Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)


Editorial
Heft 1/2003
Ulrich Winkler

Die Lehre der Systematischen Theologie in gegenwärtigen Kontexten

Die vor zwei Jahren gestartete Initiative der Professoren Michael Bongardt, Ralf Miggelbrink
und Thomas Ruster für einen losen Gedankenaustausch von „Vertretern der
Systematischen Theologie der jüngeren Generation“ hat uns angeregt, nach den Problemen
und Möglichkeiten theologischer Lehre angesichts der rapiden Veränderungen in
Gesellschaft, Kirche und Theologie zu fragen. Wie stellt sich eine neue Generation von
Theologinnen und Theologen diesen Herausforderungen? Nachgefragt haben wir nach
der Lehre, da diese eine unmittelbarere Repräsentanz in der universitären und studentischen
Ö ffentlichkeit besitzt, die Studiengänge auf die spezifischen Rezipienten abgestimmt
sind und so die Kontextualität von Theologie unausweichlich zu einem Thema
wird. Die Zeitsignatur der Theologie ist in der Lehre täglich der Bewährung ausgesetzt.
Je vier Autorinnen und Autoren aus klassischen Theologischen Fakultäten und Theologischen
Hochschulen stellen Ihre Konzepte vor:
Die alphabetische Reihung der Beiträge stellt die prekäre Lage der Theologie in
Berlin mit dem Beitrag von Michael BONGARDT paradigmatisch für die Gegenwartslage
an den Beginn des Themenheft s. – Die kirchliche Vorauswahl der Studierenden für die
Katholische FH Mainz bringt gegenüber Theologischen Fakultäten mit freiem Studienzugang
eine gänzlich andere Glaubensvoraussetzung für die Lehre der Systematischen
Theologie mit, auf die Herbert FROHNHOFEN sein Konzept abstimmt. – Auf Grundlage
markanter Analysen der Situation von Studierenden und der Systematischen Theologie
legt Franz GRUBER einen persönlichen und sehr ausdifferenzierten Ansatz für seine
theologische Lehre in Linz dar. – In Freiburg legt Helmut HOPING zusammen mit Jan
Heiner TÜCK Wert auf eine im Lebenszusammenhang und in der Liturgie der Kirche
verankerte Dogmatik als systematische Darlegung christlicher Glaubenslehre in hermeneutischer
Erschließung für gegenwärtige säkulare Kontexte. – Von der Notwendigkeit
einer theologischen Systematik in der Lehrerbildung angesichts einer Skepsis gegenüber
allem Spekulativen und Weltanschaulichen handelt der Beitrag von Ralf
MIGGELBRINK. – Angesichts der anhaltenden Verwüstung der Erde greift Thomas
RUSTER die Neuscholastik auf, da diese als letztes großes System die biblische Codierung
des Wirklichkeitsverständnisses in Unterscheidung von Gott und Götter, Gott und
Himmel mit seinen Mächten und Gewalten gegen die neuzeitliche Totalerfassung von
Welt gehalten hat. - Hans-Joachim SANDER beschreibt das Zuendekommen von zahlreichen
bisher bestimmenden Problemlösungskonstellationen und sieht die Gottesrede
vor die Herausforderung einer kreativen Sprachlosigkeit gestellt. – Dorothea SATTLER
optiert für den notwendigen Mut der Theologie , nicht leicht beantwortbare Fragen aufzudecken,
zu existentialisieren und christologisch auf die Wahl des Lebens auszurichten.
- Mit diesem Heft startet eine Glosse, in der dieses Mal Alois HALBMAYR die Renaissance
der negativen Theologie kommentiert. - Der umfangreiche Rezensionsteil
wird eröffnet mit einer Sammelrezension zu ökumenischen Neuerscheinungen.
Ulrich Winkler



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last modified:  by A.-M. Weiß & U. Winkler