SOPhiA 2013

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programm - Vortrag

Reichenbach und das konstitutive apriori
(Erkenntnistheorie, Deutsch)

Am Anfang der 1920er Jahre modifizierte Hans Reichenbach im Zuge der Popularisierung der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) den kantischen Begriff des apriori. Diese Begriffsmodifizierung möchte ich im Vortrag herausstellen und durch ihre Geschichte andeuten, dass diese Idee immer noch leistungsstark ist, was man u.a. an Michael Friedmans Projekt in ''Dynamics of Reason'' sehen kann.

Zu diesem Zweck werde ich zunächst in aller Kürze Kants Begriff des apriori einführen, so wie der Begriff in der Kritik der reinen Vernunft und in den Prolegomena präsentiert wurde. Kant sah das apriori als (i) allgemein und als (ii) notwendig an. Den Fokus lege ich in meiner Darstellung auf die Formen der Sinnlichkeit, insbesondere auf der Konzeption des Raumes. Nachdem ich vorgestellt habe, dass Kant den Raum als genuin euklidisch versteht, werde ich grob erläutern was man unter euklidischer Geometrie versteht. Nach einem kurzen Ausflug in die Entwicklung der nicht-euklidischen Geometrien, komme ich zur ART und diskutiere deren Verbindung zur Geometrie. Da die ART in erster Linie eine Theorie über physikalische Größen ist, verwundert es zunächst, dass geometrische Überlegungen hier eine Rolle spielen. Im Rahmen dieser Ausführungen komme ich wieder zum kantischen Begriff zurück. Durch die Annahme der ART war der kantische Begriff des apriori für die wissenschaftliche Philosophie unhaltbar geworden. Hier nun setzt die Reichenbach'sche Modifikation ein, die darin besteht, dass die Bedingung (ii) aufgegeben wird. So wird versucht, den klassischen apriori Begriff mit der ART kompatibel zu machen. Diesen modifizierten Begriff nennt Reichenbach konstitutives apriori. Dieser Begriff lässt eine Formulierung des apriori zu, die einerseits erlaubt, dass es apriori Erkenntnisse, die unabhängig von jeder Erfahrung zu rechtfertigen sind, gibt, die aber andererseits durch die Tatsache, dass sie die Bedingungen der Erfahrung als veränderlich ansieht, den Einsichten der ART u.ä. gerecht werden kann.

Chair: Sebastian Kletzl
Zeit: 14:00-14:30, 13. September 2013 (Freitag)
Ort: HS 105

Andreas Joecks
(Universität Bielefeld, Deutschland)

Andreas Joecks (B.A.). Universität Bielefeld. 2009 Bachelor of Arts in Philosophie und Mathematik an der Universität Bremen mit einer Arbeit über Ludwig Wittgenstein und seine Philosophie der Mathematik. Studium der Philosophie, Mathematik, Informatik, Filmwissenschaften und Linguistik an den Universitäten Bremen, Oslo, Notre Dame (USA) und Bielefeld. Seit 2009 an der Universität Bielefeld beschäftigt, dort zunächst wissenschaftliche Hilfskraft, dann bis einschließlich heute Teaching Assistant für praktische und theoretische Philosophie, sowie im SoSe 2013 Lehrbeauftragter.

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