SOPhiA 2013

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programm - Vortrag

Der (glitschige) Fels des Atheismus - neuere probabilistische Überlegungen zum Theodizeeproblem
(Religionsphilosophie, Deutsch)

Die Erfahrung von Schmerz und Leid ist so erschreckend wie alltäglich und dementsprechend stark ist die Intuition, dies müsse gegen die Existenz eines moralisch vollkommenen Gottes sprechen. Das Problem ist alt und berechtigt, doch ist es bis heute nicht gelungen, eine befriedigende Formulierung des Problems des Übels zu geben. Im Vortrag möchte ich drei Ansätze charakterisieren, die heute maßgeblich die analytische Diskussion in der Religionsphilosophie prägen.

1) Starke Unvereinbarkeitsargumente, nach denen die Existenz Gottes und die Existenz des Übels logisch unvereinbar sind. Diese deduktiven Formulierungen wurden bald wieder verworfen, weil ihre Ansprüche zu hoch waren und Alvin Plantingas ''Free-Will-Defense'' als die theistische Standardantwort auf das sogenannte ''logical problem of evil'' tradiert wird.

2) Schwache Unvereinbarkeitsargumente, nach denen die Existenz des Übels die Existenz Gottes unwahrscheinlich macht. Die klassischen Versionen von William Rowe waren nicht befriedigend, weil sie induktiv zu schwach sind. In jüngster Zeit hat Michael Tooley ein noch wenig beachtetes induktives Argument vorgestellt, welches den gleichen induktiven Generalisierungsschluss enthält wie Rowe, aber wesentlich stärker die Konklusion stützt.

3) Bayesianische Formulierungen, nach denen die Existenz von Leiden in der Welt viel eher unter Annahme einer naturalistischen Hypothese zu erwarten ist. Daher sei diese der Hypothese des Theismus vorzuziehen. Solche Formulierungen sind vielversprechend, wobei kritisch gefragt werden muss, ob Theismus und Naturalismus sachgemäß als wissenschaftliche Hypothesen behandelt werden können, oder ob ihr ''großräumiger Charakter'' dies verbietet.

Die Schwierigkeiten, ein schlagkräftiges Argument aus dem Übel gegen den Theismus zu formulieren dürfen selbstverständlich nicht über die Relevanz des Problems für eine rationale Rechtfertigung des Glaubens hinwegtäuschen, um die jeder Theist bemüht sein sollte.

Chair: Alexander Gebharter
Zeit: 17:30-18:00, 12. September 2013 (Donnerstag)
Ort: HS 107

Marco Benasso
(University of Innsbruck, Österreich)

Marco Benasso (Mag.phil.fac.theol.), Universität Innsbruck, 2009 Diplomstudium Christliche Philosophie, DA über Alvin Plantingas "Evolutionary Argument against Naturalism". Dissertationsprojekt im Bereich der Religionsphilosophie zur Rationalität des Theismus angesichts der natürlichen Übel.

Testability and Meaning deco