SOPhiA 2013

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programm - Vortrag

Was ist ein rationaler Sprecher?
(Sprachphilosophie, Deutsch)

In der pragmatischen Strömung der Sprachphilosophie ist es gemeinhin üblich (1) , die Erklärungsansätze zum tatsächlichen Sprachgebrauch und der Kommunikation von Bedeutungen der Prämisse unterzuordnen, man habe es bei den handelnden Subjekten mit sogenannten ''rational speakers'' zu tun. Allerdings hat bisher keiner diese dem Sprecher unterstellte Rationalität genauer definiert.

Bei Grice finden wir jedoch Hinweise darauf, dass er durchaus an eine bestimmte Art von Rationalität denkt, die dem rationalen Sprecher zu eigen ist. So behauptet er beispielsweise, dass die Richtlinien, denen eine korrekt ausgeführte sprachliche Bemerkung folgt, auf generellen Prinzipien beruhen, die möglicherweise für jede Art rationalen Verhaltens gelten. (2) Erfolgreich zu kommunizieren ist also nur eine weitere Art, sich rational zu verhalten. (3) Charakteristisch für die Rationalität, wie Grice sie augenscheinlich versteht, ist die allgemeine Zielgerichtetheit des Verhaltens und eben auch des Sprechens, die Verfolgung eigener Interessen dabei, ebenso wie der Bezug auf den Kontext, in dem der (Sprech-)Akt stattfindet. (4)

In meinem Vortrag werde ich untersuchen, wie man aus den Hinweisen, die Grice uns liefert, eine Definition der Rationalität des Sprechers erarbeiten kann und welche Beziehung diese zu den bekanntesten ökonomischen und psychologischen Theorien etabliert.

Dabei werde ich zeigen, dass die Grice'sche Auffassung von Rationalität zu sehr den klassischen homo-oeconomicus-Theorien (5) gleicht, um der Kritik modernerer (Verhaltens-)Ökonomen (6) standhalten zu können.

Das heißt jedoch nicht, dass wir die Vorstellung eines rationalen Sprechers als Grundlage unserer Theoriebildung endgültig aufgeben müssen. Vielmehr bedarf es eines neuen Verständnisses von Rationalität, das die unbewussten funktionalen Prozesse in ein Gesamtbild der rational agierenden Person integriert, anstatt sie in den Bereich des Dunklen und Irrationalen zu verbannen.

Ich werde abschließend aufzeigen, wie uns eine solche Neudefinition von Rationalität helfen kann, den Begriff des ''rational speakers'' aufrecht zu erhalten und erfolgreich im Gesamtgefüge der pragmatischen Sprachphilosophie zu verwenden.

1 Siehe u.A. Grice 1989, Sperber und Wilson 1995, Carston 2012.

2 Grice 1989, S. 20.

3 Ebd., S. 28

4 Ebd., S. 26, 28, 30

5 Siehe u.A. Hutchinson 1938, Friedman 1953.

6 Siehe u.A. Kahneman und Tversky 1984, Simon 1986, Gigerenzer 2008.

Chair: Alexander auf der Straße
Zeit: 10:45-11:15, 13. September 2013 (Freitag)
Ort: HS 107

Theresa Marx
(Universität Heidelberg, Deutschland)

Theresa Marx has received her master's degree in Logic and Philosophy of Science in 2012 and is now a PhD candidate at Heidelberg university, working title: "Forms of rationality in linguistic communication".

Testability and Meaning deco