Salzburger Theologische Zeitschrift (SaThZ)


Editorial
Heft 2/2003
(Andreas M. Weiß)
 
Die Kulturen dieser Erde rücken näher zusammen. Weltweite Kommunikationsmittel,
Mobilität und wirtschaftliche Verflechtung, aber ebenso Probleme von
Entwicklung, Umwelt und Sicherheit machen bewusst, wie sehr wir in globaler
Vernetzung und Abhängigkeit leben und wie weit die Auswirkungen unserer Lebensgewohnheiten
reichen. Der Ruf nach einem globalen Ethos enthält die Hoffnung,
in gemeinsamen ethischen Grundprinzipien eine Basis für friedliches Zusammenleben
und eine gerechte Entwicklung zu finden. Religionen scheinen für
eine weltweite Friedensordnung zugleich Hindernis und Hoffnungsträger zu sein.
Das von Hans Küng initiierte Projekt Weltethos (www.weltethos.org) hat
sich der Verständigung über einen ethischen Grundkonsens unter den Religionen
verschrieben. Im November 2002 machte eine von der Stiftung Weltethos entwickelte
Ausstellung an der Salzburger Theologischen Fakultät Station. Im Eröffnungsvortrag
beschreibt der evangelische Religionspädagoge Johannes LÄHNEMANN,
selbst am Projekt Weltethos beteiligt, das Grundanliegen und skizziert
pädagogische Herausforderungen für die Umsetzung des Weltethosgedankens in
der Erziehung.
Die Überzeugung von der gleichen Menschenwürde und die Formulierung
von ethischen Mindeststandards in Form der Menschenrechte gewährleisten gegenwärtig
am ehesten einen kulturübergreifenden ethischen Grundkonsens, auch
wenn die westliche Genese des Menschenrechtsgedankens und die Wurzel im
Gegenüber von Staat und Individuum teilweise als Einseitigkeit kritisiert wird.
Gegen den Verdacht, Menschenrechte seien ein säkularer Ersatz für religiöse
Moral betont der Salzburger Moraltheologe Werner WOLBERT die positive Einbindung
der Menschenrechte in eine christliche Ethik. Er zeigt, wie Kirche und
Theologie die Menschenrechtsidee gegen säkulare Infragestellung oder Umdeutung
unterstützen können, zugleich aber herausgefordert sind, sie auch im Innenbereich
der Kirche konsequent umzusetzen. Der Wiener Moraltheologe Günter
VIRT, der selbst in vielfacher Weise in politische Konsultationsprozesse eingebunden
ist, beschreibt, welchen Chancen und Hindernissen der Beitrag theologischer
Ethik im gesellschaftlichen ethischen Diskurs zu dem besonders umstrittenen
Feld der Bioethik begegnet. Dieter WITSCHEN analysiert die bekannte Vorzugsregel,
nach der Pflichten der Gerechtigkeit Vorrang vor Pflichten der Liebe
haben. Der Beitrag von Franz NOICHL beinhaltet eine Auseinandersetzung
theologischer Anthropologie mit dem Modell des homo oeconomicus, das sich
aufgrund der gegenwärtigen Hochschätzung ökonomischer Rationalität als Leitbild
erfolgreichen Lebens aufdrängt. In einer Glosse kommentiert Ulrich
WINKLER die Eucharistiedebatte in der Folge des Ökumenischen Kirchentages in
Berlin.
Andreas M. Weiß
 



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last modified:  by A.-M. Weiß & U. Winkler