Universitaet Salzburg

Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)

Institut für Dogmatik / Institut für Moraltheologie der Universität Salzburg


Editorial
Heft 2/1998
Alois Halbmayr

Hermeneutik eines Dialogs der Religionen

Schon seit längerem führt die Frage nach dem Stellenwert nichtchristlicher Heils-wege und Religionen zu sehr kontroversen und vielschichtigen Debatten innerhalb der christlichen Theologie. Der Dialog der Religionen, der in seiner Frühphase durch ein vorsichtiges Abtasten und Austauschen der jeweiligen Positionen gekennzeichnet war, hat aber erst mit der Infragestellung und Kritik eigener Absolutheitsansprüche einen entscheidenden Impuls erhalten. Kontinuierlich entwickelte sich das religionstheologische Gespräch zu einem Forum, in dem die christliche Botschaft in neuer Weise auf dem Prüfstand steht, ohne daß bereits angegeben werden kann, welche Ergebnisse zu erzielen sind. Ein Dialog ist ein offenes Geschehen, in dem - wenn er nicht zur Farce verkommen soll - der Ausgang ungewiß ist.
Gegenwärtig rückt in diesem Prozeß die hermeneutische Frage immer deutlicher in den Vordergrund: Welche Voraussetzungen und Bedingungen sind erforderlich, um andere Religionen und Heilswege wirklich verstehen zu können? DAVID J. KRIEGER, Religionswissenschafter und Theologe in Luzern, widmet sich in seinem Beitrag dieser Grundfrage und entwirft Kriterien und Prinzipien für den interreligiösen Dialog. Ausgehend von der Kommunikationstheorie Niklas Luhmanns wird Religion wesentlich als Kommunikation begriffen, die sich aber nicht im argumentativen bzw. im Grenzdiskurs erschöpft, sondern erst im sogenannten Erschließungsdiskurs wahrhaft zum Vorschein kommt. GIANCARLO COLLET, Missions-wissenschafter in Münster, untersucht die Auswirkungen der veränderten Situation des Christentums auf das Missionsverständnis, das einerseits elementar zur christlichen Identität gehört, andererseits aber viel an Plausibilität verloren hat. Collet plädiert für eine Neubestimmung des missionswissenschaftlichen Selbstverständnisses, das nicht mehr bei einer bestimmten historischen Gestalt, sondern bei den konkreten Erfahrungen der verschiedenen Ortskirchen ansetzt und von dort aus nach der Bedeutung des Evangeliums für den jeweiligen Kontext fragt. ERWIN KRÄUTLER, Bischof von Xingu (Brasilien) und ein Absolvent unserer Fakultät -, berichtet in einem Interview über seine Erfahrungen vor Ort. Die Aussagen dokumentieren den Wandel des Missionsverständnisses, wie er mit dem Zweiten Vaticanum begonnen hat. PERRY SCHMIDT-LEUKEL, Fundamentaltheologe in München, zieht eine Zwischen-bilanz des christlichen Versuchs, im Buddhismus Wahrheiten zu erkennen, wie sie in anderen Paradigmen und Formationen auch im Christentum zu finden sind. Der Beitrag von PAUL WESS, Pastoraltheologe in Innsbruck, bringt eine fundamentale Kritik an der Vergöttlichungslehre des hellenistisch geprägten Christentums. Diese habe zu einer Aushöhlung der Transzendenz Gottes geführt und damit die moderne Gotteskrise mitverursacht. Erst eine Rückkehr zum biblischen Gottesverständnis führe aus den selbsterzeugten Aporien heraus. Weß bezieht deutlich Position in einer brisanten und seit längerem schwelenden Debatte über die Verbindlichkeit der nicänisch-chalcedonensischen Christologie. Damit eröffnet er neue Möglichkeiten für den Dialog der Religionen. - Der Beitragsteil schließt mit einer Antwort von WERNER WOLBERT, Moraltheologe in Salzburg, auf die breit rezipierte, aber zu wenig geprüfte Kritik Gerhard Stremingers an der Ethik Jesu.


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