen Sprachgebietes haben von diesem Recht bei der Bischofsweihe in den Nr. 22-24 und 60, bei der Priesterweihe in den Nr. 20, 27 und 57, bei der Diakonenweihe in den Nr. 21, 31, 54 und 62, bei der Weihe von Diakonen und Priestern in einer gemeinsamen Feier in den Nr. 15, 17, 24, 26, 55, 57, 64 und 66 Gebrauch gemacht.

Erstes Kapitel

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Bearbeitet: Barbara Scheibner
last modified:
Friday, 16-Jan-2015 11:49:55 CET