SOPhiA 2018

Salzburgiense Concilium Omnibus Philosophis Analyticis

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Programme - Talk

Near Death Experiences - Operationalization and Definition
(Philosophy of Science, German)

Im Jahr 1975 analysierte Moody in einer qualitativen psychologischen Studie Berichte von Menschen, die klinisch tot waren und reanimiert wurden. Die Interviewten gaben an, sich an Erfahrungen während ihres Herzstillstandes erinnern zu können (=Nahtoderfahrungen bzw. NTE). Heute werden NTE mit quantitativen psychologischen Instrumenten wie Rings Weighted Core Experience Index oder Greysons Near Death Experience Scale empirisch untersucht.
Für empirische Nahtodforscher spielt auch die ontologische Interpretation von NTE eine wichtige Rolle. Nach einer reduktionistischen Interpretation (Braithwaite oder Jansen) sind NTE Halluzinationen, die durch ein sterbendes Gehirn verursachte werden. Nach einer realistischen Interpretation (Parnia oder van Lommel) haben NTE eine reale Basis außerhalb des Bewusstseins.
Ein wesentliches Problem bei dieser philosophischen Diskussion ist, dass der Ausdruck 'Nahtoderfahrung' mehrdeutig und vage verwendet wird. Rings und Greysons Instrumente erfüllen zwar methodische Standards wie Reliabilität und Validität und ermöglichen eine Operationalisierung von NTE, genügen aber nicht philosophischen Kriterien einer angemessenen Definition. Das führt vor allem bei der ontologischen Interpretation von NTE zu Scheindiskussionen von empirischen Wissenschaftlern, da aufgrund falscher Voraussetzungen aneinander vorbeigeredet wird.
Ich werde in meinem Vortrag zeigen, warum neben der Operationalisierung von NTE auch angemessene Definitionen nötig sind und u. a. folgende mehrstellige Prädikate definieren:
(1) Person x hat in der Zeitspanne z eine NTE im engeren Sinn (Asystolie)/im weiteren Sinn (Koma)
(2) Person x hat zum Zeitpunkt t eine Nahtoderinnerung
(3) Satzmenge m ist ein Nahtodbericht
Die Unterscheidung und Definition dieser Ausdrücke ist notwendig, um überhaupt verständliche ontologische Behauptungen über NTE aufstellen zu können (reduktionistisch oder realistisch). Ferner kann dadurch das generelle Diskussionsniveau in der Nahtodforschung gehoben werden.

Chair: Mariusz Maziarz
Time: 12:00-12:30, 13 September 2018 (Thursday)
Location: SR 1.005

Stefan Gugerell 
(Universität Salzburg, Österreich)

Stefan Gugerell absolvierte das Bachelorstudium Pädagogik sowie das Magister- und Doktoratsstudium der Philosophie an der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Seine Abschlussarbeiten behandelten wissenschaftstheoretische Themen. Seit 2018 absolviert er das Doktoratsstudium der Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg und beschäftigt sich in seiner Dissertation mit der ontologischen Interpretation von Nahtoderfahrungen. Hauptberuflich arbeitet Stefan Gugerell als Sozialwissenschaftler in der angewandten Bildungsforschung.

Testability and Meaning deco