Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)


Heft 2-2001

Editorial
Alois Halbmayr

Glaube - Gesellschaft: Religionswissenschaft - Entflechtung von Christentum und Religion - knappe Ressourcen im Gesundheitswesen - Menschenrechtserziehung - Neostrukturalismus

Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der systematischen Theologie, den inneren Zusammenhang des christlichen Glaubens nicht nur für den Lebensraum der Kirche sondern auch für die säkulare Öffentlichkeit zu reflektieren und zur Sprache zu bringen. Für diese zentrale Aufgabe bedarf es vieler Fähigkeiten und Kompetenzen. Vor allem aber erfordert es eine grundlegende Bereitschaft, die politischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen der Gesellschaft so in den Blick zu nehmen, dass auch in ihnen die Relevanz und Bedeutung des Evangeliums sichtbar werden können. Eine Theologie, die sich den großen und kleinen Herausforderungen der spätmodernen Kultur stellt, wird daher auch jene Ränder und Horizonte abschreiten, von denen her oftmals ein klareres, helleres Licht auf die eigenen Fragestellungen und Aufgaben fällt. Dass dies aber keineswegs ein einseitiger, nur in eine Richtung verlaufender Prozess sein kann, sondern auch umgekehrt gilt, zeigen die Beiträge der vorliegenden Nummer.

CLEMENS SEDMAK (Salzburg) beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Problemen der Religionswissenschaft. Er nennt die Schwierigkeiten und Probleme, die aus einer geforderten Vergleichbarkeit von Religionen bzw. Kulturen resultieren, und analysiert, welche alternativen Möglichkeiten sich in dieser wichtigen Disziplin bieten. - Aus meiner Feder stammt der Text über Thomas Rusters vieldiskutiertes Plädoyer für eine Entflechtung von Christentum und Religion. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Konsequenzen, die sich aus der von Ruster geforderten Neupositionierung des biblischen Gottesglaubens in einer vom Geld regierten Welt ergeben. - Der Artikel von FRANZ NOICHL (Mannheim) widmet sich der aktuellen Diskussion um die Verteilung der knappen Ressourcen im Gesundheitswesen. Für dieses ungelöste, aber immer dringendere und höchst umstrittene Problem liegen unterschiedliche Vorschläge vor, die Noichl einer ethischen Bewertung unterzieht. - DIETER WITSCHEN (Osnabrück) fordert in seinem Beitrag als Konsequenz aus dem kirchlichen Bekenntnis zu den Menschenrechten ein entsprechendes und deutliches Engagement im Bereich der Menschenrechtserziehung. Er analysiert die grundsätzlichen Rahmenbedingungen und Ziele, in denen sowohl eine zentrale Verpflichtung der Kirche als auch eine große Chance liegt, die Kraft des Evangeliums der heutigen Welt sichtbar werden zu lassen. - Der abschließende Beitrag liefert einen Zwischenbericht des von Prof. Heinrich Schmidinger geleiteten und vom FFW finanzierten Forschungsprojekts (2000-2002) mit dem Titel „Tod des Subjekts? Der Neostrukturalismus als Herausforderung für christliche Philosophie und Theologie“. MICHAEL ZICHY (Salzburg), seit Beginn wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projektes, gibt einen breiten Literaturüberblick und verweist vor allem auf jene Desiderate, die für die Theologie in der Auseinandersetzung mit dem Neostrukturalismus unumgänglich erscheinen.

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