Universitaet Salzburg  

Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)

Institut für Dogmatik / Institut für Moraltheologie der Universität Salzburg


Editorial
Heft 1/1998
Ulrich Winkler

Selbstverständnis der Theologie

Keine Theologische Fakultät kommt mehr umhin, sich in Zeiten von Sparpaketen und restriktiven Haushaltsplanungen zu rechtfertigen. Dieses tut sie am besten, indem sie sich auf ihr „Geschäft“, die Theologie, besinnt und nach deren Selbstverständnis fragt. Gegenwärtig haben sich die klassischen Frontstellungen aufgelöst zugunsten einer die Theologie eher ignorierenden bis tolerierenden Gleichgültigkeit. Dabei hat sie sich weniger dem Sinnlosigkeitsverdacht seitens einiger noch übriggebliebener Positivisten zu stellen, als sich vielmehr gegenüber der Kritik der sparenden Vernunft als effizient zu beweisen. Nicht außer Acht zu lassen ist die innerkirchliche Infragestellung, die sich aus ganz anderen Gründen ergibt.
Das Frühjahrsheft der SaThZ macht die Theologie zum Thema und greift damit eine Debatte auf, die in Österreich in Folge der Neustrukturierung aller Universitäten durch das neue Universitätsorganisationsgesetz ebenso geführt wird wie in Deutschland und mancherorts auch in der Schweiz. Aus dieser Selbstbefragung sind Kriterien und Mut für anstehende Veränderungen zu gewinnen.
Dabei läßt sich zeigen, daß die Selbstvergewisserung als Wissenschaft keine über die Theologie singulär verhängte Strafaufgabe sein kann, sondern gemeinsam mit jeder anderen ernsthaft reflexiven Wissenschaft unabdingbare Fragen von Erkenntnis und Vernunft, Wissenschaft und Gesellschaft sowie unausweichliche Fragen des Menschen schlechthin berührt bzw. offenhält. Auch die Prinzipien der harten und erfolgreichen Wissenschaften sind angefragt, was die Flachheit der ökonomischen Zweckrationalität nicht zu erfassen vermag.
HEINRICH SCHMIDINGER, Philosoph und Dekan der Theologischen Fakultät, steckt in seinem Einleitungsreferat am Fakultätentag 1997 in Salzburg (vgl. Hauptreferat von H. Waldenfels, Theologie im Kontext unserer Zeit, in: StZ 122 (1997) 691-703) den Rahmen der Theologie an der Universität ab. GOTTFRIED BACHL (Dogmatik/Salzburg) erläutert das Selbstverständnis der Theologie, indem er in Grundzügen die Weisen theologischen Erkennens entfaltet. Als zweiter Dogmatiker präsentiert WALTER RABERGER (Linz) quasi den äußeren, aktuell philosophisch-soziologischen Problemhorizont der Theologie. Einen empirischen Gegenwartsbezug kirchlich-konfessioneller Theologie vor dem Hintergrund der Religiosität von Jugendlichen leistet ANTON A. BUCHER (Religionspädagogik/ Salzburg). Entschiedener als in Europa - so HANS-JOACHIM SANDER (Fundamentaltheologie/Würzburg) - haben sich die Theologien in den USA auf die Herausforderung der strikten Trennung von Kirche und Staat eingelassen. - Eine echte Außenperspektive mit Insiderkompetenz liefert der Leiter der ORF-Abteilung „Religion“ PETER PAWLOWSKY. - Die Buchbesprechungen beschäftigen sich mit wichtigen Brennpunkten heutiger Theologie, die das weite Aufgabenfeld beispielhaft beleuchten: Schöpfung, Ökologie und feministische Theologie.
 


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