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Passionen im Leipziger Gottesdienst

Schon in der Passionszeit, die in Leipzig mit dem Sonntag "Invocabit" (dem katholischen ersten Fastensonntag) begann, predigte man im Vespergottesdienst anstelle über die Episteln über die Passion.9 Im Hauptgottesdienst am Sonntag Palmarum, welcher um 6.30 Uhr begann, wurde in St. Nicolai an Stelle des Evangeliums die "gantze Passion aus dem Evangelisten Matthäo abgesungen".10 Dies geschah von einem Pult im Altarraum aus mit verteilten Rollen, nämlich einem Alumnus als Evangelisten, einem Diacon als Christus, die Turbae sang der Chor, und andere redende Personen wurden durch Mitschüler des Alumnus besetzt. Dabei wurde auf die (außer den Turbae, welche mehrstimmig gehalten sind) weitgehend einstimmig angelegte Vertonung des Passionsberichtes von Johann Walter von ca. 1530 zurückgegriffen, wie sie im Leipziger Kirchengesangbuch 1682 nochmals abgedruckt ist.11 Der Küster Rost notierte dazu, daß "der Priester mit den Schülern" die Passion sang.12 Im Anschluß daran erklang die Motette "Ecce quomodo moritur justus" von Jacobus Gallus, die ebenfalls im gesagten Gesangbuch abgedruckt ist.13 Am Karfreitag ist für St. Nicolai bezeugt, daß im Hauptgottesdienst ebenfalls statt des Evangeliums die Passion gesungen wurde in ähnlicher Form wie am Palmsonntag, nach dem Evangelisten Johannes, die Christusrolle übernahm ein Subdiacon. Die Predigt im Hauptgottesdienst wurde "Wechsels-weise ein Jahr um das andere / über das 53. Cap. Esaiae und den 22. Psalm gehalten".14

9. Leipziger Kirchen-Andachten..., 58 und Leipziger Kirchen-Staat..,34.
10. Handschrift Rost, 17.
11. Gottfried Vopelius, Neu Leipziger Gesangbuch, von den schönsten und besten Liedern verfasset. In welchem nicht allein des sel. Herrn D. Lutheri und andere mit Gottes Wort / und unveränderter Augsburgischer Confession übereinstimmende / und in Christlicher Gemeine allhier / wie auch anderer reinen Evangelischen Orten und Landen eingeführete und gebräuchliche Gesänge / Lateinische Hymni und Psalmen / Mit 4. 5. bis 6. Stimmen / deren Melodeyen theils aus Johann Hermann Scheins Cantional, und anderen guten Autoribus zusammen getragen theils aber selbsten componiret; sondern auch die Passion nach den heiligen Evangelisten Matthaeo und Joanne / die Auferstehung / die Missa, Praefationes, Responsoria und Collecten / auf die gewöhnlichen Sonn- und hohen Festtage / das Magnificat nach den 8. Tonis, Te Deum laudamus, Symbolum Nicaenum, etc. Choraliter, Und was sonsten bey dem ordentlichen Gottesdienst gesungen wird / zu finden. Leipzig 1682. Die Passionen findet man S. 179 - 227.
12. Handschrift Rost, 17.
13. Leipziger Gesangbuch 1682 (vgl. Fußnote 11), S. 263ff.
14. Leipziger Kirchen-Staat.., 25 und Leipziger Kirchen-Andachten.., 61f.

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