SOPhiA 2013

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programm - Vortrag

Zur Rationalität der Pflicht zum Whistleblowing in der Wissenschaft
(Wissenschaftstheorie, Deutsch)

Unisono fordern forschungsethische Ansätze im Sinne des Responsible Conduct of Research, der Good Scientific Practice und der Scientific Integrity, dass vermeintliches Fehlverhalten von Forschern durch die Mitglieder der Forschergemeinschaft angezeigt wird. Diese Pflicht zum Whistleblowing (Pw) wird in institutionellen Ordnungen, professionellen Ethiken und Empfehlungen zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung normalerweise als eine unbedingte Pflicht formuliert und durch den Hinweis ergänzt, dass ihre Nichterfüllung als ein wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne einer Mitwisserschaft anzusehen sei. In konkreten Entscheidungssituationen zeigt sich jedoch, dass Pw nicht bedingungslos erfüllt wird. Dabei werden Virulenz vermeintlichen Fehlverhaltens, angenommene Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Whistleblower und Beschuldigten oder Erfolgsaussichten eines Untersuchungsverfahrens gegeneinander abgewogen. Die Problematik wird außerdem durch Fallstudien verschärft, die nahelegen, dass Whistleblower selbst dann mit Vergeltungsmaßnahmen und individuellen Kosten zu rechnen haben, wenn sich ihre Vorwürfe in einem Untersuchungsverfahren erhärten ließen.

In meinem Vortrag werde ich dafür argumentieren, dass die unbedingte Formulierung von Pw von einem simplifizierten Wissenschaftsverständnis zeugt und die Erfüllung von Pw unter bestimmten institutionellen Rahmenbedingungen für die Mitglieder der Forschergemeinschaft irrational ist. Auf der Grundlage der Empfehlungen von C. K. Gunsalus und Eleanore G. Shore werde ich dann untersuchen, welche individuellen und institutionellen Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Befolgung von Pw rational ist.

Chair: Florian Boge
Zeit: 12:15-12:45, 13. September 2013 (Freitag)
Ort: HS 105

Alexander Christian
(Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Deutschland)

Alexander Christian (M.A.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und verfasst dort eine Dissertation zur Problematik des wissenschaftliches Fehlverhaltens in der akademischen Forschung. 2013 erschien sein erstes Buch unter dem Titel "Wissenschaft und Pseudowissenschaft. Ein Beitrag zum Demarkationsprobelm" bei Peter Lang.

Testability and Meaning deco