Universitaet Salzburg  

Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)

Institut für Dogmatik / Institut für Moraltheologie der Universität Salzburg


Editorial
Heft 2/1998
Andreas M. Weiß
 
Abschiedsvorlesung Prof. Bachl - Gentechnik - Präimplantationsdiagnostik

Das inzwischen dritte Heft der SaThZ beginnt mit der Dokumentation eines für die Salzburger Theologische Fakultät markanten Ereignisses, der Abschiedsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. GOTTFRIED BACHL. 1998 emeritierte der Salzburger Dogmatiker nach 15 Jahren intensiver Tätigkeit. Die im Heft 1 (1997) dieser Zeitschrift abgedruckte Publikationsliste gibt einen Einblick in seine Forschungsarbeit, die Liste von Diplomarbeiten und Dissertationen zeigt Früchte seiner Lehrtätigkeit. Jahrgänge von Theologiestudierenden schätzen seine Art, den dogmatischen Traktaten aktuelle Perspektiven abzugewinnen und sie sprachlich eigenwillig und erfrischend zu formulieren. Im Dienst der ganzen Fakultät als Dekan (1991-95) hat er Gestaltungskraft und politische Klugheit bewiesen. Die Fakultät hat ihm vielfach zu danken. Nicht zuletzt haben die Herausgeber der Salzburger Theologischen Zeitschrift ihm gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Werner Wolbert die Ermöglichung ihres Projektes zu verdanken. Beide haben es entschieden unterstützt.

Dieses Heft setzt darüber hinaus mit Themen der Bioethik einen moraltheologischen Schwerpunkt. Wie das österreichische Gentechnikvolksbegehren 1997 bewies, bewegt Gentechnik die Menschen. Was sich hier an neuen Möglichkeiten abzeichnet, überfordert vielfach unsere ethische Intuition und unseren tradierten Schatz an Haltungen und Normen. Zunehmend werden Faktoren unseres Lebens, die uns bisher weitgehend verborgen waren und als Geschick zugekommen sind, zum möglichen Gegenstand unseres Wissens und medizintechnischen Handelns. Nutzung oder Ablehnung solcher Handlungsmöglichkeiten sind jedenfalls zu begründen und zu verantworten. Angesichts der rasch voranschreitenden Entwicklung kommt der Ethik die Aufgabe kritischer Aufmerksamkeit gegen eine euphorische Bejahung zu. Eine solche Aufmerksamkeit konzentriert sich mindestens auf den großen Bereich des Nicht-Wissens um längerfristige Folgen und unerwartete Wirkungen, auf Gefahren eines Mißbrauchs und auf Orientierungshilfen für einen menschlich sinnvollen Umgang mit dem verfügbaren Wissen. MICHAEL BREITENBACH, Genetiker in Salzburg, gibt aus der Sicht des Naturwissenschaftlers einen einleitenden Überblick zur Gentechnik und formuliert kritisch seine Sicht der ethischen Diskussion. Der Wiener Moraltheologe GÜNTER VIRT skizziert die entsprechenden ethischen Problemfelder und fordert über ethische Orientierungen hinaus einen verbindlichen rechtlichen Rahmen. In seiner Analyse österreichischer und internationaler Regelungen wird deutlich, wie schwierig ein entsprechender Konsens zu finden ist. WALTER LESCH (Ethik/Fribourg) bietet eine ethische Analyse von pränataler Diagnose und Präimplantationsdiagnostik. KARL GOLSER (Moraltheologie/Brixen) gibt einen differenzierten Überblick zur lehramtlichen Sicht derselben Problematik. Der Salzburger Moraltheologe WERNER WOLBERT spricht mit der Verantwortung für die Folgen fremder Taten eine Problematik an, die nicht zuletzt in Hinblick auf neue technische Errungenschaften relevant ist.


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last modified:  by A.-M. Weiß & U. Winkler