SOPhiA 2019

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Why we should believe in an external world
(Ethics, German)

Gibt es eine von uns wahrnehmbare Außenwelt, oder sind wir nur ein "Gehirn im Tank"? Ein Lösungsversuch für dieses Problem stammt von Hilary Putnam. Laut Putnams Überlegungen beziehen sich die Ausdrücke 'Gehirn' und 'Tank' für ein Gehirn im Tank nicht auf ein echtes Gehirn und einen echten Tank (sondern nur auf Illusionen von einem Gehirn und einem Tank). Daher sei der Aussagesatz 'Ich bin ein Gehirn im Tank.' für ein Gehirn im Tank jedenfalls falsch. Putnams Argument kann allerdings nur zeigen, dass wir bei gewissen Interpretationen der Ausdrücke 'Gehirn' und 'Tank' kein Gehirn im Tank sind. Es kann hingegen nicht beweisen, dass unsere Wahrnehmungen tatsächlich auf eine von uns unabhängige Außenwelt schließen lassen.



Weder die Existenz noch die Nicht-Existenz einer Außenwelt kann letztendlich bewiesen werden. Allerdings lässt sich dafür argumentieren, dass wir im Zweifel aus moralischen Gründen eine Außenwelt annehmen sollen. Das in meinem Vortrag vorgebrachte Argument ist angelehnt an eine Pascal'schen Wette. Aus logischen Gründen sind nur zwei Szenarien denkbar:

(1) Realismus: Unsere Wahrnehmungen korrespondieren mit einer von uns unabhängigen Außenwelt.

(2) Solipsismus: Unsere Wahrnehmungen korrespondieren nicht mit einer von uns unabhängigen Außenwelt.



Falls (1) wahr ist, so existieren andere Menschen und Tiere (mit bestimmten Rechten oder Interessen) tatsächlich. Falls (2) der Fall ist, sind unsere Wahrnehmungen bloße Halluzinationen, und wir können nicht von der Existenz anderer Menschen und Tiere ausgehen. In diesem Fall steht einem radikalen ethischen Egoismus nichts im Wege, da wir keine moralischen Verpflichtungen gegenüber Halluzinationen haben. Falls (2) allerdings doch falsch ist, dann ist die völlige Ausklammerung aller anderer Lebewesen moralisch untragbar. Dadurch würde zu viel Leid in Kauf genommen bzw. zu viele Tier- und Menschenrechte verletzt. Im Zweifel -- der faktisch besteht -- ist also die Annahme von (1) aus moralischen Gründen geboten.


Chair: Christian Feldbacher-Escamilla
Time: 18:20-18:50, 18 September 2019 (Wednesday)
Location: SR 1.004

Stefan Gugerell 
(Universität Salzburg, Österreich)

Stefan Gugerell studierte Pädagogik und Philosophie an der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Seine Abschlussarbeiten behandelten wissenschaftstheoretische Themen. Seit 2018 absolviert er das Doktoratsstudium der Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg und beschäftigt sich in seiner Dissertation mit der ontologischen Interpretation von Nahtoderfahrungen. Hauptberuflich arbeitet Stefan Gugerell als Sozialwissenschaftler in der angewandten Bildungsforschung.

Testability and Meaning deco