SOPhiA 2013

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programm - Vortrag

Wie ist Autonomie am Lebensende möglich?
(Ethik & Politische Philosophie, Deutsch)

Die Autonomie des Patienten ist im Bereich der Medizin eine noch junge Errungenschaft, die das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten verändert hat. Alle medizinisch angezeigten Behandlungen bedürfen nach einer vorausgehenden Aufklärung durch einen Arzt der Zustimmung oder Ablehnung des Patienten. Handelt ein Arzt ohne Zustimmung des Patienten, begeht er eine Körperverletzung. Der Arzt hängt also von der Entscheidung des Patienten ab. Wenn ein Patient bei Bewusstsein und volljährig ist und nicht unter dem Einfluss Dritter steht, d. h. wenn er kompetent ist, wird er sein Selbstbestimmungsrecht problemfrei wahrnehmen können, soweit er durch eine ärztliche Aufklärung die notwendigen Informationen erhält, die ihn neben seinen intrinsischen Fähigkeiten in die Lage versetzen, eine Entscheidung treffen zu können.

Anders sieht es mit den Vorausverfügungen aus, die Personen verfassen, um auch am Lebensende ihre Autonomie ausüben zu können. Die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung sind Formen stellvertretender Autonomie. Eine bevollmächtigte Person soll dringliche (medizinische) Entscheidungen für den und im Sinne des Vollmachtgebenden treffen, wenn er selbst dies nicht mehr kann. Die Patientenverfügung gilt als besondere Form der Vorausverfügung, weil eine kompetente Person für sich als einmal nicht mehr kompetente Person prospektiv ohne die sonst notwendige Aufklärung medizinische Entscheidungen trifft, die seit 2009 in Deutschland verbindlich sind.

An dieser Stelle fangen nun die ethisch relevanten Probleme an, die mit der Frage zusammenhängen, was der Begriff Autonomie in diesem Kontext bedeutet. Schon in den 1990er Jahren hat es in den USA eine Debatte über das Autonomieverständnis in Verbindung mit Vorausverfügungen gegeben. Diese Debatte wiederzubeleben lohnt sich, da mit der rechtlichen Regelung die Probleme der Bedeutung und Reichweite des Begriffs Autonomie nicht gelöst sind. Eine philosophische Begriffsklärung erscheint notwendig. Daher will ich mich kritisch mit zwei gegensätzlichen Positionen - einer individualistischen und einer relationalen - auseinandersetzen und dabei einen neuen Lösungsvorschlag vorstellen.

Chair: Marcel Warmt
Zeit: 17:30-18:00, 12. September 2013 (Donnerstag)
Ort: HS 104

Dorothea Kotalik
(Universität Potsdam, Deutschland)

Dorothea Kotalik (M.A.). Universität Potsdam. 2008 Magistra Artium in Philosophie und Literaturwissenschaft (Germanistik) mit einer Arbeit über das Verhältnis von Handlung und Vernunft bei Thomas von Aquin und Donald Davidson. Derzeit Promotion im Bereich der Angewandten Ethik.

Testability and Meaning deco