SOPhiA 2017

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programme - Talk

Are Moore's propositions the Foundation of our Belief-System?
(Epistemology, German)

Nach G. E. Moore umfasst der common sense wahres Wissen, welches keine Rechtfertigung benötigt. In 'A defence of common sense' (1925) beginnt Moore mit einer ausführlichen Liste von Sätzen, von denen er mit Sicherheit weiß, dass sie wahr sind: 'Derzeit existiert ein lebender menschlicher Körper, der mein Körper ist.', 'Dieser Körper ist zu einer bestimmten Zeit in der Vergangenheit geboren worden und existierte seitdem fortwährend.', oder 'Die Erde ist sehr alt.', etc. Da solche Wahrheiten nicht nur Moore, sondern jedem Menschen gewiss sind, nimmt er sie als unstrittige Prämissen in seinem Beweis der Außenwelt an. In 'Proof of an external world' (1939) schließt er beispielsweise: Hier ist eine Hand. Hier ist eine andere Hand. Also es existieren zwei menschliche Hände. Die Existenz zweier Hände zeigt, dass es eine Außenwelt gibt. Im Unterschied zu Moore vertritt Wittgenstein die Auffassung, dass es sich bei solchen Sätzen -- bekannt als Moore'sche Sätze -- im Normalfall nicht um Wissen handelt. Angesicht der klassischen Auffassung des Wissensbegriffs -- wahre gerechtfertigte Überzeugung -- sind solche Sätze, wie Wittgenstein behauptet, aus Mangel an Rechtfertigung kein Wissen.
Wenn Wittgenstein Recht hat und es sich bei den Sätzen des common sense nicht um Wissen handelt, gleichzeitig ihre Wahrheit aber gewiss ist, welchen Status haben die Sätze dann und welche Rolle spielen sie in unserem Urteilssystem? Wittgenstein beantwortet diese Fragen in 'Über Gewissheit' (1969) und seine vorläufige Antwort lautet, dass die Moore'schen Sätze die Prinzipien unseres Urteilssystems sind, womit er eine Zwischenposition zwischen Fundierungs- und Kohärenztheorie einnimmt. Im Vortrag werde ich diese Zwischenposition auf der Grundlage von 'Worauf man sich verlässt' (2007) von Andreas Krebs rekonstruieren. Das Ziel ist dabei, die Rolle der Moore'schen Sätze als Fundament unseres Urteilssystems zu diskutieren.

Chair: Franziska Poprawe
Time: 14:30-15:00, 14 September 2017 (Thursday)
Location: SR 1.005

Sara Ipakchi 
(Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Germany)

Sara Ipakchi studiert seit 2016 Philosophie (Master) und seit 2015 Mathematik (Bachelor) an der HHU Düsseldorf. Neben dem Bachelorabschluss in Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf hat sie einen Bachelorabschluss in Informatik an der University of Science and Culture in Teheran, Iran erworben.
Das Thema ihre Bachelorarbeit in der Philosophie lautet: 'konnexive Logik'. Sie interessiert sich innerhalb der analytischen Philosophie, besonders für Logik, Wissenschaftsphilosophie, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie. In diesem Vortrag stellt sie einen Abschnitt ihres Teamprojektes 'Woran können wir nicht zweifeln?' vor.

Testability and Meaning deco